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Die neue Welt · 1933-02-17 · Heft 284 (17.2.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 284 (17.2.1933)
Date
1933-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Ireitaq, den 17« Februar 1933 Nr« 284 Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editenr*» Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. FKun *"~~~t ■»«•R«».««». mvuaun.ll utMna W»-, TlGftSlj&IUTlK igen Landtr monatlich Schweixer Francs 1450, viertel- - ■ ■ ■^^m. ' mm . gm -mm Wmm\\ BEZUGSBEDINGUNGEN: Oettefreicn moüatltcn s IMi, vieneijanng a 4^aj. ganziannt ■Ml MM ■ ■ Tschechoslowakei monatlich KB 6.-, vierteljährig Kc ÄgoilawlM nm^rcji D Mm mmm mkW ■ ■ HM Lei «>•-• vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich T^k 1.-. vierteljährig 1 mmW• ■ W IV ■ ■ . Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.-; Schweix and die übr mWL jmgm Wm WmW 'WmW iährig Schweizer Francs 4^50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion n. Verwaltung: Wien IX, Universitätssir. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag i Bürgermeister Dfcengoff warnt vdr der Parlamentsgelahr (Eigenbericht der ,,Neuen. Welt" aus London.) Ein Artikel der in Kairo erscheinenden arabischen Zeitung „Mokattam", welcher sich mit der Frage der Einrichtung eines Parlamentes (Legis« latlve Council) in Palästina beschäftigt, hat hier in London Aufsehen erregt. Die Zeitung berichtet, daß das Oolonial Office in London endgültig beschlossen hat, in Palästina eine gesetzgebende Körperschaft zu schaffen, die sich aus 16 Moslems, 8 Juden und 6 Christen, also insgesamt aus 30 Personen zusammensetzen soll. In Palästina, fährt die Zeitung fort, sieht man immer mehr ein, daß die Non¬ Cooperation-Politik den Arabern mehr geschadet als genutzt hat und daß eine Teilnahme an der Verwaltung den Interessen der Araber am besten dienlich ist. Wenn jetzt der Plan des Legislative Council wieder auf die Tagesordnung gesetzt wird, so werden die Araber Palästinas ihnnicht.mehr verwerfen, wie sie es vor zehn Jahren getan haben. Laut „Mokattam" hätten gewisse arabische Gruppen in Palästina bereits begonnen, Vorbereitungen für die Wahlen zum Legislative Council,, zu den neuen Stadt vor-, W a 11 d n g s k ö r p e r schalt e n und. zum Obersten Mösl emi tisehen Bat zu. treffen.. . > .:; Die Bedeutung dieser Nachricht wird dadurch: ' eiMmt£*,daß. sie . von autoritativer JÜdisch-palästinen-' Bischer Seite b e s t 11 g t wird. Ueber Befragen hat - ' - der Jetzt in London wellende Begründer und Bürger- L''meister von Tel-Awiw,' Herr Meir Dlzengoff,' L die' arabische Meldung als -richtig bezeichnet. Herir Dlzengoff erklärt uns, daß die Parlamentsfrage nicht nur als aktuell bezeichnet werden muß: Seinen Infor-» mationen zufolge wird die britische Regierung in allernächster Zeit bereits das Parlament in Palästina einrichten und zwar in der Zusammensetzung, . wie. sie „Mokattam" angiebt, 33 Araber und Christen und 8 Juden. Was die Einrichtung eines Parlamentes in Palästina, mit arabischer Majorität, bedeutet, braucht nicht näher erklärt zu werden. Ewiger Kampf gegen die jüdische Einwanderung. Ewiger Kampf gegen die blühende jüdische Wirtschaft im Lande! Zerstörung1 aller großen Hoffnungen, welche der grandiose wirtschaftliche Aufstieg des jüdischen Palästina gerade jetzt erweckt. hat.i;Bruch der (Balfour-Deklaration. , Nullifizierung des Palästina-Mandates. . Immer und Immer . wieder hat .die zionistische Opposition» haben die Herzl- und Judenstaatszionisten Mobilisierung des Widerstandes , der zionistischen Organisation, des jüdischen Volkes.. gegenr den ' verräterischen BarlamentsD^ zionistische Leitung rundweg, abgelehnt den1 Kampf zu führen oder ' hat die A Fri^gj^aV-n i c h t'. ältt^eji Vvbehn^fc 4>ie; Worte'.^s7$^ ejheilen1 die Sachlage. Leider ist; es spät geworden, ab^er. der - Kampf Inüß-unter Einsatz aller Kräfte begonnen werden, der' Kampf gegen den, Verrat; am jüdischen' Volke.' RUNDSCHAU Weil er Jude ist 2 In Deutschland, wo die Menschen die Gewohnheit haben, sich über eine geistige oder politische Situation gruppenweise auszusprechen, wird gerade in Zeiten sozialer Höohstepannung dieses Bedürfnis besonders aktuell, Dem Versuch der gegenwärtigen deutschen Reichsregierung, die ihr nicht genehmen Zeitungs- und Redeprodukte unter Zwangsverwaltung zu stellen, soll ein „Kongreß für das freie Wort" entgegentreten, eine < Aussprache, an der die sogenannten demokratisch gesinnten Geister teilzunehmen haben. Zu diesem Kongreß wurde u. a. auch der in Berlin lebende Schriftsteller* Kritiker und Publizist C. Z. Klötzel eingeladen, ein Mann 'mit umfassendster Bildung und Kenntnis der innen- und außeneuropäischen kulturellen Bewegungen. Bisher verlief die Sache normal. Plötzlich aber bekam sie eine überraschende Wendung: Dieser „deutsche" Schriftsteller, Mitarbeiter und Korrespondent der demokratischen „Frankfurter Zeitung*' lehnt die Teilnahme am Kongreß für das freie Wort ab.. . . Ein, unerhörter Fall! Ein Jude stellt sich in Sachen der Demokratie, in Sachen des freien Worts uninteressiert! Ein Jude tut nicht mit, wo es um das heiligste Gut der .Nation geht! Wirklich, noch nicht dagewesen. Und C. Z. Klötzel sagt, wie , sich ihm die Situation in Deutschland darstellt, im ideellen und im praktischen Sinne. Er motiviert präzise seine Absage« Er motiviert sie zur, Ueberraschung, wahrscheinlich aller; Veranstalter mit der Begründung — „w e 11 e r J u d e' ist l". C. Z. Klötzel, ein.wie gesagt gediegener Denker, und sicherer Beurteiler iculturpolitischer Erscheinungen, schreibt an die Veranstalter des Kongresses: „Die im Besitz der Macht befindlichen Kräfte fuhren den Kampf gegen die Demokratie betont als einen Kampf gegen die Anteilnahme der' deutschen Juden an der deutschen Politik und am d e ut sc h e n K u 11 u r 1 e ben." Sie' betrachten' die Dem o k r a 11 e in erster Linie als eine „j U d i s c he Erfindung'* zum Zweck der" „Verjudung" des deutschen Volkes. Auch die Losung des „freien Wortes" sehen sie nur als einen Deckmantel für angebliche jüdische Machtpläne an. Angesichts dieser Tatsache verschiebt sich für den deutschen Juden die Kampfbasis auch dort, wo er sich Im Ziele solidarisch weiß mit den nlehtilttdjsohen Kreisen Deutschlands,« Dieser theoretischen Ablehnung stellt Klötzel, nun ein positives Bekenntnis, eine positive Methode zur Seite, wenn er fortsetzt: .;; . . „Er (der Jude) vermag erfolgreich nur zu kämpfen auf dem Boden seiner eigenen, der jüdischen Gemeinschaft . . ." Da haben wir es, das Resultat der nationaljüdischen, der zionistischen Erziehung. Und auch im,weiteren deckt sien Klötzels Auffassung mit der unsrigen, wenn er. betont: „Für mich als Jude ist die demokratische Freiheit des Wortes ein Lebensbedürfnis. Ob sie es auch für die Mehrheit des deutschen Volkes ist, muß dieses selbst entscheiden. Ich glaube, weder das Recht noch die Pflicht zu haben, diese Entscheidung zu beeinflussen." Die linksorientierten israelitischen AllerweltsDeglücker und die liberalen asaimilantlstischen Stammesdeutschen 'vom Centralvereln deutscher Staatsburger mosaischen Glaubens werden an diesem eindeutigen, der Wirklichkeit Rechnung tragenden Bekenntnis keine Freude haben, auch nicht an dem praktischen" Moment, zu dem Klötzel erklärt: „Bei der gegenwärtigen Geisteslage in Deutschland kann ich mir keinerlei Nutzen für 'welche Bestrebung allgemeiner Art auch immer versprechen, wenn J u d e n an ihr in nennenswerter Zahl und an leitender Stelle teilnehmen. Sie sind dadurch' von vornherein kompromittiert. Die Sache des' freien WortesIst für mich eine zu wichtige Angelegenheit, als daß ich sie unter den heutigen Umstanden mit meinem' jüdischen Namen belasten möchte. . ■ Ich habe das unabweisbare ANTHRACIT MMnter qmihmm BÄSCH. IV. Are«ntini«rttraa« 22 Takt Sari« U-47-9-40 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» liehen Notizen find durch iio beigefügte« fi bMeicfioei BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN IIIF HODEMSTE MI (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD .FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSEPREISE Bedürfnis, gegen Argumente, deren Schwergewicht die äritiäenaitlsche Betonung ausmacht, nur zu kämpfen aul■ dem- Bodeir jüd4s.ch,er Solidarität and j ü dl so-lreT W ttr de."; _ . v<;.; , i n'••'••"-'Häbt'- ihr's nun gehört, ihr ^Serren Judexe^Jeher SWtej "die immer hoch darauf besteht, im Namen . der deutschen Kultur, der deutschen Solidarität und deutschen Würde die Fahne des freien Wortes hochzutragen? Ein in deutscher Kultur aufgewachsener jüdischer Denker, Schriftsteller und Wahrheitssucher hat euch die ideologische und praktische Seite eures' assimilatorischen Uebereifers dargestellt, hat euch den Schaden gezeigt, den ihr der guten Sache zufügt! Und er hat euch so eindringlich wie möglich gesagt» daß man gegen die antisemitischen Argumente nur auf dem Boden des nationalen Judentums, der jüdischen Gemeinschaft kämpfen kann. Die klare Erkenntnis eines einzelnen deutschen Juden in den Stunden höchster Bedrängnis! Wird man aus dieser Erkenntnis nun endlich die Konsequenzen ziehen?; / Der „jüdische" Fall Rose Melier Die beliebte Methode der Assimilanten aller Couleurs, das Betonen der national jüdischen Existenz, das Bekennen jüdischer und nichtjüdischer Mentalität ajs die Hauptursachen des Judenbasses zu bezeichnen, diese allerorts geübte Methode hat wieder einmal Schiffbruch gelitten. In Wien. Im sogenannten „Fall" Rose Meiler. Die Leser der Tagespresse werden sich daran erinnern, daß die Schriftstellerin Rose Melier, ärztliche Assistentin in einem Wiener Institut, ein Messerattentat. gegen sich vortäuschte und. ein Mitglied des „Braunen Hauses" als Täter beschuldigte. Rose Meiler, das Opfer einesnakenkreuzlerischen Ueberfalls — das war einige Tage lang der Hurrah-Gesang einer gewissen Boulevardpresse. Das sind nur die äußeren Linien des Falles Rose Meiler! Auf der einen Seite stand also die fast aus« schließlich" links orientierte Wiener „Judenpresse". Man weiß, was darunter gemeint ist. Man weiß, daß en keinen größeren Gegensatz gibt, als den zwischen jüdischer und „Judenpresse". Auf der an deren Seite stand die ■ im versten Augenblick verlegene, nach kurzer Zeit aber Ihre saubere Sprache wiedergewinnende Hak enkreuzpresse, die'hier nur den einen Versuch zu machen hattet den Ueberfall gegen die Rose Meiler, als die'1 berechtigte Abwehr des nationalsozialistischen 'Geistes 'gegen dessen Korrumpierung. durch — jüdische. Literatur zu motivieren. Die nationalsozialistischen Zeltungen bekannten frei: Bei uns ist so etwas möglich, es Ist aber auch erklärlich und zudem noch ethisch! Bis es sich herausstellte, daß das Messerattentat des „Braunen Hauses" gegen die Schriftstellerin und Chemikerin Rose Melier deren Erfindung und Erdichtung sei. Also nichts mit der berechtigten Abwehr des nationalsozialistischen Geistes gegen jüdische Korruption! nicht»

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