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Die neue Welt · 1933-02-03 · Heft 282 (3.2.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 282 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 282 DIE NEUE WELT S6ft«S Union der Zionisten-Revision Uten Mittwoch, den 8. Februar 1933, 7S9 Uhr abends, im Heril-Saal des Verbands* heims, II., Untere Äugartenstraße 38 VersammU^ Gegenstand: MAX NOR DA II Referenten: Oberbaurai Roberl Slridcer Dr. S* Wolf Regiebeitrag 20 g der gewohnten Weise zur Schlichtung von etwaigen persönlichen Mißverständnissen und Händeln zwischen Mitgliedern der Z. O. eingesetzt. 2. Mein vermeintlicher Verstoß gegen die Prärogativen der zionistischen Exekutive erfolgte durch eine Handlung, die fch In meiner Eigenschaft als Mitglied des Exekutivkomitee der Welt-Union der Zionisten-Revi sionisten und des Sonderverbands der Zionisten-Revisionlsten beging, und ist politischer Natur. Daher betrachte ich das unter anderen Gesichtspunkten gewählte Ehrengericht als in meinem Falle nicht zuständig. 8. Die Verhandlung gegen den Sonderverband der Zionisten-Revisionisten vom 5. Jänner verlief unter M i flach tun g einer Reihe prozessualer Gesichtspunkte, die zum Wesen der Justiz nach allgemeiner Auffassung gehören und deren Nichtbeachtung u. a. meinen Kollegen Im Exekutivkomitee der Welt-Union und des Sonderverbands Herrn Rechtsanwalt J. Machover zur Demission als Ehrenrichter zwang. Ich kann nicht durch Anerkennung des Ehrengerichtes meinen Kollegen und Freund desavouieren. Mit vorzuglicher Hochachtung Dr. Soskin." Am 30. Jänner tagte das Ehrengericht in Berlin. Der nichterschlenene Dr. Soskin wurde mangels irgendwelcher Beweise für einen politischen Verstoß freigesprochen. Um Max Nordaii/ den Juden§laader Zum zehnten Todestag Damals, als Max Nordau mit der zionistischen Idee zusammenstieß, war er kein jugendlicher Stürmer und Draufgänger mehr. Ueber den schwarzleuchtenden Augen und der zerfurchten Stirn lag schon schlohweiß der Haarschopf, die Hand hatte zwanzig Jahre lang den Puls Kranker befühlt, die Feder die drei großen Bücher „Konventionelle Lügen der Kulturmenschheit", „Paradoxe" und „Entartung" geschrieben. Ein berühmter Schriftsteller, ein bedeutender Arzt, ein angesehener Mann der Gesellschaft — so lebte Max Nordau am Ende der Neunzigerjahre in Paris. Wie stark muß die Stoßkraft des zionistischen Gedankens gewesen sein, wenn sie den skeptischen Betrachter der menschlichen Leidenschaften, den nüchternen Analytiker des Völkergeschehens mit sich fortreißen konnte, wenn er die Kraft hatte, den GefUhlsroutinier Nordau bis an sein Lebensende festzuhalten! Wahrlich, es mußte eine große Idee gewesen sein. Denn wir wissen, daß Nordau, einmal von Herzl für die. Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes gewonnen, sein großes Herz, sein denkendes Hirn, seine leidenschaftliche Feder dieser einen Aufgabe weihte, dieser einen großen, neben sich nichts anderes duldenden Aufgabe. * Max Nordau, um elf Jahre älter als Theodor Herzl, konnte sich seiner ganzen psychischen und konstitutionellen Art nach nur für die große Konzeption der zionistischen Idee entscheiden: für den.Herzischen Judenstaatszionismus. Und nur unter diesem Aspekt konnte er Herzls Weggenosse sein. Weggenosse, Freund, Berater, Innenminister. Die leuchtendste Erscheinung neben Herzl, die stärkste Persönlichkeit aus der heroischen Zeit des Zionismus und aus der Zeit der beginnenden Realisierung. Nordaus Referat auf den zionistischen Kongressen, die „Lage der Juden in den Galuthländern", war das großangelegte Bild eines Organismus, dessen kranke Glieder und Nerven dem Zionismus zur Heilung anvertraut wurden. Nordau, der geborene Soziologe, legte den kranken Organismus auf den Tisch des Kongresses und forderte ganze Heilung, nicht Beseitigung kleiner Schönheitsfehler. Die ganze Heilung, das war der — Judenstaatszionismus. .! * Wenn, auch die Machinationen rings um die Balfour-Deklaration noch nicht völlig erhellt sind, so weiß man doch heute schon, daß unter männlicherer und kühnerer und stolzerer Leitung die zionistische Sache damals im Gewölk der englischen weltpolitischen Situation besser hätte abschneiden können; man weiß auch, daß das Londoner zionistische Büro in den ersten Nachkriegsjahren nicht die äußersten Chancen ausnützte; und man weiß auch, daß Max Nordau vom Text des Balfour-Briefes nicht gerade begeistert war und eine weitergehende, präzisere Formulierung der zionistischen Aspirationen wünschte. Inzwischen aber war eine Wendung im Zionismus eingetreten. Die kleinen Büroseelen hatten aus einer Bewegung — einen Apparat gemacht; aus lebendigen Organismen — Schreitbtische; aus enthusiastischen Anhängern — Vereinsmitglieder. Noch war ein Weggenosse Herzls da, ein Zeuge aus den wunderbaren heroischen Tagen. Er war aus Spanien, wo er im Exil die Kriegszeit verbracht hatte, nach England geeilt, um sich dem Zionismus zur Verfügung zu stellen. Noch war das Gewissen der großen Herzl-Bewegung vorhanden: Max Nordau. Er, das lebendige Gewissen, der Verfechter des kompromißlosen Judenstaatszionismus, mußte eliminiert werden. Neben Schreibtischen, Schreibmaschinen und sogenannten zionistischen Diplomaten war für den Feuergeist Nordau, der allzu sehr an den begrabenen Theodor Herzl erinnerte, kein Platz. „Die Neue Welt" hat Max Nordaus Tragödie in London gesohildert; in den Briefen Nordaus an seine Frau und in der Darstellung des Professors Yahuda, des Hebräisch-Lehrers Nordaus in den Jahren 1921 bis 193S: S i S;aS°die» wte' sie der stillen Größe des gewaltigen Herzl-Zlonisten angemessen war. Max Nordau, die führende Persönlichkeit in Herzls Tagen, der unerschrockene Verfechter des Großzionismus, wurde den kleinlichen, eitlen, karrieresüchtigen Bürokraten des Londoner zionistischen Büros zum Opfer gebracht. * Herzls größter Freund und Fortsetzer seines Werkes wurde von politischen Eintagsfliegen abgesetzt. DI© wunderbar strahlenden Augen des berühmten Schriftstellers, des bedeutenden Arztes, des geborenen Soziologen, des aufs Ganze gehenden Großzlonlsten hatten das Getriebe der bürokratischen Philister in London durchschaut. Max Nordau mußte gehen. Wie ein Dienstbote, den man seines ehrwürdigen Alters wegen nur noch im Vorzimmer .duldet. Auch sein Referat, das sogenannte Nordau-Referat, wurde gestrichen. Herzls großer'Freund? Nicht gedacht soll er werden ... „ Nicht gedacht soll er werden? Uebertrieben. Sie, die Pächter des Kleinzionismus, deren Methode es Ist, jeden Herzl-Zionisteu zu beseitigen oder» wenn das nicht geht, zu verfemen, betäuben ihr schlechtes Gewissen mit ein paar Phrasen über Nordaus „große Persönlichkeit", über seine „unvergeßlichen Verdienste", über die einzigartige Freundschaft, die ihn mit Herzl verband. Sie erzählen, sprechen, stammeln. Zehn Jahre lang haben sie geschwiegen. Gesprochen aber hat aus dem Grab in Tel- Awiw Max Nordaus wunderbare Stimme, so oft es galt, seinen, Herzls Zionismus gegen die Angriffe der feigen Kompromißseelen zu verteidigen. Darum nimmt sich ein Gedenken Nordaus seitens der Klein- und Brith-Schalom-Zionisten sonderbar aus. Sie sollten besser schweigen und es den Erben des Herzl- Zionismus, den Judenstaatszionisten, überlassen, den großen Sohn des jüdischen Volkes und größten Zionisten nach Herzl zu feiern ... o. r. Roslere dich besser! die einzige schwedische Weltmarke Phantastische Projekte im Nahen Orient Ein Judenstaat auf der Halbinsel Sinai — Jüdisch arabischer Bevölkerungsaustausch Aus dem Nahen Orient kommen Nachrichten, die an sensationellem Gehalt nichts zu wünschen übrig lassen. Kaum wird aus Palästina gemeldet, daß das Projekt der jüdischen Besiedlung Transjordaniens ad acta gelegt worden sei, erzählt man der jüdischen Welt von einem Projekt ähnlichen Inhalts. Der bekannte hebräische Publizist Ismir Ben-Awi beschäftigt sich im „Doar Hajom" mit der Idee, die ägyptische Regierung für die An Siedlung von Juden auf der Halbinsel Sinai zu gewinnen; als dessen Folge könnte Aegypten von England große politische Zugeständnisse bekommen. Eine ganze Reihe ägyptischer Zeitungen hat Ben- Awis Artikel abgedruckt und eine Diskussion über das phantastische Projekt begonnen. Selbstverständlich hat auch die arabische Presse darauf reagiert. Das nationalistisch-hetzerische Blatt „Falastin" (Jerusalem) versucht, den Aegyptern den Teufel an die Wand zu malen, indem es erklärt, daß die Juden schon im Begriffe seien, die Halbinsel Sinai zu okkupieren und dort einen Judenstaat zu errichten. * Auch ein zweites phantastisches Projekt verdient verzeichnet zu werden. Die größte englische Zeitung Indiens, „Times of India" (Bombay) hat kürzlich einen Bericht veröffentlicht, wonach in maßgebenden Kreisen des Irak der Plan erörtert werde, die Juden von Bagdad und anderer Orte im Irak nach Palästina hinüberzubringen und an ihrer Stelle Araber hereinzulassen. Das englisch-indische Blatt bezeichnet den Gedanken einer großzügigen Bevölkerungsüberwanderung nach den griechisch-türkischen Erfahrungen für durchaus ausführbar. Im Irak lebt eine große jüdische Bevölkerung, in Bagdad allein 50.000 Juden. Man nimmt an; daß Araber aus Palästina im Irak mit viel Sympathie aufgenommen würden, daß aber diese Transaktion mächtige Kapitalien erfordere. „Times of India" schreibt weiters, daß die Zionistische Organisation mithelfen sollte, die nötigen Kapitalien für die Ueberwanderung der palästinensischen Araber nach dem Irak zu beschaffen. Fräulein mii kaufmännischer Bildung und Praxis auch zur Verkaufstätigkeit und Haushaltfuhrung (rituelle Küche) befähigt SUCht Stellung in Geschäftshaus Unter: .Auch auswärts* an die Verw. dieses Blattes Soeben erschienen: das CHAJES-WERK (REDEN, VORTRÄGE, BIOGRAPHIE) Eine Novität, die auf dem Büchertisch keines gebildeten Juden fehlen darf Zwei Monumentalbände / Preis S 2S.-*» Zubeziehen: Dr. M. Rosenfeld, XX, BrigittenauerlSnde 46 Neues Schandmal der Assimilation Man stelle sich vor, jemand schriebe in einer Zeitung: „Erfreulich waren die Worte des einzigen Diskussionsredners, Oberamtmanns Brecht, der betonte, daß im Militärverband Unter-Kreichgau die Judenfrage gelöst sei." Wofür würde man diesen Mann halten? Wohl für einen gelungenen Witzbold. Und doch wurden jene Worte geschrieben und in der Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild" (Berlin) abgedruckt. „..« daß im Militärverband Unter- Kreichgau die Judenfrage gelöst sei!" Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gehört in jene Reihe reichsdeutscher Vereine, deren Mitglieder nur die eine Sehnsucht haben, für echte Deutsche Teutoburger Geblüts gehalten zu werden, und nur die eine Aufgabe kennen: Aufklärung! Das heißt das deutsche Volk dahin aufzuklären, daß es für sie eine Wonne sei, für das deutsche Vaterland den Opfertod zu finden, daß es auch unter den Juden brave und schlimme Deutsche gebe und daß man sich kein größeres Lob wünschen könne, als die Anerkennung der Gleichwertigkeit aus dem Munde der nationaldeutschen Mitbürger. Viel hat diesen Aufklärlern und Abwehrlern ihre1 Aufklärung und Abwehr nicht genützt. Sie erzählen dem deutschen Volk, daß von den unter Waffen gestandenen' 96.000 Juden 12.000 gefallen seien, aber bekanntlich pfeifen die Antisemiten Deutschlands auf diesen heldischen Anteil. Ja, mehr noch: Sie wollen verhüten, daß an dem kommenden deutschen Befreiungskampf Juden — und seien es auch gewesene Frontsoldaten —. teilnehmen. Diese täglich geübte Zurückweisung hindert aber unsere jüdischen Frontsoldaten. und ihr; Organ „Schild" nicht, auf Gedeih und Verderb mit. den Stammesdeutschen weitermarschieren zu wollen. . Sie schicken einen Aufklärungsgeneral, den „Kameraden" Dr. Ludwig Freund, auf Sympathiesuche. Dieser Dr. Freund soll in deutschen Städten bei Anwesenheit aller Parteien für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten werben und bezeugen, wieweit schon die jüdischen Frontsoldaten mit den anderen deutschen Frontkämpfern identisch sind. „Der Schild" ist begeistert von der Aufklärungstätigkeit des Kameraden Dr. Freund und zitiert mit besonderer Genugtuung das Referat eines deutschnationalen Blattes über Dr. Freunds Werbevorträge. Ein deutschnationales Blatt also ist es, von dessen Wiedergabe der Freundschen Gedanken die jüdischen Frontsoldaten Deutschlands entzückt sind. Und die Gedanken des jüdischen Frontsoldatenführers sind auch des Entzückens wert. Sie sind nämlich im Bericht des deutschnationalen Blattes, das vom „Schild" ganz begeistert zitiert wird, folgendermaßen wiedergegeben: „Man stelle nicht Sklarek, Barmat-Kutisker, eingewanderte Juden, als Typ des deutschen Juden hin; denn diese seien von jedem deutschen Juden mehr gehaßt als von den anderen Deutschen." Die jüdischen Frontsoldaten Deutschlands unterscheiden sich in gar nichts , von den Assimilanten der anderen Länder und der anderen Richtungen, Sie ziehen den Trennungsstrich; sie machen einen scharfen Unterschied zwischen Bodenständigen und Eingewanderten; ja, sie gehen weiter; Sie hassen die eingewanderten Juden mehr als der „andere Deutsche". Und sie sind glücklich, das öffentlich sagen zu können. Schäbiger kann die Assimilation sich nicht mehr gebärden. Assimilation — Korruption — Denunziation — auf dieser Stufenleiter geht es zum Abgrund. In den Stunden höchster politischer und wirtschaftlicher Gefahr wissen die jüdischen Frontsoldaten nichts anderes zu sagen, als daß sie die eingewanderten Juden mehr hassen, als diese von den Deutschen gehaßt werden. Welch fürchterliche Perspektive für das Schicksal der deutschen Judenheitl Die kanadische Regierung will antisemitische Propaganda durch ein Gesetz verbieten Die Regierung der kanadischen Provinz Quebec kündigt an, daß sie noch in dieser Session dem Provinzialparlament einen Gesetzentwurf unterbreiten wird, der den Behörden die Befugnis erteilt, gegen Presseangriffe auf eine bestimmte Rasse oder Religion mit empfindlichen Strafen einzuschreiten. Jedes Mitglied der angegriffenen Rasse oder Religion soll das Recht erhalten, vor Gericht Genugtuung vom An* greifer zu erlangen. Die Aktion der Regierung ist durch die hemmungslose antisemitische Agltation eines gewissen Teiles der französisch geschriebenen kanadischen Presse veranlaßt worden,

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