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Die neue Welt · 1933-02-24 · Heft 285 (24.2.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 285 (24.2.1933)
Date
1933-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Beitel Nr. 285 Mei'r tiroßmann an die palästinensische Judenheii Große Rede in TeKAwfw Meir Groß mann, der Vizepräsident der Revisionistischen Union, hielt sich die letzten Wochen in Palästina auf und nahm die Gelegenheit wahr, der palästinensischen Judenheit die Bedeutung der revisionistischen Bewegung fUr die zionistische Organisation und den Aufbau des Landes vor Augen zu führen. Im nachstehenden veröffentlichen wir in gedrängter Form die Rede, die Meir Großmann vor Uber 3000 Zuhörern in Tel-Awiw hielt. Ich habe heute die. große Ehre, zum erstenmal in der jüdischen Stadt Tel-Awiw zu sprechen. Ich fohle auf mir die große Verantwortung für all das, was ich euch sage; denn ich bin hierhergekommen, nicht nur, um euch y Grüße aus der Diaspora zu überbringen, nicht nur um zu sehen und zu lernen, sondern um die Stellungnahme der revisionistischen Weltbewegung zu allen lebenswichtigen Problemen des Aufbaues festzulegen. Nach den ersten Wochen meines Aufenthaltes im Lande wurde mir klar, daß solch eine Formulierung unserer Ansichten dringend notwendig sei. In keinem anderen Lande der Welt hört man so viel Unwahres, Entstelltes, Ja Lügenhaftes Uber die Ziele unserer Bewegung wie hier. Ohne Fresse, ohne Beamtenapparat und ohne Fonds stehen wir im Kampfe gegen unsere Gegner und Verleumder. Wir besitzen nur eine einzige Waffe: das freie Wort. Ich benütze daher diese für mich seltene Gelegenheit, um zum ganzen Jischuw zu sprechen, zu allen Juden im Lande. Ich. besuchte das Land im Jahre 1922 und im Jahre 1925; also zu einer Zelt der großen Krise und zu einer Zeit des Aufbaues. Zur Zeit der Krise sagte man hier: „Es ist unser Traum nur Traum geblieben." Zur Zeit des „Trask" läutete man durch alle Glocken der Fonds: „Wir haben schon alles erreicht." Schon damals sagten wir Revisionisten: „Uebertreibt nicht!" Denn in Wirklichkeit Ist dieser große Aufschwung nur ein kleiner Anfang unseres Werkes. Bei diesem meinem Besuch finde ich die ökonomische Lage recht gut. Tel-Awiw, die Saron-Ebene und ein Teil des Emek entwickeln sich gut. Was besonders auf den frischen, neuen Menschen im Lande wirkt, ist die Zuversicht. Diese sagt: „Wir haben allem standgehalten. Heute gibt es keinen anderen Weg als weitere Eroberung des Landes. Es gibt keinen Weg zurück." Und das ist die Hauptsache. Wenn es uns trotz des aktiven Widerstandes der Regierung gelungen ist, das m schaffen, was ist, was könnten wir, schaffen, wenn diese Hindernisse beseitigt wären! Als ich durchs Land wanderte, ging, so vieles durch meine Sinne. Wir hatten recht in unserem Glauben. Es gibt eine Möglichkeit, in diesem Land einen Judenstaat mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit zu schaffen. Um das zu erreichen, brauchen wir drei Dinge: Willen, richtige Führer und ein Programm. Die optimistische Stimmung, der Glaube an die eigene Kraft, und das Gefühl, daß man nicht mehr auf die materielle Sammelunterstützung der Diaspora allzu sehr angewiesen ist, sind an sich sehr gesunde Erscheinungen. Aber es gibt welche, die in dieser ihrer Meinung zu weit gehen. Es gibt solche, die glauben, der Jischuw brauche auch keine politische Unterstützung seitens der Zionistischen Weltorganisation. In ihrer Blindheit glauben sie, daß, wenn wir schon einen Oberkommissär haben, der unsere Städte, Kolonien und Institutionen oft besucht, der gegebenenfalls höflich mit uns spricht — das goldene Zeltalter angebrochen sei. Sie sage«: „Wozu brauchen wir die Zionistische Organisation mit ihren lär- menden Kongressen? Wozu die Arbeit in London und Genf in Dingen, die wir hier an Ort und Stelle erreichen können? Alles hängt ja vom Beamten und von der tagtäglichen Zusammenarbeit mit ihm ab." Hier liegt der große und gefährliche Irrtum: Das Schicksal des Jischuw und des Nationalheimes hängt polltisch und wirtschaftlich vom ganzen jüdischen Volk ab und von seiner Arbeit auf den politischen Fronten London, Genf und Washington. Alle, die das Problem der Judenfrage in ein Problem des Jischuw verwandeln wollen, verstehen nicht den Herzischen Zionismus. Von den Beamten und der Administration kann man diese oder jene Vorteile für den Jischuw erlangen, aber nicht mehr. Ihr wißt genau so wie ich, daß trotz der „neuen Epoche", über die man leider allzu viel Spricht, die Haltung der palästinensischen Regierung in den wichtigsten Fragen dieselbe ist wie früher. Die Zahl der j U d isohen Regierungsbeamten ist nicht größer geworden; die SicherheitsVerhältnisse sind noch bei weitem nicht zufriedenstellend; die Bodenkaufgesetze sind gegen uns gerichtet und die Hindernisse In der Immigration wurden nicht beseitigt. Ich merke eine kleine Besserung in der Atmosphäre, aber nicht In praktischen Dingen. Ja, noch mehr. Gerade Oer Freund Dr. Arlosoroffs erwähnte noch kein einziges Mal das Wort „Jüdisches Nationalheim". Er stellte die Parlamentsfrage auf die Tagesordnung, er will dJeElnkommensteuer einfuhren — kurz, mit einem Lächeln um die Mundwinkel setzt er die frühere Politik fort. Gerade jetzt Ist also eine starke politische Aktivität geboten. Mehr als irgend ein anderer Teil des jüdischen Volkes muß der palästinensische Jischuw an der gesunden Existenz einer großen zionistischen Organisation Interesse haben. Die Organisation muß aktiv und stark sein, damit sie das formelle Recht habe, für jüdische Interessen zu kämpfen. Aber nicht in Gesprächen mit subalternen Beamten, sondern im Kampf an der Front der internationalen Politik. Aber für den Jischuw.ist es bedeutungsvoll, wer im Namen der Welt-! Organisation spricht und wer die Pläne des Parlaments zurückweist. Alles Erreichte kann verlorengehen, wenn an der Bewegung Menschen stehen, die an das Endziel nicht denken, ja, es verleugnen. Jeder vernünftige Mensch muß zugeben: Das Land wird aufgebaut, Menschen kommen ins Land, aber alles geschieht ohne Ordnung, ohne Plan. Wo ist der Einfluß der zionistischen Bewegung? Das Ganze trägt den Stempel verwirrender Zufälligkeit. Diese Situation darf nicht fortdauern. An der Spitze unserer Bewegung stehen Männer, die entweder zu einseitig links eingestellt oder gar keine Zionisten sind, Menschen, die kein Vertrauen zu unserem großen Werk haben. Die Politik zu England, zur Welt, zu den Arabern hat gar keine Linie. Ich wünsche, daß der Jischuw, gerade im Augenblick des Aufbaues, seinen politischen Sinn nicht verliere. Die Pflicht des Jischuw ist nicht, sich von der Organisation zu entfernen, sondern umgekehrt, diese Organisation zu stärken. Unsere wirkliche Position im Lande kräftigtsichvonTagzuTag. Diepoli tische Wirksamkeit zum Schutze der politischen Zukunft aber hält mit jener nicht Schritt. Die Struktur des Jischuw ist keinenormale. An Stelle der Herrschaft des Apparats der Linken muß eine Leitung der nationalen Konzentration treten. Und diese Situation wirddasjUdischeVolkdurchdenZi oni s t e nkongreß schaffen. Der nächste Kongreß darf nicht in eine Filiale der Arbeiterpartei umgewandelt werden. Wir haben ein festumrissenes Programm, wir haben die Menschen. Wir fordern den Jischuw auf, uns bei unserer Aufgabe zu unterstützen. Warum gerade uns? Weil wir die Partei repräsentieren, die in ihren Prognosen hundert Prozent recht behalten hat. Wenn wir erklären, daß wir bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen, dann haben wir das Recht auf die Unterstützung des Jischuw. Man wird mich fragen: Was habt ihr praktisch geleistet? Diese Frage ist lächerlich. Wir sind eine politische Bewegung und als solche dürfen wir keine eigenen Institutionen schaffen. Das führt. mir rar Korruption. Politisch haben wir viel geleistet. Wir gaben die wirtschaftlichen Ideen, die heute verwirklicht werden: Intensive Wirtschaft, Privatinitiative» Tazereth-Haarez-Propaganda. Unsere Stellung in der Sicherheitsfrage, in der Frage der Jewlsh Agency und In der Frage des Parlaments war die richtige. Das ist nur ein kleiner Teil. Man spricht jetzt viel über Disziplin. Wir anerkennen eine nationale Disziplin, Wir verlangten sie auch nach den Unruhen des Jahres 192 9, auch vor dem Weißbuch. Auch heute sind wir bereit, eine Front der nationalen Disziplin zu schaffen. Unsere revisionistische nationale Front ist weit. Sie beginnt in der Fabrik, im Pardes und endet in der Politik. Dort, wo an deredieFrontverlassen, springen Wir ein. So war es bisnun und so wird es in der Zukunft sein. Kein Gericht in Berlin oder Basel wird uns von unserem Weg abbringen. Wehe euch, wenn wir, eure Wächter, den Posten verlassen sollten. Nationale Disziplin! Bitte!! Unser Weg, der Weg der schekelzahlenden Revisionisten, Ist Idar. Wir gehen zum Kongreß, wir sind bereit, mit gewissen Teilen der Bewegung mitzuarbeiten. Wir verlassen keinen Posten freiwillig. Aber wir müssen selbständig arbeiten, dort, wo andere es verabsäumen. Nationale Front, heißt viele Fronten. Ueberau muß gearbeitet werden, damit der Sieg errungen werde. Und das Urteil der Geschichte wird zu unserem Gunsten ausfallen. Wir wollen beim nächsten Kongreß auch In eurem Namen sprechen. Bisnun haben andere in eurem Namen gesprochen. Auf dem kommenden Kongreß werden wir die „Farce" Agency beenden. Dort werden wir das Endziel der Bewegung festsetzen, und zwar so, daß keiner hierin einen Zweifel setzen kann. Weder die Engländer noch die Araber. Dort muß der Apparat vernichtet werden, der sich „links" nennt. Dort werden wir das konstruktive Programm festsetzen und neue Männer wählen, die den Willen und die Fähigkeit haben, das Programm in die Tat umzusetzen. Wenn wir von den Linken reden, meinen wir den Apparat und nicht die Arbeiter. Wir beugen unser Haupt vor jedem Arbeiter, er ist ein Heros. Wir wollen aber nicht in den Pfaden der H. öder HI. Internationale gehen. Wir wollen keine zwei Klassen In Palästina haben. Statt besitzlosen Proletariats — kleiner Bodenbesitzer. Statt Kontrolle der Einwanderung durch die Linken — freie'Einwanderung für alle Arbeitswilligen. Viele von euch sind in ihrer Seele mit uns, auch wenn sie im Besitze einer Hlstadruth-Legitimation sind. Ihr verlangt von uns Taten, wir verlangen von enoh. Unterstützung und Verständnis für den wahren Zionismus. r Die Zionistische Organisation ist heute gebrochen, wir wollen sie stärken. Du* braucht Jugend, wir haben sie. Dir braucht Männer mit Mut, wir haben sie. Auch dem Jischuw wollen wir Kraft einflößen. Kurz :— wir sind bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Gebt uns nur die Vollmacht hiezu in eurem Namen! Ilm das «geraubte Land Transjordanien — Hunger — Chauvinismus — Intrigen der englischen Regierungsleute Unter der Regierung des ersten palästinensischen Gouverneurs, des Juden Herbert Samuel, ist das historische jüdische Land Palästina in zwei Teile zerlegt worden. Transjordanien, das fruchtbarere, ganz dtinn bevölkerte und viel größere Stück, würde losgetrennt, bekam einen Fürsten, ein Parlament usw. und wurde vor den Juden hermetisch abgesperrt. Transjordanien ist 40.000 Quadratkilometer groß und hat eine Bevölkerung von nicht ganz 250.000 Seelen, meistens wandernde Beduinen, Das übriggebliebene Palästina hat ungefiihr 24.000 Quadratkilometer und zirka 950.000 Seelen. Aber Fürst, Minister, Parlament und Judensperre halfen dem unabhängig gewordenen Transjordanien wenig. Während Palästina unter jüdischer Wirtschaft aufblühte, während sich die Lebenshaltung seiner arabischen Bewohner unter jüdischem Einfluß ungeheuer hob, verfielen die Araber Transjordaniens dem tiefsten Elend. Der Korrespondent der arabischen Zeltung „AI Ilaraia" berichtet, daß jetzt der Hunger entsetzlich grassiert. Die Beduinenfamilien sind in die Städteni und Dörfer gedrungen, lagern auf den Straßen, warten auf Speiseabfälle, raufen sich um Orangensehalen und Gemüseblätter. Wie in der „Neuen Welt" bereits berichtet, hatte unter dem Eindruck dieses Elends der Landesfürst, E m i r Abda 11 ah, sich entschlossen, die Juden ins Land zu rufen und einer jüdischen Gesellschaft ein sehr großes Bodenstück verpachtet. Darauf erhob sich unter den arabischen Chauvinisten Palästinas ein Sturm. Sie beschuldigten den Emir des Verrates am arabischen Volke. Die britische Palästina-Regierung kam Ihnen zu Hilf o. Emir Abdallah hat unter der ausdrücklichen Erklärung, daß er nur dem Druck der britischen Palästina-Regierung weiche, den Pachtvertratg mit den Juden gelöst. Aber damit ist die Frage noch nicht gelöst. Die um ihre Hoffnung auf Hilfe durch jüdisches Kapital und jüdische Wirtschaft betrogene hungernde Bevölkerung ist In Erregung geraten. Sie geht so weit, daß das bereits einberufene Parlament nach Hause geschickt werden mußte, weil man Attentate gegen die ärabiseh-palästinensisohen Führer und den englischen Reglerungsberater befürchtete. Jetzt geht der Kampf weiter. # Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: j Der Konflikt zwisafeen Emir Abiallab,. von Trj»n«i. ' Jordanien und den arabischen Nationalisten Palästinas, die \ ihn daran hindern wollen, transjordanischen Boden an Juden zu verkaufen oder zu verpachten, ent- | wickelt sich zu einem offenen Kriege. Aus zuverlässiger zu verkaufen oder zu verpachten, entwickelt sich zu einem offenen Kriege. Aus zuverlässiger Quelle wird mitgeteilt, daß der Emir den Großmufti und die Arabische Exekutive Palästinas hat wissen lassen, daß er nicht geneigt sei, sich seine Politik von palästinensischen Arabern votschreiben zu lassen. Dabei hat der Emir einen zornigen Ton angeschlagen und erklärt, er werde einer weiteren Agitation gegen seine Person nicht untätig zusehen. Weiter wird aus Transjordanien gemeldet, daß der Emir Abdallah eine neue politische Partei gegründet hat, als die Trägerin seiner Politik: Oeffnung der Tore Transjordaniens für Juden sei die einzige Lösung der jetzigen kritischen Wirtschaftslage in Transjordanien. Die palästinensisch-arabische Presse antwortet dem Emir nicht minder scharf und schreibt, seine Ende Jänner erlassene offizielle Erklärung, daß er nicht die Absicht habe, Boden an Juden zu verpachten, bedeute eine direkte Irreführung der öffentlichen Meinung; denn während er diese Ableugnung erließ, habe er das Optionsabkommen bereits unterzeichnet gehabt. „Wenn", schreibt „Falestin", „der Emir in dem .Dementi« mitgeteilt hat: »Dieses Land ist nicht mehr zu verpachten«, so bedeutet dies nur: Dieses Land ist bereits verpachtet. Auch die Gegner des Emir in Amman erklären, der Emir habe das Optionsabkommen betreffend seinen Boden bereits definitiv unterzeichnet und könne aus dem Vertrag nicht mehr heraus." In gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß die englischen Behörden daran interessiert (?) sind, daß Juden Boden in Transjordanien erwerben, da ein besser besiedeltes Transjordanien dem Einfluß der Wüstenaraber weniger ausgesetzt sein würde. . Weiter wird gemeldet: Emir Abdallah von Transjordanien hat die Ver-? breitung der in Palästina erscheinenden Zeitungen „Falestin" und „AI Islamla" wegen der in denselben enthaltenen Angriffe auf den Emir fürdasganzeGebiet von Transjordanien verboten. Es ist dies der erste Fall, daß palästinensisch-arabische Zeitungen in Transjordanien verboten werden. Die palästinensisch-arabische Presse appelliert an die Gesetzgebende Versammlung von Transjordanien, dem Emir Abdallah den ihm durch ein früheres Gesetz zu persönlichem Eigentum überantworteten Staatsboden wieder fortzunehmen, damit er diesen Boden nicht an

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