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Die neue Welt · 1933-02-03 · Heft 282 (3.2.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 282 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NETTE WELT Nr. 282 Gustav Wilder Wien IV/ Rainerg« 31, Tel* 11-42*4*84 empfiehlt: JAFFAgQRANOEN pro Kiste (80 bis 150 Stück) S 32#—" JAFFAjGRAPEFRUIT pro Kiste (80 bis 96 Stück) S 34L—' Auf Wunsch auch halbe Kisten wirklich erleichtern soll, dann gilt es, eine große Rückwanderung der Juden nach Palästina zu organisieren. Die Zahl der jüdischen Bürger ist für den Charakter des Landes als Erez Israel entscheidend. Voraussetzung solcher Massenimmigration ist Förderung durch den Staat. Die Regierung kann durch ihre Maßnahmen die Einwanderung begünstigen oder sie sabotieren. Wir wollen in Erez Israel kein neues Ghetto für eine jüdische Minderheit, sondern wir wollen Selbstbestimmung des jüdischen Volkes in Erez Israel, d. h. einen mehrheitlich jüdischen Staat. Der Revisionismus betont die Wichtigkeit mittelständischer Einwanderung. Wohl bildet das politische Regime die Voraussetzung jeder beträchtlichen Ansiedlung; für diese selbst ist aber. persönliche wirtschaftliche Initiative unerläßlich. Der Revisionismus ordnet das soziale Moment dem nationalen unter. Soziale Konflikte sind im Stadium des Anfangs nicht im Wege von Aussperrungen und Streiks, sondern im Wege neutraler Schiedsgerichtsbarkeit zu regeln. Auch die jüdischen Unternehmer sind als Chaluzim, als Wegbereiter und Pioniere zu achten. Wogegen richtet sich die Revision? Gegen die Unterschätzung - des Politischen und Propagandislschen, gegen die halb assimilatorische Lehre vom Rechte, gegen die Verkleinerung des zionistischen Zieles, gegen die halb assimilatorische Lehre vom' .geistigen Zentrum' ohne Mehrheitsbildung, - gegen die Uebergriffe des Klassenkampfes. Die gegenwärtige Wirtschaftskonjunktur in Palästina und der blühende Oran'genexporfc werden über die Fundamentalfrage nicht hinwegtäuschen: noch immer fehlt der politische Rahmen für eine dauernd erhebliche Rückwanderung. Das Ziel des Zionismus ist nicht die Prosperität von zweihunderttauTäend Juden in Palästina, sondern die Rettung von Millionen Juden durch Wiederherstellung ■ jüdischer Staatlichkeit. Gefährliche pseudoparlamentarische Projekte werden für Palästina angekündigt; Die Bälfour-Deklaration und das Völkerbundsmandat hatten aber nicht die momentane jüdische Bevölkerung in Palästina, sondern das ganze national organisierte jüdische Volk im Auge. Innerhalb der Zionistischen Organisation machen sich in neuester Zeit wieder Tendenzen geltend, die darauf abzielen, das auf dem 17. Kongreß gestürzte verhängnisvolle Regime wieder zu galvaniseren. Die zionistische Oeffentlichkeit hat allen Grund zur Wachsamkeit . . . Der Revisionismus hat das zionistische Denken in hohem Maße befruchtet, den einzelnen Sqhekelzahler selbständig urjjeilen gelehrt, die Zionistische Organisation von jenem Regime befreit,, das den Zionismus an den Rand des Abgrundes gebracht hatte. Revisionistische Gedanken haben auch in sogenannten allgemein zionistischen und; orthodoxen Kreisen Eingang gefunden. Eine gemeinsame Front aller Herzl-Zionisten sollte geschaffen werden — zur Abwehr defaitistischer Attentate, zur Rettung unserer Volksmassen, die in dem Räume zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer ersticken und verbluten. Der Revisionismus ist der Judenstaat unterwegs!" Forderungen der jüdischen Minderheiten Karpathorußlands im Parlament Im Budgetausschuß des tschechpslowakischen Abgeordnetenhauses sprach der jüdische Abgeordnete Dr. Angelo Gold stein über die Schulforderungen der jüdischen Minderheit in Karpathorußland und erklärte, daß die Juden in Karpathorußland eine nationale und sprachliche Minderheit im Sinne der Verfassung der Republik seien und deshalb nach dieser und dem Schulgesetz berechtigt seien, zu verlangen, daß ihr Schülwerk, das hebräische Gymnasium und das hebräische Volksschulwerk, aus staatlichen Mitteln erhalten werden. Dies müsse nicht allein in Form von Dotationen, sondern durch einen Posten im Staatsbudget zum Ausdruck kommen. Die jüdische Minderheit des Landes wünscht nicht als kämpferische Avantgarde gegen andere mißbraucht zu werden. Dr. Goldstein sagte: Wenn ich namens der jüdischen Minorität zum Voranschlag des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur sprechen soll, so muß ich mich zuerst mit dem östlichen Teile unserer Republik beschäftigen, weil auf diesem Territorium der größte Prozentsatz unserer Volksgenossen lebt. Karpathorußland Ist ein rollkommen zurückgebliebenes Land, dort muß die Staatsverwaltung eine erzieherische Tätigkeit entfalten. Das Land ist von Alkoholismuö verseucht. Den Alkoholismus bekämpft man aber nicht, wenn man eine Lizenz einem Juden wegnimmt und gleichzeitig hichtjüdischen Bewerbern zwei neue Lizenzen gibt. Ueber jeden jüdischen Branntweinschenker wird des Langen und Breiten geschrieben; darüber aber, daß in diesem Lande 98.000 hungernde proletarische Juden leben, schreibt man nichts. Karpathorußland ist durch Erziehungs- und Kulturarbeit zu helfen. Wir erhalten dort mit großen finanziellen Opfern ein hebräisches Schulwerk, auch ein hebräisches Gymnasium, an dem die Matura in hebräischer Sprache abgehalten wird. Auf Grund der Friedensverträge und der Landesverfassung haben wir ein Recht auf staatliche Unterstützung unseres Schulwerks. Unsere Minorität, insbesondere in Karpathorußland, ist eine nationale Minorität. Wir verlangen, daß man unseren Willen respektiere, nicht die letzte Generation dieses Volkes zu sein. Wir wollen unsere Sprache erhalten. Ich ersuche den Herrn Minister Derer, er möge auch uns darin unterstützen, für die Zukunft zu arbeiten. Unser Ziel ist es, unsere Juden so zu erziehen, daß sie ein positives Element im wirtschaftlichen und kulturellen Leben werden. Ich ersuche den Herrn Minister ferner, für die Demokratisierung der Wahlordnung in den jüdischen Kultusgemeind e n zu sorgen. Es ist falsch, wenn politisierende Rabbiner behaupten, daß die Demokratisierung im Widerspruch zu den religiösen Gefühlen stehe. Ein Beispiel: In einer Gemeinde von 16.000 Seelen sind nur 600 wahlberechtigt. Wir wünschen nach unserem Programm gewertet zu werden, und hoffen, Verständnis und Hilfe zu finden. Schulminister Dr. Derer antwortete auf die Rede Dr. Goldsteins: Die Schulverwaltung ist bemüht, im Rahmen der Gesetze allen entgegenzukommen, die den Aufbau von besseren Kulturverhältnissen wünschen. Die Schulverwaltung wird in der Frage der Demokratiserung der Institutionen und Korporationen alles im Rahmen der Gesetze Mögliche tun. Professor Dr. L. S. Ornstein als Jubilar. Aua Amsterdam wird berichtet: Der berühmte Physiker Dr. L. S. O r n s t e i n, Professor an der Staat s- Universität, begeht am 26. März sein fünfundzwanzigjähriges Doktorjubiläum. Ein Komitee hervorragender Ge-, lehrter Hollands trifft Vorbereitungen zur würdigen Begehung dieser Feier. Prof. Dr. L.,S.^Ornstein Ist ein Verfechter d.er revisionistischen Richtung im Zionismus. Er ist P r ä s ide nt des Kuratoriums der Hebräischen Universität in Jerusalem. Aus der Waener Judengemeinde Dem Herausgeber der „Neuen Welt" ist folgendes Schreiben des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Friedrich Welt zugekommen. Unter Hinweis auf 9 2 3 des Preßgesetzes ersuche ich als ausgewiesener Bevollmächtigter meines Klienten Herrn Dr. Josef Löwy um Aufnahme nachstehender Berichtigung: Sie schreiben in Ihrem Blatt vom 20. Jänner 1. J. •in Ihrem Artikel „Aus der Wieüer Judengemeinde'" als Untertitel: „Sozialdemokraten lehnen das Frauenwahlrecht ab." Weiters schreiben Sie im zweiten Absatz dieses Artikels: „Staunen und Heiterkeit löste die Erklärung Dr. Löwys (Verband der sozialdemokratischen werktätigen Juden) gegen das Fräuenwahlrecht aus." Unwahr ist, daß Sozialdemokraten das Frauenwahlrecht ablehnen. Wahr ist vielmehr, daß Dr. Löwy als Vertreter des Verbandes der sozialdemokratischen werktätigen Juden keine Erklärung gegen das Frauenwahlrecht abgab, sondern bloß gegen die Bindung der Statutenänderungskommission parlamentarische Bedenken erhob." * Das in seiner Dummheit einzigartige österreichische Preßgesetz zwingt Zeitungen zum Abdruck von Berichtigungen* auch wenn sie von A . bis Z unwahr sind. Die Ablehnung des Abdruckes einer Berichtigung ist unter allen Umständen strafbar, auch wenn die Zeitung den Wahrheitsbeweis für $hre Behauptung vor Gericht anbietet. Durch den Abdruck obiger Berichtigung wird an der Tatsache, daß die sozialdemokratischen werktätigen Juden in öffentlicher Sitzung gegen das Frauenwahlrecht Stellung genommen haben, nichts geändert. Auch ein Judenfreund In ihrer vorletzten Nummer hat die „Neue Welt" über die von dem in S a 1 o ni k i erscheinenden griechischen Blatte „Makedonika Nea" eingeleitete Pogromhetze berichtet. Hiezu wird aus Saloniki gemeldet; Das. Gericht in Saloniki Verurteilte den Redakteur der „Makedonika Nea", Missolonghittis, wegen fortgesetzter judenhetzeriacher Veröffentlichungen in seiner Zeitung zu einem Monat Gefängnis oder 1200 Drachmen Geldbuße, sowie zur Tragung der Prozeßkosten. Als Entlastungszeugen führte der Angeklagte einen gewissen V e 1 o n i s, der erklärte: Missolonghittis ist ein Instrument Öottes; durch seinen Angriff auf die Juden hilft er den göttlichen Plan' verwirklichen, die Juden nach Paläst ina zu bringen, um dort ihre nationale Einheit wiederzufinden. Eine Schrift Über den politischen Zionismus Aus der Feder des in Konstantinopel lebenden bekannten Zionisten David Pardo ist soeben im Verlag E. Dakus (Stambul) eine Schrift in französischer Sprache erschienen, die unter dem Titel „Pretre, Rois et Diplomatesau Service du Sionisme P o 1 i t i q u e" Herzls politische Zielsetzung chronologisch verfolgt. Im Mittelpunkt dieser populären Schrift stehen der Reverend W. H. Hechler, Baron Hirsch, der Großherzog von Baden, Fürst Eulenburg und Kaiser Wilhelm II. David Pardo gibt einen gelungenen Querschnitt aus Herzls Tagebüchern und weist hier nach, daß Herzls Bestrebungen, den zionistischen Gedanken In die weltpolitischen Konstellationen einzustellen, für die Verwirklichung des Zionismus von entscheidender Bedeutung waren. Die polnische Regierung setzt die Schließung der einzigen jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Polen durch Zu Beginn des laufenden Schuljahres hat die Jüdische Gemeinde In Warschau nach langen Bemühungen eine Konzession zur Eröffnung eines Pädagogiums, das jüdische Lehrer für Staatsschulen ausbilden sollte, erhalten. Die Gemeinde hat sämtliche Anforderungen, die die Regierung an die Anstalt gestellt hatte, auf das genaueste erfüllt. Nachträglich aber hat die Regierung der Gemeinde mitgeteilt; daß im Zusammenhang mit der Auflösung, bzw. Einschränkung anderer Lehrerbildungsanstalten auch dem Pädagogium der Jüdischen Gemeinde das Oeffentlichkeitsrecht entzogen wurde. Der Direktor des Pädagogiums wurde von der Regierung nicht bestätigt. Dieser Entscheid der Regierung bedeutet faktisch die Liquideirung der einzigen Anstalt, die jüdische Lehrer für Staatsschulen ausbildet, da es für die Gemeinde keinen Zweck hat, ein Pädagogium zu erhalten, dessen Absolventen niemals Aussicht auf eine Anstellung haben werden. Jüdische Arbeiter werden aus staatlichen Tabakfabriken nach 26jähriger Tätigkeit entlassen Im Verlauf der Debatte über die Staatsmonopole in der Budgetkommission des polnischen Sejm führte Abg. Dr. Rosmarin unter anderem aus: In der Tabakfabrikation, einst eine Domäne der Juden, wurden nach Einführung des Tabakmonopols und Verstaatlichung der Tabakfabriken viele Tausende jüdische Arbeiter und Angestellte auf die Straße geworfen. In der Fabrik in G r o d n o, wo früher ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt waren, waren noch aus der Zeit vor Einführung, des. Monopols elf jüdische Arbeiter' bei ihrer Beschäftigung verblieben. In den letzten Tagen wurden diese elf Arbeiter nach 26jähriger Beschäftigung in dieser Fabrik auf die Straße gesetzt, dies wenige Monate, bevor sie die Versorgungsberechtigung erlangt haben. Auf die Ausführungen Rosmarina wurde seitens der Regierung keine Antwort gegeben. Der jüdische Religionsunterricht in Rumänien obligatorisch Auf Grund einer von Abg. Michael Landau namens der Jüdischen Partei durchgeführten Intervention hat das' rumänische Unterrichtsministerium ein Rundschreiben an die Leitungen der Primär- und Sekundärschulen erlassen, in dem die Evidenzhaltung der Noten in jüdischer Religion in den Klassenkatalogen und deren Miteinrechnung bei Feststellung des Gesamtlernerfolges angeordnet wird. Durch diese Verfügung wird der obligatorische Charakter des jüdischen Religionsunterrichtes an den rumänischen Staatsschulen, wo er bisher als mehr oder minder fakultativ galt, betont, Gleichzeitig wurde angeordnet, daß die Besoldung, der jüdischen Religionsunterricht erteilenden Rabbiaor und Lehrer nicht mehr wie bisher unmittelbar durch die Eltern der Schüler, sondern, dem offiziellen Charakter des Religionsunterrichts entsprechend, durch die Sekretariate der Schulkomitees erfolgen wird. Frontberidtt von Biro Bidsdian Seit Jahr und Tag kann man in der soWjetrussischen und der dem Sowretregime wohlwollenden Presse über das Wachstum der jüdischen Kolonisation In Biro Bidschan lesen. Tausende jüdische Familien, heißt es in den Berichten, kommen alljährlich in das ferne Amur- Gebiet, errichten Wohnstätten, bebauen Felder, bringen reiche Ernte heim; Tausende beuten die reichen Bodenschätze aus; der Wohlstand wächst, die Zahl der jüdischen Siedler wächst und bald wird dieser jüdische Rayon reif sein zur — Ausrufung einer jüdischen Republik. Die Frontberichte von Biro Bidschan sind sehr weitschweifig; sie bringen Ziffern, Daten, statistisches Material, sie erzählen von Zukunftsprojekten und Gegenwartshoffnungen. Und besonders der „spezielle Fünf jahrsplan für Biro Bidschan" trieft von Optimismus. Es gibt aber auch Frontberichte, die weniger optimistisch sind; die die Lage objektiver schildern — Frontberichte nicht etwa aus sowjetfeindlichem Lager, sondern aus der Feder kommunistischer Führer, die das Debakel der jüdischen Siedlung in Biro Bidschan ganz offen zugeben. Erst vor kurzem hat der Generalsekretär des sowjetistischen Siedlungsdepartements Boris Trotzki im Organ der jüdischkommunistischen Partei „Emesa" die Uracnen der bis«

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