Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 279 (13.1.1933)
- Date
- 1933-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 279 DIE NEUE WELT Seitot Union der Zionisten-Rcvisionisten Mittwoch, den 18. Jttmter 1933, 7,9 Uhr abends, im Henl-Saal des Verbands* heims, IL, Untere Augartenstraße 38. Versammlung Referent: Dr* Israel Zwi Kanner Thema: Der Kampfgeist im Ghetto Regiebeitrag 20 g Freie Aussprache! stina selbst ist die Zionistische Organisation, zufolge ihrer Schwäche, jedes Einflusses auf das Aufbauwerk beraubt! Wir müssen alles neu aufbauen! So sagte es Prof. Brodetzky wörtlich. Vier Tage nach dieser Rede gingen er und seine Freunde nach Berlin und forderten die Köpfe des Revisionismus, jener starken Bewegung, welche dem Zionismus neue, starke Impulse gegeben,, vor allem die Jugend vor der Seuche der Assimilation gerettet und dem schwach gewordenen Zionismus wiedergegeben hat. Das Berliner Urteil ist geeignet, den Kampf im Zionismus ungeheuer zu verschärfen, in der Zionistischen Organisation — und das hat Prof. Brodetzky selbst gesagt — die in Verfall geraten ist und neu aufgebaut werden muß. Kein guter Anfang für neues Bauen! Leuten ist und daß sie mit ihm ohne die Hilfe der zwei Uebersetzer weiterkommen konnte, aber um das Prestige der Sockenfirma Ignaz Gimpelsohn et Comp, zu wahren, fragte sie auf Polnisch: „Ponczochy czy skarpetki?" „Strümpfe oder Socken?" übersetzte die Pensionstochter. „Stokings oder Akes?" wiederholte das Londoner Mädchen. „It can be sakes", sagte der Amerikaner. „Es können Socken sein", sagte die erste Uebersetzerin. „Moga byc" skarpetki", sagte die zweite Ueberletarsrin. ».Wieviel Paar?" „How many pairs?" „One pair". „Ein Paar!« „Jedna paral" „Dobrze!", sagt die Verkäuferin. „Gut", sagt die Uebersetzerin. „All right!" sagt die zweite Uebersetzerin. „All right l" sagt der Amerikaner. „Jakiego koloru pan sobie zyczy?", fragt die Verkäuferin weiter. „Wtoat colour do you want, Mister?" „Black!"» antwortet der Amerikaner. „Czarnc!" „Dobrze!" „Gut!" »All nght!" Eine inlere§§anle Zionistische T«B»uitg Verzicht auf die Balfour-Deklaration? — Dr. Weizmann greift die zionistische Exekutive an. — Dr. Eder bezeichnet die Ausschaltung der Revisionisten als „feige" und schlechte Handlung der „Allgemeinen Zionistcn" Am 7. Jänner fand in London die 33. Jahresversammlung der zionistischen Federation Großbritanniens, deren Präsident Dr. Weizmann ist, statt. Die Londoner Tageszeitung „The Jewish Times" berichtet u. a.: In den von der Leitung vorgeschlagenen Resolutionen wird nicht mit einem Worte der B a 1 f o u r- Deklaration Erwähnung getan. Das hat, insbesondere unter den älteren Delegierten, lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Sie fragen, wie das zu verstehen sei. Liegt ein Versehen vor oder ist das ein Zeichen einer neuen Politik, welche noch nachgiebiger sein wird als die bis jetzt geführte? Auch Dr. Weizmann hat mit seiner Rede eine große Ueberraschung hervorgerufen. Er hat überhaupt nicht von politischen Problemen gesprochen. Dafür hat er die zionistische Exekutive angegriffen. Er erklärte, daß es für ihn klar sei, daß alle Unternehmungen in Palästina über den Kopf der Exekutive hinweg gemacht werden. Eine noch größere Sensation rief ein Brief des früheren Präsidenten der Federation Dr. Eder hervor. In seinem Briefe kommt Dr. Eder auf die Beziehungen der Zionistischen Weltorganisation zu den Z i o ni s t e n- Revisionisten zu sprechen. Er schreibt: „Die Majorität der „allgemeinen" Zionisten hat Dr. Weizmann gestürzt. Sie haben sich aber geweigert, den Revisionisten den ihnen gebührenden Teil an der Exekutive zu geben. Man hat eine schwache Exekutive geschaffen, von welcher die Revisionisten ausgeschlossen wurden. Nach meiner Meinung leiden wir noch heute unter dieser feigen Handlung. Die Revisionisten sind verbittert worden." Zum Schlüsse bemerkt Dr. Eder, daß er auch die Verschärfung des Kampfes zwischen sozialistischen (Dr. Eder selbst ist Sozialist) und revisionistischen Arbeitern in Palästina auf das Konto der Verbitterung der Revisionisten durch diese Handlungsweise setzt. Dr. Eder hat diesen Brief zu einer Zeit geschrieben, da er noch keine Kenntnis davon hatte, daß in Berlin das Ehrengericht der Zionistischen Organisation ein Urteil gegen die Zionisten-Revisionisten gefällt hat, welches ihre von ihm als verhängnisvoll und feige Eduard Mandelbaum Hanny Rappaport Verlobte Wltn, im J8nn*r 1933 bezeichnete Brüskierung auf dem letzten Kongresse in den Schatten stellt. Wie hätte Dr. Eder über den Mut und die Klugheit der derzeitigen Exekutive geurteilt, wenn er von der famosen .Auflösung" des revisionistischen Sonderverbandes Kenntnis gehabt hätte. Uebernahme der Leitung der Wiener Juden* gemeinde durch die Zionisten Konstituierung und Antrag auf Einführung des allgemeinen Wahlrechtes Gerechtigkeitssinn sich unser aller Wertschätzung und Verehrung erworben hat. Eine Reihe wichtiger und zum. Teil dringender Aufgaben harrt der Erledigung durch den neuen Kultusvorstand. Ende Februar geht das von unseren Amtsvorgängern bewilligte Budgetprovisorium zu Ende und wir werden daher schon in der allernächsten Zeit den Voranschlag für das Verwaltungsjähr 1933, für welchen die technischen Vorarbeiten bereits vorliegen, zu beschließen haben. Der Beginn unserer Funktionsperiode fällt in eine s c h w e r e Z e i t,, in die Zeit drückender Wirtschaftsnot, der viele jüdische Existenzen bereits zum Opfer gefallen sind und die von Tag zu Tag neue Opfer fordert. Wir müssen leider damit rechnen, daß die traurigen Verhältnisse des Wirtschaftslebens auch auf die Finanzen unserer Gemeinde sich in empfindlicher Weise auswirken werden. Wir werden deshalb mit außerordentlicher Aufmerksamkeit darauf bedacht sein müssen, das schon in den letzten Verwaltungsjahren mühsam ausbalancierte finanzielle Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, jede Defizitwirtschaft zu vermeiden und die Gemeindeverwaltung nach den strengen Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit zu führen. Das Reformwerk unserer sozialen Fürsorge wird weiter ausgebaut, die im Zuge befindliche Winternotstandsaktion mit aller Energie. betrieben, die Institutionen der Fürsorgeräte vervollkommt werden müssen. Um der spezifisch jüdischen Not, die uns in der über das Durchschnittsausmaß hinausgehenden Arbeits- und-Er werbslosigkeit weiter Schichten der jüdischen Bevölkerung entgegentritt, wirksam zu steuern, wird es erforderlich sein, daß die Gemeinde ihre bisherigen Bestrebungen, die auf die Erhaltung des jüdischen Mittelstandes abzielen, verstärkt, die Ausgestaltung und Erweiterung der diesem Zweck dienenden Institutionen, insbesondere der bestehenden Kreditkasse, fördert und durch Errichtung eines jüdischen Arbeitsamtes die dringlichen Probleme des Arbeitsnachweises und der Arbeitsbeschaffung der Lösung in ihrem eigenen Wirkungskreis Unter dem Vorsitz des Alterspräsidenten Herrn Dr. Jakob Ornstein fand den 9. Jänner die konstituierende Sitzung des neugewählten Vorstandes statt. Der Vorsitzende teilte mit, daß die Herren Professor Dr. Alois Pick (Union österr. Juden) und Josef Grünhut (Sozialistische Liste) die auf sie gefallene Wahl nicht angenommen haben. Als Nachmänner der bezüglichen Parteilisten wurden die Herren Dr. Leonhard Maier und Salem Mayer einberufen. Sodann wurde auf Grund vorgenommener Parteiverhandlungeu die Wahl des Präsidiums und des Vertreterkollegiums vorgenommen. Zum Präsidenten wurde Herr Dr. Desider Friedmann (Zionistische Liste) für eine vierjährige Mandatsdauer neu gewählt. Für eine je einjährige Mandatsdauer wurden zu Vizepräsidenten wiedergewählt: Herr Dr. Josef Löwenhera (Zionistische Liste) und Herr Dr. Jakob Ornstein (Nichtnationale Liste). Sodann erfolgte die Wahl von acht Mitgliedern des Vertreterkollegiums, gleichfalls einhellig. Gewählt erscheinen die Herren: Dr. Isidor Kl ab er, Maximilian Scliiffmann und Oberbaurat Ing. Robert Stricker von der Zionistischen Liste, Dr. Rudolf Glanz von der Sozialistischen Liste; ferner die Herren: Baurat Ingenieur Wilhelm Kempler, Leo Rath, Min.-Rat. Architekt Friedrich Schläfrig und Dr. Josef Ticho von der Nichtnationalen Liste. Nach der Wahl hielt der neue Präsident, Doktor Friedmann, seine Antrittsrede, in welcher er unter anderem ausführte: Sehr geehrte flerren! Sie haben mich durch die Berufung zum Präsidenten unserer Gemeinde zum Nachfolger eines Mannes bestimmt, der durch dreizehn Jahre vorbildlich und beispielgebend seines Amtes gewaltet hat. Ich bin mir dessen bewußt, wie schwer es für mich sein wird, diesen ausgezeichneten Präsidenten zu ersetzen, der durch seine Herzensgüte, sein gewinnendes Wesen, seinen unermüdlichen Pflichteifer, seine hervorragenden Charaktereigenschaften, vor allem aber durch seinen ausgeprägten & »DAHEIM« SEMHERING Wollsbergkogel, Tel. 82, Auskunft Wien Tel. R-13-0-21 Neue Leitung: Dir. ERWIN GUNST Erstkl. Küche Täglich 5 Uhr The Dansant Abendkonzert mmm Pension s i o.~ aufwärts mmm So stehen nun die vier Kinder des Volkes Israel und reden der eine zum anderen und der zu jenem, gerade als ob in der Neumond*Zeremonie die üblichen „Schalom Alejchem! Alejchem Schalom!" ausgetauscht würden. „All right 1", sagt der Amerikaner. „How much does it cost?" „Wieviel kostet das?" „Ile kosztuje?" „Dwa Zloty!" „Zwei Zloty!" ' „Two sloty!" „All right!" „Gut!" „Dobrze!" „Prosze!" „Good bye!" „Guten Tag!" „Auf Wiedersehen!" „Do widzenia!" Erledigt. Das Geschäft ist gemacht. Ein Paar Socken sind eingekauft. Wie du siehst, lieber Leser, hätte diese Transaktion direkt zwischen dem Amerikaner von der Reevington Street und der Verkäuferin der Sockenfirma Gimpelsohn et Comp, durchgeführt werden können, ganz ohne Vermittlung der zwei Dolmetscher, aher... wer weiß, was die Ursache dieses umständlichen Verfahrens war! Wahr» scheinlich die Notwendigkeit für unseren galizianischen Amerikaner und die Warschauer Verkäuferin, das Prestige der Vereingten Staaten und der polnischen Socken», firma Ignaz Gimpelsohn et Comp, zu wahren. zuführt. Nach dem eindeutigen, von der jüdischen Wählerschaft bei den vorgenommenen Neuwahlen zum Ausdruck gebrachten Willen wird den neuen Vorstand die Verpflichtung treffen, die seit langem aktuelle Aenderung der Konstitution unserer Gemeinde zu beschließen, das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, das durch Jahrzehnte Gegenstand des Streites, der Parteien im Kultusvorstand gewesen ist, in der Wahlordnung zu verankern, die bisher heetandenen Beschränkungen der Wahlberechtigung und der Wählbarkeit, insbesondere die Abhängigkeit des Wahlrechtes von der Steuerleistung zu beseitigen und so allen eigenberechtigten jüdischen Männern und Frauen, die Angehörige unserer Gemeinde sind, das Mitbestimmungsrecht einzuräumen. Auch in anderer Hinsicht drängt die Zeit, nicht zuletzt auch der labile Rechtszustand, in welchem wir Juden in Oesterreich leben, zur Inangriffnahme einer wiederholt aufgeschobenen •rganisatorischen Maßnahme. Der Zusammenschluß der Juden Oesterreichs, die Vereinigung der jüdischen Gemeinden zu einem mit dem Rechte und der Legitimation der Gesamtvertretung der Juden Oesterreichs ausgestatteten repräsentativen Verband bildet seit mehr als zwei Jahrzehnten den Gegenstand vorbereitender Beratungen, ohne der Verwirklichung auch nur einen Schritt näher gekommen zu sein. Zu den vielen Aufgaben unserer Gemeinde gehört als eine der hervorragendste n die Sorge für unsere heranwachsende Jüdische Jugend. Sie ist die Zukunft unseres Volkes und unserer Gemeinde. Sie ist unsere Hoffnung. Ihre Anhänglichkeit »an unsere jüdische Gemeinschaft zu stärken, sie mit jüdischem Wissen zu erfüllen, sie durch die Kenntnis der hebräischen Sprache in die jüdische Geisteswelt einzuführen, sie im Judentum zu festigen, ist unsere heilige Pflicht. Wir werden diese Pflicht nur erfüllen können, wenn wir die Grundlagen für den planmäßigen Ausbau eines wahrhaft jüdischen Erziehungswerke s schaffen. Durch das Gesetz vom 21. März 1890, das die Grundlage unserer Gemeindeverfassung bildet, ist die