Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 279 (13.1.1933)
- Date
- 1933-01-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen lafirgang 7 Freilag/ den II« Himer IMS Nr« 270 v«b*b» Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp&Jiepar Tediten**, im Titl Ünlve»«ttfebibliothek Wien. I BEZUOSBEDINÜUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50,, vierteljährig S 4.20. gaiKJährigS 16.—;Polen monatlich Zloty 2.-r, vlerteljähriR Zlotyö.- Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 13.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—Deutschland monatlich mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-: Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz and die übr igen Lander monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel* jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitättstr. 6*-& leL B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVUE RUNDSCHAU Kommunistisches Mord* attentat auf Redakteur Esriel Carlebadi _ Als Folge einer Reise durch Sowjetrußland In der Nacht vom 4. auf den 5. Jänner wurde In Hamburg der Schriftleiter des „Israelitischen Familienblattes", Esriel Garlebach, angeschossen und blieb schwer verletzt liegen. Es handelt sich um einen Racheakt jüdischer Kommunisten. . ■. * Esriel Carlebach ist eine der glänzendsten Erscheinungen der jüdischen Welt. Dieser erst fünfundzwanzigjährige Schriftsteller und Politiker, ein Meister in der Beherrschung der deutschen, hebräischen und jüdischen Sprache, der höchstes jüdisches und allgemeines Wissen vereinigt, dessen von tiefstem jüdischem Nationalgefühl durchdrungene Abhandlungen in aller Welt mit Spannung erwartet und gelesen werden, hat die Aufmerksamkeit der Kommunisten vom Moskauer Schlage auf sich gezogen. Er, der die ganze jüdische Welt bereist und beschrieben hat, besuchte auch Sowjetrußland und legte seine, Betrachtungen unter dem Titel „S o w j e t - J u d ä a" in einer Artikelserie nieder. Weil er das Gesehene ohne jede Verzerrung, aber auch ohne jede Beschönigung niederschrieb, sollte, er sterben. Mpska,ü-. fällte ein Todesurteil und jüdische. Schergen in Deutschland-nahmen die Vollziehung des. Mordbefehls auf sich. Mari kennt die Reisen der Herren Literaten nach Rußland,1 insbesondere die Reisen gewisser deutsch-jüdischer Literaten. Tellerlecker hier, Tellerlecker dort! Man geht in die Sowjetmission seines Landes, erhält dort Fahrkarten und Empfehlungen. Lebt vier Wochen in Saus und Braus. Fährt in Luxusautomobilen an Schmutz, Elend und Blut vorbei. Plaudert vor warmen Oefen in weichen Klubsesseln mit Herrn Stalin und pikanten Komralssärinnen. Kommt im Schlafwagen heim und verschleißt gegen gute Bezahlung _ die Sowjetmission belebt schon den Kartenverkauf — die gewonnenen „Eindrücke". Man ist „überwältigt" von dem Großen, das sich da abspielt. Man'Ist aber dabei streng objektiv! O ja! Man erzählt auch, daß es in einigen Teilen Sowjetrußlands noch sohlechte Automobilstraßen und Wanzen geben soll. Man überzeugt die Berliner und Wiener Herren und Damen, daß Sowjetrußland ein Paradies ist — für die Russen und die Kommissäre. Carlebach hat sich erlaubt, die Augen offen zu halten. Er hat die erschütternden Leiden seines jüdischen Volkes in Rußland gesehen, hat sie geschildert. Also muß er sterben. Jüdische junge Menschen haben es übernommen, einen edlen Menschen zu töten, weil er für das jüdische Volk wirkt! Ein Merkzeichen für die jüdische Gesellschaft in Europa, die; untätig, oft in wohlwollender Untätigkeit, zusieht, wie die jüdische Jugend ins Lager der roten Assimilation . getrieben wird, unjüdisch, verhetzt und verroht wird. * . Aus Hamburg wird gemeldet: Auf Esriel Carlebach, Mitredakteur des „Israelitischen Familienblattes", ist in der Nacht zum 4. Jänner ein Revolverattentat verübt worden, das von schweren Folgen für den begabten jungen Schriftsteller begleitet war. Carlebach, der um Mitternacht noch Briefe zur Post bringen wollte, -wurde auf dem Wege von einem jungen Mann verfolgt. In der Straße „Harvestehuder Weg" feuerte'der Verfolger mehrere Schüsse auf Carlebach ab., Carlebach erhielt einen Streifschuß am Kopf und,brach zusammen. Durch den Sturz zog er sich eine Gehirnerschütterung und schwere innere Verletzungen zu. Erst einige Zeit später wurde der Bewußtlose von Polizeibeamten aufgefunden und nach Feststellung seiner Personalien in seine Wohnung gebracht, wo er in besorgniserregendem Zustande darniederliegt. Carlebach hat zeitweise das Bewußtsein wiedererlangt. Man vermutet, daß der Täter ein Kommunist ist, da Carlebach in der. letzten Zeit von kommunistischer Seite Drohbriefe abgegangen sind. Auch auf der Straße wurde Carlebach schon seit Wochen verfolgt. Fast ständig standen zwei Personen vor seiner Wohnung oder in der Nähe der Redaktion, um ihm aufzulauern. Man führt diese Verfolgung darauf zurück, daß Carlebach, der im Sommer 1932 eine Reise nach Rußland gemacht hat, über seine Eindrücke und Erlebnisse in einer großen Reihe jüdischer Zeitungen berichtet hajt. Carlcbach, der mit seinem vor einigen Monaten erschiene1", nen Reisebuch „Exotische Juden" einen beachtenswerten Erfolg gehabt hat, war eben dabei, sein Bußland- Buch vorzubereiten, dem mit einem gewissen Interesse entgegengesehen wurde. Die ungeheuerliche Tatsache eines solchen Attentats wird nun gewiß weiten Kreisen der H a m b u r g e r jüdischen Bevölkerung die Augen über die gefährliche Verhetzung öffnen, die leider ungehindert von kommunistischer Seite seit Jahren innerhalb jugendlicher jüdischer Kreise in Szene gesetzt wird. Die Drahtzieher bleiben dabei — wie es ja immer ist! — klüglich im Hintergrunde und schieben >j U g e'n d-' liehe, unbesonnene Elemente vor. Eine besondere Aktivität dieser Kommunisten kündigte sich schon in den vergangenen beiden Wo'ohen in mehreren Vorfällen an. ,.• Am:♦ Üp^n^*? '■ j|!t1#rtWB> k o m m ü n ist i s che E rw e r i> s los e eine C h a n; Ii a h.r'F,e:^e r.am; GBmein.deJliaus'. Johnsallee,'->, indem sie beim Singen .der Chanukah-Hy mne .. die »^Internationale" anstimmten. Der Geiüeinä^ sie zurechtwies, wurde von ihnen t ä t Ii c h angegriffen. Den Redakteuren des „Familienblattes" würden Drohbriefe in ihre Wohnungen zugcsteüfc, und den Höhepunkt all dieser Aktionen erreichte jetzt das Attentat auf Herrn Carlebach. Der Zustand Carlebachs hat sich etwas gebessert. Der Kranke gewinnt zeitweise das Bewußtsein wieder, die Aerzte nehmen an, daß Lebensgefahr nicht mehr besteht. Ein wirtedtaftlidtes Blutmärdien Der politische Zionismus ist seit seinem Bestehen von den verschiedensten Seiten her bekämpft worden. Einerseits als antireligiös «und revolutionär; andererseits als klerikal, reaktionär, antisozial; einerseits als Kapitulation vor dem Antisemitismus, andererseits als provokatorische Kampfansage an den Antisemitismus. Der gefährlichste Vorstoß aber erfolgte unter der Parole: „Die Verwirklichung des Zionismus, die Errichtung des Judenstaates in Palästina hat die wirtschaftliche Vernichtung eines anderen Volkes zur Voraussetzung, nämlich die wirtschaftliche Vernichtung des seit einigen Jahrhunderten in Palästina ansässigen arabischen Volkes!" Wo der Jude seinen Fuß in Palästina hinsetzt, zertritt er einen Araber, macht ihn landlos, stößt ihn ins Elend! Die praktische Anwendung dieses wirtschaftlichen Blutmärchens erfolgte zuerst durch die zur Unter- KOHLE/KOKS ANTHRACIT höchster Qualitäten BÄSCH. IV. Arejenttaierstraße 22 Toi.: Serie U-4<?-^40 Alle im redaktionellen Teil befindlichen eqtgelt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes' E bezeichnet BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN «IMUSIE MI (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT ZE! PGEMÄSSE PREISE suchüng der Juden Schlächtereien 1939 eingesetzte: Shaw-Kommission. In unerhört raffinierter Art wurde die Mordfrage in den Hintergrund und die Frage der wirtschaftlichen „V o r d r ä n g u n g" der Araber in den Vordergrund geschoben. Das Resultat' tvat*- die Feststellung, daß es . sieb beim Aufstande um -einen' V e r z w e 1 flu n g s ausbru c h der beraubten Araber gehandelt hätte. Und damit waren auch die arabischen und Kommunistischen Hetzer und — was die Hauptsache war- — die pflichtvergessenen, antisemitischen Regierungsbeamten stark entlastet. Damit war aber die Ausnützung dieses wirtschaftlichen Blutmärchens nicht erschöpft. Im Gegenteil. Nach Abschluß der Kommissionsarbeit ging die damalige sozialistische englische Regierung daran — gestützt auf dieses wirtschaftliche Blutmärchen — alle den Zioniste* gemachten Versprechungen systematisch abzubauen. Der Kolonialminister dieser Regierung, Lord Pas, sf ieId, gab schließlich sein berüchtigtes Weißbuch heraus, in welchem in unumwundener Form die Absicht ausgesprochen wurde, jede weitere großzügige jüdische Arbeit in Palästina abzustellen (Einschränkung der jüdischen Einwanderung auf ein Minimum, Verbot des Bodenkaufes durch Juden usw.). Die Folgen waren: Umschwung der früher zionistenfreundlichen öffentlichen Meinung in England, Verzagtheit in vielen zionistischen Kreisen. Lange hatte die zionistische Arbelt unter einer durph das Märchen vom „verdrängtem, dl'roh die Juden landlos gemachten arabischen Bauern" hervorgerufenen Depression zu leiden. Nun, nach vier .J»hren, scheint sich ein Umschwung in der maßgebenden öffentlichen Meinung» diesmal zum besseren, vorzubereiten. Unter dem Titel „Eine üb erlebte Legende" wird aus London gemeldet: Unter der Ueberschrlft „Eine überlebte Legende" teilt die große Londoner Zeitung „Sunday Times" mit, der Regierungschef von Palästina, General Sir Arthur Wauchope, habe der Permanenten Mandatskommission des Völker b u n d e a einige Ziffern betreffend die landlosen Araber in Palästina mitgeteilt, denen zu entnehmen ist, daß bhv zum 1. Oktober 1933 2886 Araber Ansprüche auf Registrierung als Depossedlerte, deren Boden angeblich in jüdische Hände übergegangen ist, erhoben haben, daß aber nur 865 dieser Ansprüche als irgendwo« berechtigt angesehen werden konnten, dagegen rund i;800 als vollkommen unbegründot zurückgewiesen wurden. 1000 Ansprüche stehen noch zur AUSTRO.PALASTINENSISCHER WIRTSCHAFTSDIENST ■^■■^■■■MBemMMi Wien IX, Berggaise 16 (Handelsmuseum) '/ Telephon A*17*9>20 '■■^■■^ViHPi Montag, 1(5. Jänner 1933, 8 Uhr abends, im Fettsaal Hotel „Continental" (II, Taborstraße 4) Ing. R t| d o 11 Pi| st er (Bauleiter des Ruthenberg-Kraftwerkes »DAS MODERNE PALASTINA« Numerierte Sitzplätze zu S 2.— und S 1.—, Stehplatz- (nur an der Abendkasse) S —.50 bei: Buchhandlung M. Rath, II, Taborstraße 20a, Tel. R-4M08; Schuhhaiis „Haga", Tel. U-25-0-84; Papierwarentabrik Jösef Qrubner, IX; Wasagasse 7, Telephon A-n-ü-10; Administraiion „tfeue Welt", H, Untere Augarteusttaße 38, Telephon A-45-6-34