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Die neue Welt · 1933-01-13 · Heft 279 (13.1.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 279 (13.1.1933)
Date
1933-01-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 ■■■■i ....., ... DIE NEÜE WELT* Nr. 270 Die Union der Zionitten-Revisionisten Oester» reiths gratuliert herzlichst ihrem Mitglied Eduard Martdelbaum zu seiner Verlobung mit Fräulein Hanny Rappaport Prüfung. Wenn diese letzteren Ansprüche der gleichen Art wie die bereits erledigten sind, ist anzunehmen, daß in ganz Palästina etwa 600 arabische Bauern einen irgendwie begründeten Anspruch auf Entschädigung oder Teilentschädigung für den Uebergang von Boden an jüdische Siedler haben. Diese Tatsachen, schließt „Sunday Times", zerstören die Legende, daß dur c h j ü d ische E ihw a Ii d et u n g a r a b i sr c h & Bauern in irgendwie nennenswerter Zahl depossediert worden waren und daß dies mitf eine Urs-acho zu den arabischen Unruhen im Jahre 1929 gewesen war. Man könne im Gegenteil feststellen, daß die jüdische Einwanderung, die moderne Methoden der Kultivierung des Bodens anwendet, sowohl den Umfang der Besch ä f t i g u ,n g auf dem Lande als auch die Löhne und den Lebensstandard der arabischen landwirtschaftlichen Arbeiter erhöht. Die arabische Bevölkerung nimmt zahlenmäßig rapid zu, und diese Zunahme ist am höchsten unter denjenigen Arabern, die in der. Nachbarschaft der jüdischen. .'Kolonien leben. Liebr§ werben um die sephardischen Juden Als im Vorjahr der Spanier Dr. - Puiid.r die Länder der Levante besuchte, um die dort lebenden sephardischen Juden für die Rückkehr in das spanische „Heimatland" zu erwärmen, gingen allerhand Betrachtungen über diese Idee durch die Weltpresse. Auch die neue spanische Republik, zu dessen Führern einige Maranen gehörten, ließ es sich nicht nehmen, die „alten Söhne Spaniens", die ihr Mutterland in der Zeit der Inqtiisition verlassen und gastliche Stätten an den Rändern des Mittelmeeres gefunden hatten, zurückzurufen. Man sprach von, der edlen Kultur des alten Spanien und von der Wichtigkeit der sephardischen Juden, die eben diese Kultur und Sprache durch die Jahrhunderte bis in unsere Zeit hlnübergerettet hätten. „Kommt ■ separdische' Juden, in eure Heimat zurück! Ihr werdet mit offenen Armen aufgenommen werden. Dort in' Holland,-jSatttien* Bulgarien, -Türke? '>s-eHT 'ihr 1K' der ■ Fr^emd&i CDerfepäniscIie^Bodert-: ist äuefc Mutterland. Ihr sieid . es: eurer ■■J^l^^hu^äl^pas Schicksal eurer uralten Heimat zu teilen!'» *. . Die sephardischen Juden aber waren., skeptisch. Sie tiberlegten sich das Abenteuer. Die- Leser, der „Neuen Welt" werden sich an eine Reihe von Aufsätzen erinnern, in denen die Sehnsucht der sephardischen Juden nach ihrer spanischen Heimat sehr skeptisch betrachtet wurde.' Die Aufsätze erinnerten daran, daß die sephardischen Juden sich völlig in den Bereich ihrer neuen Wohnstätten eingegliedert hätten, geachtete und; in ihrer Existenz unbedrohte Staatsbürger geworden seien und keinerlei Grund hätten, den loyalen Ländern, wie ,z. B. Holland, Jugoslawien und Bulgarien, den Rücken zu kehren. Die spanische Kultur zu bereichern, fühlten sie sich In keiner Weise gedrängt. Ja, mehr noch: Wenn sie nach einer uralten Heimat Sehnsucht empfänden, so wäre es Zion, so wäre es Palästina; Herzls. prophetischer Gedanke „Wir sind e 1 n Volk" hätte auch sie erfaßt. Nun kann man dem spanischen Liebeswerben hinter den Schleier sehen. In dem in Barcelona erscheinenden Blatt ,La Publicldad' macht, der bekannte .Nationalökonom Sennor Vincence Bernades den Vorschlag, „die Kapitalskraft der sephardischen Juden zur Milderung der Flnnnzkrise auszunützen". Es wird die heutige Lage der sephardischen Judenheit in den verschiedenen Ländern erörtert und bewiesen, daß die sephardischen Juden Ihrem einstigen spanischen Vaterland in seinen finanziellen Schwierigkeiten sehr wohl helfen könnten. Und es wird ein Werbe!eldzug zum Besuch Spaniens seitens der sephardischen Juden angekündigt. Von der alten spanischen Kultur ist nicht mehr die Rede. - Auch auf die alte spanische Sprache, in dewsn Besitz nur mehr die sephardischen Juden seien, wird verzichtet. Das einzige, worauf die werbenden Spanier Wert legen, ist — das Kapital der sephardischen Juden. Man hat sie verbrannt, vertrieben, zwangsgetauft — aber heute, nach Jahrhunderten, da der verbliebene Rest mit zäher Arbeit und unermüdlicher Aufopferung sich in wohlwollenden Ländern aufgerafft uhd konsolidiert hat, will man sie wieder haben. Wie gesagt, nicht ihre Kultur, nicht ihre Sprache, nicht Ihre Sympathie, nicht ihre uralte „Sehnsucht". Klents davon. Einzig und allein ihr Geld. Zur Milderung der spanischen Finanzkrise. Solches Liebeswerben wird ~ glauben wir — nicht viel Erfolg haben. Ein Vorofoß gegen die Juden§faat§*Zionistfen Pas zionistische Ehrengericht empfiehlt die Auflösung des Sonderverbandes der Revisionisten in der Zionistischen Weltorganisation — Ein Gericht, das in Aus Berlin wird gemeldet: Das am 5. Jänner in . Berlin tagende Ehrengericht der Zionistischen Weltorganisation hat in Entsprechung eines Antrages der Exekutive der Zionistischen Organisation nach fünfstündiger Verhandlung folgendes Urteil gefällt: „Der Sonderverband der Zlonisten-Revisionisten wird suspendiert. Das Ehrengericht stellt bei der Exekutive der Zionistischen Organisation den Antrag, den Sonderverband aufzulösen." * Die' Anerkennung des jetzt gemaßregelten Sonderverbandes ist jungen Datums. Im August 1932 hatte das Aktionskomitee der Gruppe der Zionlsten-Revlsionisten den Charakter eines Sonderverbandes (wie Misrachi, Poale Zion, Hi'tachduth) zuerkannt. Als Sonderprogramm des Verbandes wurde die These: „Der Zionismus-Revisionismus erstrebt die Errichtung eines Judens t a a tes in Palästina zu beiden Seiten des Jordans" auerkannt. Der revisionistische Sonderverband stellt solcherart die organisatorische Zusammenfassung der Juilenstaatler, der Herzl-Zionisten, in der Zionistischen Organisation dar. Die Anerkennung erfolgte gegen den h e f t i g sten Einspru c h . der Eexekutivemitglieder Arlosproff, Brodetzky und Locker. Die Gruppen der Genannten (Poale Zion und A-Grüppe der allgemeinen Zionisten) stimmten auch gegen die Anerkennung. Es war schon damals klar, daß die in der Exe- : kütiye maßgebenden Herren kein Mittel unversucht, lassen werden, den gegen ihren Willen anerkannten Sonderverband auszuschalten. Im November 1932 erhob auch die Exekutive vor., dem Ehrengericht gegen den Sonderiye'rband dje, Anklage. wegen, Di sziplinbruch.es und stellte den Antrag auf Auflösung, des Spnderverbandes. Die .Klage, gründete sich nicht'vauf Tatsache n . und Ii a n d 1 u n g c n, sondern lediglich auf Beschlüsse revisionistischer Konferenzen und Reden und Artikel einzelner Revisionisten über Form und Inhalt'der zionistischen Disziplin. Ohne sich mit der Londoner Leitung des beklagten Sonderverbändes über den Termin der Verhandlung und die Zusammensetzung des Ehrengerichtes zu verständigen, setzte der Obmann des Gerichtes, Dr. Gronemann, die Verhandlung für den 5. Jänner fest und teilte auch mit, daß als Ehrenrichter die Herren Dr. Oskar Kohn (Berlin) und Dr. I. Wolfsberg (Berlin) fungieren werden.' Der Sbnderverband; legte^gegen diese Vorgangswels^; als jedem Braiich und frfeit Begriffen von Loyalität und Gerechtigkeit widersprechend, Verwahrung ein. Er stellte fest, daß, zur Zeit, der. Ladung der Obmann des Sonderverbändes; Herr M. G r 6 ß m a h n, in Palästina wellt und erst. Ende Jänner nach Europa zurückkehren kann^Er forderte daher Verschiebung bis zu diesem Zeitpunkt. Er. stellte ferner fest, daß von sechs vom Kongreß gewählten Ehrenrichtern gerade zwei mit der Bildung des Abwesenheit der Angeklagten verhandelt und urteilt Gerichtes betraut wurden, die als unerbittliche Gegner des Revisionismus bekannt sind. Dr. Kohn ist Poale-Zionist und Dr. Wolfsberg Führer jenes Misrachistenflügels, der im Welt-Misrachi eine Spaltung hervorrief, weil die Politik des Welt-Misrachi zu „revisionistisch" ist. (Bemerkt sei, daß auch der Kongreßanwalt und Träger der Anklage Dr. Barth dem Misrächi-Flügel des Herrn Dr. Wolfsberg angehört.) Das Gericht setzte sich Uber den Einspruch des an« geklagten Sonderverbandes hinweg, verhandelte in Abwesenheit der Angeklagten und fällte nach Anhörung der Ankläger (in Vertretung der Exekutive war Herr Locker aus London, ein Poale-Zionist und bekannter radikaler Bekämpf er des Revisionismus erschienen) das oben erwähnte Urteil. Bei Verkündigung des Urteils erklärte der Vorsitzende Dr. S. Gronemann: „Die Mitglieder des Ehrengerichtes sind sich der großen Verantwortung bewußt gewesen, indem sie 'ein Urteil gegen op fe rbereite Zionisten fällen, die wir lieben und von denen wir noch viel erwarten;.. " Der Gegensatz zwischen diesen Worten und der Handlungsweise des Gerichtes, das unter Ausschluß der Angeklagten und Beiziehung' Ihrer notorischen Feinde als Richter verhandelt und geurteilt hat, ist kraß. * ■ Sachlich ändert dieses Urteil nicht viel am Zustand der Zionistischen Organisation und* der Stellung der Revisionisten in der Zionistischen Organisation. Wer ' den Schekel zahlt und das Baseler Programm anerkennt, ist Mitglied der Zionistischen Organisation und kann für den Kongreß wählen und zum Kongreß gehen. Auf dem letzten Kongreß (Basel 1931) sind 'die Revisionisten als zweitstärkstd' Partei erschienen, haben ' den entscheidendsten Einfluß ausgeübt, haben der absoluten Herrschaft des Präsidenten Weizmann, der Poale Zion und der anderen Vertreter des „verkleinerten" Zionismus ein Ende bereitet. Ohne damals als „Sonderverband" anerkannt zu sein. Nichts hindert sie daran, zum nächsten Kongreß' noch stärker zu kommen. In der Zwischenzeit werden ihre zehn Vertreter im Aktionskomitee der Zionistischen Organisation, ihre Vertreter in den Palästina-Aemterri usw.j deren Stellung durch das Urteil nicht tangiert wird, ihre Arbeit unbeirrt verrichten können. Aber in m o r a 1 i s c her Hinsicht hat dieses Urteil, haben die Treibereien, welche zu diesem Urteil, zu dieser Brüskierung der Träger des Herzl-Zionismus führten, die zionistische Bewegung schwer erschüttert. Herr Professor Brodetzky, der Repräsentant der Zionistischen Exekutive, war es, der vor wenigen Tagen in einer Wiener Versammlung Klage über deo verhängnisvollen Schwäche zu stand der Zionistischen Organisation führte. In den Ländern gibt es fast gar keine Organisation! Und in Palä- Vier Juden und zwei Dolmetscher Humoreske von Tunkeier. - .• ,-.->. Nur bei uns Juden kann so etwas passieren, sonst bei keinem Volk der Welt. .Und zwar warum? . Kam da unlängst nach Warschau ein Amerikaner. Das heißt: einer unserer Leutefr) der in. Amerika wohnt. Und zwar wohnt er natürlich, dor(t, selbstverständlich im Galizianerviertel, auf der Reevingtjon-Street.,Er wirtet sich dort seine Sodawasser-Bude ab, verkauft jiddische Zeitungen, liest jiddisch, spricht jiddisch, und englisch nur ein wenig, da sein Englisch fi|r amerikanische Verhältnisse nicht ganz einwandfrei ist. ,; In Warschau angelangt, sucht er .ajlsogleich eine judische Gastwirtschaft auf, eines unserer heimischen Einkehrhäuser auf unserer Nalewka. Hier, in eben diesem Einkehrhaus, häty es de,r Amerikaner für seine Pflicht, das Prestige der Vereinigten Staaten zu wahren, und « spricht deswegen, ausschließlich englisch. Weder die Eigentümer des Einkehrhauses^. noch die Dienstboten verstehen leider ein Wort Englisch, Ünijdas verursacht ein wenig Schwierigkeiten bei den. ^uaiein« andersetzungen mit der neuen Partei. Ein wunderbarer Zufall, daß sich in eben dieser Pension ein Londoner Mädchen aus dem Londoner WhitechaRel befindet, das hier bei einer Schiffahrtsgesellschaft beschäftigt ist. Da? nun dieses Mädchen sowohl jiddisch wie Englisch kann, dient es als Dolmetsch zwischen dem Amerikaner und den Eigentümern der Pension. „Eh, a little haring more", sagt der galizianische Amerikaner zu der Dolmetscherin, dem Londoner Mäd* chen von der Schiffahrtsgesellschaft. „Noch ein Stückchen Hering", übersetzt das Mädchen für die Eigentümer der Gastwirtschaft ins Jiddische. „With onions", sagt der Amerikaner. „Mit Zwiebeln", übersetzt das Mädchen, ■ „Roasted onions!" 1 „Geröstete Zwiebeln!" Und so verständigt man sich, Es ergibt sich, daß der amerikanische Gast ein Paar Socken braucht. Und Socken bekommt man auf dem Karmelicka- Markt und dort reden die Händler und die Angestellten ausschließlich polnisch. Da ist ein neuer Dolmetsch not» wendig, der aus dem Englischen ins Polnische zu übersetzen hat. Und ein solcher ist im Geschäft nicht vorhanden. Da gibt es nur Menschen, die Jiddisch und Polnisch yerstehen. Da bleibt nichts anderes übrig, als die Tochter des Pfnsionsinhabers einzuladen, die Jiddisch und Polnisch 1 kann, und als daß nun in das Sockengeschäft alle drei ' gehen: der Amerikaner, das Londoner Mädchen und die Pensionstochter. Es wird der Amerikaner zu dem Londoner Rädchen Englisch sprechen, und das Londoner MädchW wird es der Pensionstoch'ter aus dem Englischen ins Jiddische übersetzen, und die Pensionstochter wird et dem Händler aus dem Jiddischen ins Polnische übersetzen, wonach der Händler wissen wird, um was es sich handelt. Und so herum wird man ein Paar Socken einkaufen Und alles wird in Honig und Butter sein. Und der Amerikaner begab sich mit seinen zwei Dolmetschern auf die Karmelicka, hinein in das altrenommierte Sockengeschäft Ignaz Gimpelsohn et Comp. „Good morning'', sagt der Amerikaner. „Guten Morgen", sagt das Londoner Mädchen. „Dzien dobry!", übersetzt, die Pensionstochter. „Dzien dobry", antwortet die Verkäuferin, ein jüdisches Mädchen aus der Franziskanergasse. „Co panstwo sobie zycza?" „Was wünscht der Herr?" übersetzt die Pensionstochter für das Londoner Mädchen, damit dieses es an den Amerikaner weitergebe. „What you want, Mister?" übersetzt das Londoner Mädchen dem Amerikaner. Der Amerikaner hat gleich gefühlt, daß er sich eigentlich direkt an die Verkäuferin in Jiddisch wenden und die Mühe rriit' den zwei Dolmetscher* ersparen könnte, aber um die Ehre Amerikas zu wahren, hat er geantwortet: „A pair of stocking". „Ein Paar Socken", griff gleich das Londoner Mädchen auf. „Ponczochy", übersetzte hierauf die Pensionstochter für die Verkäuferin. Auch die Verkäuferin hat mit ihrem jüdischen Instinkt gefühlt, daß der Amerikaner einer von unseren

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