Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 280 (20.1.1933)
- Date
- 1933-01-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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r 8dto 6 DIE NEÜB WELT Nr. m Mitteilungen der jüdischen Studentenschaft Einem vielfach geäußerten Wnnvoh ans Kolleg«»» kreisen entsprechend, werden wir ab Janner 1988 unsere Mitteltangen abwechselnd in der „Neuen Welt" und In der „Stimme" erscheinen lassen. Die dieswöchige Nummer der „Neuen Welt" mit der Beilage „Mitteilungen der jüdischen Studentenschaft", die unter der redaktionellen Leitung des Jüdischen Hochschulausschusses stehen» wird allen jtidlschen Kollegen unentgeltlich zugesandt Wir bitten, uns Beitrage aus dem Kreise der Kollegenschaft für die folgende Nummer einzusenden. Sfreif lidifer über §tudenfi'$die Fragen Von Dr. Ernst M a n d 1 e r Die Ereignisse der letzten Wochen haben die Wiener jüdische Studentenschaft sowohl auf den Hochschulen wie auch gegenüber der jüdischen Gemeinde vor neue Probleme gestellt. An der Universität ist die Lage vorläufig noch vollständig in Schwebe. Nach der Zertrümmerung der Deutschen Studentenschalt setzten sofort Versuche ein, das soeben zerbrochene Instrument des wütenden Rassenantisemitismus wieder instandzusetzen. Unter diesem Gesichtspunkte muß auch die — bis jetzt noch gar nicht erfolgte — Aufstellung einer akademischen Legion betrachtet werden. Die jüdische Studentenschaft steht heute wie immer auf dem Standpunkt, daß die Studenten die Hochschulen in erster Linie des Studiums halber besuchen und erst in zweiter Linie, um Unterricht im Polizeifach zu nehmen. Sie hat auch keine Lust, sich zu einer vorzeitigen Stellungnahme in dieser Frage verleiten zu lassen, da ja vorläufig die Verfassungsmäßigkeit dieses Schrittes noch gar nicht' festgestellt ist. Dann allerdings wird es die Sache einer bewußt jüdischen Studentenvertretung sein, auch in diesem Punkte die Gleichberechtigung des jüdischen Studenten energisch zu vertreten. Für viel wichtiger als die obenerwähnte Angelegenheit halten wir die Folgerungen, die sich für uns aus dem glanzvollen zionistischen Wahlsieg bei den •ICultusgemeindewahlen, zu dem die jüdische Studentenschaft ihren redlichen Anteil beigetragen hat, ergeben. Diesen Erwägungen Raum gebend, hat der Jüdische Hochschulausschuß für Dienstag, den 24. d. M., im Festsaale des Handelsmuseums, Wien, IX., Berggässe 16, eine Versammlung einberufen mit dem Thema: „Was erwartet die jüdische Studentenschaft von der Volksg'emeinde." Bei dieser Versammlung, , bei der die Vertreter aller zionistischen Gruppen das Wort ergreifen werden, soll über die in Form eines Memorandums zusammengefaßten Wünsche der jungen jüdischen Akademikerschaft gesprochen werden. Als erste Forderung der in der „Judäa" geeinten jüdischen Studentenschaft muß wohl die de jure Anerkennung dieser Vereinigung als einziger jüdischen Studentenvertretung betrachtet werden. So selbstverständlich einem Kenner der Verhältnisse an den Hochschulen diese' Forderung klingen mag, so müssen wir doch auf derselben bestehen, weil wir es unter der Herrschaft der Assimilation in der Kultusstube einigemale erleben mußten, daß plötzlich ad hoc aufgestellte jüdische Studentenvertretungen uns gegenübergestellt wurden, die beweisen sollten, daß' neben der „Judäa" ein Teil der jüdischen Studentenschaft sich in anderen Lagern befindet. Wir konnten sofort beweisen, daß es sich immer nur um ein paar Leute handle, die absolut keinen Anhang hinter sich haben, doch scheint es im Interesse einer gedeihlichen Zusammenarbeit mit der Kultusgemeinde notwendig, einmal festzustellen, daß die Studentenschaft jeglicher politischen Richtung, die sich jüdisch fühlt, einzig und allein in der Judäa organisiert ist. Neben einigen Punkten, die sich zum Beispiel mit der Unterstützung der jüdischen Studentenschaft im Kampfe gegen die Ausschreitungen an den Hochschulen befassen, oder mit der Forderung der Ausgestaltung der Universität in Jerusalem zu einer wirklichen Lehranstalt, beschäftigt sich das oberwähnte Memorandum auch mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Akademikerschaft. Hier sei vor allem auf eine grundlegende Forderung des Hochschulausschusses hingewiesen, nämlich die der Zentralisierung der Fürsorge für die jüdische Studentenschaft durch Schaffung eines Amtes, in welchem die bis jetzt bei verschiedenen Institutionen, so vor allem bei der Israelitischen Kultusgemeinde, der Israelitischen Allianc, den B. B. Logen und dem Jüdischen Hochschulausschuß zersplitterte Fürsorge vereinigt werde. Es braucht wohl nicht näher ausgeführt zu werden, welch großen Vorteil eine solche Zentralisierung dem jüdischen Studenten brächte. Heute liegt die Sache so, daß ein armer jüdischer Student, wenn er in Verlegenheit ist, wo er sich das Geld für seine Prüfungen, Inskription, Promotion etc., verschaffen soll, er sich in erster Linie an seine Kollegen, das beißt ah den Jüdischen Hochschulausschuß wendet. Dt dieser jedoch nicht in der Lage ist, aus seinen' eigenen ••ftiHpn Mitteta dtn bedrängten Student« volltm Maße Hilfe zu leisten, muß er ihm Empfehlungen an andere jüdische Institutionen, so zum Beispiel Kultusgemeinde, Allianz etc. geben. Nun beginnt der Leidensweg des Studenten, dem die Unannehmlichkeit nicht erspart bleibt, bei so und so vielen Aemtern seine Gesuche einbringen zu müssen, bis er endUch die entsprechende Summe erhält. Hiezu kommt noch, daß es sicherlich gerade dem wertvollsten Teil der Studentenschaft widerstrebt, als Schnorrer gewertet zu werden und diesen Canossagang anläßlich jeder einzelnen Prüfung, respektive Inskription zu wiederholen; betrachtet er doch das Ihm dargebotene Geld bloß als Darlehen, das ihm die jüdische Gemeinschaft bis zu dem Zeitpunkt zur Verfügung stellt, da er in der Lage sein wird, dasselbe zurückzuzahlen. Solch eine Zentralisierung kann wohl prinzipiell an zwei Stellen stattfinden. Erstens durch entsprechende Ausgestaltung des schon heute im Rahmen der „Judäa" bestehenden Wirtschaftsamtes, durch Hinzuziehung von Vertretern der jüdischen Kultusgemeinde, Allianz, den Logen, jüdischen Professoren, Vertreter der Industrie, Kaufmannschaft etc. Wir denken hiebei etwa an die Art und Weise, wie zum Beispiel die Deutsche Studentenschaft oder die Sozialistische Studentenschaft ihre Fürsorge in einem solchen W i r tschaftsamte vereinigt hat. Der Vorteil einer solchen Regelung der Frage wäre, daß sowohl Erhebungen über die. Würdigkeit und Bedürftigkeit eines Gesuchstellers leichter im Kreise der Kollegenschaft vorgenommen werden könnten, andererseits aber auch der Petent selbst das beruhigende Gefühl hätte, von Kollegen betreut zu werden, die seine Nöte und Wünsche genau kennen. Die zweite Form der Zentralisierung könnte auch durch Angliederung eines eigenen Studentenreferates in der Zentralfürsorgestelle der Kultusgemeinde geschaffen werden, wobei natürlich der jüdischen Studentenschaft ein entsprechender Einfluß in jeder Richtung gesichert werden müßte. Der Vorteil dieser Regelung Wäre wohl, daß der jüdischen Studentenschaft der Großteil ihrer materiellen Sorge abgenommen würde, der Nachteil wäre der geringe Kontakt zwischen Fürsorgern und Befürsorgten. Die Entscheidung darüber, welcher dieser beiden Wege einzuschlagen ist, wird das Ergebnis von eingehenden Beratungen sein. v 1 Da der Jüdische Höchschülaugschuff sich nicht hur mit den Studenten, sondern auchJmit den fertigen Doktoren befassen muß, so hat er auch in dieser Richtung einen Vorschlag zu machen, der der entmutigenden Aussi chtslosigkei t unserer heutigen jüdischen Akademikerschaft vielleicht steuern kann. Nach dem Vorbild der Berliner jüdischen Gemeinde* soll ein Arbeitsbeschaffungsamt und imi Rahmen desselben ein Fachamt für geistige Arbeiter gebildet werden. Dieses Amt hat sich zu bemühen, den jüdischen Absolventen in den diversen Berufszweigen nach Möglichkeit Arbeit zu beschaffen. Die Bedeutung eines solchen gut organisierten Amtes braucht in der heutigen Zeit wohl nicht näher hervorgehoben zu werden. Insbesondere unseren absolvierten Juristen, Chemikern, Pharmazeuten und Technikern käme ein solcher Stellennachweis ganz besonders zugute. Um nur ein Beispiel, herauszugreifen, sei erwähnt, daß obwohl ein ziemlicher Teil der Wiener Apotheken sich in jüdischen Händen befindet, die Zahl der jüdischen Magister hiezu in gar keinem Verhältnis steht und das aus dem Grunde, weil alle Apotheker sich bei Neuaufnahmen an die von Ariern strengster Observanz geführte F a c h v e r ein i g u n g wenden müssen, die auch einzig und allein darüber zu entscheiden hat, wer überhaupt in das ominöse Kontingent, das jährlich im ganzen 10 bis 20 Leute umfaßt, aufgenommen werden kann. Schließlich befaßt sich das Memorandum noch mit der Frage der jüdischen Erziehung unserer Jugend in den Kindergärten, Volks- und Mittelschulen und der zeitgemäßen Reform des Religionsunterrichtes, da der Jüdische Hochschulausschuß auf dem sicherlich richtigen Standpunkt steht, daß gerade die Art und Weise wie der Mensch in jungen Jahren sein Wissen und seine Gustav Wilder Wien IV/ Ramerg. 31, Tel» 11-48*4*84 empfiehlt: JAFFA.ORANGEN . pro Kiste (80 bis 150 Stück) S 82*—- 1AFFA.GRAPEFRUIT pro Kiste (80 bis 90 Stück) S 34/— Auf Wunsch auch halbe Kisten. Eindrücke empfängt, für sein ganzes Leben entscheidend ist. Wir haben auf den Hochschulen ein eminentes Interesse daran, Kollegen zu bekommen, die schon von vornherein eine bewußt jüdische Erziehung genossen haben. Es wäre über jüdische Studentenprobleme noch vieles zu sagen, doch ist hier nicht Raum genug, alles zu besprechen. Wir wollen in der nächsten Nummer der „Mitteilungen der Judäa", die in etwa vier Wochen in der „Stimme" und in der übernächsten Nummer, die nach weiteren vier Wochen wieder in der „Neuen Welt" erscheint, zu anderen wichtigen Fragen Stellung nehmen. Veranstaltungen des Jüdischen Hochschulausschusses Am 14. Jänner um 21 Uhr veranstaltete der Jüdische Hochschulausschuß gemeinsam mit dem J.-A. Technikerverband eine Führung durch das „Neue Wiener Tagblat t". Am 10. Jänner findet im Herzl-Saal, Wien, IL, Untere Augartenstraße 38, ein vom Jüdischen Hochschulausschuß gemeinsam mit dem A. V. J. Mediziner veranstalteter Vortrag des Herrn Dr. Salonion Wolf statt. Beginn: 8 Uhr abends. Thema: „Sinn und Schicksal des Zionismus." Am 24. Jänner findet im Handelsmuseum, Wien, IX., Berggasse 16, eine Veranstaltung des Jüdischen Hochschulausschusses, gemeinsam mit der Freien Sektion, statt, mit dem Thema: „Was erwartet die jüdische Studentenschaft von der jüdischen Volksgemeinde." Es werden die Mandatare aller Richtungen das Wort ergreifen. Herr Rabbiner Dr. A. Kaminka nimmt am Mittwoch, den 18. d. M., seine Vorlesungen im Lehrsaal 37 der philosophischen Fakultät wieder auf mit dem Thema: „Spinoza, Politischer Traktat." Am 30. Jänner, präzise 8 Uhr vormittags, findet eine Führung durch die Ankerbrot-Werke statt. Am 15. Februar um 4 Uhr nachmittags findet eine Führung durch die Wiener Molkerei, II., Molkereistraße 1, statt. Die Kollegen wollen pünktlich erscheinen. Der diesjährige Delegiertentag findet am 25. Februar statt. Am 18. Februar findet im Handelsmuseum, IX., Berggasse 16, eine gemeinsam mit dem J.-A. Philosophenverein veranstaltete Chamischa-Assar- Feier statt. J. A. V. „Theologia", Wien, n., Tempelgasse 3. Unser Verein setzt seine kulturelle Tätigkeitfort, indem er regelmäßig allwöchentlich Vorträge veranstaltet. Mittwoch, den 17. Jänner, fand im Hörsaal unserer Anstalt ein Vortrag des Koll. Chiel Barer über das Thema „Der Chassid Ismus" statt. Mittwoch, den 25. Jänner, um halb 12 Uhr vormittags findet im ob« genannten Hörsaal ein Vortrag des Koll. Dr. Israel S'cheer über das Thema „Einf ührung. in die Qeschichte der hebräischen Literatur" statt. Wir abonnieren hebräische Zeitschriften, wie Ketubim, Moznayim Baderech u. a., um den Kollegen Einsicht in das geistige Leben und Schaffen Palästinas und anderer jüdischen Zentren zu ermöglichen. Am 1. Jänner 1. J. fand die Trauung unseres Kollegen Mendel Krieg im Seitenstettentempel statt. Während des nachher stattgefundenen Diners hielten im Namen des Vereines der Präsident David Ochs (hebräisch); und Mechel Patron (deutsch) kurze Ansprachen. Koll. Dr. Moses Landau ist vom Ausschuß zurückgetreten und an seiner Stelle wurde Koll. Dr. Adolf Keßler gewählt. Für den Delegierten tag der Judäa wurden folgende Delegierte gewählt: 1. cand. theol. et phil. David Ochs, 2. cand phil. et abs. theol. Josef Babad, Ersatz: Heinrich Kaufmann und David Birnbaum. Mitteilungen de» J. A. Juristenvereines IX,, Liechtensteinstraße 30. Amtsstunden: Dienstag und Donnerstag von 19 bis 20 Uhr Am 11. März findet eine von unserem Verein in Gemeinschaft mit dem Hochschulausschuß veranstaltete Purim-Redöute statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß unter Leitung bewährter Kräfte ein Wiederholungskurs für die rechtshistorische Staatsprüfung stattfindet. Anmeldungen werden noch bis. 31. Jänner entgegengenommen. J. A. Technikerverband. Wien, IX., Liechtensteinstraße 30. Amtsstunden: Dienstag und Donnerstag von 18 bis 19 Uhr. Skikurs: Nach den schneelosen Weihnachten veranstaltet der J. A. Technikerverband in der letzten. Februar woche in Tu mau (Obersteiermark) einen, einwöchigen Skikurs; Preis inklusive Fahrt, volle Verpflegung und Skilehrer S 55.—. Da die Teilnehmerzahl beschränkt, ist, empfiehlt sich eheste Anmeldung in unseren Amtsstunden. , Ping-Pong-Sektion: Die Kollegen vom J. A. Juristenverein haben mit uns gemeinsam ,elne Tiachtennissektion gegründet, die bereits in regster Tätigkeit ist. Näheres in den Amtsstunden. Mitglieds- und Bibliotheksbeiträge: Die Mitglieder werden ersucht, die noch fälligen Mitgliedsbeiträge ehestens zu entrichten. Zum Zwecke der Reorganisation unserer Bibliothek wird für jedes entlehnte Buch ein Betrag von 50 Groschen eingehoben. Kollegenr Werbet bei den jüngeren und Jahrgangskollegen für euren Verband; in dieser für uns jüdische Hörer, besonders traurigen Zeit bedarf es nicht vieler