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Die neue Welt · 1933-01-27 · Heft 281 (27.1.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 281 (27.1.1933)
Date
1933-01-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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' Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 281 Gustav Wiliier Viien IV, Rainere*. II, Tel» U-4$*4»84 empfiehlt. JAFFA*Q»ANOEN pro Kiste (80 bis 150 Stück) S 32t-— JAFFA »GRAPEFRUIT pro Kiste (80 bis 96 Stück) S 34*— Auf Wunsch auch halbe Kisten Jüdische Siedlung. Wie schon mitgeteilt, hat Emir Abdullah von «einem Domänenbesitz 50.000 Dunam Boden für Jüdische Siedlung zur Pacht für eine 99jährige Dauer angeboten. Heute wird mitgeteilt, daß Mitkai Pascha, ein sehr einflußreicher Scheich Transjordaniens, von seinem Bodenbesitz 100.000 Dunam für jüdische Siedlung zum Kauf angeboten hat. Die palästinensisch-arabische Tageszeitung „E1 Islamia" erklärt, Mitkai Pascha sei gezwungen, einen Teil seines Bodens zu verkaufen, um seinen Stamm vor dem Verhungern zu retten, da jetzt in Transjordanien die wirtschaftlichen Verhältnisse katastrophal geworden sind. Die hebräische Arbeiter- Tageszeitung „Dawar" erfährt, daß Führer transjordanischer Stämme seit einiger Zeit Fühlung mit der Zionistischen Organisation suchen und diese veranlassen wollen, Boden in Transjordanien zu kaufen und auf demselben Juden anzusiedeln. Dabei erklären die arabischen Führer, sie sehen mit Neid auf Palästina, das infolge der jüdischen Aufbauarbeit aufgeblüht ist, während Transjordanien, das sich bis jetzt jüdischer Siedlung verschloß, wirtschaftlich versumpft; die jüdische Kolonisation In Transjordanien würde eine Rettung f ür das Land bedeuten. Diese arabischen Führer bestürmen den Emir Abdullah fortwährend, die Idee der jüdischen Siedlung in Transjordanien autoritativ zu fördern. Indessen bemühen sich syrische und palästinensische Araberführer und die von ihnen beeinflußten Zeitungen, den Emir Ab dullah davon zu tiberzeugen, daß er im Interesse der arabischen Sache eine jüdische Siedlung in Transjordanien nicht untere stützen dürfe.' Die in Damaskus erscheinende Zeitung »41 I # * teilt als eine bereits ■„ f e &t steh ende Tatsache mit, daß der Emir mit einer jüdischen Gesellschaft bereits ein Abkommen "über die Pacht von 70.000 Dunam Boden in der Nähe von Shuna, zwischen der AHenby-Brücke und AI Salt, getroffen hat. Es handelt sich also um Boden, der direkt an Paläs11 na- Territoriüm angrenzt. Laut „AI Iyam" erhält der Emir Abdullah von seinen jüdischen Pächtern für die. Dauer von 09 Jahren einen j ährlichen Pachtzins von 2 0 00 Pfund. Die palästinensischarabische Presse wirft dem Emir vor,, daß er durch sein Beispiel alle anderen Großgrundbesitzer Transjordaniens aneifert, ihren Boden für zionistische Siedlung zur Verfügung zu stellen, so - daß die Juden, nachdem sie in Palästina festen Fuß gefaßt haben, nun auch Transjordanien zu erobern b eginnen. „Falastin* appelliert in einem Leitartikel an den Emir Abdullah, „nicht vor dem zionistischen Oelde zu kapitulieren". Eine Versammlung der Arabischen Unabhängigen Partei in Jaffa nahm einen Beschluß an, vorbeugende Maßnahmen gegen die Verwirklichung der jüdischen Siedlungshoffnungen in Transjordanien zu ergreifen und, wenn nötig, bei hochstehenden Kreisen dagegen zu intervenieren/ Die Mitglieder der Zionistischen Palästina-Exekutive Emanuel Neu man und H. Farbstein werden mit den Bodenplänen In Transjordanien in Verbindung gebracht, wobei darauf hingewiesen wird, daß Neuman und Farbstein in der letzten Zelt den Emir Abdullah bei verschiedenen Anlässen besucht haben. Sowohl Neuman wie Farbstein lehnen es ab, im gegenwärtigen Zeitpunkt irgend eine Erklärung betreffend Bodenpacht- oder -kaufplane abzugeben. - # Dreitausend Juden sollen auf Boden In Transjordanien beschäftigt werden. Jerusalem, 21. Jänner. Wie arabische Zeitungen behaupten,, ist in dem Entwurf des Abkommens zwischen dem Emir Abdullah von Transjordanien und einer jüdischen Gesellschaft betreffend Pacht von 70.000 Dunam Boden am Ostufer des Jordan vorgesehen, daß etwa 8000 Juden auf dem gepachteten Boden Beschäftigung finden; ein zionistischer Führer aus Amerika wird die Kolonisationsarbeit in Trans¬ Jordanien leiten. Die Leitung der extremistischen Partei „Istiklal" (Unabhängige) hat nach einer sechsstündigen, stürmisch verlaufenen Sitzung beschlossen, den Emir Abdullah durch eine Abordnung ersuchen zu lassen, einen Verkauf ▼on Boden in TransJordanien an die Juden nicht zuzulassen, da dies den größten Schlag für 4te Araber Palästinas bedeuten würde. Aus 1 verschiedenen Teilen Palästinas werden an den Emir Abdullah telegraphlsche Ersuchen gerichtet, es nicht zuzulassen, daß Juden In Transjordanien Fuß fassen. * Sturm der arabischen Nationalisten gegen Emir Abdullah. tlerusale m, 22. Jänner. Die arabische Presse j teilt mit, daß die arabischen Nationalisten j den Emir Abdullah von Transjordanien bestürmen, den; mit einer jüdischen Gesellschaft bereits abgeschlossenen Pachtvertrag betreffend 70.000 Dunam Boden rückgängig zu machen. Eine, arabische Bank — den Namen verschweigt die arabische Presse — habe dem Emir ein Kaufangebot betreffend diese Böden, auf dem sie Araber ansiedeln will, gemacht. Wie die J. T. A. erfährt, planen die palästinensischen Nationalisten folgendes: 1. König Feisal vom Irak zu bitten, bei seinem Bruder Abdullah dahin zu intervenieren, daß er den Pachtvertrag mit der jüdischen Gesellschaft rückgängig macht; 2. eine starke All-Moslem-Front In Palästina, Irak und Transjordanien zu bilden, die den Emir Abdullah zur Aufgabe seiner Pläne bezüglich einer Zulassung jüdischer Arbeit in Transjordanien zwingen "soll; 8. eine Abordnung, arabischer Anwälte nach Amman, der Hauptstadt-Transjordaniens, zu entsenden, die die Möglichkeit einer Annullierung des Vertrages aus Juristischen Gründen prüfen soll. Wie der J. T. A.-Vertreter weiter erfährt, machen diese Aktionen der arabischen Nationalisten Palästinas auf die Araber In Transjordanien wenig Eindruck, da man sich in Transjordanien aus einer Bodenentwicklung durch die Juden eine Linderung der dort herrschenden schweren Wirtschaftsnot verspricht. Am 19. Jänner hat in Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, eine Versammlung trans jordanischer Scheichs den Beschluß gefaßt, den Emir Abdullah in seinen Plänen, jüdische Arbelt in Transjordanien zu sichern, zu unterstützen. /..*"• Ein Sieg der zionistischen Idee. — Der „billige" Patriotismus arabischer Chauvinisten. Inwieweit diese Nachrichten auf Vollständigkeit und Zuverlässigkeit Anspruch erheben können, das kann vorläufig nicht festgestellt werden. Jedenfalls aber vollzieht sich ein Prozeß der Umwandlung in der Stimmung betreffs Trans jordaniens. Das von vielen für rettungslos abgeschlossene Problem ist wieder in die Diskussion gedte tagsüber; .beschäftigt sindp; geben: ihre,. Kinder Jbewährter Pädagpgin, in Pflege. Preise zeitgemäß billig. Lola Neugebauer, Wien 1X> Wasserburgergasse Nr. 2/10 rückt. Nicht durch irgend welche geschickte polltische Manöver. Nur durch die Kraft der zionistischen Idee, nur duräh die Kraft und Arbeit des jüdischen Volkes! Die jüdische Kolonisation hat den Arabern in Palästina Segen gebracht;. Arabisohe Bodenverliäufer und Hausbesitzer haben riesige Summen ins Verdienen gebracht, die arabische Landwirtschaft ist« mit der jüdischen modernisiert, ertragreich gestaltet worden, die Arbeitslöhne-;, der Fellachen sind gestiegen. Die jüdische Siedlung In Palästina hat den Araber nicht verdrängt, sondern gestärkt, seinen Standard gehoben. Im steinigen Westpalästina. Im fruchtbaren, aber judenreinen Ostpalästina, in Transjordanien, aber verelendet die arabische Wirtschaft. Unter solchen Umständen wirkt der billige Patriotismus der palästinensischen, arabischen Fuhrer tragikomisch. Der transjordanische Araber, verhungert auf seinem fruchtbaren Boden, mit dem er t nichts anfangen kann, weil Kapital und Menschen fehlen. Er sieht in der jüdischen Siedlung die Bettung. Aber der an dem Geschäft mit den Juden satt gewordene palästinensische Araber ruft Ihm zu: „Laß keinen Juden ins Land! Sei ein Patriot! Hungere weiteri Sonst bist du ein Verräter!" Früher dachte man, daß der Verrat des Juden Herbert Samuel nur die Juden ge- .1 schädigt hat. Jetzt ist zu ersehen, daß auch die von ihm so protegierten Araber unter seiner Politik schwer zu leiden haben. Das Geschenk, das er ihnen gab, wirkt sich wie ein Fluch aus. Dank seiner Reglerungskunst ist Transjordanien um eine zehnjährige gesunde Entwicklung betrogen und hungert. Mädchen für Alles mit Zeugnissen, tür PALÄSTINA gesucht Muß vollständig gesund und kinderliebend sein (3 Knaben, 2 und 5 Jahre). Hinreise wnd bezahlt, zweijähriger Kon- -'■ .HTM .— ■■in .......■■.....ni »......111 1; .. 1 1 i.li trakt Bedingung. Vorzustellen täglich zwischen 9 und 10 Uhr voimi'tags bei Dr, W., Wien. IV. Bez.. Wohllebengasse 3, 3. Stock, Tür 18 im polnischen Sejm Zu Beginn der letzten Sitzung der Budgetkommi». sion des Sejm gab der polnische Innenminister Piracki ein ausführliches Expose Uber die innerpolitische Lage und kam dabei auch auf die antijüdischen Terroraktionen der Nationaldemokraten 2ü sprechen. Die Nationaldemokraten, sagte der Minister, wollen das polnische Volk dadurch glücklich machen, daß sie versuchen, die Massen zu Terroraktionen gegen die Juden zu organisieren. Dagegen müsse die Regierung energisch einschreiten. Es existiert kein Gesetz, das irgend einer Partei erlauben sollte, solche Wege zu gehen. Wir schreiten ein gegen leichtsinnige Akte der Bauernpartei wie gegen die antisemitischen Abenteurer der Nationaldemokratischen Partei, deren Judenfeindschaft, beiläufig gesagt, oft durch das Verhalten der nervösen jüdischen Presse entfacht wird. Als Antwort auf diese Ausführungen des Ministers hielt der nationaldemokratische Deputierte Wierczak eine Hetzrede, in der er ausführte, in ganz Europa sei heute die Judehfrage brennend, in allen Ländern gäbe es antisemitische Parteien. Es sei nicht richtig, daß in Polen „Judenpogrome" stattfinden, dehn es handle sich hier nicht um den Kampf einer großen Mehrheit gegen eine kleine Minderheit. In den polnischen Städten und Städtchen machen die Juden oft 60 bis 70 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Der Ausdruck „Juden werden überfallen'* passe hier nicht recht, geht es hier doch nicht um einen Kampf gegen Schutzlose, sondern um einen Kampf gegen eine starke jüdische Gruppe, wobei bewaffnete jüdische Sportorganisationen den Angriffen tätigen Widerstand entgegensetzen, Dieser Kampf ist notwendig, denn es leben in Polen vier Millionen Juden. Polen ist nicht imstande, eine so große Zahl Juden zu ertragen. Wir haben Tausende arbeitslose Intelligenzler. Wehn die Regierung dazu übergehen muß, ihren Beamtenstab zu reduzieren, so müsse sie auch entschlossen an die Frage herangehen; ob Juden au» Polen auszuweisen sind. Die Polen kämpfen um ihr Brot. In Lemberg sind Juden über > Polen hergefallen, trotzdem hat die Polizei polnische Studenten und Studentinnen niedergeknüttelt. Auch in Warschau und in anderen Städten Polens fielen Juden über Polen her. Nach* der Hetzrede des Nationaldemokraten Wierczak ergriff der Vertreter des Jüdischen Klubs Abgeord? neter Dr. Rosmarin das Wort zu folgenden Ausführungen: Die Natiönäldemokraten, die in ihrem Kampf um die Macht dte Linie 'desr g erring Stent Wtdftiss t a ndes s u c h e n, häufen Lügen und Verleumdungen auf die Juden. Wo kein Ausweg aus der allgemeinen Not zu finden ist, setzt das Geschrei ein: „Die Juden sind schuld!" Es ist aber ein Wahnsinn zu glauben, daß, wenn man den Juden das letzte Stückchen Brot wegnimmt, dem polnischen Volk damit geholfen sei. Auf Grund der irrigen Angaben einer italienischen Enzyklopädie erhöhte Wierczak die Zahl der Juden in Polen um eine Million. Nicht vier, sondern nur drei Millionen leben in Polen. Was erwarten die Nationaldemokraten von ihrer Judenhetze? Was haben ihnen die Lemberger Exzesse für einen Gewinn gebracht? Heute kommt Wierczak mit der Losung: „Juden, hinaus aus Polen!" Mit vergifteten demagogischen Mitteln reizt man die Massen dazu auf, auf die Straße zu gehen und die Juden anzugreifen. Wierczak behauptet, der Kampf gegen die Juden werde in fast allen Ländern Europas geführt. Aber Wierczak irrt. Ihm schwebt Hitler vor, ihm guckt er es ab, wie man die Jugend dressiert. Wierczaks Behauptung, daß die jüdische Jugend kommunistisch sei, trifft in keiner Weise zu; 80 bis 90 Prozent der jüdischen Jugend befinden sich im nationaljüdischen Lager. Wir wissen, fuhr Dr. Rosmarin fort, daß eine antisemitische Internationale im Werden ist, in der sich die Nationaldemokraten wohl der Führung ihres Meisters Hitler werden urterwerfen müssen. Von Hitler lernen die Nationaldemokraten auch, wie man die öffentliche Meinung und die Behörden durch Suggestion dazu bringt, in Untätigkeit zu verharren. Der Lemberger Wojwode stand unter der Suggestion der Nationaldemokraten, als er fünf Tage lang immer nur von der „Montierung der öffentlichen Meinung*4 sprach, während die blutigen an ti jüdischen Ausschreitungen ungehemmt vor sich gingen, die doch in einer einzigen halben Stunde unterdrückt werden konnten. Innenminister P i e r a c k i, der am Schluß der Debatte noch einmal das Wort ergriff, führte u. a. aus: Argumente, daß man auch in anderen Ländern Juden schlägt, überzeugen mich nicht. Die Regierung wird es nicht zulassen, daß die Nationaldemokraten ihr Rezept „Schlagt die Juden!" anwenden. Die Regierung hält an ihrer Erklärung vom vorigen Jahr fest, daß gegenüber den Juden das Prinzip voller Gleichberechtigung angewendet wird. Die englische Regierung unterstützt die jüdischen Wünsche in der Frage der 40 Stundeu-Arb3itswoche Aus London wird gemeldet: Joint Foreign Conv> raittee wandte sich-an den englischen Arbeits« minister mit dem Ersuchen, bei der vom Internatio-

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