Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 281 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 281 wirft Ihnen der Linzer Bischof die'Juden zum Futter hin. Diese Handlungsweise Ist zwar" nicht vornehm, nicht menschlich Und'nicht christlich dem auserwkhlten Volk de« Alten Bünde« gegenüber. Aher «1c ist vielleicht erfolgversprechend, so denkt der Unter Hirte, indem er Heiter schreibt: „Diesen schädlichen Einfluß des Judentums zu bekämpfen und zu brechen, ist nicht nur gutes Recht, sondern strenge Gewissenspflicht eines jeden überzeugten Christen . . , In früheren Zeiten hat man der jüdischen Bevölkerung ein «igenes Wohngebiet, ein sogenanntes Ghetto angewiesen, um (der Linzer Bischof bat hier eigene Fol** schlingen angestellt!) jüdischen fielst und Einfluß tunlichst zu bannen; die moderne Zeit braucht zwar die Juden nleht des Landes zu verweisen,, sollte aber in der Gesetzgebung und Verwaltung einen starken Damm aufrichten gegen all den geistigen Unrat und die unsittliche Schlammflut, die vorwiegend vom Judentum aus die Welt zu überschwemmen drohen." Und der gute Hirte schließt, ein Bonbon hinlegend: „Dabei sei rückhaltslos zugegeben, daß es auch im Judentum edle Charaktere gibt." Es hat weder in diesem Zusammenhang noch für ein jüdisches Blatt einen Sinn, den Widerspruch , zwischen dem vom Linzer Bischof aufgestellten katholischen Grunddogma und seiner Behandlung des Judentums aufzuzeigen. Gegen solchen Jesuitismus kämpft sogar ein Volk vergebens, das der Welt den „Heiland" gab." Aber hier wird von autoritärer Seite die Stellung des Katholizismus zur Judenfrage begründet. Die „Neue Welt" hat vor längerer Zeit ihrem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben, daß die katholische Kirche, bereit und gewandt genug, dem Einfluß der; menschlichen Entwicklung die Deutung der christlichen Dogmen anzupassen, gar nichts vom Judenproblem zu sagen habe. Der Fapst hat geschwiegen, aber der Linzer Bischof hat gesprochen. Es wäre für Ihn eine' schöne, ehrenvolle Gelegenheit .gewesen, zu zeigen, daß das jüdische Volk für die Entjudung und die ihr zwangsläufig anhaftende: Entartung einzelner Sellienten nur Verachtung übrig habe, daß das jüdische Volk im Zeichen des Zionismus seine Wiedergeburt vollzieho und auf uralter heiliger Erde sich unter der Bewunderung aller Kulturnationen nach fast 2000 Jahren wieder sein Heim errichtet. Der Linzer Bischof hat diese Gelegenheit nicht ergriffen. E3 war ihm nicht um „objektive, gottgewollte Tatsachen" zu tun, sondern nur darum, den Pogromantisemiten zu sagen, daß sie, wenn sie ihren Instinkten freien Lauf lassen wollen, nicht gerade ins Lager des Hakenkreuzes gehen müssen. Diese Mezzie (das wollte der geistliche Herr sagen) kann man auch im Lager , des Christenkreuzes finden, u. zw. Achtung! Großaufnahme! indem er diesen Passus folgendermäßen schließt: „Will darum der Nationalsozialismus nur diesen £»i s ti g en und e th<i s c-hje n;Avtft:i:?eymi fci 9 m u m in seih Programm aufnehmen, so ist er durch nich t s darangehindert; aber dann vergesse der Nationalsozialismus nicht, daß vor allem-die katholische Kirche das stärkste Bollwerk ist gegen den geistigen Ansturm auch des jüdischen Atheismus, und. der Nationalsozialismus schüre nicht rassischen Antisemitismus durch seine überhebliche Vergötterung der arischen Basse." Die katholische Kirche begnügt sich also im Gegensatz zum totschlägerischen Antisemitismus, der einer früheren Epoche angehört, mit dem geistigen und ethischen Antisemitismus. Er besteht in der Gesetzg e b an g und in der V e r w a 11 u n g, also ungefähr darin, was das nationalsozialistische Programm. Hitlers verlangt: Die Juden werden unter Ausnahmsgesetze gestellt und, wo nicht über die Grenzen gejagt, an der Hundskette gehalten. Das ist der geistige und ethische Antisemitismus der katholischen Kirche Oesterreichs, die mit der Hand auf dem Herzen betont, daß ihre politische Zielsetzung nicht einen Finger breit vom gottgewollten Wege der christlichen Grundwahrheit«» abweiche. ' «. r. Wohltun, das keine Zinsen fragt Vom Sport reicher Amerlkanev4nden und seinen < . Resultaten« Der Vor einiger Zelt verstorbene hundertfache Millionär Rosehwald, Chtkago, hat es grundsätzlich abgelehnt, für Zwecke, des Aaufbaues des jüdischen Palästina etwas zu geben. Dagegen hat er reichsdeutSchen Hochschulen und anderen Bildungsinstituten einige Dollarmillionen gespendet. Der Hinweis darauf, daß an diesen .Hochschulen Juden in schmählicher Weise behandelt werden, hat ihn weiter nicht berührt. Handelte es sich . doch nur um jüdische Studenten aus Deutschland, Polen, „Bußland. Das Beispiel Rosenwalds hat Nachahmung gefunden. Auch die Herren Warburg, Guggenheim, Kohn usw. begannen dio deutschen Universitäten zu beschenken. So wurde der großartige Neubau der Universität Heidelberg fast zur Gänze von Amerikaner-Juden bezahlt. Die dache wurde zu einem jüdisch-feudalen 8p<ä>rt.: Man' beschenkte und beschenkte das an tiseml tlsöhe Deutschland und gab für das judis o h e< Faläs'tt'ri'a"» entweder nichts, wie Rosenwald, oder einen winzigen Bruchteil. - Nun ist der Tag gekommen, an1 welchem so großmütig beschenkten akademischen Behörden Deutschlands dem jüdischen Snob die Zinsen für seine YVot'^aten zahlen. Jetzt wird bekannt, daß der Rektor der Universität Köln allen „studierenden Korporationen und Bünden" folgendes beruhigende Rundschreiben zukommen ließ f , „Uni » einer <B e an r u h i g u n g vorzubeugen, teile ich folgendes mit: . . . Zu-der Frage des um der Ruhe an den Hochschulen willen durchaus unerwünsoht'en Andranges jüdischer Medizin 81inl'e'nten aus Nordämerika habe ich auf Grand der Beratungen der Rektorenkonferenz am 80. Oktober'1932 den Herren Direktoren der betreffenden Institute in einem Schreiben nähegelegt, bereits irhmatrilädierten' Amerikanern nur dann einen Arbeitsplatz anzuweisen, jvwenn alle 'deutschen Kommilitonen eineht solchen erhalten haben, ,und. künftig Gesuche u m Z ü 1 a.s'suhg. mit der B egrttndung des Platzmangels abzulehnen. Das Sekretariat war angewiesen, die Erfüllung aller Zulassungs- •I ■ Bei Schnee, Wind, Kälte ,. •.. ... •'. ^iii-h" ' y-J:„ >.;• wird man le'cht von Erkältung befallen. Man mtfö daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, daß ^.Haus.e'ijnit^eh eiu 'er in.;':se1i^^;lph'inärz- ..v •»•* ■tfehMlrjiiAAi. ^j/j^ — ..... irkung einzige ' FRANZBRANNTWEIN mit Menthol welcher für Massage, Einreibung, Umschläge und als Gurgelwasser gleich unentbehrlich ist. Nehmen Sie nur Diana! Wertlote Nachahmungen wehen Sie entschieden zurück! Ueberau erhältlich. Der judi§die Karneval Seltsame Purimbräuche in verschiedenen Ländern .' . . . .' . . . . , Inmitten grausamer Verfolgungen und schwerer Nöte ein Feiertag, dessen historischer Ursprung nicht zu Trauer und Schwermut, sondern zu Freude und. Ausgelassenheit verpflichtet — solch ein Feiertag mußte wohl in der jüdischen Gasse die seltsamsten Formen annehmen; Ejin Tropfen nichtjüdischer. Art steckt unbestrittenermaßen im Purimf est, und wir können uns nicht des Gefühls erwehren, daß es irgendwie ein Halbedelstein ist im Schmuckkästchen unserer Feste. Der Brauch, sich zu Purim so zu betrinken, daß man „Haman den Henker" von „Mordechaj dem Retter" nicht mehr unterscheide, stammt aus der Zeit des Talmud. Im Mittelalter kamen das Verkleiden und die Vorführung von Purimspielen in Schwang. Schon vor Purim legten die Jeschiwa-Jungen die Gemara beiseite und begannen, die verschiedenen Stücke, wie „Josef und seine Brüder", „Goliath und David", „Achasveros und Esther" u. a. einzustudieren. Die Stücke gingen im Manuskript von Hand zu Hand, ihre Musik ungeschrieben von Mund zu Mund. Die „Schauspieler" spielten ihr Repertoire in den jüdischen Häusern, wo sie ein paar Groschen und Geschenke bekamen. Dieser Brauch erhielt sich allerorts bis heute. Und wenn die großen Rabbis und Moralprediger sich dagegen wendeten, daß die Purimnacht die Juden von allen hergekommenen religiösen Vorschriften befreie, daß Maskenspiel und Verkleidung ihr Unwesen treiben, ließ das Volk vom tollen Faschingstreiben dennoch nicht ab. Schließlich bequemten sich die Hüter des Gesetzes, insbesondere der bedeutende Rabbi und KabbaUst Rabbi Moses Isseriis, dazu, am Purim die seit langem geübten Scherze und Spiele zu gestatten. Die Frage, ob das Purimfest auf die Megillath Esther zurückzuführen sei oder ob dieBe einen. Reflex der alten Purimlegende darstelle, hat bis heute noch keine eindeutige Erklärung gefunden. Besonders in den Ländern, die judenfeindliche Strömungen nicht kannten, wie Italien und Holland, standen die Purim-Schauspiele in Blüte. So berichtet der Forscher und* Schriftsteller Chaim Josef Asolay in seinem Reisetagebuch „Die glückliche Wegrunde" aus dem Jahre 1706 über die Amsterdamer Purimnacht. „Die ganze Nacht verbrächte man in den Gassen, war lebendig und fröhlich. Das Volk war verkleidet und maskiert und inszenierte einen taumeligen Karneval; hauptsächlich waren es aschkenasische Juden, von denen es in Amsterdam über 50.000 gibt. Unsere jüdischen Brüder waren in der freiheitlichen Stadt Uber alle Maßen ausgelassen und taten so, als gehörte ihnen die Stadt. Von der Gasse gingen wir zum Amsterdamer Rabbi, wo wir den Tisch gedeckt fanden; hiezu kamen lustige Musikanten, und ■ inmitten der Gesellschaft erschien ein Badchen (lustige Narrensperson), der die Predigten des Rabbi persiflierte und eine Menge zotiger Strophen deklamierte, während die Männer und Frauen in bunten Masken zu tanzen und zu tollen begannen — um alles in der Welt." Ueber den^Yemen erzählt der jüdische Reisende Jakob Safir, daß in der Stadt Schewas jüdische Gassenjungen einen aus Ruten geflochtenen, buntgefärbten Haman trugen, dazu einen Mordechaj zu Pferd, vor dem ein zweiter Haman läuft. Haman wird im Hof des Bethauses auf. einem hohen Baum aufgehängt und so lange mit Steinen beworfen, bis er auseinanderfällt Vom Purimfest der Juden im Kaukasus berichtet uns der Forscher Jossf Tscharny: Bedingungen strengstens zu prüfen. Inzwischen hat das Ministerium auf Grund des Berichtes der R^ktorenkonferenz verfügt, daß alle Gesuche von ausländischen Medizinstudierenden bis ' auf weiteres seiner Entscheidung vorzulegen, aber auch, daß die Papiere der bereits Zugelassenen zur Nachprüfung einzureichen sind." ■ *. rtoch Bekanntwerden dieses Rundschrelbens gab et in,, dett; „israelitischen" Kreisen; Deutschlands großes Klagen, Man warf den Kölner Professoren Undankbarkeit gegenüber den hochvermögenden jüdischen Spendern aas 'Amerika vor. Die Herren vom „Zentralverein deutscher Staatsbürger mosaischen Glaubens" veranstalteten eine tiefbewegte „Pressekonferenz" und liefen auch Ins Kultusministerium. Dort erteilte man ihnen den liebenswürdig-säuerlichen Bat, den „jungen Leuten" aus Amerika nahezulegen, weniger besuchte Universitäten als die kölnische zu frequentieren . . . Wenig Ursache, traurig *u sein. Die charakterlosen amerikanischen Geldgeber braucht man nicht zu bedauern. Ebensowenig den gekränkten Zentralverein, der schon wissen sollte, daß die deutschnationalen Herren gerne jüdisches Geld einstecken, sich aber ihren Antisemitismus nicht abkaufen lassen.' Und die vor den Kopf gestoßenen, unerwünschten „jungen Leute" aus Amerika, sind diese zu bedauern? Nein! Eine ganz eigene Basse, diese jungen Herren. Sie kommen nach Deutschland und Oesterreich, halten sich von allem Jüdischen fern, geben sich nicht zu erkennen, spielen sich auf hundertzwanzigprozentige Amerikaner aus. Kein Schade um sie . . . Die Folgen des Berliner Ehren* 9e»i<ht«*Urteii$ Eine Erklärung der zionistischen Exekutive An das Urteil des zionistischen Ehrengerichtes, welches die Suspendierung des Sonderverbandes der Zionisten-Revisionisten in der Zionistischen Weltorganisation ausgesprochen hat, knüpfte die Presse die wildesten Kommentare. Es wurde u. a. behauptet, daß durch dieses Urteil die Revisionisten ihrer Stellen in den Palästina-Äemtern, Schekelkommissionen, Fonds usw. verlustig werden. Um diesen Gerüchten ein Ende zu bereiten, hat der derzeit in Palästina weilende Vorsitzende des revisionistischen Sonderverbandes, Meir Großmann, von der Zionistischen Exekutive eine klare Stellungnahme in dieser!Frage verlangt. Herr Großmann wurde über sein Verlangen zu einer Exekutivsitzung in Jerusalem geladen, an welcher die Herren Präsident Sokolow, Nevvman, Farbstein und Dr. Ar 1 osorof'f von der Exekutive teilnahmen. Herr Großmann legte die zu bereinigenden Fragen dar und erhielt die Zusage, daß die Exekutive im Verlaufe von zwei bis drei Tagen eine definitive Antwort erteilen werde. Diese Antwort ist erfolgt. Das Tagblatt „Haarez" brachte mit Genehmigung der Exekutive folgende Mitteilung: „Im Zusammenhang mit der Pressekonferenz Herrn Groß man ns, des Vertreters der revisionistischen Organisation, erfahren wir, daß Herrn Großmann, gemäß seinem Verlangen, die Gelegenheit erteilt wurde, in der Sitzung der zionistischen Exekutive eine Erklärung abzugeben. Die Exekutive hat seine Erklärung angehört und zur Kenntnis genommen. Wie wir erfahren, ging Herrn ttroßmanns Verlangen dahin, daß die zionistische Exekutive erklären sollte, daß die Bechte der revisionistischen Fraktion, die ihr schon vor Anerkennung des Sonderverbandes zustanden, durch das tg^ammm^m^^mmHmmmmmmam^tmmmmm^mmt»mmmmmmammmmmmmtMtnmiimmiimim\ixrH!H „Die Frau bereitet zu Hause einen mit Pech und Asche beschmierten Holzklotz vor, und wenn der Mann aus dem Bethaus kommt, fragt er wild mit gespieltem Zorn, wer denn dieser Teufel sei. Die Frau antwortet: Das ist Haman, der Bösewichtl Hierauf trampelt der Mann mit den Füßen auf dem Holzklotz herum und befiehlt der Frau, ihn ins Feuer zu werfen." In Polen und Li tauen bestand zu Purim die Sitte, einen Purim-Rabbi zu wählen, der die Aufgabe hatte, das Volk zu belustigen und verschiedene komische Lehrsprüche, Gleichnisse und Reden von sich zu geben. Man begrüßte den Gewählten mit „Es lebe der König" und warf, ihn in die Höhe, nachdem man ihn mit Schläfenlocken, einem Seidenkaftan und der im Osten gebräuchlichen Kopfbedeckung versehen hatte. Vom Bethaus ging man in die reichen jüdischen Häuser, wo gesungen, getrunken und geschmaust würde, bis die Teilnehmer im Freudenrausch ihrem Humor freien Lauf ließen. In den Talmudschulen Ungarns begann das Purimtreiben schon mit Anbruch des Monats Adar. Die Talmud-Bände wurden zugeklappt und das beliebte Purimlied „Schauschanas Jaakow" ertönte in den Lehrstuben und in den Gassen. Die talentierten Schüler verfaßten selbst Hanswurstiaden, in denen nicht selten die Iiehrer und Gemeindeführer als Spottfiguren auttraten. Der erst vor kurzem verstorbene Verfasser zahlreicher volkstümlicher Spiele und Lieder, Hersch Leib Szigeter, pflegte alljährlich ein Purimspiel zu schreiben, das in ganz Karpathorußland aufgeführt wurde. Auch Pol e h ist nicht arm an Purimbräuchen. Dort ist das Purimtreiben no,ih heute lebendig, wenn auch der Krieg und die ihm folgende Nivellierung aller volkhaften Traditionen dem jüdischen Karneval viel von seinem urtümlichen Charakter genommen haben. Purim-