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Die neue Welt · 1933-01-27 · Heft 281 (27.1.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 281 (27.1.1933)
Date
1933-01-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitags den 27« Hinter 1911 Nr. 281 V* bfc« Zeitung vom Verleger versende! „Journal expedie* par rSditenr« BEZUOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.—{Polen monatlich Zloty i.—fvlerteljahrlgr Zloty6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Ramänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-J Bulgarien monatlich Lewa 40—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel« jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung! Wien IX, UniversHätsstr.6-8, 7 el. B^f8-504 — Erscheint jeden Freitaf REVUE 9 Volkerbund und Palästinaparlament Aus Genf wird gemeldet: Wie dem J. T. A.-Vertreter aus gut unterrichteter Quelle mitgeteilt wird, ist in der letzten Session der Mandatskommission des V ölkerbundes die Frage der Schaffung eines Parlaments (Legislative Council) in Palästina sehr eingehend behandelt worden. Als die Mandatskommission an die Formulierung ihrer allgemeinen Bemerkungen (gencral observations) hinsichtlich der Verwaltung Palästinas im Jahre 193? schritt, war sie entschlossen, in diesen Bemerkungen mit keinem Worte der vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope angekündigten S chaffung des Legislative Council Erwähnung zu tun, um auf diese Weise der Mandatarmacht zu bedeuten, daß sie, die Kommission, der Meinung sei, daß diese Frage mit größter Vorsicht zu behandeln sei, und daß sie es für wünschenswert halte, daß nach dieser Richtung hin, keine übereilten Schritte getan werden. Dieser anfängliche Entschluß der Kommission mußte aber in den späteren Sitzungen umgestoßen werden. Dies geschah bei der Behandlung einer Petition der arabischen Frauen Palästinas, in der unter anderem die Einsetzung einer parlamentarisch-demokratischen Regierung iii Palästina und die Ann uliierung der Balfour- Deklaration verlangt werden. Professor R appard, der Berichterstatter über diese Petition, machte den Vorschlag, daß die. Kommission dem Verlangen der arabischen Frauen die Bemerkung, entgegensetzen soll, daß Biß Forderungen, die auf die Abschaffung eines, Regimes, hinausgehen^ dessen Durchführung die Kommission' zu überwachen habe, gärniebt zum Gegenstand. einef Erwägung machen k önne. Das spanische Mitglied der Mandatskommission Palacios machte daraufhin den folgenden Vorschlag: Da die Kommission früher beschlossen hat, in ihren allgemeinen Bemerkungen die Angelegenheit des Legislative Council unerwähnt zu lassen, wäre es angezeigt, jetzt, bei Beantwortung der Petition der arabischen Frauen, zu erwähnen, daß der High Commissioner die Schaffung eines Legislative Council angekündigt hatte. An den Vorschlag von Palacios knüpfte sich eine sehr ausgedehnte ernste Aussprache, die sich in der Hauptsache darum drehte, ob man in den allgemeinen Bemerkungen der Ankündigungen des Legislative Council seitens der Mandatsregierung denn doch Erwähnung tun oder dies unterlassen solle. Die Mitglieder der Kommission Van Rees, Ruppard, Penha Garcia, Orts und Merlin sprachen sich dahin aus, daß - des Legislative-Council-Planes weder in den allgemeinen Bemer-. kungen der Kommission noch in der speziellen Bemerkung betreffend die Petition der arabischen Frauen Erwähnung getan werden solle. Van Rees begründete in einer längeren Rede seine Bedenken gegen die Schaffung eines Legislative Council in absehbarer Zeit und kam zu dem Schlüsse, daß eine solche einschneidende konstitutionelle Aenderung dazu angetan wäre, die jetzt schlummernden politischen Leidenschaften wieder zu entfachen, was doch keineswegs zum Guten des Landes sein könne. R a p p a r d führte aus, wenn man in der Antwort auf die Frauen-Petition zu der Forderung nach einer Volksvertretung Stellung nimmt, müsse die Kommission gleichzeitig betonen, daß die Durchführung der Balfour- Deklaration gesichert werden solle. Andere Mitglieder der Kommission, wie Palacios, Lord.Lugard, der Präsident der Kommlsr&m Marquis T eodoli, vertraten einen entgegen- Älle. im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen'Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet KOHLE/KOKS ANTHRACIT, höchster QualltttUn BÄSCH, IV. Arg«ntihlertfraB« 2Z Tal,: I«rle U»47-5.40 gesetzten Standpunkt, indem sie djMmi biosvleseiif daß die Schaffung von Selbstvewaltnjigslnstitutlonen Im Mandat vorgesehen sei und daß es |in Hinblick auf dfe Verpflichtungen gegenüber den Arabern geboten sei, daß die Kommission Uber die Deklaration voii Sir Arthur Wauchope betreffend Schaffung eines Legislative Council In Palästina nicht mit Stillschweigen hinweggehe* , Da nun die Meinungen Iii dieser Frage geteilt waren, mußte zur Ab Stimmung: «geschritten werden. Mit einer ganz kleinen Mehrheit wurde dann beschlossen, den anfänglichen Beschluß, des Legislative Council In den Bemerkungen nicht Erwähnung ztt tun, umzustoßen und In die allgemeinen Bemerkungeil den Satz aufzu« nehmen: Die Mandatskommission nimmt die Erklärung von Sir Arthur Wauchope über die, geplante Einführung eines Legislative Council in Palästinas u t Kenntnis. Zu bemerken ist, daß sich die Kommission diesmal damit begnügt hat, die Erklärung des High Commissioner einfach zur Kenntnis zu nehmen, während Sie in ihrer 20. Session im Juni 1981 bei einer ähnlichen Erklärung des damaligen englischen Unterstaatssekretärs für die Kolonien Dr. Shlels ihre „Zufriedenheit (satisfaction) ausgedrückij" hat. BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN AUF BÖDME IST (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESß, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN' GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE Geisliaer und ethischer 9 W " . ' -MffSI^-' :'^?'v.i.-.i^r-s^v:..>:;&:Vt.:-:.:-":^■ , ■ Das Ptoßfanpm 4er UaihoHsdten Kirdie Oesterreich^ Wien, 25. Jänner. Seitdem die katholische Kirche erkannt;, hat, daß das Hakenkreuz sich auch in ihrem Bereich seine Opfer holt, versucht sie, sich den Verführern entgegenzustellen« Sie tut es hauptsächlich mit der einen Methode, den Nationalsozialismus als Irrlehre zu bezeichnen und alle gläubigen Christen vor dieser Irrlehre zu warnen. Da hat nun wieder der Bischof von Linz einen Hirtenbrief gegen die Hitlerianer erlassen, worin er sich „mit den programmatischen Irrtümern des Nationalsozialismus" auseinandersetzt und bemüht ist, die verlorenen oder fast schon verlorenen Schäfchen wieder zum Hirten zurück* zurufen. Das christlichsoziale Begierungsblatt „Reichspost" kennzeichnet den Hirtenbrief als Richtschnur für jeden österreichischen Katholiken) d. h., sie gibt klar zu verstehen, daß sich jeder österreichische Katholik mit den Thesen des Linzer Bischofs zu identifizieren habe. , Was der Hirtenbrief über die „Grundgesetze des echten Christentums" und die sich aus ihnen ergebenden praktischen Lehren erzählt, tangiert uns nicht. Das ist Sache der katholischen Kreise. Ihre Sache ist es, all die Grundgesetze und Grundwahrheiten zu prüfen und sie zur Richtschnur zu nehmen. Was uns Juden an dem Hirtenbrief Interessiert, ist seine Stellung zum Judentum und der Einbau der Judenfrage in die — Abwehr des Nationalsozialismus. Der Linzer Bischof hat es nämlich für richtig befunden, gleichzeitig mit der Ablehnung des national« sozialistischen Rassenstandpunkts durch das Christentum sich auch gegen den radikalen Rassenantisemitismus zu wenden, den der Nationalsozialismus predigt. Und da heißt es im Hirtenbrief: „Das jüdische Volk nur wegen seiner Abstammung verachten, hassen und verfolgen, ist unmenschlich und antichristlich; solche „Pogrome" hat die Kirche stets verurteilt. . .*« , Da waren wir also. Die katholische Kirche hatj wenn sie das jüdische Volk verachten, hassen und verfolgen will, andere als Abstammungsgründe zur Hand. Denn wenn zahlreiche ihrer Vertreter das Blaue vom Himmel leugnen, das eine können sie nicht leugnen, daß da mit der Abstammung ihres Heilands etwas nicht in Ordnung ist, Die Juden ihrer Abstammung wegen zu pogromieren, hat die katholische Kirche nicht notwendig, niemals notwendig gehabt. Sie hat, wie es im römischen Dekret von 1928 heißt, „den Haß gegen das einst von Gott auserwähjta Volk stets verurteilt" und wenn die Inquisition in Spanien Ihre Freude an* Autodafes hatte, so war es nicht der Haß, der hier seine Befriedigung fand, sondern Liebe und Glaube. Aber da gibt es im schönen; von Liebe für alle Völker erfüllten Hirtenbrief einen sonderbaren gedankt liehen Sprung. Auf den ersten Blick ist dieser Sprung unerklärlich; denn man kennt die überlegene Art der katholischen Geistlichkeit,, selbst den krassesten Un- Wahrscheinlichkeiten den Schein von Wahrheit und Logik zu verleihen, u. zw. in einer mehr oder weniger appetitlichen Weise. Man nennt das im Hausgebrauch: Jesuitismus. Es heißt nämlich plötzlich im Hirtenbrief: „Verschieden allerdings (womit korrespondiert dieses unfreundliche Wort?) vom jüdischen Volkstum und von der jüdischen Religion ist der jüdische internationale Weltgeist." Was will der Linzer Hlrte mit dem Begriff „jüdischer internationaler Weltgeist"? Nach dem katholischen Dogma ist eben auch dieser nebulose jüdische internationale Weltgeist gottgewollt, daher zu billigen, Wenn dem so ist, dann muß man ihn eben interpretieren. Und;da merkt man mit einemmal, wie sich das Kreuz und das Hakenkreuz Innigst berühren, wie der ganze« Kampf der Kirche gegen den Nationalsozialismus in Dingen des „Rassenwahns" Schaumschlägerei ist, Denn der Linzer Hirtenbrief enthält die Phrasen, die wir aus der nationalsozialistischen Literatur bis zum Ueberdruß kennen} „Zweifellos üben viele gottentfremdete Juden einen überaus schädlichen Einfluß auf . fast allen Gebieten des modernen Kulturlebens. Wirtschaft und Handel, Geschäft und Konkurrenz, Advokatur und Heilpraxis, soziale und politische Umwälzungen gen sind vielfach durchsetzt und zersetzt von materhvr listischen und liberalen Grundsätzen, die vorwlegend vom Judentum stammen. Presse und Inserate, Theater und Kino sind häufig erfüllt von frivolen und zynischen Tendenzen, die die christliche Volksseele bis ins Innerste vergiften und die ebenso vorwiegend vom Judentum genährt und verbreitet werden. Das entartete Judentum im Bunde'mit der Weltfreimaurerei ist auch vorwiegend Träger des mammonlstischen . Kapitalismus und .vorwiegend Begründer und. Apostel des Sozialismus und. Kommunismus, der Vorboten und Schrittmacher des Bolschewismus. Zu diesen, aus der hakenkreuzlerlscheu Küche bezogenen, Phrasen ist nicht viel zu sagen. Aber wir müssen uns, jetzt . erinnern, daß der Linzer Hirtenbrief ja den bösen. Nazis galt, die, wie wilde Wölfe in die fromme christliche Herde einbrechen. Diese wilden Wölfe sollen beruhigt, zahm gemacht, befriedigt werden, Alsa

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