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Die neue Welt · 1933-02-03 · Heft 282 (3.2.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 282 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Beitel DIB NEUE WELT Nr, m Betonungen Innerhalb der Zionistischen Organisation. So gab es auf der letzten Sitzung des Aktions-Komitees im Sommer 1082 heftige Zusammenstöße mit den Zionisten- BevUdonisteH, besonders zwischen Dr. Arlosoroff und Robert Stricker,' als letzterer, unter Hinweis auf gewisse Handlangen und Aeofierangen, vor verhängnisvoller Vertrauensseligkeit gegenüber dem höflichen and glatten „guten" Oberkommissar, vor dem überschwenglichen Optimismus Dr. Arlosoroffs warnte. Der jetzige brutale Vorstoß des Generals Wauchope, der ohne Schein einet Rechtes den Versuch arabisch-jüdischer Zusammenarbeit vereitelt hat, zeigt, wer recht hatte. Aas Palästina liegen folgende Meldungen von Einer Abordnung palästinensischer Araber gegenüber, die ihm am 25. Jänner in Amman besuchte, erklärte der Emir Abdullah, er habe bis Jetzt keinen Boden an Juden verkauft und auch kein definitives Abkommen über Bodenpacht unterzeichnet. Er habe lediglich eine Option Uber Pacht eines bestimmten Bodenareals vergeben, habe aber nachträglich beschlossen, diesen Boden an Ausländer nicht zu verpachten. Der Emir ermächtigte die arabische Presse, mitzuteilen, daß er jeden Gedanken an eine Verpachtung von transjordanischem Boden an Ausländer fallengelassen habe. In Jerusalemer jüdischen Kreisen glaubt man trotz all dieser Versicherungen des Emirs Abdullah nicht, daß der Plan einer Pacht oder eines Kaufes von Boden in Transjordanien durch Juden definitiv erledigt ist. Man weist darauf hin, daß zahlreiche Oberhäupter transjordanischer Stämme Bodenkaufangebote an Juden gemacht haben und an dem Abschluß der Bodentransaktionen außerordentlich stark Interessiert sind. Die Option auf Bodenpacht mit Vorkaufsrecht, die der Emir an eine jüdische Gesellschaft vergeben hat, läuft erst in sechs Monaten ab, bis dahin könne eine Lage eintreten, die dem Abschluß des Geschäftes günstiger ist. Die wirtschaftliche Lage in Transjordanien verschlimmert sich zusehends und eine Aussicht auf Besserung sei in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Die Arabische Exekutive Palästinas ließ den High Oommissioner Sir Arthur Wauchope ein Memorandum überreichen, in dem der Erlaß einer Verordnung gefordert wird, nach der es den Juden verboten sein soll, weiteren Boden in Palästina zu kaufen. In dem Memorandum wird gegen die Regierung der Vorwurf erhoben, daß sie, die doch wiederholt erklärt hat, daß in Palästina nicht genug anbaufähiger Boden für alle seine Einwohner vorhanden ist/ dehhoch die Juden darin unter* stützt, Boden au s arabischem B-e81t!Ä «U'erwerben. Diesen Widerspruch könne sich die Arabische Exekutive nur dadurch erklären, daß die Regierung unter dem Einfluß zionistischer Politiker steht. Zum Schluß des Memorandums kündigt die Arabische Exekutive den Erlaß einer Proklamation an, die es jedem Araber unter Bann-Androhung verbietet, Boden an Juden zu verkaufen. Sonderbare Empfind* Der Herr Bischof von Linz hat in einem Hirtenbriefe ethischen und geistigen Antisemitismus jedem kirchentreuen Katholiken zur Pflicht gemacht. Daß diese bischöflichen Auslassungen in jüdischen Kreisen Anstoß erregt und Aeußerungen des Protests ausgelöst haben, sollti doch nicht Verwunderung erregen. Und doch ist es so! Die Wiener „Reichspost", das Organ der Christlichsozialen, tut erstaunt und gekränkt. Sie schreibt: „Der Hirtenbrief des Bischofs von Linz be- ' schäftigt andauernd die Oeffentliohkeit. Es gehört mit zu den unerfreulichsten Erscheinungen der Zeit, daß sich für den „entarteten", „gottentfremdeten« Teil des Judentums, der im Hirtenbrief die ihm gebührende Charakterisierung erfährt, eine Solidarität meldet, die nicht nur die Linkspresse, sondern auch Repräsentanzen jüdischer Kreise umfaßt, bei denen man derartige Solldaritätsgef ühle lieber nicht sähe, wie die „Union österreichischer Juden", die in einer Kundgebung gegen angebliche „Pauschalanklagen gegen das Judentum" sich verwahrt, und den „Bund der jüdischen Frontsoldaten Oesterreichs", der auf Plakaten für heute abend zu einer Protestversammlung gegen den Hirtenbrief ruft. Handelt es sich bei den gewissen Linksblättern, deren Reigen durch die montäglge Verwandtschaft vervollständigt wird, um „Hler"-Rufe der Getroffenen, so wird man in den Aktionen der erwähnten Organisationen zunächst eher eine Voreiligkeit, eine Entgleisung, einen „H e r e i n f a 11" auf die Stimmungsmache der Linkspresse zu erblicken geneigt sein denn eine Selbst enthüll ung. Das letztere wäre gar zu tragisch..." Daß es mehrere Arten von Juden gibt, gute und sohlechte, das wissen wir, das braucht uns weder der Herr Bischof noch die „Reichspost" zu erzälüen. Die Sorte von entjudeten Juden, die iu der Politik, Literatur und Gesellschaft schmarotzt, kennen wir und wir lehnen sie ah. Aber die Herren Bischöfe und ChristUchsozialen sollten uns nicht einzureden versuchen, daß s i e einen Unterschied zwischen Juden und Juden machen, daß sie In der Praxis danach fragen, ob der Jude „entartet" ist oder nicht. Einige Beispiele; Im Programm der Christlichsozialen Partei Oesterreichs ist ein Punkt enthalten, der den Antisemitismus, die Bekämpfung des Judentums zur Pflicht macht» Nicht des „entarteten", des „gottentfremdeten" Judentums, sondern des Judentums schlechtweg. Von freundlichen Beziehungen zu einem „nichtentarteten" und „gottgläubigen" Judentum findet sich nicht ein Sterbenswörtchen. — Die christlichsoziale Regierung hat bei allen Staatsämtern die Juden sperre eingeführt. Noch keinen jüdischen Bewerber hat man dahin geprüft, ob er „entartet" Und „gottentfremdet" Ist oder nicht. Er wird glatt abgewiesen. Jud bleibt Jud. Die Judengemeinden Oesterreichs kämpfen um Ihre Existenz. Laut dem Friedensvertrage, der einen Bestandteil des österreichischen Bundesgesetzes ist, gebührt Ihnen eine Subvention aus Bundesmitteln. Alle christlichsozialen Regierungen) seit dem Bestände der Republik, haben alle Gesuche um Züerkennung dieses, den Juden durch heilige Verträge gewährleisteten Rechtes abgelehnt. Dabei kann man doch beim besten Willen die Judengemeinden nicht als Repräsentanz des „entarteten" und „gottentfremdeten" Judentums bezeichnen. In .Oesterreich besteht, ein Wahlrecht, das es den Juden ungeheuer erschwert, eigene Abgeordnete in die parlamen- Alt werden und jung bleiben möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist mit Menthol Massagen ' E-nreibungeiv rilit Diana-Franzbrannt- W0ßr* erfüllen.. mft^^unRidil^r Kraft. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. Und Uy dabei Sehr billig. - Nehmen Sie nur Diana und;weisen" Sie wertlose .. .....Nachahmungen jeie.rklsch„zurück. Ueberau erhäli Ii eh!; j^u^SOju^t:Vpttvf^a^if^Tj^^fxi entsenden. Die natlona.ie Judenschaft, also die nicht „entartete" und nicht „göttehtfremdete", "Ahat wiederholt an die herrschende christlichsoziale Partei die Forderung gerichtet, ein Wahlrecht zu schaffen, das den Juden die Möglichkeit einer jüdischen Vertretung gibt. Vergebens. Die Christlichsozialen lassen lieber ein Wahlrecht bestehen, auf Grund dessen „entartete" und ,;gottentfremdete Juden"1 unter falscher Flagge Einlaß in die Vertretungskörper finden, als daß sie aufreohteh, ihrem Volkstum treuen Juden ihr Recht gewähren würden. * , . Es wäre nicht) schwer, ' noch Dutzende von Beispielen aufzuzählen, aus denen hervorgeht, daß die Herren hinter .dem Bischof von Linz und der „Reichspost" nur mit Worten spielen, - wenn sie' eine Unterscheidung zwischen dem „guten" und dem „schlechten" . jüdischen Element machen. In ihrer Praxis gibt estiu r „entartete" und „gottentfremdete" jüdische Schädlinge. Sie sollen sich daher wirklich nicht .wundern, wenn das österreichische Judentum auf die Auslassungen des Linzer Bischofs ablehnend reagiert. ........- Chajes Am 30. Jänner fand in Wien eine vom „Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" einberufene Massenversammlung statt, welche sich mit dem antisemitischen Hirtenbrief des Linzer Bischofs befaßte. Die unter dem Vorsitz des Bundesführers, Generalmajor Emil Sommer, tagende Versammlung nahm, folgende Respiution an: „Die am 30. Jänner 1933 im Festsaäl des Hotels Continental in Wien tagende Versammlung des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" gibt ihrer tiefsten Entrüstung Ausdruck über die ungeheuerlichen Anklagen und Beschimpfungen, welche in dem letzten Hirtenbrief des Bischofs von Linz gegen die Gesamtheit des Judentums erhoben werden. Die Versammlung drückt ihr Bedauern darüber aus, daß der Bischof von Linz es für gut befunden hat, die Entrechtung der Juden durch Ausnahmsgesetze zu verlangen. Die jüdische Bevölkerung verwahrt sich entschieden dagegen, daß durch derartige Entmziationen, aus denen trotz aller Bemäntelungen krasser Antisemitismus spricht, noch neuer Zündstoff in die durch Not, Elend und Parteihader ohnehin erregte Bevölkerung getragen wird. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" bedauert es, daß die Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung immer wieder verletzt wird und dafi die Regierung kein Wort, der Abwehr gegenüber den schweren Beleidigungen' hat, denen das Judentum durch den Hirtenbrief des Liazer Bischofs ausgesetzt war. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", dessen Mitglieder im Krieg.;ihre Pflicht dem alten Vaterland gegenüber voll und", ganz erfüllt haben und dessen Mitglieder ihre Pflichten auch gegenüber dem neucsn Oesterreich als loyale Staatsbürger^ getreu erfüllen, gibt seiner tiefsten Empörung darüber Ausdruck, daß von,so hoher kirchlicher Stelle statt Liebe Haß und Verachtung gepredigt wird, und fordert die gesamte Bevölkerung auf, Verhetzungen — von wo immer sie auch kommen mögen — kein Gehör zu schenken und alle Kräfte zu vereinigen, um für eine bessere Zukunft Oesterreichs zu arbeiten, Leben und Werk — Beden und Aufsätze — Herausgegeben von Professor Moritz Kösenfeld (Wien) Fünf Jahre sind Seit dem Tode des großen jüdischen Führers H. P. Chajes verstrichen« Viel würde in diesem Zeitraum über Chajes gesprochen und geschrieben. Aber diese gutgemeinten Worte konnten auch nicht im entferntesten ein Bild des Mannes geben, seihe Geistigkeit vemütteln. feo kam es, daß die Gedenkreden, auch von geistreichen Menschen gesprochen, auf alte, die Chajes gekannt haben, schal wirkten. Nun ist nach den vielen Worten.die Tat gesetzt worden. Durch Professor Moritz Rosenfeld, der ein Weggenosse Chajes' war, ihm eng verbunden wie wohl kein zweiter. In . seinem zweibändigen Werke hat er alles, alles zusammengefaßt, was schriftlich und im Gedächtnis zurückgeblieben äst von dem unendlichen Gute, das Chajes den Menschen geschenkt hat. Man liest das Werk Rosenfelds und Chajes lebt auf... Hunderte von Reden und- Aufsätzen umfassen alle bedeutsamen Gebiete jüdischen und menschlichen Lebens. Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion, Gesellschaftsleben, Geschichte. Das Staunen, das jeden faßte, der mit dem Universal-Juden Chaj'es in Berührung kam, dieses Staunen wird wieder in jedem ausgelöst, durch das Buch. Das Buch ist geeignet, eine-Wende im jüdischen Leben herbeizuführen^ .Wer über das Judentum etwas sagen will und wer dem Judentum etwas sagen will, wird früher das Werk Rosenfelds zur Hand nehmen müssen, weil er sonst nichts Vollständiges sagen wird. Ein Wegweiser ' für jüdische Lehrer, Führer, Politiker, Schriftsteller und Journalisten. Und ein Buch für alle, die Wissen und Erhebung suchen.. Ein Büch, das man in, einem Zuge durchliest, und dann immer und immer wieder zur Hand nimmt, wenn man schweren, wenn man erhobenen Herzens ist, wenn "man zu bedeutenden Geschehnissen der Zeit; bedeutenden jüdischen und menschlichen Geschehnissen Stellung nehmen will. ., / Werke von der Bedeutung dieses Chajes-Buches werden sonst von großen Gesellschaften oder Organisationen herausgegeben. Hier hatte ein einzelner Mann, Professor Rosenfeld, die ungeheuer schwere Aufgabe und die ungeheuer große Verantwortung auf sich genommen. Er hat bestanden!- Das Chajes- Buch ist vollendet in Treue und Lebendigkeit der Wiedergäbe, meisterhaft in der. Ordnung der überquellenden, gedanklichen Fülle, ausgezeichnet in der äußeren Ausstattung, r. st Das zweite Urteil des zionistischen Ehrengerichtes Das Bestreben, die immer stärker werdende Gruppe der oppositionellen Ziönisten-Rovisionisten aus der zionistischen Weltorganisation zu verdrängen, nimmt groteske Formen an. Weil man den Judenstaatsgedanken undden Herzl-Ziouismus auf die Dauer durch Mittel der Propaganda nicht unterkriegen kann, ist man bestrebt, sie durch Gerichtsurteile auszurotten. Die Suspendierung des revisionistischen Sonderverbandes durch das Ehrengericht war der erste Streich. Der zweite Streich sollte prompt folgen. Er war gegen den Vizepräsidenten der revisionistischen Union, Dr. Soskin, gedacht. Ueber Veranlassung ihrer Mitglieder Prof.. Seil, Brodetzky und Berl Locker hat die zionistische Exekutive vor dem Ehrengericht gegen Dr. Sosldn Klage erhoben. Tatbestand: Anläßlich einer Vortragsreise, die ihn auch nach Warschau führte, folgte Dr. Soskin einer E i nladung des polnischen A u ß e n mi n i s.te r s und sprach mit ihm über den Zionismus. Das ist. ein Eingriff in dle politischen Vor r echte der Exekutive. Daher wird die Maßregelung Dr. Sosldns gefordert ... Man greift sich an den Kopf! Daß der seit vierzig Jahren im Zionismus wirkende Führer derzWeltstärksten zionistischen Fraktion dem polnischen Außenminister den Zionismus schädigende Mitteilungen gemacht hätte, das wagen nicht einmal die Herren Brodetzky und Locker zu behaupten. ein, vom Inhalt der Unterredung wird Überhaupt nicht;gesprochen. Der bloße Umstand, daß es ein Dr. Söskin wagt, mit einem Minister Uber Zionismus zu sprechen, ist ein Verbrechen. Wenn es irgend einem zionistischen Beamten gelingt, mit dem Sekretär eines Sekretärs; zu sprechen, wird das als Großtat gepriesen. Wenn der anerkannte Führer und durch Jahrzehnte selbstlos wirkende zionistische Arbeiter Dr. Soskin mit einem Minister spricht, ist es ein Verbrechen. Dr. Soskin war für den SO. Jänner vor das in Berlin tagende Ehrengericht geladen. Er hat die Ladung mit folgendem Schreiben beantwortet; „Genf, den 23. Jänner 1988. Herrn Rechtsanwalt und Notar S. Gronemann, Vorsitzender des Zionistischen Ehrengerichts, Berlin W 50, Tauentzlenstra. 13. Sehr geehrter Herr Notar! Indem Ich den Empfang Ihrer Vorladung vom .16. d. M. samt Protokoll' der Verhandlung gegen den Sonderverband der Zioidsten- Bevislonlsten vom S.Jänner bestätige, bedaure Ich, Ihnen sagen zu müssen, daß ich der Vorladung n 1 o h t Fol g e leisten werde, und zwar aus folgenden Gründen; 1. Das Ehrengericht wurde auf dem letzten Kongreß nicht unter dem Gesichtspunkt der Möglichkeit einer gerichtlichen Verhandlung gegen eine politische Partei zusanunengeetellt, scndem in

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