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Die neue Welt · 1933-01-13 · Heft 279 (13.1.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 279 (13.1.1933)
Date
1933-01-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 279 DIE NEUE WELT Settti Au§ Deutschland MUge der »Nene« Weh« fir PmtoiMaad # ftttoitegalutoji und MmhAwtoaHoui BeMm, Charlottcnfcurg % Joadifm$tale*«l»afie 3/w Jabotinsky in Berlin Der 3« Delegiertentag der deutschen Revisionisten» — Vladimir Jabotinsky Gast der Tagung o. r., Berlin. t schlechte oder gute Ziele verfolgt. Es ist nicht richtig, Sonntag, den 8. Jänner 1933, fand in Berlin der 3. Delegiertentag der deutschen Zionisten-Revisionisten statt. Anwesend waren 27 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands. Die Tagung erhielt besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Präsidenten der revisionistischen Weltunion, Herrn V. Jabotinsky, der stürmisch begrüßt wurde. Der Vorsitzende des revisionistischen Landesverbandes, Herrn Dr. Bloch, eröffnete die Konferenz und gab einen Ueberblick über die zur Diskussion stehenden politischen Probleme. Zum Vorsitzenden der Tagung wurde Herr Dr. Schloß gewählt. Das Wort erhielt Jabotinsky, welcher ausführte: „Ich begrüße den Delegiertentag im Namen des Exekutivkomitees der Weltunion. Dagegen werden meine weiteren Ausführungen bloß meine persönliche Meinung ausdrücken. Es wird aber jener Standpunkt sein, mit dem für mich auch mein Amt in der Union verbunden ist. Als objektiver Zuschauer halte ich das Urteil des zionistischen Ehrengerichtes gegen den Sonderverband der Revisionisten in der Zionistischen Weltorganisation (Z. O.) für ungerecht und statutenwidrig. Natürlich, die Union der Zionisten-Revisionisten als solche geht dieses Urteil nichts an, denn die Union ist eine souveräne, " unabhängige Körperschaft. Sie enthält aber viele Mitglieder, die zugleich auch Schekelzahler sind. Und an diese ist durch jenes Urteil die Aufforderung gestellt worden, auf jede Beteiligung an der selbständigen politischen Tätigkeit der Union zu verzichten." „Dieser Anspruch der Union auf selbständige politische Betätigung hat sehr wenig mit „Calais" zu tun. Diesen Anspruch hat noch die erste Weltkonferenz der Revisionisten im Jahre 1925 gestellt, die zweite und dritte Konferenz haben ihn bestätigt. Nachdem die Z. O. durch die Schaffung der durch Nichtzionisten erweiterten Jewish Agency auf ihre politische Souveränität verzichtet und diesen Verzicht in einem Briefe an uns offiziell anerkannt hatte, hat unsere vierte Weltkonferenz (Prag 1930) die einzige Begrenzung unserer politischen Aktionsfreiheit — die Anerkennung der „Prärogativen der zionistischen Exekutive" — aufgehoben. Alle diese Beschlüsse wurden •bei allen jenen Konferenzen einstimmig angenommen. Daher bin ich heute hiehergekommeri, um euch alle zu fragen: Kann die Union bei ihren politischen Aktionen, auch nach dem Urteil des Ehrengerichtes, auf die aktive Leistung ihrer sämtlichen Mitglieder rechnen? Das ist die Frage, welche ich an diese Konferenz richte. An den Parteirat, der sich Ende Februar versammeln soll, werde ich eine weitere Frage stellen: Was ist jetzt, nach der in Wien erfolgten Bestätigung der Calais-Beschlüsse, die Natur und die Aufgabe unserer Union? Es gibt darüber zwei Auffassungen: die eine — daß die Hauptaufgabe der Union in der Einwirkung auf die Z. O. bestehe, selbständige Aktion dagegen bloß eine untergeordnete Aufgabe sei. Die zweite, und das ist diejenige, die ich als die richtige Aufassung betrachte, hält die Union für die einzige Trägerin des Judenstaats-Zionismus, d. h. in selbständiger Betätigung auf allen Gebieten des Staatsaufbaues, während die Einwirkung auf andere prozionistische Körperschaften nichts mehr als Mittel sind. Jede sentimentale oder schwärmerische Beziehung zur „Kongreß er ob erung" muß aufhören. Dieser Mittelzweck mag praktisch sehr wünschenswert sein, es mag ein Moment kommen, wo wir uns alle ohne Ausnahme an ihm beteiligen werden. Das ist aber keine „heilige Pflicht" und überhaupt keine „Pflicht" der Union. Die wirkliche Nachfolgerin der von Herzl geschaffenen Z. O. ist ' die Union der Zionisten-Revisionisten und ihre . „Pflicht" ist unmittelbare Einflußnahme auf den A u fban des Juden Staat es." „Schwer, wie diese Aufgabe ist, jung und schwach, wie wir noch heute sind, bin ich sicher, daß in uns die potenzielle Macht liegt, sie durchzuführen." (Stürmischer Beifall.) In der anschließenden Diskussion sprach als Erster Richard Lichtheim, der gegen die Ausführungen von Jabotinsky polemisierte. Es sprachen ferner die Herren: Belilowsky, Dr. Arnsberg, Dr. Goldwasser, Dr. Ettisch, Dr. Rabinowicz, Hans Eger, P. Feiwel, E. Hamburger und Dr. Stern. Zum Schluß ergriff nochmals J a b otinsky das Wort und führte u. a. aus: „Die Hinweise auf das Schicksal der Territorialisten, welche nach ihrem Austritte aus der Z. O. verschwanden, haben mit unserem Schicksal nichts zu tun. Der Territorialismus war Verzicht auf Palästina. Eine schlechte Idee, die dem Wesen der jüdischen Seele widersprach. Daher war sie von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. Unsere Idee ist Palästina als Juden Staat—* eine Idee, die die Quintessenz der jüdischen Seele ausdrückt. Ob eine Organisation fallen odtr gedeihen wird, ist zuerst davon abhängig, ob sie daß die revisionistischen Massen uns nicht folgen werden. Wahr ist es zwar, daß ein sehr großer Teil dieser Massen die Rettung und die Besserung der Z. O. für sehr wichtig hält Hätten wir ihm verboten, den Schekel zu entrichten, würde er das sehr peinlich empfinden. Das haben wir aber nie getan, und ich werde immer dagegen sein, daß ein solches Verbot von uns kommen soll. Aber jetzt fordert die Z. O., daß Sie, aU Preis für den Schekel, auf jene selbständige politische Aktion verzichten sollen, die von unseren fünf Weltkonferenzen einstimmig bejaht wurde. Ich bin sicher, daß unsere Massen diese Forderung ablehnen werden." „Auch bei der Entscheidung über die Jewish Agency auf dem Kongresse 1929 in Zürich fürchteten viele von uns, daß unsere Nichtbeteiligung an dieser damals so populären Gründung uns jedes Einflusses berauben würde. Wir haben aber gesehen, daß unsere Bewegung gerade nach 1929 kolossal gewachsen ist, während die „Agency" ohne uns zu einer langweiligen, nutzlosen und für alle Kreise unsympathischen Erscheinung entartet ist." „Aber ich bin dafür, die ideologische Frage von der Natur und der Mission der Union dem Parteirate zu überlassen. Hier ist nur eins zu entscheiden: Kann die Union bei ihrer selbständigen politischen Tätigkeit auf die aktive Mitwirkung aller ihrer Mitglieder rechnen? Soll unsere Zentrale nach Genf übersiedeln — was nur Sinn hat, wenn wir entschlossen sind, mit Weltmachtfaktoren zu verhandeln? Soll das Exekutivkomitee die Petitionsbewegung organisieren? Man hat versucht, hier in Berlin (Ehrengericht), dies alles den schekelzahlenden Revisionisten zu „verbieten". Es ist natürlich, daß ich gerade hier in Berlin eine klare Antwort verlange." (Stürmischer Beifall.) Der Delegiertentag nahm folgende Resolution gegen vier Stimmen, bei einer Stimmerienthaltung, an: „Der Delegiertentag der deutschen Revisionisten, zusammengesetzt aus Vertretern aller Schattierungen des Revisionismus, gibt erneut dem Willen Ausdruck, daß die revisionistische Weltunion ihre selbständige Tätigkeit auf dem politischen, sowie auf allen anderen Gebieten des Judenstaats-Zionismus unter allen Umständen fortsetzt. Er fordert deshalb in erster Linie die Uebersiedlung des Exekutivkomitees der Weltunion nach Genf und die Durchführung der Petition." Der Delegiertentag wählte zum Vorsitzenden des deutschen Landesverbandes Herrn Dr. Bloch und zu Mitgliedern des engeren Arbeitsauschusses die Herren Berest, Eger und Hamburger. Ferner wurde ein engerer Landesvorstand gewählt, dem die Herren: P. Feiwel, R.-A. Lachmann, Dr. Schloß, angehören, sowie der obige Arbeitsausschuß. Dem erweiterten Landesvorstand gehören an: Belilowsky, Dr. Ettisch, Dr. Lewin, Doktor Moses, Dr. Arnsbergs Dr. Becker, R. Panzer und R. Pelz. Als Vertreter Deutschlands auf dem P a r t e i r a t der Weltuniön würden gewählt: Dr. Bloch, Richard Lichtheim, Dr. Arnsberg, Dr. Goldwasser und Doktor Schloß. Die deutschen Assimilanten wollen nidris lernen Die Komödie ura Dr. Cohn, den Breslauer Universitätsprofessor, ist abgeschlossen. Den jungen jüdischen Gelehrten haben die akademischen Instanzen, Rektor und Senat, so lange gehalten, bis sie ihn ob einer harmlosen Aeußerung zu Fall bringen konnten. Und nun sinnen die deutschen Assimilationsjuden nach, wie sie den Fall Cohn mit ihrem eigenen israelitischen Optimismus in Einklang bringen könnten. Ihr Organ, die sogenannte „C.-V.-Zeitung", die uns schon so oft Anlaß zu tragischironischen Betrachtungen gegeben hat, behandelt durch einen Herrn Dr. Hans Reichmann die psychologischen Hintergründe der neuen Wendung im Fall „Cohn", indem sie die „Objektivität", im Beschluß des Senats (Dr. Cohns Stellung sei untragbar) prüft, beziehungsweise anzweifelt. Zunächst bedauert Herr Dr. Reichmann als Vertreter des C.-V.-Geistes, daß sich eine deutsche Universität zu einem „übereilten, grundlosen Beschluß" habe bestimmen lassen. Aber er bleibt nicht beim Bedauern stehen. Er erhebt seine Stimme für die Ehre der deutschen Wissenschaft, des deutschen Charakters und hofft. Er hofft — so wie all die Herren deutschen Staatsbürger judischen Glaubens —, daß Objektivität und Gerechtigkeit siegen werden, er hofft, daß die deutschen Ehrenmänner „den Mut finden werden, ihren Irrtum einzugestehen". Er hofft, indem er glaubt. Aber Herr Dr. Reichmann, wie gesagt der Vertreter des C.-V.-Geistes, hofft, indem er nicht glaubt, daß die Instanzen, in deren Hand die Wahrung der Staatsautorität gelegt ist, ihre „objektive Haltung" (objektiv» bitte!) beeinflussen lassen werden. Er hofft, er glaubt und er — appelliert. „Wir können uns nicht denken", ruft der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens aus, „daß das Kultusministerium, das seine Entschlüsse in ruhiger Objektivität . . . zu treffen hat, die Autorität des Rechts und des Staates nicht auch in diesem Fall durchsetzen W i r d." Herr Dr. Reichmann und die Anhänger des C.-V. scheinen weder aus der vergangenen Geschichte noch aus der Geschichte der deutschen Nachkriegszeit gelernt zu haben, daß es mit der Autorität des Rechts in Dingen des Judenpunkts nicht weit her ist. Sie scheinen auch zu vergessen, daß jüdisches Recht am hellichten Tage vom Antisemitismus aller Couleurs ungesühnt vergewaltigt werden kann. Pogromdrohung, Boykottpropaganda, blutige Ueberfälle, Friedhofsschändungen — das tägliche Programm des deutschen Antisemitismus hat durch die „Autorität des Rechts" keinerlei Eindämmung erfahren. Aber Herr Dr. Reichmann geht im Namen des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens noch weiter. Er scinvingt sich zu der Frage auf, „ob der Staat noch gewillt und in der Lage ist, sich durchzusetzen, der Staat, dessen gegenwärtige Vertreter das autoritative Prinzip so besonders hoch wer ton". Du, deutscher Staat (will er sagen), bezeuge uns deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens, daß du deine Autorität nicht durch irgend welche antisemitischen Elemente beugen läßt. Der Fall Cohn soll zum Prüfstein für die Festigkeit deiner Autorität werden. Herr Dr. Reichmann sieht sehr mutig aus. Seine Geste ist geradezu bezaubernd. Er hofft, er glaubt, er appelliert. Aber — er prophezeit auch. Er verlangt nämlich Festigkeit gegenüber dem Nationalsozialismus, von dem er sagt, er sei eine „Bewegung, die wahrscheinlich in nicht zu ferner Zeit keine Bewegung mehr sein wird". Diese Grabrede an das Hakenkreuz, an den Antisemitismus, an die Judenverfolgung — wie oft schon wurde sie von den Judenliberalen und ihren gesinnungsähnlichen linken Assimilanten gehalten! Wie oft schon wurde dieser Trostschleier über die Juden in den sogenannten Kulturländern gebreitet! Die Herren vom Centrai-Verein versuchen wieder, hoffnungslos wie bisher, den Judenpunkt zu verstecken: einmal hinter der fortschreitenden Kultur, ein andermal hinter der Staatsautorität. Die Blinden wollen die anderen blind machen. Aber diese Verblendung fordert täglich neue Opfer. Während die im C.-V. vereinigten deutschen Assimilanten hoffen, glauben, appellieren, prophezeien, trösten, greift der materielle und moralische Verfall jüdischer Existenzen in Deutschland katastrophal um sich. Zur neuesten Ritualmordhetze in Deutschland. Aus Rastenburg wird gemeldet: Der Fleischermeister Po p p wurde wegen des dringenden Verdachtes der wiederholten Brandstiftung und des Mordes an dem achtjährigen Knaben Benno Haffke verhaftet. Der Knabe wurde am 7. Dezember 1932 mit durchschnittener Kehle auf einem Feldwege tot aufgefunden. Die in Königsberg i. Pr. erscheinende nationalsozialistische „Preußische Zeitung" hatte dieses an einem Kinde begangene Verbrechen dazu, benützt, in einem „Ritualmord in Rastenburg?" überschriebenen Artikel die Ritualmordlüge aufzufrischen. Der jüdische Händler A. wurde von interessierter Seite des Mordes verdächtigt und amtlich vernommen. Schon damals war bekannt geworden, daß vor der Ermordung des kleinen Haffke im Hause, in dem seine Eltern wohnen, es in kurzer Zeit zweimal brannte, daß es am 18. Dezember zum drittenmal brannte. In Rastenburg wußte man, daß der kleine Haffke einmal die Aeußerung habe fallen lassen, daß er wüßte, wer die Brandstiftungen verübt habe. Man nahm an, daß die Brandstifter einen unbequemen Mitwisser aus dem Wege schaffen wollten, Kaplan Rothschild Aus München wird mitgeteilt: Vor etwa fünf Jahren erschien in Konnersreuth im Hause Therese Neumanns der damals in der Mitte der Zwanzigerjahre stehende Apothekeninhataer Bruno Paul Rothschild aus Speyer, der einer in Mainfranken alt ansässigen jüdischen Famile entstammt. Die Eindrücke, die der junge Mann hier im Hause der Stigmatisierten empfing, waren derart stark, daß er zur katholischen Kirche übertrat und Theologie studierte. Im Juni 1932 empfing er aus der Hand des Erzbischofs von Bamberg die Priesterweihe und wurde darauf als Kaplan nach Arberg, einem oberpfälzischen Dorf unweit yon Konnersreuth, berufen, Kurz vor Weihnachten nun

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