Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 280 (20.1.1933)
- Date
- 1933-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 280 An die Zionistische Jugend Zum Jugendtag Wo auch Immer der junge jüdische Mensch sich befindet, In Schule» Hochschule, Haus, öffentlichem Leben, Überall sieht er sich von wichtigen Fragen umgeben. Fragen bedrängen ihn und verlangen Antwort! Er spricht mit dem Freund und findet nicht das volle Verständnis. Er spricht mit dem zionistischen Führer und kann ihm seine geistige und soziale Not nicht erklären. Er wendet sich an den jüdischen Volksgenossen und fühlt plötzlich, daß diesem das Verständnis für die Bedurfnisse der Jugend fehlt. Eine Aussprache tut not! Junge Zionisten! Sprecht euch gegenseitig aus! Sagt euch, was euer Herz bewegt, wohin euer Streben sich richtet! Eine grundliche, gewissenhafte und freie Aussprache wird euch einander näherbringen. Ihr werdet euch verstehen lernen und eine Brücke des Verständnisses, der Treue und Freundschaft bauen. Junge Zionisten! Kommt zum zionistischen Jugendtag! Die Union der Zionisten-Bevisionisten Oesterreichs hat für den 4. und 5. Februar 1933 einen Zionistiachen Jugendtag einberufen. Hier wird der Platz sein, wo der junge Zionist mit gleichgesinnten Freunden eine Aussprache, eine geistige Auseinandersetzung herbeiführen kann. Es werden Referate gehalten über das soziale Problem der jüdisoh en Jugend, die politischen und wirtschaftlichen Ziele des Zionismus, Kulturprobleme des Zionismus. f* . Teimahmsberechtigt sind alle zionistischen Jugendlichen ohne Rücksicht auf Parteigruppierung, die auf dem Boden des Judenstaatszionismus stehen und den Klassenkampf im jüdischen Palästina ablehnen. Teilnehmerkarten (unentgeltlich) sind im Sekretariat des Jugendtags, Wien, IL, Untere Augartenstraße 88, täglich von halb 7 bis 8 Uhr abends erhältlich. jähr, jüdischer Kaufmann ====;===== schuldlos geschieden, keine Alimentationspflicht — -----sucht Bekanntschart aus gutbürgerlicher Familie behufs. Ehe. Zuscnriften unter „Eventuell Eln- — heirat" an die Administration des Blattes Der alte Rabbi Eine Erzählung von S. Safir. Das ganze Städtchen bezog seinen Bedarf vom Markttag. Jeden Donnerstag fahren alle Bauern aus der Umgebung mit ihren Waren hierher: mit Gemüse, Obst, Eiern, Hühnern, und verkaufen sie an die Juden, des Städtchens. Und nachher geben sie. das Geld in den jüdischen Kramläden aus, indem sie sich mit Fisch, Fleisch, Schuhwerk, Kleidern und anderen wichtigen Artikeln eindecken. Jakob der Fischhändler war es, der den besten Hering, verschiedene geräucherte Fische und auch frische, lebendig zappelnde Fische hatte. Er war unter allen Bauern als ehrlicher Mann bekannt und deshalb pflegten alle bei ihm einzukaufen. Und seine Losung war groß. Sein Nachbar aber, Bulkin der Kleiderhändler, hatte keinen guten Ruf bei den Bauern und deswegen war sein Erlös bedeutend geringer. Da steht nun Bulkin vor der Tür seines Ladens und blickt auf einen Kunden. Sein Herz füllt sich mit Verbitterung, wenn er merkt, daß man bei seinem Nachbarn Kopf an Kopf steht, der Klang barer Münzen an sein Ohr dringt und er selbst noch kaum einen Rubel Losung gemacht hat. Der Abend bricht herein, die Bauern fahren heim. Es gehen die Krämer in ihre Läden hinein, machen die Türen zu und gehen an die Zählung des Erlöses. Nur eine dünne, hölzerne Wand trennt Bulkins und Jakobs Laden. Bulkin geht zornig und sorgenvoll umher... eben hört er, wie ein Nachbar sein Geld auf den Tisch geschüttet hat. Bald wird das Zählen beginnen. Er ist sehr neugierig, wieviel Geld sein Nachbar Jakob der Fischhändler heute eingeheimst hat. Er tritt an die Wand heran und durch einen Spalt kann er sehen, was Jakob tut Da sieht Bulkin, wie sein Nachbar die silbernen Rubelstücke zählt und in ein blechernes Kästchen legt Er hört ihn zählen und bemerkt durch den Spalt, wie Jakob, mit dem Zählen fertig, mit der Hand durch seinen Bart fährt und zu sich spricht: „Fünfundsiebzig Rubel, gelobt sei Gott, kein schlechter Tagl Ich dank dir, Gott!" Bulkins Bitterkeit wird noch größer. Fünfundsiebzig Rubel hat sein Nachbar eingenommen, und er — gar nichts! Plötzlich läuft er zur Gasse hinaus und schreit aus Leibeskräften: „Gewalt! Ein Diebstahl! Man hat mich bestoblen! Ich bin ruiniert, man hat mich beraubt!" Schon hat sich eine große Menschenmenge um ihn versammelt und hat ihn zu fragen begonnen: „Wieso? Wer? Was?" Aber Bulkin hört nicht auf zu schreien: „Gewalt! Man hat mich befohlen l" AbbasHilmisneueslerSdiaAxug Vor den Toren Haifas — Stimmungsmache im Nahen Orient — Englands Stellungnahme zu einer arabischen Föderation Seit einigen Wochen beschäftigt sich die arabische Presse Palästinas und der Nachbarländer mit der Person des Exkönigs von Aegypten Abbas Hilmi. Die phantastischesten Geschichten werden von ihm erzählt. Es heißt, Abbäs Hilmi wolle eine Vereinigung aller arabischen Länder herbeifuhren, in der auch Palästina und Syrien Platz Anden werden; er gehe daran, eine mächtige arabische Bank mit einem Kapital von 1 Million Pfund zu gründen; er führe Unterhandlungen mit dem Wahabitenkönig Ibn Saud und mit dem König von Irak, Faisal; er biete dem Großmufti von Jerusalem Geld zur Errichtung einer Universität; er beabsichtige, große Bodentransaktionen In Palästina durchzuführen; England und — Frankreich seien bereit, ihn in seinen Bestrebungen zu unterstützen. Wie man sieht — ein umfangreiches Programm! Tatsächlich ist Abbas Hilmi auf seiner Luxusjacht vor Haifa erschienen. Palästinensischen Boden hat er vorläufig nicht betreten. Aber Wie aus Palästina von verschiedenen Selten gemeldet wird, reisen bereits seine Agenten durch das Land und versuchen, durch die Presse und durch persönliches Auftreten für Ihn Stimmung zu machen. Der Name Abbas Hilmi ist der jüdischen Welt nicht unbekannt. Er war es, der laut zahlreichen Meldungen aus Aegypten und Palästina Sich um die Basis einer Verständigung zwischen Juden und Arabern bemüht und den Plan favorisiert habe, Palästina in jüdische und arabische Kantone einzuteilen. Auch die jüdische * Presse hat sich mit dieser K äntö n sVerwaltung beschäftigt, bis es plötzlich hieß, daß dieses von einem indisch-arabischen Journalisten veröffentlichte Projekt nicht von Abbas Hilmi stamme und vöri der Jewlsh Agency auch nicht ins Kalkül gezogen worden sei. (Aber die Meinung, daß Abbas Hilmi tatsächlich jüdisch-arabische Politik in Palästina treiben wolle, ist seither nicht mehr verschwunden.) Einige Zeit "später hat Abbäs Hilmi ein Interview veröffentlicht, das sich mit den zionistischen Aspirationen beschäftigte und eine jüdisch-arabische Verständigung dahingehend anregte, daß sich die JüdehP als' Araber h m'bsaisehen Glaubens erklären mögen." : '"' Wie bekannt, war Abbas Hjjjni. vor dem. Weltkrieg jKÖnig' von Aegypten, das damals formell noch unter ^türkischem Protektorat stand, wenn es auch von englischem Militär okkupiert war. Bei Ausbruch des Weltkrieges /setzte .itt^ En^huad ab uiidjbe^etirte den ägyptischen Thron mit "dem eriglÄöalMundlicheh Kemai Hussein. Im Jahre 1922 wurde der Bruder des verstorbenen Kemal Hussein, Fuad, zum König ausgerufen: Abbas Hilmi mußte das Land verlassen, zog' aber nicht mit leeren Händen ab, sondern erhielt eine jährliche Pension von 30.000 Pfund. Diese Pension sowie ein. eigenes großes Veri Rasch kam Polizei und begann ihn auszufragen. Ich hab* heute eingenommen 75 Rubel und hineingelegt in ein blechernes Kästchen. Ich bin für eine kleine Weile hinausgegangen, und wie ich zurückkommt und einen Blick werfe: das Kästchen und das Geld verschwunden!" „Und wen verdächtigst da.' * „Ich weiß nicht... Mein Nachbar, der Fischhändler, ist dabei gewesen, wie ich das Geld nachgezählt hab*, kein anderer war nachher in meinem Laden." „Schauen wir ,mal. in seinem Laden nach", sagt ein Polizist zum zweiten. , Sie gehe; hinein in Jakobs Laden. „Was wünschen Sie?" blickt sie der Händler verwundert* an. „Wir wollen bei dir Nachschau halten. Es ist ein Diebstahl geschehen." Sie beginnen zu. suchen und rasch bemerken sie ein blechernes Kästchen auf einem Schrank. „Ist das dein Kästchen?" fragt ein Polizist iden Kleiderhändler Bulkin. * : '■ „Ja, gewiß ist es meinsl . 75 Rubel hab ich drin gehabt" „Wir werden gleich sehen", sagt der zweite Polizist, öffnet das Kästchen und beginnt zu zählen... Und die Zählung ergibt genau 75 Rubel! „Ah, es ist mein Geld! .Mein Geld!" ruft Bulkin, sich auf das Kästchen stürzend, aus. „Er ist ein Lügner! Das Geld gehört mir", schreit Jakob der Fischhändler, „ich hab"* es heute erlöst!" - „Du Dieb! Du hast "mir^-mein - Geld gestohlen!", brüllt ßulkin. „Ich werde dich ins Zuchthaus schicken lassen." Jakob schwor, daß es sein Geld sei und daß Bulkin ihn berauben wolle. Aber die Polizisten wollten ihm nicht glauben. Und sogar die Juden, die ihn als ehrlichen Mann kannten, fingen jetzt an, ihn zu verdächtigen... „Wir werden dich verhaften müssen", wendeten sich die Polizisten an Jakob und nahmen ihn unter die Arme. „Nun geben Sie mir mein Geld", rief Bulkin ihnen zu. „Wir können das nicht tun. Wir werden das Käst* chen bei Gericht deponieren und der Richter wird erst feststellen, wem das Geld gehört." Einige Tage saß Jakob im Kerker, bis zur Gerichts« verhandlunjj. tta-ve b'tan lief zürn Rabbi und weinte und bat, man möge ihm helfen. „Es ist ein schrecklicher Irrtum", rief sie, „mein Mann ist ftin ehrlicher Mensch." Man versprach ihr, bei der Verhandlung zugegen zu sein und Zeugenschaft abzulegen für seine Ehrlichkeit. Zur Gerichtsverhandlung erschien fast das . ganze Städtchen. Es konnten nicht alle in dem kleinen Gerichts, »aal Platz finden, Aber da erscheint der grauhaarige mögen machten es ihm möglich, weitgehend p olitische Ziele anzustreben, und zwar im Bereich des Nahen Orients — im Hinblick auf eine Veränderung der politischen Lage der arabischen Länder. Zunächst versuchte Abbas Hilm!, sich mit König Faisal von Irak und mit dem Emir Abdallah von Transjordanien anzufreunden. Auch an einer engeren Verbindung mit dem Wahabitenkönig Ibn Saud war ihm viel gelegen; aber dieser Versuch mußte mißlingen, da die Gegensätze zwischen König Faisal und Ibn Saud zu groß waren. Ibn Saud hat bekanntlich die Husseini-Familie aus dem Hedschas vertrieben. Die großen Summen, die der an und für sich geizige Abbas Hilmi in den arabischen Ländern auswarf, haben sich bisher nicht bezahlt gemacht. Die Chance, eine einflußreiche Rolle zu spielen, hat sich bis jetzt nicht durchgesetzt. Nun hat Abbas Hilmi begonnen, seine Intrigen a u f dem Boden Palästinas zu spinnen. Vor allem will er den kommenden panarabIschen Kongreß beherrschen, welcher unter Beteiligung aller arabischen Länder im April stattfinden soll, und zwar nicht im arabischen Bagdad, sondern In der Stadt des Völkerbundes, Genf. Allerdings stößt dieser Kongreß auf Schwierigkeiten, da es den einzelnen arabischen Ländern an gemeinsamen arabischen Interessen fehlt und daa religiöse Moment, im Gegensatz zur ersten Konferenz In Jerusalem, diesmal In den Hintergrund tritt. Dazu kommen noch dynastische Gegensätze. Aber man darf nicht vergessen, daß England sich für die arabische Föderation (sobald diese Idee auftauchte) interessierte und seinen Zwecken dienstbar zu machen versuchte. Das Streben, Palästina in eine engere Beziehung zu den arabischen Nachbarländern zu bringen, ist durchaus Iceine Utopie. Wenn eine Zusammenfassung einzelner arabischer Länder den wirtschaftspolitischen Interessen Englands dienen sollte, würde England keinesfalls zögern, einem neuentstandenen arabischen Block im Nahen Orient sein Augenmerk zuzuwenden. Jedenfalls ist der Besuch des ehrgeizigen Und reichen Exkönigs Abbas Hilmi und die Vorbereitungen zu einem panarabischen Kongreß ein Zeichen politischer Aktivität unter den Arabern Palästinas und der Nachbarländer. Darum muß dieses Gebiet von zionistischer Seite aus mit intensivster Aufmerksamkeit betrachtet werden. Es wäre sehr unvorsichtig, Abbas Hilmis Fahrt nach Haifa als die Aktion eines „politischen Abenteurers" einfach zu bagatellisieren. 240 jüdische Familien Salonikis erhalten die «panisclie ". .... Staatsbürgerschaft . " "'' Gemäß einem Uebereinkommen zwischen dem spanischen Gesandten in Athen und dem griechischen Außenminister Rhallys hat die spanische Regierung 249 jüdischen Familien Salonikis, deren Staatszugehörigkeit umstritten war, die spanische Staatsbürgerschaft verliehen. Die griechische Regierung hat diesen Akt anerkannt. Mehrere dieser Familien sind inzwischen zum Teil nach Palästina, zum anderen Teil nach Frankreich ausgewandert. mmmmammmmmmMmmasmmmmmBmmmmmmBmammmmmmmmmm Rabbi, vor dem auch die Behörde Respekt hat Ihn hat man unverzüglich eingelassen. Jakob sitzt auf der Anklagebank, der Richter fragt die. Polizisten aus, und sie erzählen alle Einzelheiten,. wie sie das Geschrei wegen des Diebstahls gehört und wie sie das blecherne Kästchen in Jakobs Laden ausfindig gemacht und tatsächlich so viel Geld gefunden haben, wieviel gestohlen worden war. Eine gute Weile dachte der Richter nach. Er zählte selbst nochmals das Geld nach und rief dann aus: „Auf Grund'der Beweise finde ich Jakob des Diebstahls schuldig und verurteile ihn zu fünf Jahren Kerken Das Geld wird dem Kleiderhändler zurückgestellt/* Jakobs Frau stieß einen Schrei aus und fiel in Ohnmacht. Und Jakob rief aus: „Ich bin unschuldig 1" Der Richter ließ ihn allsogleich ins Gefängnis abführen. Aber da ging plötzlich der alte Rabbi zum Richter hin und fragte, ob er er ihm erlauben -werde, einige Fragen an Bulkin zu richten. „Gut. Ich erlaube es Ihnen", sagte der Richter und befahl, Jakob auf seinen Platz zurückzubringen. Der Rabbi wendete sich an Bulkin: »Sag mir, hat es lang gedauert, bis du draufgekommen bist, daß dir das Geld fehlt?" „Nein, Rabbi, bloß eine Minute. Ich bin auf eine Minute hinausgegangen, und wie ich zurückgekommen bin, war klar, daß mir das Kästchen mit dem Geld gestohlen worden ist." „Glaubst du, daß er Zeit gehabt hat, das Geld zu zählen?" „Neinl Man hat es gleich bei ihm gefunden." „Vielleicht gibst du mir das Kästchen mit dem Geld, damit ich es genau ansehe.' Bulkin reichte dem Rabbi das Kästchen und der Rabbi öffnete es, hob es an seine Nase und begann zu riechen. . Ale blickten verwundert auf den Rabbi: Er beriecht das Geld! ... Der Rabbi reichte das Kästchen dem Richter und bat ihn, daran zu riechen. Der Richter roch daran und der Rabbi fragte ihn, wonach das Geld rieche. „Nach Hering und Fisch", antwortetet der Richter. „Laut der eigenen Aussage Bulkins hat Jakob das Geld nicht angerührt und das Kästchen hat sich bloß einige Minuten bei ihm befunden. Wie kommt es, daß vom Geld ein so starker Geruch nach Hering und Fisch ausströmt?" „Sie haben volltändig recht", rief der Richter aus und hieß sofort Bulkin, zu bleiben. Es dauerte nicht lange, bis Bulkin in allen Punkten gestand. Er bekam die Strafe, die Jakob zugesprochen war, und dieser erhielt sein Geld zurück. Der Richter und das ganze Städtchen, die Jaden und Nichtjuden, bewunderten die Klugheit des alten Rabbi KMfflH