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Die neue Welt · 1933-02-24 · Heft 285 (24.2.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 285 (24.2.1933)
Date
1933-02-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 285 DIB NETTE WEM? Seite T wir zogen auch nicht die letzte Konsequenz, sondern enthielten uns nur der Abstimmung. Heute aber, wo die jüdische Bevölkerung einer grenzenlosen Verzweiflung entgegengetrieben wird, muß ihre Vertretung im Sejm sich des stärksten parlamentarischen Mittels bedienen und gegen das Budgetstimmen. Katastrophale Not unter den jüdischen Studierenden in Warschau Aus Warschau: 16. Februar (J. T. A.) Eine Illustration für die Verarmung der jüdischen Bevölkerung Polens ist die Tatsache, daß sogar die Mehrheit derjenigen jüdischen Studierenden, denen es gelungen ist, in die Universität aufgenommen zu werden, nicht in der Lage ist, die Hochschulgebühren zu zahlen und deshalb zu den Examina nicht zugelassen wird. Die jüdischen akademischen Verbände intervenieren zugunsten dieser Zurückgewiesenen bei den Rektoraten und dem Volksbildungsministerium, bisher aber ohne jeden Erfolg. Hunderte jüdische Studierende in Warschau hungern buchstäblich und oft kommt es vor, daß jüdische junge Leute während der Vorlesungen und Uebungen vor Erschöpfung durch Hunger zusammenbrechen. Die Studenten-Darlehenskasse ist nicht mehr in der Lage, die an sie gestellten Ansprüche zu erfüllen. Au§tro* Palästinensischer WjrisdfaffscHensft Gesellsdialts* und Studienreise nach Palästina Am 28. Februar verläßt die vom Austro-Palästinensischen Wirtschafts-Dienst veranstaltete Studien- und Gesellschaftsreise Wien. An dieser Reise nehmen zirka 100 Personen teil, hauptsächlich Kaufleute, Industrielle, Rechtsanwälte, Aerzte und Ingenieure. Im Reiseprogramm, das einen 17tägigen Aufenthalt in Palästina vorsieht, wird den Teilnehmern nicht nur Gelegenheit gegeben, alle Sehenswürdigkeiten des Landes zu besichtigen, es ist vielmehr besonders vorgesehen, durch eine Reihe von Vorträgen den Teilnehmern Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse zu gewähren. Der Austro-Palästinensische Wirtschafts-Dienst hat dafür Sorge getragen, daß Vorträge von Fachleuten gehalten werden, die durch ihre Stellung im palästinensischen Wirtschaftsleben als berufene Fachleute gewertet werden können. Ueberdles haben alle Teilnehmer Gelegenheit, sich in Spezialfragen durch die Vertrauenspersonen des Austro-Palästinensischen Wirtschaft-Dienstes eingehend informieren zu lassen. Selbstverständlich werden die Reiseteilnehmer Gelegenheit haben, die bereits zur Marke gewordenen Festlichkeiten des „Purim in Tel-Awiw" mitzumachen. Ein Großteil der Reiseteilnehmer verbindet diese Reise mit einer Exkursion nach Aegypten; es wurde selbstverständlich auch für diesen Ausflug in jeder Hinsicht bestens gesorgt. Die Reiseleitung hat Frau Berta Taubes inne, die bereits das vierte Mal Reisegesellschaften nach Palästina führt. Ueberdies wird sie in der Führung im Lande von Herrn Prof. Marmarosch unterstützt. Das große Interesse, das diese Gesellschafts- und Studienreise, zu der sämtliche Plätze vergriffen sind, fand, gibt dem Austro-Palästinensischen Wirtschafts-Dienst Veranlassung, bald wieder eine solche Reise zu veranstalten. Palästina ohne Hypothekenbank Von D. Smilansky (Tel-Awiw) Smilansky ist Obmann des Verbandes der jüdischen Kolonisten in Palästina und allgemein anerkannter Wirtschaftsführer. Ich habe schon früher, bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Notwendigkeit der Gründung einer großen Hypothekenbank hingewiesen. Die Sache ist von so großer Wichtigkeit, daß ich mir wohl erlauben darf, sie näher zu begründen. Tel-Awiw hat eine fast beispiellose Entwicklung genommen. Diese Stadt kann mit Recht als modernste Stadt angesehen werden. Sie ist ausgezeichnet mit Wasser, Licht- und Kraftstrom versorgt, besitzt breite, schöne Straßen, Alleen und teure Bauten. Auch In sanitärer Hinsicht steht sie auf der Höhe. Um das Tempo der Entwicklung zu ermessen, genügen zwei Ziffern. Im Jahre 1921 zählte die Stadt 242 Häuser und 8604 Seelen. Im Jahre 1982 zählte sie 4500 Häuser mit über 55.000 Seelen. Tel-Awiw ist heute Zentrum der Industrie und des Handels, nicht nur für Palästina, sondern für den ganzen nahen Orient. In dieser Stadt befinden sich alle großen Banken des Landes, wie Anglo-Palestine Co., Barkley's Bank, Banco dl Roma, die Ottomanische Bank wie auch eine ganze Anzahl kleinerer Banken und Kooperativen. , All diese Finanzinstitutionen wachsen von Jahr zu Jahr. In Tel-Awiw existieren heute viele Fabriken: Webereien, Spinnereien, Lederfabriken, Galanteriewarenerzeugungen, Eis-, Schokolade- und Konservenfabriken. Die Industrie beschäftigt täglich über 7000 Arbeiter voll. Alle Bauten sind entsprechend den neuesten gesetzlichen Vorschriften errichtet worden. Die Bauten allein repräsentieren einen Wert von 12 Millionen Pfund, Welche mit nur 80 0.0 00 Pfund belastet sind. Das bedeutet ungefähr 7 Prozent des gesamten Wertes. In anderen Ländern könnte man auf diese Bauten einen Kredit bis zu 75 Prozent des Gesamtwertes be- Der Kluge denkt schon jetzt daran daß es für den Kenner und Feinschmecker zuPessach nichts B«Si«r«t gibt, als die auf höchster Stute stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das b«tt« und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Eizeugnls bekannt und beliebt! ein Virnich wfrtf Sl« b«g«ltf«rn! Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Obeirabbiner Babath — Die Mazzoth werden aus dam feinsten Mail er saugt 1 Verlangen Sie die neu«, besonders schmackhafte Schmidt-1 Mazzoth I SPEZIAL-MARKE „N.B." Zentrole: N, BfOdetlkl, II, Leopoldsgasse 43 .MAZZOTHI GRIESS u. FARVEL I Tal. A-46-1-90 A-60-2.63 A-41-9.32 In allen besseren Geschäften erhältlich I kommen. Dabei ist noch die Entwicklung in den letzten zwei Jahren zu berücksichtigen. Im Jahre 1931 wurden 262 Neubauten mit 1075 Zimmern, im Jahre 1932 wurden 448 Neubauten mit 3725 Zimmern errichtet. Trotzdem sich die Zahl der Bauten riesig erhöht hat, ist heute noch ein Mangel an Wohnungen bemerkbar. Wir verspürten diesen Mangel besonders während der Ausstellung im Jahre 1932. Jetzt werden schon ganz große Vorbereitungen für die Ausstellung des Jahres 1934 getroffen. All das beweist, daß Tel-Awiw ausersehen ist, einer der wichtigsten Punkte im Oesamtverkehr des nahen Orients zu werden. Auch das Hinterland Tel-Awiws vergrößert sich von Jahr zu Jahr. Orangen, Trauben, Limonen und andere Edelfrüchte gehen durch diese Stadt ins Ausland. Während der letzten zehn Jahre haben Privatpersonen im Hinterlande Tel-Awiws an dreißig Billionen Pfund investiert. In Boden, Bauten und Industrien. Für Judäa und die Saronebene, für einen TeU Samarias bleibt Tel-Awiw der Im- und Exportplatz. Die Banken sind reich geworden, verleihen aber das Geld nur kurzfristig und zu sehr hohem Zins. Was Tel-Awiw braucht, ist langfristiger Hypothekarkredit. Die in Tel-Awiw existierende Hypothekenbank ist zu klein und zu arm im Vergleich zu den hohen Institutionen im Lande. Auch die Zinsen sind viel zu hoch im Verhältnis zum Zinsfuß in Europa. Auch die Afrika-Palestine Oo. ist zu arm, um große Aufgaben zu erfüllen. Das Geschäft wäre zweifelsohne rentabel. Ich bin dessen sicher, daß es im Lande selbst nicht schwer fallen würde, Obligationen einer solchen Bank anzubringen. Es ist geradezu grotesk, daß viele ihr Geld in fremden palästinensischen Banken zu 1 Prozent pro anno liegen lassen, und selbst keine Initiative ergreifen. Eine Hypothekarbank in Tel-Awiw würde ein ungeheuer großer Faktor beim Aufbau des Landes werden. Diese Institution muß mit Hilfe des Jitschuws geschaffen werden. Eine neue Mittelstandskolonie Zwischen dem Jüdischen Nationalfonda und der Vereinigung der Kleinkaufleute in Tel-Awiw wurde ein Vertrag abgeschlossen, demgemäß der J. N. F. achthundert Dunam Boden in Waadi-Hawarith für vierzig Familien zur Besiedlung zur Verfügung stellt. Jede Wirtschaft erhält 20 Dunam Boden. Die Wirtschaften werden gemischte sein. Die Siedler übersiedelten bereits auf ihre Parzellen. Die Kosten der kolonisatorischen Arbeiten werden von Siedlern selbst bestritten werden. „Kfar-Mosche" Die Organisation des „Bne-Binjamin" (Söhne der Kolonisten) geht daran, eine neue Kolonie „Kfar- Mosche" zu gründen. Auch Mittelständler, die ihren Wohnsitz vorläufig noch im Auslande haben, werden aufgenommen. Aus Lettland Aus Riga wird gemeldet: Der Führer der lettländischen Nationalsozialisten Stelmacher, der früher Deutsche und Juden in gleicher Weise bekämpfte, hat seit dem Siege Hitlers in Deutschland eine Schwenkung vollzogen und sammelt nun seine Kräfte ausschließlich zum Kampf gegen die Juden. Eine von ihm in Riga einberufene Versammlung zog große Massen, der Rigaer nicht jüdischen Bevölkerung an. Stelmacher forderte in seiner Rede die vollkommene Isolierung der jüdischen Bevölkerung, den Boykott jüdischer Läden usw. Insbesondere appellierte er an die lettischen Frauen, jeden Verkehr mit Juden zu vermeiden. Lettland allein, sagte Stelmacher, kann das „jüdische Joch" nicht brechen, aber gemeinsam mit gleichgesinnten europäischen Völkern wird doch die „Herrschaft der Weltjudenheit" niedergerungen werden. ' Unter dem Einfluß der Agitation Stelmachers hat die Generalversammlung der Vereinigung der Friseure beschlossen, Juden von der Mitgliedschaft auszuschließen. Das Präsidum des Verbandes jüdischer Gewerbetreibender hielt eine Sondersitzung ab, um Maßnahmen zur Rettung der durch diesen Ausschluß in ihrer Existenz bedrohten jüdischen Friseure zu ergreifen. Die jüdischen Zeitungen Lettlands weisen auf das Ansteigen der antisemitischen Welle in Lettland seit dem Siege Hitlers in Deutschland hin und fordern von der Regierung Maßnahmen gegen die nun offen zutage tretende Pogromagitation. Radau-Antisemitismus in Manchester Aus Manchester: Auf einer Tagung jüdischer Führer Manchesters wurde über Maßnahmen gegen sich häufende radauantisemische Akte, die von einer kleinen, aber um so lärmender auftretenden Gruppe ausgehen, beraten. In der letzten Zeit wurden durch die Fenster der Talmud-Thora-Schule und des talmudischen Kollegs, sowie in die Privatwohnung einer jüdischen Familie, in der eine Frau schwer krank darniederliegt, in Papier gewickelte Ziegelsteine geschleudert: die Papierhüllen trugen die Aufschriften: „Nieder mit den Juden!", „Die Juden sollen verrecken!". Zettel ähnlichen Inhalts wurden an die Wände jüdischer Häuser, auch an das Haus des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Nathan Lasky, geklebt. In der Tagung wurde beschlossen, gegen die antisemitische Gruppe alle gesetzlichen Maßnahmen zu ergreifen. Die Presse in Manchester widmet diesen Zwischenfällen große Aufmerksamkeit und verurteilt einmütig das Treiben einer verantwortungslosen Gruppe. Jehiida Ehrenkranz'Rezitat Ionen In der Zeit, da Jehuda Ehrenkranz ausschließlich jiddische Dichtungen interpretierte, schob man ihm gerne das Lob zu, er sei eine seltene Erscheinung auf diesem so engbegrenzten rezitatorischen Gebiet; ein Eigenbrötler in Dingen des rezitatorischen Stoffbereiches; ein privater Entdecker rezitatorisch wirksamer Gebilde. Seine zwei letzten Wiener Vorlesungen, „Tschechische Autoren" und „V i s i o n e n", haben nun die Erweiterung seiner Absichten bezeugt. Er hat Dichter gesprochen, mit denen ihn die Freude völliger Ausschöpfungsmöglichkeit verbindet; er hat Prosa gelesen, deren Form er erst im Prozeß des „Vortragens" bewältigen konnte, jeweils wird bewältigen müssen. So entsteht an jedem Vortragsabend, mag Ehrenkranz auch daheim die Materie durchleuchtet haben, für den Vorleser selbst immer wieder das Wunder des Neuschaffenmüssens. Stimme, Auge, Hände, Arme müssen hier Dienst tun. Das Werk wird erst am Abend fertig. Es kommt zu neuen Mischungen, Modulationen,* Tonhöhen und Tonstärken, allerdings oft von der Gefahr bedroht, daß die einzelnen Dichtungen, die einzelnen Dichter ihr Eigenleben verlieren. Gefahr! Ehrenkranz bannt sie durch die ihm angeborene Hellhörigkeit, durch das Fingerspitzengefühl für ästhetische, akustisch-dynamische Reize. Er ist auf dem Wege, sich in Wien auch als Interpret „außerjüdischer" Dichtung Resonanz zu verschaffen. Seine letzten „deutschen" Pultabende wirkten . erzieherisch. o. r. Susi Mirjam tanzt Donnerstag, den 2. März 1933, halb 8 Uhr abends, im Großen Saale der Urania, ein vollständig neues Programm. — Karten von S 2.25 bis 4 im Vorverkauf an den Kassen der Urania, I., Aspernplatz 5, Tel. R-48-2-46 und L, Schottenhof, Tel. U-28-3-58. „Ho-ruck nach Palästina" Eine politische Revue von Bobby Weiser. Zunächst das Stück. Es bewegt sich auf absolut hohem Niveau, ist fast überladen mit geistreichen Pointen, Seitenhieben und Vergleichen. Stellenweise macht der Autor allerdings Konzessionen an aas breite Publikum, die den Wert des Stückes beeinträchtigen. Davon abgesehen, hat das Stück jedoch viel Inhalt, Witz und Ironie und ist weit davon entfernt, bloß ein seichtes Unterhaltungsstück zu sein. Man kann von dem jungen Autor noch viel Wertvolles erwarten. — Die Aufführung entsprach nicht den Qualitäten der Revue« Durch straffe Regie, durch Auswechslung einiger Darsteller, durch Kürzung wird noch viel zu verbessern sein, Immerhin waren einige Kräfte ganz vorzüglich bei der Sache, so Herr Göttinger, Herr Raab, der Autor selbst und der vielseitige Bruno Klein, der sich bereits im „Wahlkabarett" anläßlich der Kultuswahlen angenehm bemerkbar machte. Durch ansprechendes Stimmaterial fiel Lilly Wien—Einschiffungshafen, Ueberfahrt bei voller erst*

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