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Die neue Welt · 1933-02-17 · Heft 284 (17.2.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 284 (17.2.1933)
Date
1933-02-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 DIE NETTE WELT Nr. 284 llirioa der Zioiristeiu Revisionisten Oesterreichs l Gemäß dem Beschluß des. Parteirates findet Donnerstag, den 23. Februar, um 20 Uhr im Revislonistenhelm, II., Untere Atigartenstraße 38, eine Mitglieder*VoUversaitimlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Parteiratssitzung in Kattowitz. 2. Wahl der österreichischen Delegierten zur ParteirfttssitKnng in Kattowitz. Wahlberechtigt sind alle ordentlichen Mitglieder der Union; der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs. Kandidaturen für den Parteirat sind bis längstens Sonntag, den 19. Februar, 12 Uhr mittags, dem Sekretariat schriftlich bekanntzugeben. Zutritt nur Mitglieder! mit . der .Verteidigung ' einer freien, freidenkerischen Schriftstellerin gegen hakenkreuzlerisches Troglodytentum. Seifenblasen rechts .und links! Aber es war schon zu spät. Aus der Großmannssucht eines hysterischen Frauenzimmers war nämlich bereits — ein jüdisches Problem geworden. Die Jüdin Rose Meiler war es, die man geschützt, die man angegriffen hatte, die. den Anlaß zu weltanschaulichen und parteipolitischen Untersuchungen bot. Die Jüdin Rose Melier! Wir, die wir uns im Rahmen der österreichischen Belange als Juden bezeichnen, als Juden organisieren, als Juden fühlen und betätigen, haben mit Rose Melier keinerlei Berührungspunkte gehabt. Wie wir zu wissen glauben, gehörte Rose Melier gesinnungs-. oder . orientierungsgemäß.. der .sozialdemokratischen Partei an, als Funktionärin einer linken Krankenkasse wohl nicht verwunderlich; sie hatte keinerlei jüdische Bindungen, keinerlei jüdische Interessen; sie nahm an der Schicksalsbewegung des jüdischen Volkes keinen Anteil. Nichts, nichts verband sie mit uns. Aber nach äef Verdächtigung des „Braunen Hauses" durch die heulende linksorientierte „Judenpresse'' war der Fall Rose ■Melier als jüdischer Fall festgenagelt. Und-jetzt kamen die inneren Linien des'Falles Rose Melier. Das Wutgeheul und die Verleumdungssucht ider Antisemitenpresse, die Ob des Falles einer hysterischen, Minderbegabten, von der Linkspresse 'verhätscheli tennutei&tih undiKrankettkassenärztiit die Welt aus den fAngeln, /heben, wollte! Sie, die Hakenkreuzpresse, die , Hal«Mikreuzzei>traIe, fühlte sich beleidigt . Sie, die die Znmutuiu^ ein Hakenkreuzler hätte nicht den Mut zu einem feigen,- Ueberfall, als Ehrenbeleidigung empfinden würden -klagt,.auf. Ehrenbeleidigung. Sie,, deren Traumbilder aus der „Nacht der langen Messer" kommen, deren Konto ein paar hundert Friedhofsschändungeri aufweist, und, auf: die Eintragung von rollenden Köpfen, wartet, . .verlangen, unter dem, Titel ^Schwindel . Rose Melier" eine neue jSintflut für das Judentum. Resümieren <wir:. Eine bedenkenlose, entartete, von Judentum .unberührte, ja das Judentum innen und außen verleugnende. „Judenpresse" und eine Hakenkreuzpresse, über deren psychischen Zustand heute kein Wort zu verlieren ist,—.diese beiden zusammen schaffen in.schändlicher Wechselwirkung den „jüdischen Fall?'. Diese beiden erhitzen sich in selbstgefälliger Wahrung der höchsten Menschheitsguter (!), indes das wahre Judentum abseits, steht und die Hiebe empfängt. - o. r. Auf Kosten unserer Leiden und unseres Blutes ♦ ♦ ♦ In einem stillen Winkel der Schweiz, fem vom Ge-. triebe der Welt mit ihrem Haß und ihren Nöten, geht dem französischen Dichter und Kulturpolitiker Romain Rolland auch das Judenschicksal durch den Kopf. Man kennt Romain Rolland als den Dichter des Beethoven- Schicksals im Roman „Jean Ohristoff", man kennt ihn als Pazifisten und Verkünder einer sozialen Ordnung, wie sie seiner Meinung nach in Sowjetrußland sich ankündige, als fanatischen Ablehner der Gewalt ä la Henry Barbusse ... Wie so viele Menschen,-die fern vom Schuß, in beschaulicher Ruhe, am geordneten Schreibtisch, ihre ethischen Fakturen präsentieren, so gibt der Dichter Romain Rolland, unleugbar voll guten Willens und reinster Gesinnung, dem jüdischen Volk ein Humanitätsrezept. Er schreibt in einer Pariser Zeitschrift: „Die trägische und ruhmreiche Bestimmung des jüdischen Volkeä liegt darin, daß ihr einziger Ausweg nach vorne führt. . Die eigentliche Mission der Juden ist die Vernunft und die Gerechtigkeit. Diese Mission verpflichtet die Juden, immer die Pioniere der Vernunft und der Gerechtigkeit zu sein und ihnen auf Kosten ihrer Leiden und ihres Blutes zum Siege zu verhelfen." Das ist die eine Mission. Damit sind wir aber noch nicht zu Ende. In aller Welt zerstreut,'< schwach, ■ hur wenig organisiert,2 verfolgt, entrechtet, allen Qualen der Not,* des Hungers, der Erniedrigungpreisgegeben, haben die Juden noch andere Sorgen zu haben» nämiieb: > ,;8ie müssen in der heutigen Verwirrung die Verbündeten derjenigen sein,-die eine neue soziale Welt organisieren wollen, gegründet auf dem Vorrang der Arbelt und auf der Internationalen Treue." Und was noch? „Gegen die imperialistischen Vereinigungen der mörderischen Industrietrusts, gegen den Faschismus. ..." Man muß schon sagen: Ein ausgewachsenes Humanitätsrezept! Man verlangt sehr schöne Dinge von uns: Schutz der Vernunft und Gerechtigkeit, sogar auf Kosten unserer Leiden und unseres Blutes (d. h.: Laßt eucn nur ruhig für diese schönen Dinge erschlagen!), Organisierung einer neuen sozialen Welt (in der dann die anderen bequem leben können), Kampf gegen den mörderischen Imperialismus der Industrietrusts (aus denen man die jüdischen Arbeiter längst hinausgeworfen hat), kurzum, man verlangt von uns, daß wir uns über alles den Kopf zerbrechen sollen, nur nicht über das, was uns wirklich angeht. Wir kennen die Rezepte der Humanitätsfanatiker, mögen diese es noch so ehrlich meinen. Aber wir haben leider andere Sorgen. Vernunft und Gerechtigkeit, sinnvolle soziale Ordnung — lauter schöne Dinge für normale Völker. Wir müssen uns zuerst selbst einrichten. Bevor das nicht geschehen ist, bevor wir nicht aus der Schmach des Ghettos draußen sind, werden wir wohl oder übel auf die uns empfohlene Mission verzichten müssen. Wetterharte Menschen fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine1 Anstrengung, denn sie verwenden ständig zur Pflege und zur Stählung ihres Körpers'den vielfach bewährten DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Kräftigt: durch tägliche Einreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht Elastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege In jedem besseren Geschalte erhältlich Verlangen Sie ausdrüokllch .,D I A N A" und;.rienmen'Sie nur ^DIANA*'! Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen l -v v .-' -V V M'ffbil), &■■•■>:;j^>. ,,' ,r \- , Sterbendes Judentum : —.. ^::y: Lebendes Judentum Das Matrikenamt der Wiener' Judengemeinde hat folgenden Bericht über die jüdische Bevölkerungsbewegungin Wien im Jahre 1932 herausgegeben (die Vergleichsziffern des Jahres 1931 sind in Klammern beigefügt):?• v Im Jahre 1933 hat die Zahl der Geburten 976 (1064), die Zahl der Eintritte in das Judentum, beziehungsweise Bücktritte 290 (296) betragen. Aus dem Judentum sind 805 (749) Personen ausgetreten. An S t e r b e f ä 11e n haben sich 2641 (2735) ereignet, so daß per Saldo ein natürlicher Abgang von 218 0 (212 4) resultiert. Von den 2641 Todesfällen entfallen 1390 (1344) auf männliche und 1251 (1276) auf weibliche Personen, hierunter waren 30 Totgeburten. Als Todesursachen erscheinen in 574 (545) Fällen Erkrankungen des Herzens; in 396 (483) Fällen Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen; in 405 (385) Fällen krebsartige Erkrankungen; in 330 (349) Fällen Erkrankungen der Atmungsörgane; Tuberkulose ist in 133 (164) Fällen die Todesursache. Im Jahre 1932 haben 137 (114) Personen, davon 71 (60) männliche und 66 (54) weibliche Personen durch Selbstmord geendet. Dem Alter nach sind die meisten Todesfälle, und zwar 661; (588) zwischen dem 70. und 80. Lebensjahre, 975- (432) zwischen dem, 65. und 70., 307 (351) zwischen dem .60. und 65. Lebensjahre zu verzeichnen; von 265 (266) im Alter von über 80 -Jahren Verstorbenen waren 111 (105) männlichen, und, 154 (161). weiblichen Geschlechtes, zwischen dem 90. und 100. Jahre verstarben 16 Personen. Unter den 976 (1064) Geburten des Jahres 1932 hat die Zahl der männlichen 510 (544) und die der weibliehen 466 (520) betragen. Gegenüber den 1065 (1144) im Jahre 1982 im Wirkungsbereiche der Kultusgemeinde Wien vorgenommenen Trauungen verzeichnet die Statistik 314 (320) in diesem Jahre vor dem Rabbinate vollzogene rituelle Ehetrennungen. Von diesen sind 188 (85) im ersten bis zehnten Jahre der Ehe erfolgt; 4 (3) nach mehr als dreißigjähriger Ehe. Von den 805 (749) im Jahre 1932 aus dem Judentum Ausgetretenen waren 400 (362) männlichen imd 405 (387) weiblichen Geschlechtes, 441 (467) waren ledigen Standes; Die Höchstzahl der- Austritte verzeichnet die Altersgruppe zwischen den» 80. und 40, Lebensjahre mit 218 (191,). Unter den 290 (296) im J$hte 1982 in »Judentum eingetretenen Personen' haben 189 (143) bereits früher dem Judentum angehört; von den Eingetretenen, beziehungsweise Rückgetretenen waren 96 (99) männlichen und 194 (193) weiblichen Geschlechtes. ...... Auf Grund des na türlichen Abganges seit der Im Jahre 1932 erfolgten Volkszählung läßt sich die jüdische Bevölkerung Wiens ohne Berücksichtigung der Zu- und Abwanderung mit zirka 186.000 Seelen errechnen. # ■ Aus diesem Berichte ist zu entnehmen, daß das Wiener Judentum in den letzten 12 Jahren einen natürlichen Abgang von zirka 80.000 Seelen zu verzeichnen hat. fiel weiterem Fortgang dieser Entwicklung wird Wien in vierzig bis fünfzig Jahren judenrein sein.: * Zum Vergleiche seien entsprechende Ziffern aus der palästinensischen Judenstadt Tel-Awiw (im Berichtsjahre zirka 46.000 Seelen) angeführt. Laut Bericht der Stadtverwaltung betrug der natürliche Zu wachs der Bevölkerung Im vergangenen Jahre (jüdisches Jahr 5692), d. h. der Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle, 1357. Es standen 1991 Geburten gegen 634 Todesfällen. In Wirklichkeit dürfte die Geburtenziffer eine höhere sein, da viele orientalische Juden die Geburten nicht zur Anzeige bringen. * Während also im jüdischen Wien die Zahl der Todesfälle ungefähr dreimal so groß ist als die der Geburten, ist in Tel-Awiw die Zahl der Geburten mehr als dreimal so groß wie die Zahl der Todesfälle. In Wien entfallen auf 1000 jüdische Seelen 4,$,Geburten im Jahre, in Tel-Awiw ungefähr zwölfmal so viel,, nämlich 47,9. Sterbendes Judentum — lebendes Judentum. Der Hitler und die Renzetti Das Berliner nationalsozialistische Organ „Angriff4* brachte die Meldung, daß Adolf Hitler dem Vorsitzenden der italienischen Handelskammer in Berlin, Major Renzetti, in seinem Helm einen Besuch abgestattet hatte und bei dieser Gelegenheit Frau Renzetti einen Rosenstrauß überreichte und die Hand küßte. Oppositionelle und viele jüdische Zeitungen machten hiezu die Feststellung, daß Frau Renzetti die Töchter des jüdischen Justizrates Artur Kochmann in Gleiwitz . und Enkelin des Kattowitzer Rabbiners Dr. Cohn ist. Die Zeitungen fügten hinzu; daß Frau Renzetti ihre jüdische! Abstammung immer bekundete, auch wenn Hitler in ihrem Hause war.- (In welcher Form Frau Renzetti sich bei-dieser Und bei anderer Gelegenheit auf die Jüdin her ausspielte, wird allerdings nicht gesagt.) Die erwähnten Zeitungen glaubenaus dieser Tatsache auf die Hinfälligkeit des Antisemitismus schließen zu können und triumphieren ■ überHM^ und Im ' Salon Jüdinnen huldigt. "•-*•-•.:<';: Daß Antisemitenführer mit reichen und „feinen" v Juden anders umspringen als mit der jüdischen, Masse, ist eine Sache, so alt wie der Antisemitismus selbst. Abe^die jüdischen Zeitungen, welche über die Verächtliohkeit^des vor der Jüdin katzbuckelnden Hitler außer Eftnd;,!pd Band geraten, schweigen von der Kehrseite des Bildes. Was ist das für eine Person, diese Jüdin Renzgtti, welche in ihrem Heim dem Mann schön tut, der i h r Blut als verseucht, ihren Stamm als verachtenswert, hinstellt. Was sind das für jüdische Zeitungen, die sich an der antisemitischen Schmach ergötzen, und nicht ein Wort über die jüdische Schmach verlieren. An die Adre§§e Englands Ein südafrikanischer Minister wirft der englischen Regierung Pflichtverletzung gegenüber den Juden vor. Der „Neuen Welt" wird aus Johannesburg" (Südafrika)-berichtet: Der Vertreter des in Johannesburg erscheinenden Organes der Zionisten-Revisionisten Südafrikas;,iD i e jüdische Tribüne", hatte mit dem südafrikanischen Finanzminister Mr. N. C. Havenga eine längere Unterredung über zionistische Angelegenheiten." t>er Minister ermächtigte das Blatt zum Abdrucke folgender Erklärung: „Als ich auf der britischen Reichskonferenz In Ottawa war, habe Ich Gelegenheit genommen, mit dem englischen Innenminister Uber die Vorgänge in Palästina und das Verhalten der britischen Palästina- Regierung zu sprechen. Ich habe ihm, In meiner Eigenschaft als Vertreter und Minister der südafrikanischen Union, erklärt, daß die Regierung Südafrikas im Einklänge mit der öffentlichen Meinung ihres Landes feststellen muß, daß die Balf Our-Deklaration nicht in genügendem Maße durchgeführt wird. Ich erklärte ihm weiters, daß die Juden völlig im Rechte sind, wenn sie darüber Klage führen, daß ihre Forderungen In Palästina nicht In der Weise erfüllt werden, wie es die Balfour-Deklaration vorschreibt. Sonderverband der Zionisten-Revisionisten Palästinas In Tel-Awiw hat eich die Zentrale des Sonderverbandes der schekelzahlenden Zionisten-Revisionisten Palästinas konstituiert. Sie besteht aus folgenden Herren: A. BabkQff, I. Ben-Amitai, A„ Back, E. Gußman, M. Himmelfarb, A. Jevseroff, und I. Germasovicz. Ortsgruppen des Sonderyerbandes wurden an allen wichtigen Punkten des Landes begründet Die Arbeit für die Wahlen zum kommenden Ziontstenkongreß wurde bereits aufgenommen. 1

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