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Die neue Welt · 1933-02-10 · Heft 283 (10.2.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 283 (10.2.1933)
Date
1933-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preti 35 Groschen Jahrgang f tteUag, den 10« Februar 1051 Nr« 981 V« *♦ b« Zeitung von! Verlege» versendet »Journal cxpSdie par rediteor*« Ti«. Universitätsbibliothek Wien. I. R E V U E BEZUOSBEDINQUNQBN Tschechoslowakei Lei 40.-, vierteljährig Lewa 120.—; Italien mi {ahrig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Univer*itätssir.64,7eLB-48-504 — Er scheint jeden Freitag Und in Oe§terreidi? - Die Aufmerksamkeit der Welt ist jetzt auf Deutschland gerichtet, die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt auf das Schicksal der in Deutschland lebenden Juden. Von Oesterreich spricht man wenig odet gar nicht, obzwar dieses kleine Land — ein Schlüsselpunkt höchster politischer Bedeutung für Europa und mit dem großen Deutschland eng verknüpft — vor schwererer Erschütterung steht als Deutschland. Von den österreichischen Juden spricht man nicht, obzwar sie in eine Situation geraten sind, welche der Situation der Juden Deutschlands verzweifelt ähnlich ist. Die Bevölkerung Oesterreichs ist in schwer bewaffnete Haufen geteilt, jeden Augenblick zum Losschlagen bereit» wie in Deutschland. Nur ist hier die Gefahr größer, die Lage ungewisser, weil in dem kleinen Lande fremde Hände, auswärtige Mächte am Werke sind, die bestehenden Spannungen für sich zu nützen. (Oesterreich ist das Gebiet» wo Ungarn, Italien, die Tschechoslowakei, Jugoslawien und hinter ihnen noch größere Mächte ein gefährliches politisches Spiel treiben, wie es seinerzeit auf dem Balkan getrieben wurde.) Und wenn es zu einem Ausbruch kommt» werden die Juden einen Hauptteil der Zeche bezahlen müssen, wie in Deutschland. Für die bewaffneten Haufen auf der rechten Seite ist Verfolgung der Juden programmatischer Hauptpunkt, und auf der linken Seite ist kein Wille, vielleicht auch keine Möglichkeit vorhanden, die Juden zu schützen, wie In Deutschland. Die Frage* ob die österreichische' Judenschaft zur Abwehr etaer Katastrophe bereit und befähigt ist, muß Verneint werden. Die politische Bedeutung der österreichischen Judenschaft ist, vom jüdischen Standpunkt aus betrachtet, derzeit gleich Null zu setzen. Die österreichische Judenschaft ist politisch ganz schwach organisiert. Einem kleinen bewußt-jüdischen Teile steht eine Masse gegenüber, welche fremder Führung nachläuft. Nach dem durch den Weltkrieg herbeigeführten Umsturz waren gute Ansätze für eine jüdisch-politische Organisation vorhanden. In der Zeit der Geld- und Gesinnnungsinflatlon sind sie zerstört worden. Die österreichische Judenschaft hatte Vertreter im Bundesparlament und im Wiener Gemeindeparlament. Sie sind verschwunden. Die österreichische Judenschaft hatte eine angesehene politische Tageszeitung, welche ihr und dem Weltjudentum wertvolle Dienste geleistet hat. Sie ist verschwunden. Mit einer an. Zynismus grenzenden Gleichgültigkeit haben die österreichischen Juden alles fallen lassen, was jüdische Politik bedeutet. Die österreichische Judenschaft ist politisch stumm. Aerger als stumm, denn „jüdische" Stimmen und Federn spielen in den politischen, sozialen und kulturellen Kämpfen Oesterreichs eine Bolle, eine allzu große Bolle, aber in fremden Diensten. Von Juden geschriebene Zeitungen, die nur in verächtlichem Sinne als „jüdisch" bezeichnet werden, greifen in den Kultur- und Klassenkampf ein, nicht besänftigend, sondern aufreizend. Sie dienen der Verflachung und Verhetzung, Wenn die Kämpfe in den politischen Vertretungskörpern den Höhepunkt erreichen, greifen Menschen jüdischer Abstammuilg und unjüdischer Gesinnung von exponiertester Stelle ein, nicht beschwichtigend, sondern aufreizend. Das Gegqngeheul richtet sieh dann nicht so sehr gegen die von i-^nen vertretene Sache, wie gegen das Jüdische an ihnen, gegen alle Juden. So ist die österreichische Judenschaft ärger dran, als wenn sie politisch völlig stumm wäre. " * Die österreichische Judensehaft ist insofern besser daran als die Judenschaft Deutschlands, als sie in geschlossener Siedlung lebt. Die . technischen Möglichkeiten für eine Organisierung sind günstigere. In relativ besseren Zeiten haben es die österreichischen Juden — beschämen« derweise ■ — verschmäht, diesen Vorteil zu nützen, sich> politisch . zusammenzuschließen. Vielleicht werden - sie jetzt, wo B o y k o 11u n d P o gr o ra s t i m m u n g sie umgibt, würdig und vernünftig; handeln, anter dem1 Druoke höchster Gefähr das tun, was sie freiwillig zu tun unterließen. Vielleicht wird jetzt der Ruf der Jüdisohen Volk sparte!, welche als ein Instrument jüdischbewußter Politik geschaffen wurde, bei den Juden Oesterreichs Zustimmung finden. Palästina vor dem Völkerbund Die 22« Tagung der Mandatskommission In Genf Von Dr. S. E. SosWn (Genf);;(SchIuß)] In der vorigen Nummer der „Neuen Welt" hat Dr. S. E. Soskin über die letzte Session der Ständigen Mandatskommission berichtet und bei dieser Gelegenheit die Aufgaben der Mandatarmacht gegenüber dem Mandatsland genau umrissen. Besonders wurde auf die Bedeutung der Sicherheit, der landwirtschaftlichen Entwicklung und des Bevölkerungszuwachses Gewicht gelegt. Im nachstehenden Schlußartikel beschäftigt sich Dr. Soskin mit der Frage des gesetzgeberischen Rats uhd mit der Chance von Petitionen an den Völkerbund, die er als aussichtsreich bezeichnet. Es genügt, einen Bück auf das Budget der Regierung zu werfen, um festzustellen, daß in der Richtung einer direkten Förderung der jüdischen Einwanderung so gut wie nichts geschieht. Für die allgemeine Entwicklung des Landes —• gewlßi Wir werden der Regierung nicht die Anerkennung vorenthalten, daß sie ihre Aufgaben im großen und ganzen als eine europäische Kolonialverwaltung gut durchführt, mit der Einschränkung, daß die Sicherheit im Lande viel zu wünschen übrig läßt. Die Regierung bemüht sich Schritt zu halten mit der Entwicklung, die aber nicht von ihr ausgeht, sondern der Initiative und dem Kapital der jüdischen Einwanderer zu verdanken ist. Ausgenommen freilich die direkte Förderung der britischen Interessen, wie sie durch den HafeiA>aü von Half ä, die Mossul- OeHeitung und Aehnliches mehr Ausdruck findet. Hier entwickelt die Regierung eine große Aktivität. Kein Posten im ganzen Budget für Ausgaben, die man einem Kolonisations-Department aufs Konto schreiben könnte. Halt! Da müssen wir eine Korrektur machen. Ais letzter Ausgabeposten für das Jahr 1931 wird ein Betrag von 1910 für ein „Department of Development" verbucht. Dies ist das Department für innere Kolonisation, welches von Hope Simpson ausführlich begründet und von French auf Grund „genauer" Feststellungen geleitet werden sollte. Es hätte ein Kolonisations- Department für die Araber werden sollen. Nicht etwa, daß wir dagegen wären, für die Förderung der arabischen ländlichen Bevölkerung das Erforderliche zu tun. Wogegen wir aber entschieden sind, ist, daß man an Stelle der Maßnahmen für die Entwicklung des Landes mit dem Zweck der Erhöhung seiner, wirtschaftlichen Fassungsfähigkeit für jüdische Einwanderer unzeitgemäße, verfrühte Maßnahmen trifft. Bewässerung und Siedlungsmöglidikeii Was die wirtschaftliche Fassungsfähigkeit des Landes für neue Siedler entwickeln würde, ist in entern subtropischen Gebiete in erster Linie Bewässerung. Jeder Bericht der Regierung führt Klage über Dürre, Heuschrecken, Feldmäuse — diese beiden Landplagen meist eine Begleiterscheinung der Dürre. Und doch hat bis jetzt die Regierung nur sehn wenig in der Richtung der Wassererschließung getan. (Es ist wiederum jüdische Initiative, die auch hier beispielgebend vorangeht.) Dabei verfügt sie über einen Geologen, der .wiederholt seine Ansicht darüber kundgab, daß Aussicht besteht, verschiedene Teile des Landes durch Wasserbohrungen der Besiedlung zugänglich zu machen. Seit zwölf Jahren fordert Schreiber dieses die Schaffung eines Wasseramtes, eines Depart- ANTHRACIT hSchcMr OnaMtWwi BÄSCH, IV. ftrg^ntinf ntrnttc 22 T«l«s Serl« IM7.5.40 BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN AUF MODERNSTE IST (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet ment» of Irrigation, und nun hat sich" die Regierung dazu aufgerafft, einen Irrigation Öfficer der Development Commlsslon beizugeben, dies allerdings, wie sie selbst sagtj im Zusammenhang mit der Arbeit dieser Kommission. (Ist es übrigens ein Department oder eine Commission?)] Und dann erfahren wir noch, daß die Regierung einen Drillbohrer za Bohrungen nach Wasser bis zur Tiefe von 500 Meter erhalten hat und daß man damit eine Bohrung SO Kilometer entfernt von Ber Sheba angefangen hat. Eine sehr interessante Mitteilung. Für mich vielleicht die Interessanteste aus dem ganzen positiven Teil des Regierungsberichts. Welche Hoffnungen man berechtigterweise auf die Wassererschließung in den noch unkultivierten Teilen Palästinas hegt, geht a. a. aus einem zu Beginn der letzten Tagung der Mandatskommission erschienenen Artikel von William Martin im „Journal de Geneve" vom Anfang November 19SZ hervor. In diesem Artikel erwähnt der sehr geschätzte, objektiv urteilende Verfasser« der leider Genf, hoffentlich nur vorübergehend, verlorengeht, da er die Redaktion des „J. d. G." verläßt and als Professor für Geschichte nach Zürich zieht, daß auf Grund von fachlichen Feststellungen im Süden Palästinas nicht weniger als 600.000 Hektar anter Bewässerung gebracht werden können. Dabei bemerkt Martin, daß die Araber sich dem entgegensetzten» da sie es nicht zulassen möchten, daß mehr Juden ins Land kämen. Ich muß sagen, die Zahl hat mich Überrascht: der südliche Teil Palästinas wird mit 12.500 Quadratkilometer angegeben. Die von Martin mitgeteilte Zahl würde besagen, daß die Hälfte dieses Gebiets unter Bewässerung gebracht werden könnte. Dies würde ja die Siedlungsmögllehkeit für ebenso viele — 600.000 — Familien bedeuten, loh fürchte, es handelt sich hier nicht um Hektare, Bonden um Dun am. Aber auch dann wäre es ein ungeheurer Gewinn. Und damit wären freilieh die Möglichkeiten für die Bewässerung weiterer Strecken nicht erschöpft. Eines unterliegt keinem Zweifel} in der Schaffung von Bewässerungsmö glich« ketten In allen Teilen des Landes liegt der Sehlüssel zur Steigerung der ökonomischen Fassungsfähigkeit des Landes neben einer entsprechenden Verwaltungspolitik zur Förderung von Industrie, Handel und Gewerbe. Für ans war das Auftreten des neuen Oberkommissärs in Genf, von dem man so viel erwartet und der so viel hat von sich hören lassen, von besonderem Interesse. Was wir aber vernommen haben, bekräftigt uns in der Ansicht, daß wir, vorläufig-wenigstens, keine Aenderung In der Politik und Taktik des Mandatars xti

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