Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 282 (3.2.1933)
- Date
- 1933-02-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 282 DIE NEUE WELT fett»! herigen Mißerfolge auseinandergesetzt. Diese Tatsache an sich ist keine Ueberraschung. Interessanter erscheint deren Begründung. Wir erfahren nämlich, daß freier anbaufähiger Boden in Biro Bidschan nicht vorhanden ist und daß eine Verbreiterung der Saatflüche kaum bewerkstelligt werden kann. Daran schließt sich die Erkenntnis: Ohne landwirtschaftliche Basis kann eine Massensiedlung nicht durchgeführt werden. Und noch etwas muß der Generalsekretär des Siedlungsdepartements zugeben: daß nämlich 6 0 Prozent der im Jahre 1932 Eingewanderten und 30 Prozent der in den vergangenen Jahren Eingewanderten das Land wieder verlassen haben. Seit 1928 sind 7700 Menschen nach Biro Bidschan gekommen, von ihnen sind insgesamt 4500 im Lande verblieben. Das sind Ziffern, die sprechen. Das sind die offiziellen Ziffern der Sowjetregierung. Will man das Debakel ermessen, so muß man sich vergegenwärtigen, daß die ganze Kolonisation von der russischen Regierung offiziell unternommen wurde, daß Böden nicht erst gekauft werden mußten, daß keinerlei Einreisezertifikate erforderlich waren, daß, kurz gesagt, ein Kolonisationsregime vorhanden war. Nach fünfjähriger Arbeit mit intensivster Propaganda und unerhörtestem Druck 4500 Menschen angesiedelt! Und noch heute weiß man nicht, wieviele dieser unglücklichen jüdischen „Kolonisten" es im versumpften Amur- Gebiet aushalten werden. Für diesen Kolonisationsschwindel haben reiche jüdische Amerikaner Millionen Dollar hergegeben! In derselben Zeit haben jüdische Kolonisten und Mittelstandssledler in Palästina sich verwurzelt, Wertvolles zum Aufbau des jüdischen Landes beigetragen. Die jüdische kommunistische Presse In Sowjetrußland ist kleinlaut geworden. Sie muß gestehen, daß die Proklamierung Biro Bidschans als jüdische Republik wieder einmal hinausgeschoben wird. Die Fronte berichte von Biro Bidschan werden Jetzt vielleicht die jüdisch-amerikanischen Millionenspender ein wenig skeptischer machen. Diese müssen schließlich nicht optimistischer sein als der Generalsekretär des sowjetrussischen Siedlungsdepartements. Die Mineralien-Industrien in Palästina und Transjordanien Das Wirtschaftsdepartement der Zionistischen Exekutive übermittelt uns den Bericht des geologischen Experten der Palästinaregierung, S. G, Blake. In der bewohnten Zone von Palästina kommen metallische Mineralien selten vor, besonders Eisenerze sind hier beinahe unbekannt oder nur in kleinen Quantitäten im Kalkstein auffindbar. In Trans jordanien gibt es jedoch große Eisenerzlager in den Ajlun-Bergen, und hier findet man auch noch Ueberreste von Schmelzöfen, in denen in früheren Jahren das Erz geschmolzen wurde und die mit Holzkohle aus den benachbarten Wäldern geheizt wurden. Die Bedeutung der trans jordanischen Bisenerzlager ist heute klein. Kohle gibt es nicht in erreichbarer Nähe und die Entfernung von einem Hafen ist zu groß, als daß sich der Transport des Erzes oder der Import von Heizmaterial zur Schmelzung lohnen würde. Was Kupfer anbetrifft, so findet man verschiedene Anzeichen dafür, daß dieses Metall in früheren Jahren in Fenan und Wadi Sabra in Transjordanien und verschiedenen kleineren Orten in Süd-Palästina in der Nähe des Golfs von Akaba geschmolzen wurde. Kupfererz setzt sich aus Malachit und überwiegend Cuprit zusammen, die hauptsächlich in vertikalen Adern in tieferen Schichten des Nubischen Sandsteins und gelegentlich auch in Knötchen von schwarzem Kupfersulfid vorkommen. Andere metallische Erze, die in früheren Jahren nicht gebraucht wurden, wie Mangan-Erze, wurden vor zwei Jahren auf einer ansehnlichen Fläche in Süd-Palästina entdeckt. Sie kommen im Sandstein in einer Dicke von 2 bis 3 Meter vor und ziehen sich durch die Berge fort, die das Wadi Meneiaieh umgeben. Die Menge in situ wird ungefähr auf eine halbe Million Tonnen geschätzt, aber der tatsächliche Reichtum kann nur durch Bohrungen festgestellt werden. Wenn sich der zur Zeit schwache Markt in diesen Erzen erholt haben wird, wird die Möglichkeit für die Gewinnung und Bearbeitung für einen eventuellen Export bestehen. Dadurch kann auch der antike Hafen des Königs Salomon, Umrashash, in der Nähe des Golfs von Akaba, wieder Bedeutung bekommen. Ebenso können noch andere Punkte im südlichen Palästina im Laufe der Zeit mit der fortschreitenden Entwicklung wiederbelebt werden. Palästina und Transjordanien sind zwar arm an metallischen Mineralien, aber sie sind in gewissem Sinne reich an nichtmetallischen M i nera 1 i en. Das Tote Meer enthält unbeschränkte Mengen von Pottasche und Brom, die hier von den Wassern des Jordan abgelagert werden, der jährlich ungefähr 40.000 Tonnen Pottasche anschwemmt. Der Ursprung der Pottasche und des Broms sind vor allem die heißen Quellen in Galiläa. Das Tote Meer ist der einzige Lieferant von Pottasche und Brom im Britischen Imperium. Das Werk, das die Palestine Potash Ltd. unternommen hat, besitzt Aussichten, im Laufe der Zeit Palästina in die erste Reihe der Pottasche und Brom produzierenden Länder zu rücken. Die bisherigen Abmachungen sehen eine jährliche Produktion von 100.000 Tonnen vor und die Exportbilanz von Palästina kann dadurch mit der Zeit durch Pottasche alkin um mehr als eine Million Pfund verbessert werden. Was das Brom anbelangt, so ist das Tote Meer noch reicher daran als Staßfurt; das Wasser des Toten Meeres enthält selbst nach Entziehung der Pottasche immer noch viermal soviel Salze wie das Staßfurter. Der Bedarf an Brom wird u. a. durch die Herstellung von chemischen Verbindungen und Farben für die Gewinnung von Antiknock-Benzine jährlich immer weiter gesteigert Von nichtmetallischen Mineralien besitzen sowohl Palästina als auch Transjordanien große .Quantitäten von Berg-Phosphaten und pechhältigern Kalkstein (roc phosphate and bituminous limestone). Die Mineralien kommen in einer dicken Schicht auf weiten Flächen vor, hauptsächlich nördlich und südlich der Jerichostraße (von 20 bis 32 Kilometer). Allerdings reduziert die augenblicklich ungünstige Weltmartklage ihren großen ökonomischen Wert, Vor einigen Jahren wurden Versuche zur Ausnützung des pechhaltigen Kalksteins angestellt, in der Weise, daß durch Destillation zuerst ein hydraulischer Kalk als Hauptprodukt gewonnen wurde, wobei Oele mit Verflüchtigungsfähigkeit (volatile) als Nebenprodukte gewonnen wurden, und der zurückbleibende Kohlenstoff wurde zusammen mit schwereren Oelen und Gas zur Verbrennung des Kalks benützt. Es ergaben sich hiebei weitere Nebenprodukte von Benzin und brennbaren Oelen. Das Berg-Phosphat von dem die hauptsächlichsten Mengen in der Gegend von Nabi Musa konzentriert sind, weist verschiedene Qualitäten auf, der größere Teil davon ist zu gehaltsarm, um zum Export oder zur Bearbeitung zu Süperphosphaten verwendet zu werden. Um ein absatzfähiges Erzeugnis herzustellen, wurden Versuche unternommen, eine Gehaltskonzentrierung durch ein Flottationsverfahren (process of flofation) zu erreichen. Die Frage der Erzeugung von Süperphosphaten ist in diesem Lande abhängig von der Herstellung von Schwefelsäure. Aussichten hiefür eröffnen sich dadurch, daß südlich von Gaza ein großer Schwefelreich tum entdeckt wurde. Die Errichtung von Schwefelsäurewerken an Ort und Stelle oder einem anderen geeigneten Platz würde sowohl die Gewinnung von schwefelsaurer Pottasche als auch von Süperphosphaten ermöglichen. Der Schwefel erscheint hier als eine Sättigung im Sandstein von 15 bis 28 Prozent Seine direkte Benützung für die Schwefelsäureproduktion ist möglich und seine. Konzentrierung durch ein Flottationsverfahren (ein Versuch, der bereits erfolgreich durchgeführt worden ist) würde es zu einem wertvollen Absatzprodukt machen. Das Vorkommen von Salz, Pech und Schwefel an den historischen Stätten im Süden des Toten Meeres hatte einen beträchtlichen Einfluß auf ihre Geschichte und ihre Sagen. Jebel Usdum ist ein großer Salzberg, welcher als Salzsäule oder Salzdom betrachtet werden kann, und der wahrscheinlich durch den Ausbruch einer tieferen Quelle enstanden ist Ein Teil des Berges ist für die Salzgewinnung ausgenützt worden und hat den Bedarf von Jerusalem in den letzten fünf Jahren gedeckt. Soweit die Legende von Lots Frau als historisch zu' gelten hat kann man annehmen, daß sie während der Arbeit in die Salzquelle hineingefallen ist Man findet auf dem Wasser des Toten Meeres eine dünne Pechschicht schwimmen und auf mehreren Seiten des Buches Genesis XII sind Pechgruben und Schlamm erwähnt. Es ist jetzt eine Erforschung dieses Gebietes ins Werk gesetzt worden, um festzustellen, ob dieses Vorkommen die Existenz von Petroleum in bedeutenden Mengen beweist Es besteht Grund zur Annahme, daß die Produktion von Pottasche und Brom am Toten Meer befriedigende Resultate ergeben wird; ebenso darf auf ein Wachstum der Absatzmöglichkeiten sowohl im Britischen Imperium als auch in anderen Ländern gerechnet werden. Die Zukunft der Metallscbätze im Süden des Landes ist noch ein Problem, aber da seine Qualität im Durchschnitt einen Wert von ungefähr einer Million Pfund darzustellen scheint, ist es wahrscheinlich, daß man bei einer Erholung des Weltmarktes auch an die Bearbeitung und Ausfuhr dieser Erze gehen wird. Per Schwefel hat einen Wert von 3 bis 8 Pfund per Tonne, je nach seiner Reinheit und seinen physikalischen Bedingungen. Es besteht jeder Grund zur Annahme, daß eine Grubenanlage südlich von Gaza guten Ertrag ergeben David Nebenzahl und Frau gratulieren herzlichst Herrn Chaskel Ederer u. Frau zur Vermählung ihrer Toditer Cilli mit Herrn Leo Gens er würde, da die hier vorkommende Menge von Erzen laut den vorgenommenen Versuchen groß ist Das Problem der Ausnützung des Bergphosphats und pechhaltigen Kalksteins ist schwieriger und kann zweifellos nur mit Unterstützung der Regierung gelöst werden. Wir warten ebenso mit Interesse auf die Ergebnisse der Petroleumerforschungen südlich des Toten Meeres. Vor zehn Jahren war hier wirklich noch kein Zeichen einer Gruben-Industrie zu sehen; heute haben wir bereits die Ausfuhr von zwei Mineralprodukten und es bestehen Möglichkeiten für eine Ausfuhr von weiteren Mineralien. Ich glaube, ich kann sagen, daß die Mineralien-Industrie in Palästina in diesem Zeitraum einen guten Fortschritt gemacht hat Aus(rorPalä$(inen§i$dier WirU§diaff§dien$f Gesellschaft»* und Studienreise nach Palästina Veranstalter: Austro-palästlnenslscher Wirt- Schaftsdienst Preis: Von Wien bis Wien — alles Inbegriffen — S 500.— und engl. Pf. 18.—, Aegyptenarrangement engl. Pf. 8.— Aufenthalt In Palästina 17 Tage» in Aegypten Z1/, Tage. Purins in Tel-Awiw. Die Seereise Triest—Jaffa und zurück wird mit dem vollständig umgebauten Ozeandampfer „Marth» Washington" (12.500 Tonnen) zurückgelegt Die Reiseteilnehmer, welche auch nach Aegypten fahren, benutzen auf der Rückfahrt den Luxusexpreßdampfer „Ausoni a". Auskünfte und Prospekte kostenlos durch Austro-palästinenslschen Wirtschaftsdienst, Wien, IX* Berggasse 16 (Handelsmuseum), Montag und Donnerstag von halb 5 bis 6 Uhr nachmittags, Telephon A-17-5-40 Serie, oder durch die Reiseleltun •: Frau Berta Taubes, Wien, n., Böcklinstraße 92, Telephon B-51-705, an allen Werktagen. Die Handelbeziehlingen zwischen Palästina und BuSland Im Jahre 1931 betrug der Warenimport Pal Syst Inas aus Sowjetrußland 140.000 Pfund gegen 75.000 Pfund im Jahre 1930, schätzungsweise wird der Import aus Rußland im Jahre 1932 den von 1931 noch weit Uberstiegen haben. Demgegenüber ist der Export von Palästina nach Sowjetrußland kaum nennenswert. Jüdische Orangenzüchter führen gegenwärtig Verhandlungen mit dem Handelsattache" der Sowjetunion in der Türkei, der die Union im gesamten Nahen Osten vertritt die darauf hinzielen, das) Sowjetrußland ein bestimmtes Quantum Palästina* Orangen, importiert, damit auf diese Weise ein fairer Handelsaustausch zwischen diesen beiden Ländern herbeigeführt wird. Die Verwertung von Orangenschalen Herrn Josef Brawermann, einem bekannten Che* miker, ist es nach jahrelangen Versuchen gelungen, au* Orangenschalen Säfte und Oele zu erzeugen. Er hat jetzt in Rechowoth eine Fabrik (8000 Pfund Kapital) für Massenproduktion erbaut. In der Fabrik arbeiten bereits 80 Arbeiter, durchwegs Juden. Schiffswerft in Haifa Die Palästina-Regierung beabsichtigt im Hafen von Haifa eine große Reparaturwerkstätte für Schiffe bis 2000 tons einzurichten. Aus Tel-Awiw Nach dem Bericht der Gemeindeverwaltung hat das technische Departement im Monat November 144 Baubewilligungen für 349 Zimmer und 18 Geschäftsläden erteilt. Die Baukosten betragen 80.500 Pf. — Tel-Awiw wird von 295 halbnächtigen und 308 ganznächtigen elektrischen Straßenlampen beleuchtet. — Die Autobuslinien der Stadt haben im Monat November 700.000 Gäste befördert. — Im Norden der Stadt wurde der Bau eines neuen, großen Tempels begonnen. — Die Steuereinnahmen der Stadt betrugen im Monat November 1932 12.469 Pf. Die Palästina-Orange in Rumänien Aus Bukarest wird gemeldet: Der Irapor* von Palästina-Orangen nach Rumänien, der bisher den ganzen Orangenbedarf gedeckt hat, stößt jetzt infolge Zoll- und Valutaverordnungen auf Schwierigkeiten. Die Umsatzsteuer auf Luxuswaren, zu denen auch die Orange gezählt wird, wurde von 2 auf 11 Prozent erhöht wobei als Grundlage der Steuerbemessung die Orangenpreise vom Jahre 1920 genommen werden, obwohl die Preise inzwischen um 40 Prozent gefallen sind. Gleichzeitig sind mit der Valutaüberweisung Schwierigkeiten verbunden. Im Zusammenhang mit diesen Hindernissen des OrangenimpqrU wird eine großzügig«