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Die neue Welt · 1933-01-27 · Heft 281 (27.1.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 281 (27.1.1933)
Date
1933-01-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 281 DIE NEUE WELT Seite 3 Union der Ziontaten-Revhionisten Mittwoch, den 1. Februar 1933, 7,9 Uhr abends, im Horil*Saal des Verband«- heims, II., Untere Augartenstraße 38. Versammlung Referent: Diu N* Samonsky Thema: Ch< N« Bialik Regiebeitrag 20 g mmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm. Urteil des Ehrengerichtes in keiner Weise angetastet werden würden. Wie uns Kenner des zionistischen Statuts mitteilen, erscheint diese Forderung der Revisionisten Überflüssig. Das Statut des Sonderverbandes erteilt einer zionistischen Gruppierung keine besonderen Rechte. Je 20.000 Schekelzahler können sich als Sonderverband innerhalb der Zionistischen Organisation konstituieren, wenn sie ein eigenes Programm und eine entsprechende Zustimmung vom A. C. haben. Die Rechte, welche die Revisionisten vor der letzten , A.-C.-Sitzung in allen zionistischen Institutionen . hatten, sind durch die Anerkennung der Revisionisten als Sonderverband in keiner Weise erweitert worden. Diese Rechte bleiben selbstverständ- , lieh in voller Kraft auch jetzt, nachdem das Ehrengericht zur Ansicht gelangt ist, daß die Revlslonl- . sten noch nicht reif für die offizielle Anerkennung als Sonderverband sind. Das Urteil hat somit bloß eine moralische, aber keine praktisch-orga- . nlsatorische Auswirkung.'* Durch diese Erklärung ist all den Gerüchten, die ein gewisser Teil der zionistischen Presse und gewisse zionistische Gruppen in Umlauf gesetzt haben, ein Ende bereitet. Gerachle um Abbas Hilmi In ihrer letzten Nummer hat die „Neue Welt" von den abenteuerlichen Plänen des Exkhedive von Aegypten, Abbas Hilmi, berichtet, der jetzt in seinem Luxusdampfer die palästinensische Küste befährt. Der frühere König von Aegypten will König von Palästina werden, und versucht, Verbindung mit jüdischen, arabischen und englischen Kreisen zu gewinnen. Aus Jerusalem wird jetzt berichtet: Der Exkhedive von Aegypten, Abbas Hilmi, strengte.vor dem Jerusalemer Gericht eine Verleumdungsklage gegen Ajjaj Nweihed, verantwortlichen Redakteur der in Jerusalem erscheinenden Zeitung ,M a-. jallat el.Arab" an, die geschrieben hat: „Abbas Hilmi würde sich keinen Strohhalm darum scheren, wenn Palästina den Juden verkauft werden würde." Von Abbas Hilmi erzählt bekanntlich die arabische Presse, daß er sich als Freund der Juden aufspielt, weil er den Ehrgeiz hat, mit englischer und jüdischer Hilfe König von Palästina zu werden. Abbas Hilmi, der vor einiger Zeit auf seiner Privatjacht im Hafen von Haifa eingetroffen ist, ging zunächst nicht an Land. Gerüchte wollen wissen, daß die englische Regierung ihn ersucht hat, palästinensischen spiele werden alljährlich in Galizien, Kongreßpolen und Wolhynien nach den alten Mustern neu geschaffen, eine kulturhistorische und philologische Quelle für den Forscher. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß das Wilnaer jüdisch-wissenschaftliche Institut sich seit seinem Bestand mit den folkloristischen Elementen dieser Purimspiele beschäftigt. Das mittelalterliche Prag, das älteste jüdische Ghetto Europas, beherbergt unzählige Formen jüdischer Fastnachtspiele und Fastnachtverse, die zweifellos als Vorbilder vieler slawischer Volksspiele anzusehen sind. Seinen literarischen Niederschlag hat der Purimhumor in der heute fast vergessenen, vor 380 Jahren in Venedig gedruckten Schrift „Messeches Purim" (Purim- Traktat) des Rabbi Klaunimos ben Kla'unimos gefunden, der in der Mitte des 13. Jahrhunderts klebte. Das Buch enthält in der Art eines Talmud-Traktats Vorschriften über Trinken und Schmausen und allerlei Purimscherze. Im Ton cer Haggada werden die populärsten Haggadastellen paraphrasiert, wie „Dies ist der Champagnerwein, den unsere Ahnen getrunken haben" (Dies ist das Brot der Armut...), oder „Jetzt sind wir hier und im nächsten Augenblick betrunken in der Schenke" (Neujahr sind wir hier und im nächsten Jahr in Jerusalem). Die vier Figuren der Haggada heißen hier „Der Kluge", „Der Narr, „Der Einfältige" und „Der nicht trinken kann". Die Schrift fand zahlreiche Nachahmungen in allen Ländern. Als die große jüdische. Ueberwanderung nach Amerika einsetzte, erstand ein sogenanntes „Messeches Amerika" (Amerika-Traktat), das in aramäischer Sprache die neuentstandenen jüdisch-amerikanischen Lebensformen nach dem Vorbild des Purim-Traktats in scharf pointiertem Humor persifliert. Boden jetzt nicht zu betreten. Dies trifft nach den Informationen der J. T. A. nicht zu, Abbas Hilmi warte nur auf eine offizielle Einladung des Mufti und des High Commissioner, nach Jerusalem zu kommen. Der High Commissioner beabsichtige aber nicht, eine offizielle Einladung an den Exkhedive ergehen zu lassen. Dem Mufti gingen aus Moslcmkreisen in London und Genf Warnungen zu, daß er den Verkehr mit Abbas Hilmi nicht wieder aufnehme, weil dieser Pläne verfolgt, die der Sache der Moslems abträglich sein könnten. Die arabische Presse Palästinas greift Abbas Hilmi als einen „Agenten der englischen Regierung und der Juden" an. Die Zeitung „Falastin" teilt „aus zuverlässiger Quelle" mit, daß der Exkhedive mit der Jewish Agency über eine Lösung des jüdischen Problems in Palästina verhandelt und daß die Jewish Agency sich bereit erklärt hat, ihn zu unterstützen, König von Palästina unter dem englischen Mandat zu werden, unter der Voraussetzung: 1. Daß er die Balfour-Deklaration und das Mandat anerkennt 2. Daß er alle landlosen Araber aus Palästina heraus- SONNIGE WOCHEN IM MITTELMEER Vier Mittelmeerreisen zu niedrigen Fahrpreisen von Anfang Mörz bis Mitte 3unl 1935 Prospekte, Auskünfte. Platzangebot« durch dl« HAMBURG-AMERIKA LINIE _____iiJMcngJ. Kärnfnerstraase 38. Willy fom^gmm wagener Imm^mmmnh Der große deutsche Tonfilm nach der Novelle von Stephan Zweig Regie: Robert Siodmak Musik: Allan Gray Ab 28. Jänner 1933 im Elite-Kino. I. Schottenrlna-Kino, I. Lustspieltheater, II. Flotten-Kino, VI. ■ ii i Monopol: L. Barth & Co., Oes. m. b. H. ' — nimmt und für ihre Ansiedlung in Transjordanien sorgt. 3. Daß er eine jüdische Einwanderung nach Palästina auf breitester Basis erlaubt. 4. Daß die Regierungsämter von jüdischen Bearatc'n geleitet werden und Hebräisch offizielle Sprache des Landes wird. „Falastin" versichert, daß ihm diese Informationen von einer führenden Persönlichkeit in London zugegangen sind, und erklärt, Nahum Sokolow und Lord M e 1 c h e 11 seien nach Palästina gekommen, um mit Abbas Hilmi zu verhandeln. In jüdischen Kreisen nimmt man die Auslassungen des „Falastin" und der übrigen arabischen Presse über Verhandlungen zwischen Abbas Hilmi und der Jewish Agency nicht ernst; man hält es für einen schlechten Scherz, zu behaupten, daß Abbas Hilmi, der nie ein Freund der Juden und der jüdischen Ziele in Palästina gewesen war, mit der Jewish Agency in Verbindung steht. * In einem Gespräch mit dem J.-T.-A.-Vertreter trat der gegenwärtig in Jerusalem weilende Lord M e 1chett entschieden den von der arabischen Prese kolportierten Gerüchten entgegen, daß er, Melchett, nach Jerusalem gekommen sei, um hier mit dem Exkhediven von Aegypten, Abbas Hilmi, über jüdische Probleme in Palästina und Transjordanien zu verhandeln. Ich bin, sagte Lord Melchett, nie im Leben mit Abbas Hilmi zusammengetroffen und habe auch nicht die Absicht, je mit ihm zusammenzutreffen. * Eine spätere Meldung aus Jerusalem Der auf einen Königsthron in Palästina prätendierende Exkhedive von Aegypten, Abbas Hilmi, der mehr als zwei Wochen auf seiner Jacht vor Haifa vor Anker lag, fuhr nach Bagdad ab, ohne palästinensischen Boden betreten zu haben. Wie es heißt, wurde ihm seitens der englischen Regierung bedeutet, daß er in Palästina kein erwünschter Ga'st sei. Vom geraubten jüdischen Lande Was geht in Transjordam'en vor? Die traurigste Episode in der zionistischen Nachkriegsgeschichte ist die Lostrennung Trans- Jordaniens (Ewer Hajarden, das Land östlich vom Jordan) von Palästina. Eines Tages wurde die jüdische Welt durch eine Erklärung der britischen Mandatsmacht überrascht, in welcher ausgesprochen, daß der fruchtbarste Teil Palästinas aus dem jüdischen Mandatsgebiete ausgeschieden wird, ein Land, größer als der verbleibende Teil, ungemein ertragfähig, von zirka 200.000 arabischen Seelen ganz dünn besiedelt. Diese Verfügung stellte den krassesten unter den vielen Wortbrttchen dar, welche eine gewissenlose englische Bürokratie gegenüber dem Zionismus verübt hat. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß das jüdische Siedlungswerk in Palästina ohne diesen Landraub heute ein Vielfaches dessen betragen würde, was bis heute geleistet wurde. Damals war der Jude Sir Herbert Samuel Begierungschef von Palästina und Weizmann Leiter der zionistischen Politik. Beide haben sich damals mit schwerer Schuld beladen. Das Vorgehen Sir Herbert Samuels, der bei der heimlich betriebenen Vorbereitung des Betruges am jüdischen Volke aktiv beteiligt war, ist glatter Verrat gewesen. Welzmanns Schuld liegt in der für seine Politik typischen Schwäche gegenüber der englischen Regierung, liegt darin, daß er nicht nur den Raub fast ohne jeden Widerstand hingenommen, sondern auch den Versuch eines jüdischen Proteststurmes, der damals gewiß nicht wirkungslos geblieben wäre, vereitelt hat. Transjordanien wurde nicht nur losgetrennt und unter die Herrschaft des Emir Abdallah gestellt, sondern auch gegen die Juden hermetisch abgesperrt. Den Juden wurde der Landerwerb und die Niederlassung in Transjordanien verboten. Noch mehr! Während den Juden das bloße Betreten Transjordaniens nur nach viel Untersuchungen und Prüfuugen mit einem kurzfristigen Visum möglich ist, können die Araber Transjordaniens die Grenze des jüdischen Palästina jederzeit und ohne jede Kontrolle Uberschreiten. Dadurch wurde Transjordanien zu einer Gefahr für Palästina, zum Hauptquartier für «llle chauvinistischen arabischen Verschwörungen gegen das jüdische Palästina. In Transjordanien können sich die Attentäter und Pogromhelden ruhig und ausreichend bewaffnen, nach Trans« Jordanien können sie sich bequem zurückziehen, wenn sie verfolgt werden. Dieser Zustand dauert nunmehr länger als zehn Jahre. Die zionistische Opposition, vor allem die Zionisten- Revisionisten, kämpfen ständig gegen ihn an, aber der derzeit offizielle Zionismus hat resigniert, so daß in den weitesten jüdischen und nichtjüdischen Kreisen die Verstümmelung Palästinas, durch den Raub Transjordaniens verursacht, als ein definitiver, unabänderlicher Zustand angesehen wird. Nun kommt aus Palästina eine überraschende Nachricht. Transjordanien soll für die J uden geöffnet werden: Nicht nur für die Einreise, sondern für die Besiedlung. Aus Jerusalem wird gemeldet: Jüdisches Siedlungsland in Transjordanien? Jerusalem, 19, Jänner. Die arabische Presse Palästinas teilt als eine bereits feststehende Tatsache mit, daß eine jüdische Gesellschaft in Palästina mit dem Emir Abdullah von Transjordanien einen Pachtvertrag abgeschlossen hat, laut dem der Emir aus den in seinem persönlichen Besitz befindlichen Domänen 50.000 Dunam Boden für eine Dauer von 99 J ahren der Gesellschaft in Pacht übergibt. Den gleichen Quellen zufolge hätten einflußreiche arabische Führer Transjordaniens Telegramme an das Kolonialamt in London gesandt, In denen sie die Oeffnung der Tore Transjordaniens f ür jüdische Ein Wanderung und die Freigabe des Bo denkaufs f ordern. Die Zeitungen berichten weiter, daß die Arabische Nationale Partei Palästinas eine Kundgebung nach Jerusalem „zur Abwehr dieser neuen zionistischen Gefahr'* einberufen hat. Die Jewish Agency (Zionistische Exekutive) lehnt es ab, zu diesen Berichten der arabischen Presse Stellung zu nehmen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, beruhen zwar die arabischen Presseberichte auf vagen Informationen, entbehren jedoch nicht einer gewissen realen Basis. Man weiß, daß die Zionistische Exekutive die Entwicklung der Dinge In Transjordanien seit längerer Zeit genau verfolgt und mißt darum den Berichten der arabischen Presse eine gewisse Bedeutung bei. « Weitere 100.000 Dunam in Transjordanien für jttdlsohe Siedlung angeboten Jerusalem, 20. Jänner. In Transjordanien eröffnen sieh immer mehr Möglio hkelten für

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