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Die neue Welt · 1933-02-10 · Heft 283 (10.2.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 283 (10.2.1933)
Date
1933-02-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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8elte* DIE NEUE WELT erwarten haben. Und dies ist für uns von entscheidender Bedeutung. Daß die Mandatskommission nicht den von uns begründeten, genau präzisierten Standpunkt hat annähmen können, versteht sich heute von selbst. Daß sie* aber von dem Bericht und den Erklärungen des Mandatars nicht sonderlich befriedigt wurde, geht ads den „altgemeinen Bemerkungen" hervor, die sie Ihrem Bericht an den Bat Uber Palästina vorangehen läßt und die lauten; „In ihrem vorigen Bericht an den Rat hat die Kommission von, den Feststellungen Kenntnis genommen, dl« dl* Mtandatarmaeht bezuglich ihres Programms einer konstruktiven Politik in Palästina gemacht hat. Wenn dieses Programm auch eine bestimmtere Form anzunehmen scheint, so geht aus der im letzten Bericht enthaltenen Information um| aus den Feststel hingen* des akkreditierten Vertreters hervor, daß die vorläufigen Studien bis jetzt noch nicht völlig beendet wurden. Es wäre darum heute verfrüht für die Kom mission, eine Meinung über die Entwicklung der Politik der Mandatarmacht naeh der Krisis, welche sie im Ver lauf Ihrer außerordentlichen Tagung von 1980 studiert hatte, zu äußern. Die Kommission nimmt immerhin zur Kenntnis, daß im Ergebnis von Maßnahmen zur Sicherung der Buhe und dank einer ausnehmend günstigen ökonomischen Lage das Jahr 1931 eine Periode Von Ruhe und Wohlergehen war." Weniger konnte nach zwei Jahren des „vorbereiten den Studiums" nicht gesagt werden. Auf viele von Sach kenntnis diktierte Fragen der Kommissionsmitglieder konnte überhaupt keine genaue Antwort gegeben werden, was ja schließlich im Hinblick auf die kurze Amtszeit des Oberkommissärs begreiflich ist, Der Gesetzgebende Rai Aber in einer Frage war der Herr Oberkommissär, trotz der Kürze seines Aufenthalts im Lande, fest. Das ist in. der Frage der Zweckmäßigkeit. einer baldigen Einführung eine* auf „demokratischer" Grundlage aufgebauten Legislative Council Trotz der Mahnungen; der einzelnen Mitglieder der Kommission zur Vorsicht, trotz der Hinweise auf die. Verfrühtheit einer solchen Maßnahme blieb der Oberkommissär der Auffassung, daß die Einführung des Gesetzgebenden Rates eine Notwendigkeit sei. Die Erfahrung, die er im Verlauf der letzten sechs Monate in dert , verschiedenen wirtschaftlichen Kommissionen gemacht habe^ in denen' Juden und Araber zusammen sitzen, wie Wege-, Elsenbahn-, Handels- und Jndustriekommisslonen, haben ihn Überzeugt, daß sie auch in dem Legislative Council ,■ zusammenarbeiten; würden. Zwar mußte er zugeben, daß er fünf Absagen von arabischen Mitgliedern dieser Kommissionen erhalten habe, er glaube jedoch, daß, „wenn die Araber Uberzeugt würden, daß S. M. Regierung das Versprechen, erfüllen würde, in einer ziemlich kurzen Zeit. den Gesetzgebenden Rat einzusetzen, sie gewillt wären, mit ihr zu kooperieren". Und an einer anderen Stelle des Protokolls sagt Sir Arthur Wauchope ausdrücklich, daß die Araber und Juden in den neugebildeten Kommissionen (Boards) assoziiert wären; „die Administration gab ihnen ein definitives Versprechen, demzufolge die .Verordnung über lokale Verwaltung (Local Government Ordinance) ausgearbeitet und die Errichtung eines Legislative Council definitiv zugesagt' (pledget) wurde". Leider geht aus der Wortstellung im Protokoll nicht klar hervor, wem das Versprechen gegeben wurde. Vermutlich doch den Arabern allein. -Daß dieses Beharren des Oberkommissärs auf dem Wunsch, die parlamentarisch aufgebaute gesetzgebende Körperschaft schon bald einzuführen, zu ernsten Auseinandersetzungen in der Mandatskommission geführt hat, ist schon aus den diesbezüglichen Mitteilungen der Jüdischen Tel.-Agentur (J. T. A.) bekanntgeworden. Wohl sämtliche Mitglieder * der Kommission gaben ihrem Zweifel über die Zeitgemäßheit des Vorschlages Ausdruck. Es wurde auch zunächst beschlossen, über diesen Vorschlag des Oberkommissärs dem Rat. gar nicht zu berichten. Ganz besonders ernst waren die Mahnungen zur Vorsicht der Herren Van Rees und Rappard. Und nur, wie schon bekannt, in letzter Stunde wurde bei Beratung einer Petition der Liga der arabischen Frauen eine Aenderung des Beschlusses vorgenommen, der jetzt wie folgt lautet: Die Kommission hat die Mitteilung des akkreditierten Vertreters zur Kenntnis genommen, daß „Soliritte unternommen würden zur Bildung eines Legislative Council, nachdem die neue Verordnung über lokale Verwaltung, welche jetzt In Vorbereitung ist, in Gang gebracht werden wird". 'Diese Formel, die ja nicht mehr als eine Zur- Hausfrauen — sind Sachverständige für Weißwaren und kennen die Qualitätsunterschiede, genau. Wir fordern alle tüchtigen und.?par?amjeu, Hausfrauen auf, schon heute in unseren Schaufenstern die sehenswerte Dekoration „Reise ins Weiße" zu besichtigen. Alle werden zweifellos von der Qualität und den Preisen der dort in ungeheuren Mengen aufgestapelten Weißwaren begeistert sein.... Sehen , . . staunen . . . und Montag, § Uhr früh, freudig diese Kaufgelegenheit ausnützen. Auf zu Schiffmann, kauf bei Schiffmann, II., Taborstraße 48. Nr. 28t A ii ~m, f kenntnisnahme besagt, hatte nur eine Stimme Mehrheit. Da die Jüd. ¥ef**Ag. die Namen der Herren genannt hat, die überhaupt gegen jede Erwähnung der Sach« In dem Bericht anNfon Rat waren, so müssen wir hier eine Richtlgstelliittf machen. Ans dem Protokoll geht hervor, daß die Herren Van Hees, Rappard, Orts, Merlin und Büppel und nicht Graf de Pehha Garcia, der ja zusammen mit Lord Lugard den abgeänderten Vorschlag eingebracht hat, gegen den Antrag gestimmt haben* Jedooh , enthielt der vom Vertreter der Tschechoslowakei, dem gegenwärtigen Berichterstatter für die Mandatskommission Im Rat, am J$4. Jänner vorgetragene Bericht merkwürdigerweise keine Er wähnung des Legislative Council. Werl der Petitionen Einen beachtenswerten Raum nahm In den Verhandlungen über Palästina diesmal auch die Frage nach dem Wert und dem Einfluß von Petitionen ein. Entgegengesetzt der nicht selten geäußerten Ansicht, Petitionen verfehlten ihre Wirkung, erhält man angesichts des Ernstes, mit. dem die einzelnen Berichterstatter die Petitionen studieren, den Eindruck, daß begründete Petitionen und Memoranden ein recht wirksames und nützliches Instrument zum Schutz der bestehenden Rechte bilden können. Die letzte Tagung der Mandatskommission zeigte uns mit aller Deutlichkeit, wie wertvoll der Zeitfaktor in unserer Sache ist. Wenn man dazu noch Gelegenheit hatte, der letzten Sitzung des Völkerbundrats beizuwohnen, so muß man zu einem Schluß gelangen: Wir müssen mit allem Nachdruck von der Welt fordern, daß das Mandat endlieh mit allen in ihm vorgesehenen Mitteln, unter Beachtung des Zeitfaktors, also mit der erforderlichen Schnelligkeit, durchgeführt werde. Chajes fibev das Hakenkreuz Bei der Lektüre des soeben erschienenen prächtigen „Chajes-Werkes" des Professors Dr. M. Rosenfeld stößt man auf politische Reden des dahingegangenen jüdischen Führers, die wirken, als wären sie heute gesprochen. In einer Rede zu Bosch hasch an ah 568$, also im Jahre 1924, nahm Chajes zu der damals noch kleinen Hitler-Bewegung Stellung. Er warnte vor der Le7icht f er tig k e\t djeir liberalen und sozialistischen jüdischen Gesellschaft, welche sich über die R a ssenbe.vvegung-,im - allgemeinen und über die Hakenkreuzbewegung im besonderen mit selchten Witzen und noch seichteren Phrasen vom Sieg des „Fortschrittes" übermütig hinwegsetzt««. Er sagte damals: ' u'ö ,:V/ 'r'*p ^nnui:,;..:>v. •*, ' . . . Der englische Staatsmann Baliour hat vor einiger. Zelt den Ausspruch getan: „Der nächste Krieg wird ein furchtbarer Rassenkrieg sein, da ist es denn gut für die Juden, wenn sie vorher ihr Heim haben". Dieser Krieg bereitet sich allem Anschein nach, Wenn auch nicht für die allernächste, so doch für die nächste Zeit vor. In der großen Spannung zwischen Amerika und Japan spielt das Rassenmoment eine große Rolle. So sind für die ostasiatische Rasse Tagöfe und Gandhi, wenn auch nicht bewußt kriegerisch, aber ungewollt und indirekt tätig. Auch die neue brutale Hakenkreuzbewegung ist eine Rassenbewegung von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Es wäre falsch, wieder Iii denselben Fehler Zu verfallen, der seinerzeit L u e g e r gegenüber begangen wurde. M a n. h a t i h n anfangs verlacht. Bald mußte man einsehen, daß e"S doch eine ernste Sache war. So auch die jetzige Hakenkreuzbewegung. ' < Auch die große finanzielle und wirtschaftliche Krise unserer Tage hat uns Juden etwas Besonderes zu sagen. Nicht deswegen allein, weil so sehr viele jüdische Existenzen vernichtet und viele jüdische" Institutionen notleidend geworden sind.jj sondern hauptsächlich deswegen, weil sie zeigt, daß hoch immer viele Juden nur Lüftmenschen sind.'Einstein sagte mir kürzlich: „Die Juden haben auf geistigem Gebiet viel geleistet; aber das Brot, das sie essen, haben andere gemacht." So darf es nicht bleiben. Das Leben eines Volkes, das nicht selbst sein Brot produzieren ..kann, eines Vplkes, das keinen Bauernstand hat, kann, .nicht Wirtschaftioh /und damit in gewissem Zusammenhang auch nieht sozlal gesund sein. , , '> 'Darum ruft unsere Zeit uns dazu auf, die jüdi- { s-ohe Heimat aufzubauen, damit* wenn der t Rassenkrieg ausbricht, dessen erste Opfer die Juden wären,'dieses Unglück verhütet wird; auf eigenem freiem Boden einen freien jüdischen Bauernstand zu schaffen, damit wirtschaftliche Krisen uns nicht so tief schädigen können^ , Diejp der Rul der Zeit: Im jltaka schofar balr we-am 16 jeclieradju? So. der *Warnungsruf des Sch,ofar in er Stadt erschallt, sollte das Volk ihn nicht mit Ernst vernehmen? (Arnos 8, 6.) * ■Vi , S.'ftS'fyi.iK.:; "" '■■ Adolf Bfthm 60 Jahre all Obwohl seit dfeiöig Jahren in der zionistischen Bewegung tätig, stand Adolf Böhm niemals im Vordergrund des Parteiengetriebes. An Stelle des vorwäftsatUfttienden Temperaments, das den aus der Studentenbewegüng gekommenen zionlaten eigen ist, besaß Adolf Böhm die prüfende Rühe des Wissenschaftlers, das auf prakttsehö» Arbeit^^richtet« Streben; zu einer Zeit, da die Siedlungsarbelt In Palästina erst am Beginn stand. Das zionistische Leben Wiens, bzw. Oesterreichs Ist mit derf Kamen'A <f& neute' sech2ig2ährigen Adolf Böhm innig verknüpft. In den Jahren 1907 bis 1S18 propagierte Böhm die auf praktische Arbeit hinzielende Strömung Im Zionismus. Als langjähriger Leiter der österreichischen Landesorganisation verstand er es, alle zionistischen Kräfte zusammenzuhalten und sie dem Aufbauprogramm zu unterstellen. Im Jahre 1913 legte er den Vorsitz der zionistischen Landesorganisation nieder, um von da ab (mit Ausnahme der Leitung des Jüdischen Nationalfonds) kein offizielles Parteiamt mehr zu bekleiden. Nichtsdestoweniger war sein Wort in zahlreichen, entscheidenden zionistischen Tagungen zu hören. Ueberaus reich sind die Früchte von Böhms publizistischer Tätigkeit. Sein Werk „Die zionistische Bewegung", das den Zionismus bis in das Jahr 1920 behandelt, ist eine unentbehrliche Darstellung der zionistischen Ideologie und Geschichte. Die von Böhm herausgegebene Zeitschrift „Palästina" bezeugt die ungewöhnliche Gabe, Material gewissenhaft und geistreich zu behandeln. Adolf Böhm erfreut sich in der zionistischen Welt des größten Ansehens und der höchsten Wertschätzung. Unberührt vom Parteikampf des Tages, wirkt er als Anreger, Mahner, Initiator in die Tiefe des zionistischen Werdens. An seinem sechzigsten Geburtstag vereinigen sich seine unzähligen Freunde in dem Wunsch, ihn auch weiterhin im Zionismus mit derselben Tatkraft wie bisher schaffen zu sehen. "wwp» jähr, jüdischer Kaufmann schuldlos geschleden.kelneAllmentatlonspfllcht, sucht Bekanntschaft aus gutbürgerllcher Familie behufs Ehe. Zuschr.. unter „Eventuell Einheirat" an c\e Administration des Blattes Dr* Soskin — freigesprochen Eine leichtsinnig erhobene Anklage bricht zusammen Das Bestreben der Poale-Zion und der allgemeinzionistischen Kreise um Professor Wfeizmanfc, dürch Verdrängung der Revisionisten — d. h. der Jüdenstäatler imd Herzl-Zionisten — aus der Weltorganisation eine Wiederkehr des Welzmann-Regimes zu ermöglichen, hat groteske Formten angenommen. Nach der Anklage gegen; den revisionistischen Sonderverband leisteten sich die Herren Locker und Professor Brödetzky das Stückchen, den revisionistischen• Führer Dr. Soskin vor das Ehrengericht zu stellen. Warum? Weil dieser seit 35 Jahren in der Organisation an führenden Stellen tätige Herzl- Zionist es* gewagt hatte, den polnischen Außenminister zu besuchen. Nicht etwa wegen des Inhaltes der Aussprache, sondern wegen der bloßen Tatsache des Besuches müsse, so forderten die Ankläger, Dr. Soskin gemaßregelt, eventuell ausgeschlossen werden. Ueber den Verlauf der Verhandlung wird der „Neuen Welt" aus Berlin berichtet: Das zionistische Ehrengericht, das am 30. Jänner 1933 unter dem Vorsitz von Herrn RA. Gronemann stattfand, wies insofern eine andere Besetzung als das letzte auf, als an Stelle von Herrn Dr. Wolfsberg, dem der Besuch einer Feier wichtiger war, Herr RA. Philipp Koczower. zusammen mit dem Foale-Zionisten Dr. Oskar Cohn als Beisitzer fungierte. Die Anklage vertrat wiederum Kongreßänwalt Dr. Aron Barth, Dr. Soskin war zu der Ehrengerichtsverhandlung nicht erschienen und begründete in einem Schreiben sein Fernbleiben. Er bestritt darin u. a. die Zuständigkeit des Ehrengerichtes, das vom Kongreß eingesetzt. sei, um kleine Streitfragen von untergeordneter Bedeutung zwischen einzelnen Personen zu entscheiden, nicht aber für politische Entscheidungen von weittragender Bedeutung. . Aus einem im Schlüsse des Briefes von Dr. Soskin enthaltenen Passus wollte der Kongreßanwalt Dr. Barth auf eine prinzipielle Ablehnung des Ehrengerichtes durch Dr. Soskin schließen und beantragte, daß das Gericht darüber Beschluß fassen möge, ob Herr Dr. Soskin sich dem Ehrengericht nicht hat stellen wollen. Nach Beratung verneinte das Ehrengericht diese Frage und gab der Meinung Ausdruck, daß eine prinziplellle Ablehnung des Ehrengerichtes durch Herrn Dr. Soskin nicht vorliege. Herr Dr. Barth baute seine Anklage. darauf, auf, daß Dr. Soskin die zionistische Disziplin dadurch verletzt habe, daß er dem polnischen Staatssekretär, und Vertreter Polens in der Minderheitenkommission des Völkerbundes, Herrn Rasczynski In Warschau eine Visite gemacht hat.-Was Dr. Soskin dem Minister gesagt hat, wußte natürlich Dr.- Barth nicht. Er beschränkte sich darauf, mehrere Auszüge aus revisionistischen und anderen Zeltungen zu verlesen, aus denen er ableiten Wollte, daß Dr. Soskin in die außen p o 1 i-t 1 s c h e n Vorrechte der Zionistischen Organisa« t!I o n eingegriffen hat. Hier unterbrach RA. Gronemann und machte Dr. Barth darauf aufmerksam, daß man auf Zeitungsnotiz e n doch unmöglich eine so schwerwiegende Anklage stutzen könne. Er befragte ihn, ob denn keine tatsächlichen Beweismittel, z. B, Aeußerungen der am Ge- •y*.

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