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Die neue Welt · 1933-02-24 · Heft 285 (24.2.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 285 (24.2.1933)
Date
1933-02-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 286 DIE NEUE WELT Seit»* Juden verkaufe. Das transjordanische Parlament hatte vor einer Reihe von Jahren beschlossen, dem Emir Abdallah ein Gebiet von 67.000 Dunam Boden zu überantworten. Laut des Berichtes der englischen Regierung Uber die Verwaltung Transjordaniens im Jahre 1931 handelt es sich bei diesem Boden um 62.000 Dunam unbesiedelten und unentwickelten Gebietes im Jordantal, der Rest liege auf dem Hochland in der Nähe von Amman und ist vom Emir an einige türkische Familien verpachtet worden. Dem Emir wurden 3000 Pfund zur Entwicklung dieses Gebietes zur Verfügung gestellt. Die arabische Presse Palästinas behauptet, die Palästina-Regierung beabsichtige, das transjordanische Grenzverteidigungskorps so zu reorganisieren, daß es sich zur Hälfte aus Juden zusammensetzt, damit dieses Korps, wenn Transjordanien jüdischer Siedlung erschlossen wird, den Schutz der jüdischen Siedler Ubernehmen könne. Die palästinensisch-arabische Zeitung „Meraat el Shark" spricht in einem Artikel die Drohung aus, daß es zu Blutvergießen kommen werde, wenn Juden als Siedler nach Transjordanien gehen. In Palästina, schreibt die Zeitung, werden die Juden durch den Ozean ge-' schützt, in Transjordanien aber gibt es keinen Ozean, Transjordanien grenzt an die endlose Wüste, und die Männer der arabischen Stämme sind so zahlreich wie der Sand in der Wüste. Mehrere führende transjordanische Scheichs sandten Telegramme an den Großmufti in Jerusalem und an die Arabische Exekutive Palästinas, in denen sie Ihrer Entrüstung über die gegen den Emir Abdallah geführte Agitation Ausdruck geben und erklären, eine Fortführung dieser Agitation könne einen Bruch zwischen den Arabern beider Länder zur Folge haben. Die ununterbrochene Propaganda der. palästinensischen Araber gegen den Emir Abdallah hat diesen veranlaßt, ein Kommunique herauszugeben, in dem er — nun zum zweitenmal — erklärt, er beabsichtige nicht, irgend einen Teil seines Bodens In Transjordanien an Juden abzugeben. Emir Abdallah bedauert, daß die palästinensischen Araber in seine erste Erklärung Zweifel gesetzt hatten und schließt mit der Mitteilung, er habe das in Frage stehende Land als eine Gabe des Volkes mit Dank empfangen, und wenn er auch nicht in der Lage sein sollte, dieses Land mit Hilfe eigenen Kapitals zu entwickeln, so werde er es — als Erinnerung an das Wohlwollen des Volkes für ihn — in dem Zustand lassen, in dem es sich befindet. Die arabische Presse Palästinas erklärte in bestimmter Form, daß der englische Regierungsvertreter in Amman den Emir Abdallah aufgesucht und ihn dringend gebeten habe, die Angelegenheit der Verpachtung von Boden an Juden zu verschieben, weil die Hereinlassung von Juden nach Transjordanien geeignet wäre, die öffentliche Sicherheit zu gefährden. Auf Anfragen der J. T. A. bei verantwortlichen jüdischen Führern, ob zwischen dem zweiten Dementi des Emir Abdallah und dem Besuch des britischen Regierungsvertreters beim Emir ein Zusammenhang bestehe, erklärten diese, sie seien im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in der Lage, etwas darüber zu sagen. * Besondere Aufmerksamkeit erfordert das heimtückische Doppelspiel der englischen Regierungsorgane. Erst haben sie Emir Abdallah gezwungen, mit den Juden zu brechen. Dann lassen sie in Palästina das Gerücht verbreiten, England habe ein Interesse an der jüdischen Siedlung in Transjordanien als Bollwerk gegen die Araber. Dann wieder wird das Gerücht ausgestreut, der englische Vertreter in Transjordanien habe den Emir neuerlich gedrängt, die Verbindung mit den Juden zu lösen. Was ist der Zweck dieser perfiden Intrige? Juden und Araber noch mehr auseinanderzubringen. Aber in Genf, vor dem Völkerbund, beteuert der Gouverneur, die Palästina-Regierung habe nur eine Aufgabe: Araber und Juden zu versöhnen und das jüdische Siedlungswerk zu fördern! Jagd auf jüdisch« Sdimusgler 15 Jahre nadi der Balfour-Deklaration — „Immerhan" auch Juden I Die Grenze zwischen Syrien und Palästina ist jetzt der Schauplatz einer großangelegten Jagd auf jüdische Schmuggler. Sonderbare Schmuggler! Sie schmuggeln keine fremden Waren, sie schmuggeln sich selbst. 15 Jahre nach der Balfour-Deklaration, die den Juden ihren Staat zusprach, müssen von Sehnsucht und Not getriebene Juden auf beschwerlichen Umweg«! zu den Grenzen Palästinas wandern, um sich dann bei Nacht und Nebel ins „verbotene" Land einzuschleichen. Diese Verbrecher! Aber man hat ihrem schändlichen Treiben ein Ende bereitet. Die britische Palästina-Regierung tut ihre Pflicht ... * Der Leiter des Einwanderungsamtes der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, Herr Dr. W. Senator, richtete an alle Palästina-Aemter nachstehendes Rundschreiben: In der letzten Zeit sind von unverantwortlichen Einzelpersonen, aber auch von Organisationen, gegen .Geld Versuche gemacht worden, „Touristen" über Syrien nach Palästina einzuschmuggeln. Ich bringe Ihnen einen Auszug aus einem ausführlichen Berichte über diese Angelegenheit zur Kenntnis: „In Syrien befinden sich augenblicklich etwa 60 Personen der verschiedensten Gruppierungen aus Polen, die . am Ueberschreiten der Grenze, nach Palästina gehindert wurden. Die Lage dieser Personen wird natürlich von Tag zu Tag gefahrlicher. Man hat von diesen Leuten 37 bis 50 Pfund für die Reise nach Palästina genommen, je nachdem ob es sich um Reisende der III. oder der n. Klasse handelte. Man berichtet uns u. a. folgendes: Eine Gruppe wurde nachts 7 Stunden zu Fuß durch die Berge geführt in Begleitung eines Juden und eines Arabers als Führer. Mehrere Male mußten die Leute, unter ihnen auch Frauen, sich auf den Boden werf en, damit man sie nicht sieht. Es war sogar ein vierjähriges Kind dabei. Die Palästina-Regierung hat Kenntnis von diesen Versuchen der Grenzüberschreitung erhalten und läßt die Grenze scharf bewachen und als Resultat davon bleiben die Leute, die diesen Versuch machen, in Syrien ohne jede Mittel und sind z. B. von der palästinensischen Grenze aus zu Fuß zurückzugehen gezwungen worden, da sie keine Mittel mehr besaßen. In einem Fall sind die „Touristen" nachts in ein Grenzdorf gekommen, sahen ein erleuchtetes Haus, kamen herein — und dieses Haus war die Polizeistation." Leider scheinenden mit diesen Versuchen wiederum zionistische Gruppierungen zu beschäftigen und ich fordere hiermit alle Palästina-Aemter auf das dringendste auf, alle Personen, die auf diese Weise von Einzelpersonen oder Gruppen verführt und zum Teil betrogen werden, zu warnen. . •. * Ja, man sieht „fremde" Juden nicht allzugerne im jüdischen Nationalheim. Man preßt den Einwanderungsstrom in ein enges, langes Rohr und läßt ihn nur tropfenweise einfließen. In einem Meere von Elend und Haß muß der Jude jahrelang auf ein „Zertifikat" warten. (Gewöhnlich hat er bis dahin sein Letztes aufgegessen.) Wenn er doch ins Land kommt, erfährt er eine „liebevolle" Aufnahme durch die Behörden. „Kopisteuer" muß er zahlen, wie das liebe Vieh. Ja, man sieht sie nicht gerne im Lande, diese „fremden" Juden. Zur Illustration! Die Palästina-Regierung hat in de^f Bucht von Half a Boden zu verpachten. Dazu meldet die Jüdische Telegraphenagentur aus Jerusalem: „Demnächst wird in der „Palestine Gazette" eine offizielle Mitteilung der Regierung erscheinen, wonach ein großer Teil des dem Meere abgewonnenen Bodens parzelliert in Pacht für 49 Jahre mit Optionsrecht für weitere 49 Jahre vergeben wird. Britische Staatsangehörige sollen bei der Pacht bevorzugt werden. Immerhin haben auch Juden anderer Herkunft Gelegenheit, Boden für Industrieanlagen zu pachten." Ja, Palästina entwickelt sich, gleicht sich dem lieben Europa an. Schon gibt es auch dort „Bodenständige" und „Zugereiste", Juden erster und zweiter Kategorie. Soll Palästina boI§diewi§fi§di werden? Von B. Sternberg (Hengelo, Holland). Nachstehenden Artikel hat ein in der landwirtschaftlichen Hachscharah (Vorbereitung für Palästina) in Holland arbeitender Ctialuz der „Neuen Welt" eingesendet. Anstoß zu dem Artikel gab der Umstand, daß dort mehrere Chaluzim wegen kommunistischer Umtriebe ausgeschlossen wurden. Die-Gemaßregelten waren durchwegs Mit- . : glieder der sozialistischen Jugendorganisation „Hechaluz". Die Histadruth Haowdim (sozialistische Arbeitergewerkschaft in Palästina) hat vor einiger Zeit Leute nach Europa geschickt, welche Hachscharah-Kreise aufsuchen und dort die Chaluzim nach ihrer „Weltanschauung" befragen. :.'../ Warum tut dies die Histadruth? In Palästina häufen sich die Fälle, daß Mitglieder der Histadruth die Organisation verlassen und zum Kommunismus Ubergehen. Dabei wurde festgestellt, daß es meist Chaluzim sind, die erst vor kurzer Zeit ins IrfMWl .kernen, . .Daraufhin gab die Histadruth folgende Instruktion aus: Die Chawerim auf der Hachscharah müssen dahin belehrt werden, daß wir keine Kommunisten, sondern immer nur Sozialisten sind. Wir werden dafür sorgen, daß nur jene Chawerim ins Land kommen, von denen wir wissen, daß sie mit dem Kommunismus nichts gemein haben. Gesagt — getan. Die sozialistischen Jugendführer fuhren nach Europa, um die Chaluzim zu belehren und (wie wir es nannten) zu „untersuchen". Natürlich griff man auch bei dieser Gelegenheit den Revisionismus und den Brith Trumpeldor an. Das ist ja schon eine liebe Gewohnheit. (Was die Revisionisten mit dem Kommunismus zu tun haben, kann wohl kein Mensch sagen. Aber bei Aktionen für den Keren Hajessod beschimpft man sie ja auch!) Den Chawerim wurde der Sozialismus fester eingeprägt und sie wurden Uber die Gefahren des Kommunismus aufgeklärt. Was die „Untersuchung" in den einzelnen Ländern ergab, ist mir nicht bekannt. Es ist ja auch minder interessant. Sehr interessant ist aber die Erscheinung — Jabotinsky hat sie vor Jahren vorausgesagt —, daß Mitglieder der zionistisch-sozialistischen Jugendorganisationen immer häufiger und zahlreicher zum Kommunismus Ubergehen. Heute ist es bereits so weit gekommen, daß sich die Histadruth gezwungen sieht, Maßnahmen zu treffen* welche dem Uebertrltt Halt gebieten sollen. Sie scheut hiebei keine hohen Ausgaben. Der Histadruth wird es aber nie gelingen, diese Gefahr abzuwenden, solange ihre eigene Ideologie vom Geist des Klassenkampfes beherrscht wird. Wenn diese Menschen uns sagen: Der jüdische Plantagenbesitzer ist ein Ausbeuter, Jabotinsky ist der Arbeitermörder, ihr seid Faschisten . . . Warum sollen die Chaluzim nicht daran glauben? Sie sind Idealisten und sprechen vom Herzen. Als ein Chaluz von uns Abschied nahm, sagte er wörtlich: „Ich gehe nach Palästina, um zusammen mit dem arabischen Proletariat gegen die Bourgeoisie zu kämpfen." Er wird bestimmt Wort halten. Die Leitung der kommunistischen Partei Palästinas besteht zum größten Teil aus Juden, welche früher Mitglieder des von der Zionistischen Organisation bevorzugten „Haschomer Hazair" waren und die mit Zertifikaten eingewandert sind, welche die Zionistische Organisation ihnen gegeben hat. Auf der Hachscharah ist man Kommunist in Theorie, kommt man nach Palästina — inPraxis. In der zionistischen Welt kennt man nur zu gut die Einstellung z. B. der rumänischen Mitglieder vieler linker Jugendorganisationen. Man weiß nur zu gut, wie sie zum Kommunismus stehen. Die sogenannte Kulturarbeit, die dort auf dem Moschawoth geleistet wird, soll die Histadruth gerade besonders gut studieren. Und gerade in Rumänien hat man von, sage und schreibe, 2 00 Zertifikaten dem nicht - klassenkämpferischen Betar nur 13 zugewiesen. Alle anderen den „Klassenkämpfern". Der kommende Zionistenkongreß steht vor der Aufgabe, sich darüber gründlich Rechenschaft zu geben, wer eigentlich die Menschen sind, die nach Erez- Israel geschickt werden, und in den Palästina-Aemtera diesbezüglich ein für allemal Ordnung zu schaffen. Die Histadruth aber fragen wir: Welche Jugend bringt dem Lande Schaden? Warum wundert ihr euch, daß in Palästina so viel Kommunisten auftauchen? Gebt dem Betar und der Misrachi mehr Zertifikate, dann werdet ihr sehen, daß die Kommunisten immer weniger werden! Lobl Taubes als Jubilar Einer der ersten Pioniere des nationalen Judentums, der auf unzählige Zöglinge seiner jahrzehntelangen zionistischen Erziehungsarbeit hinzuweisen vermag, man kann sagen: der Vater des Zionismus im Osten des alten Oesterreich, wird 70 Jahre. Es ist Löbl Taubes, dessen ersprießliche Tätigkeit auch in seinem letzten Wiener Domizil allbekannt ist. Ein Komitee hat nun beschlossen, den alten Freund und Führer zu feiern. Dem Komitee gehören die zionistischen Organisationen, der Verband der Ostjuden, der Misrachi und viele andere an sowie zahlreiche Persön« lichkeiten und Schriftsteller. Unter anderen geplanten Ehrungen für den Jubilar wird in der Purimwoche ein Bankett veranstaltet, bei dem alle Freunde Taubes' willkommen sind. Auch wird eine Stiftung auf den Namsn Taubes im Rahmen des Keren Kajemeth errichtet. Tagung des Farteirates der Zionisten-Revisionisten Das Londoner Büro der Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten teilt mit: Die Sitzung des Welt-Parteirates der Union wird am 19. und 20. März in Kattowice abgehalten. Im Anschlüsse findet eine Beratung der s c h e k e 1zahlenden Mitglieder des Parteirates bezüglich der Organisierung des bevorstehenden Kongreßkampfes statt. Die polnische Regierung hat auf Ersuchen des Exekutivkomitees die Erlaubnis zur Abhaltung der Sitzung in Kattowice erteilt und die polnischen Konsulate im Ausland dahin instruiert, allen nach Kattowice fahrenden nichtpolnischen Mitgliedern des Parteirates unentgeltliche Visas zu erteilen. Die Vertreter können sich also an die polnischen Konsulate ihrer Länder um Erteilung von unentgeltlichen Visas wenden,

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