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Die neue Welt · 1933-02-03 · Heft 282 (3.2.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 282 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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•tftoS DIE NEUE WELT Nr. 281 s TRENG RITUELLE KÖCHIN mit guten Referenzen wird gesucht Vorzustellen täglich zwischen 1 und 4 Uhr: XIII, Hfetefager Haupfsfr« S2 (Reiß) Aktion zu deren Behebung geführt, an der einflußreiche Hitglieder des rumänischen Handels- und Finanzministe" riums beteiligt sind. Man rechnet damit, daß sowohl eine neue Basis der Umsatzsteuerbemessung als auch die Möglichkeit leichterer Valutaüberweisung - gefunden werden wird. Kein Frauenwahlrecht zu den Stadtverwaltungen in; Palästina? Es verlautet, daß die . neue Verordnung über die Munizipalitäten in Palästina den Praüen weder das aktive noch das passive Wahlrecht zuerkennt, sondern statt dessen dem High Commissioner die Entscheidung darüber läßt, ob Frauen wählen oder gewählt werden dürfen. Gegenwärtig haben die jüdischen Frauen Im Gegensatz zu den arabischen Frauen in den jüdischen Zentren Palästinas sowohl aktives wie passives Wahlrecht. In mehreren solchen1 Zentren, besonders in Tel-Awiw, bekleiden Frauen wichtige städtische Aemter, besonders die Aemter für Kinderfürsorge, soziale Fürsorge und Unterricht. Eingeweihte Kreise nehmen an, daß.der High Commissioner, der laut der neuen. Faiestine Municipal Ordinance über das Wahlrecht der Frauen nach Gutdünken zu entscheiden haben wird, es wird vermeiden wollen, daß ein Unterschied zwischen den Rechten jüdischer und arabischer Frauen gemacht wird, und, da arabische Frauen nach moslemitischer Tradition an öffentlichen Angelegenheiten nicht teilnehmen dürfen, auch jüdischen Frauen das Wahlrecht vorenthalten wird. Unter den jüdischen Frauen Palästinas entstand im. Zusammenhang mit diesen Mitteilungen eine starke Beunruhigung, es wird eine energische Kampagne für Wahrung der politischen Rechte der Frauen eingeleitet, die vom gesamten Jischuw gefördert wird. Rabbi Berraann demissioniert Rabbi Bermann, der Leiter des Schulwerkes des „Misrachi", hat zum Zeichen des Protestes gegen das Verhalten der zionistischen Exekutive sein Amt niedergelegt. In einem Aufrufe der Misrachi-Zentrale wird darauf hingewiesen, daß die zionistische Exekutive das Misrachi-Schulwerk vernachlässigt und ihm ausreichende Unterstützung verweigert. Bernard Shaw/ wieder einmal „geistreich'7 Der englische Schriftsteller George Bernard Shaw, der auf' seiner Weltreise jetzt in Bombay eingetroffen ist, sprach sich' dem J. T. A.-Vertreter gegenüber m folgender. Weise über die Judenfrage aus: Ich sehe nichts Außergewöhnliches in der zionistischen Bewegung. Ich selbst bin gewiß kein Gegner des Zionismus und wünschte, daß sich die Juden in Palästina behaupten. Sie müssen aber wissen, daß nicht einmal Großbritannien und noch weniger irgend eine andere Nation ihnen in der Verwirklichung der Balfour-Deklaration entscheidend helfen wird; sie müssen, wenn sie vorwärts kommen wollen, ihre eigene Strategie und Taktik entwickeln. Während meines kürzlichen Besuches in Palästina kam ich nicht sehr viel herum. Ich sah, daß Häuser gebaut werden; ich war überhaupt nicht begeistert von dem, was ich sah. Jerusalem ist durchaus nicht eine geistige Stätte, die Juden dürfen nicht glauben, daß sich Gott einzig auf Jerusalem konzentriert. Der jüdische Gott dieser Vorstellung ist altmodisch. Gibt es einen Gott in Jerusalem, so gibt es denselben auch in Sheffield oder Leeds. Die Juden sollten aufhören, sich als das aus er wählte Volk Gottes zu fühlen. Sie sollten nicht auf die Nichtjuden herabsehen, es aber auch nicht dulden, daß man auf sie herabsieht. Sie sollten nicht den gleichen Superioritätskomplex haben wie mein eigenes Volk, die Iren. Ich sehe überhaupt, nichts Gutes darin, daß die Juden als eine gesonderte Einheit existieren, sie täten besser, sich dem Volke, unter dem sie leben, zu assimilieren. Die Balfour-Deklaration, fuhr Bernard Shaw fort, ist etwas sehr Schönes für die Juden, aber nichts Schönes für die Araber. Ein. hervorragender Jude leistete England unschätzbare Kriegsdienste und lehnte überraschenderweise jedes finanzielle Entgelt ab, sondern erbat sich statt dessen ein Nationalheim für die Juden in Palästina. Balfours Versprechen ist ein Kriegszeit-Versprechen — zur Kriegszeit würde Balfour auch jede andere Deklaration an die Juden gegeben haben. Daß die Juden irgendein historisches Recht auf Palästina haben, nehme ich nicht an. Die Juden bemächtigten sich in der Geschichte Palästinas, wie die Engländer sich Indiens bemächtigten. Und was taten sie dort? Sie trugen unter i sieh selbst Kämpfe aus. Die Juden waren stets ein schwer lenkbares Volk. Lesen Sie Josephus' „Geschichte der Juden". Als der J. T. A.-Vertreter Shaw auf die in Bibel und Talmud idealisierte Friedensidee hinwies, sagte Shaw: Gandhi und Jesus -~ der letzte ein Jude — lehren das Gleiche, aber wie viele folgen ihrer Lehre? Auf den Hinweis, daß Palästina in den letzten zehn Jahren als Erfolg der zionistischen Anstrengungen sich — was auch der arabischen Bevölkerung zugute kommt — empor entwickelt hat, erwiderte Shaw: Genau so argumentiert England bezüglich Indiens. Was die Hebräische Universität betrifft, so frage ich: Was ist jüdische Kultur? Aufgäbe der Universität ist es, moderne wissenschaftliche Kultur zu vermitteln. Die Hebräische Universität ist1ein Widerspruch in sich. So Oxford, so auch Cambridge; Ich glaube nicht, daß die Juden eine besondere Mission zu erfüllen haben. Das ist alles nur Mythos. Die Juden glauben noch immer, das auserwählte Volk Gottes, zu sein. Das ist ein Aberglaube. Auf die Frage, wie der Jude mit der gegen ihn andrängenden Welle des Antisemitismus fertig werden solle, erwiderte Shaw, der Jude möge nur immer vorwärts gehen und sich um die Antisemiten nicht kümmern. Ich beklage, fügte er hinzu, die antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland. Die Menschen sind thöricht und wild. Ich weiß nichts davon, daß Juden irgendwelche hervorragende. Positionen bekleiden . und andere beherrschen. Shaw entwickelte weiter seine gegenüber dem J. T. A.-Vertreter in Moskau im Jahre 1931 geäußerten Gedanken, daß die E n d 1 ös ung der Judenfrage in der Mischehe liege. * Bernard Shaw Hat in den letzten Jahren schon so viel über Kultur, Nation, Rasse, Politik usw. geschwätzt, daß ihn sogar , seine intimen literarischen Anhänger nicht mehr ernst nehmen. Er bemüht sich bekantlich, über die einfachsten Dinge etwas Geistreiches zu sagen. Was dabei herauskommt, haben wir z. B. gelegentlich seiner Verherrlichung Moskaus, wo er drei Tage weilte, erfahren. Aber Berhard Shaw; soll nicht? glauben," daß er das Privileg habe, sich über alles und über jeden lustig zu machen. Wir haben das gleiche Privileg — ihm gegenüber. An den Herausgeber der „Neuen Welt", Wien, IX. Von meiner in Ihrer Revue veröffentlichten Humoreske „Manrauß das jüdischeTheater retten" fühlten sich zahlreiche Herren getroffen, darunter auch ein mit wenig Verständnis für Humor Bedachter, Herr Dr. Israel Wald mann, der sich, wie ich von einem Leser seines Organs „Der jüdische Weg" erfahre, von den „J ü d i s c h e n K ü n s 11 e r s p i e 1 e n" ein Wohlverhaltungszeugnis ausstellen ließ. Als ' Unterfertiger zeichnete ein zwar achtens-, aber ebenso bedauernswerter Mensch, der sein Leben lang um das Wohlwollen selbst des periphersten Billettkäufers bangt und sieh von einem Kompliment für die dicke Brieftasche eines Mannes der Gesellschaft mehr verspricht als von dem Respekt für die schlanke Feder eines Publizisten, der innerhalb seiner jahrelangen Propaganda für die „Jüdischen Künstlerspiele" in diese eben auch Herrn Dr. Waldmann gelockt hat. Herr Dr. Waldmann tue sich daher auf das Alibi mit der schönen Legende: „Seine Majestät habe geruht, aus der Privatschatulle usw." nicht allzuviel zugute. Gegen eine Satire ist das reizendste Wohlverhaltungszeugnis machtlos. Mit Zionsgruß Oskar Rosenfeld. Schachsektion des Sp. Cl. Hakoah. Am 26. v. fand die ordentliche Generalversammlung der Sektion statt. Der Bericht des Ausschusses, dem A. L e w i t als Sektionsleiter vorstand, wurde einstimmig mit Dank zur Kenntnis genommen. Besondere Anerkennung fand die Leitung wegen der Energie, mit der sie beim Schachverband den berechtigten Anspruch der Hakoah auf Platzwahl für die Cupentscheidung zu vertreten wußte ... Das Finale H a k o a h—H i e t z i n g findet nunmehr am Samstag, den 4. d. im Klubheim der Schachsektion, I., Wallnerstraße 2, Cafe* Rabel, statt (Gäste willkommen!). Neben mehreren anderen Fragen war noch das kommende Klubturnier Gegenstand lebhafter Debatte. Der Beginn wurde für den 9. Februar, halb 7 Uhr abends, festgelegt (auch für neueintretende Mitglieder offen). In den neuen Ausschuß wurden gewählt: A. Lewit (Sektionsleiter), S. Ellenberg,U« Fuhrmann, E. Horwitz und M. Schiff mann«v M Jüdische Künstlerspiele Täglich halb 8 Uhr abends: „Bei Nacht auf dem alten Mark't", das dreiaktige Mysterium von J. L. Perez, mit Jakob-Weislitz und Josef Kamen in den Hauptrollen. Regie: Jäkob Weislitz. Choreographie: Josef Kamen. — Sonntag, den 5. Februar, viertel 5 Uhr nachmittags: „Herscheie Ostropoler" in vollständiger Abendbesetzung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Brith Trumpeldor Vom Büro des Sbilton in Paris T i m r o n i m. Das wehrsportliche Departement des Shilton erließ den Befehl Nr. 3 an die Pelugot Timronim in Oesterreich, Polen, Litauen, Lettland, Tschechoslowakei und Ungarn. Der Befehl enthält das Arbeitsprogramm der Pelugot für die kommenden drei Monate. Das wehrsportliche Departement stellt fest, daß die Pelugot das Programm der ersten drei Arbeitsmonate zufriedenstellend erfüllt haben. Polen. Am 15. Jänner wurden Instruktorenkurse in Przemysl (unter Leitung des Instruktors Ch. Klagsbald) und Lublin eröffnet. In beiden Kursen werden manche Fächer von polnischen Fachleuten unterrichtet. . Bulgarien. In Bulgarien bestehen drei Kenanim, in Sofia, Plovdiw und Ruschtschuk. Lettland. Der Natziv, M. Gold, erhielt vom Shilton einen einmonatlichen Erholungsurlaub. Sein Stellvertreter, A. Bergmann, erfüllt vorübergehend seine Funktion. Tschechoslowakei. Die Kreiskonferenz der Kenanim der Ostslowakei und Karpathorußlands tagte im großen Rathaussaal von Mukaöevo. Am Turm des Rathauses wehte während der Da\ier der Konferenz die b 1 a uweiße Fahne. Argentinien. Der Ken in Buenos-Aires erwarb ein neues geräumiges Lokal (mit Turnsaal). Gleichzeitig mit der Chanuka-Feier fand die Einweihung des neuen Heimes statt. Es sprachen der Vorsitzende der revisionistischen Union Argentiniens, Herr D. Leistner, und die Ketzinim Rosenberg und Tabatschnik. China. Die Netzivut berichtet über die Entwicklung der drei Kenanim, Charbin, Schanghai und T i e n t s i n. Der Ken in Charbin führt erfolgreiche hebräische Sprachkurse; außerdem besteht eine Boxgruppe. Das „Pro-Betar-Komitee" ermöglichte die Erwerbung eines geeigneten Heimes und die Deckung aller erforderlichen Ausgaben. Die Redaktion der Zeitschrift „Hadegel" beschloß, eine Reihe von Schriften ideologischen Inhalts herauszugeben. — Der Ken in Tie.ntsin führt unter anderem einen erfolgreichen Kampf gegen die Assimilationsbestrebungen eines gewissen Teiles der dortigen jüdischen Jugend. — Ketzin ha-Netzivut A. I f 1 a n d verließ anfangs Jänner Charbin und besuchte Schanghai auf dem Wege nach Palästina. Theater/ Mi?sa5c und Literatur Neue jüdische Musik Der zweite Kammermusiknachmittag des Vereines zur Förderung jüdischer Musik stand im Zeichen des 60. Geburtstages Bialiks. Den Mittelpunkt des Programms bildeten Lieder Bialiks, von Engel, Miliner und Brandmann vertont. In diesen Liedern lebt der echte jüdische Geist, es strömt aus ihnen echtes "Gefühl, das uns gefangennimmt und un3 in seinen Bann zwingt. Besonders fielen M. Milners „An den Vogel" und Brandmanns „Es fiel eine Träne" und-„Birg mich unter deinen Schwingen!" auf, die großes Können verraten. Ljuba L e w i t z k a sang die Lieder mit großer Wärme. Der Anfang des Konzerts brachte die Rhapsodie für Bratsche und Klavier von Alexander W e p r i k, eigentlich mehr eine Suite, da Stücke verschiedenen Charakters aneinandergereiht werden. Fesselnd in seiner Glut ist G. Hamburgs „Aus dem Hohelied". Beide Kompositionen wurden von der ausgezeichneten Bratschistin Lotte Hamm erschlag, deren warmen Ton wir besonders hervorheben, zum Vortrag gebracht. Die zweite Abteilung des Programms brachte eine Uraufführung, und zwar das Quartett für Klarinette, Violine, Bratsche und Klavier von M. Still mann. Stillmann unternimmt den Versuch, mit ganz modernen Mitteln nationale jüdische Musik zu schaffen. Im ganzen ist das Werk als gelungen zu betrachten, wenngleich etwas mehr Klarheit der Themen und deren Verarbeitung dem Werke zum Vorteil gereichen würden. Den Abschluß des so schönen und wertvollen Konzerts bildet die Suite zur dramatischen Legende „Hadibuk" von J. Engel, die schon oft in Wien gehört wurde und wieder die gleiche Begeisterung hervorrief. Dr. J. Mann. Jehuda Ehrenkranz rezitiert „Visionen" Jehuda Ehrenkranz liest Donnerstag, den, 9. Februar, im Architektenvereinssaal, I., Eschenbachgasse 9, zum letzten Male vor Antritt seiner Tournee durch die Tschechoslowakei und Deutschland. Zum Vortrag gelangen Visionen aus der internationalen Literatur". Das in drei Teile gegliederte Programm bringt im ersten Teil, „Die Einsamen", Dichtungen von Richard Dehmel, Franz Kafka, Edgar Allan Poe. Am Beginn des zweiten Teiles: „Die Prediger", stehen als Auftakt „Gesichte des Propheten Jischajahu", daran schließen sich ein Kapitel aus Martin Andersen*Nexös Buch „Stine Menschenkind", eine Rede aus Hanns Gobsch' „Wahn- Europa 1934" und ein Gedicht von Mario Fisch. Der letzte Teil, „Die Lachenden", ist heiter-satirisch und ist Werken von Alfred Polgar, Anton Tschechow und Friedrich Karinthy gewidmet. Beginn 8 Uhr abends. Karten von 1 Schilling aufwärts in den Buchhandlungen R. Lanyi, I., Kärntnerstraße 44; A. Mejstrik, I., Wollzeile 6; M. Rath, II., Taborstraße 20 a, in der K.-Z. Gronner am Graben, und bei Gusti Schmidt, I., Museumstraße 8. Staatlich geprüfte Platzvertreter und Rechercheure Während bei Angestellten eine ständig sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften herrscht, werden qualifizierte Vertreter ständig gesucht. Ueber Wunsch maßgebender Interessentengruppen, die für geeignete, entsprechend vorgebildete Vertreter Interesse haben, wiederholt jetzt der Ge werbe förd erungsdienst des Bundesministeriums für Handel und Verkehr die bereits im Vorjahr mit so großem Erfolg abgehaltenen Beruf s-Ausbildungskurse für Vertreter mit abschließender staatlicher Prüfung, zumal infolge des Andranges nicht alle Anmeldungen entgegengenommen werden konnten, Die

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