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Die neue Welt · 1933-01-06 · Heft 278 (6.1.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 278 (6.1.1933)
Date
1933-01-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 278 DIE NEUE WELT Seife II Die Lemberger Unruhen vor dem polnischen Parlament Im polnischen Sejm hielt der Deputierte Rosmarin, Mitglied des Jüdischen Klubs, eine Rede Uber die antisemitischen Exzesse in Lemberg, die eine Woche lang ununterbrochen andauerten. Er führte u. a. aus: Seit längerer Zeit bleiben Anfragen der jüdischen Repräsentanten ohne jede Antwort seitens der Regierung; die Herren Premierminister gehen über diese Fragen zur Tagesordnung über. Periodisch werden durch gewisse Faktoren immer wieder antijüdische Ausschreitungen inszeniert, ohne daß die Behörden auf sie entsprechend reagieren. Die nationaldemokratische Presse führt eine hemmungslose Hetzpropaganda unter den Augen der Zensur. In der „Gazeta War« szawska" durfte Herr Maßdorf schreiben: „Schlagt die Juden, fürchtet euch nicht vor irgend einer Wirkung auf das Ausland!" Sine solche Hetze muß von unabsehbaren Folgen begleitet sein, wenn ihr nicht autoritativ entgegengetreten wird. FünfTage, hintereinander wurden in Lemberg schutzlose Menschen vor den Augen der Polizei blutiggeschlagen; die Nationaldemokraten scheuen sich nicht, in aller Oeffentlichkeit die Verantwortung für diese Barbarei auf sich zu nehmen. Die Regierung ist just in der Judenfrage von einer Angst vor den Nationaldemokraten beherrscht. Die Bevölkerung kann es nicht verstehen, wie man einer bestimmten Partei erlauben könne, mehrere Tage lang sich in der Mißhandlung der ordnungsliebenden Bevölkerung zu ergehen. Die Nationaldemokraten und die Regierung sind im Irrtum, wenn sie glauben, daß solche Dinge innerhalb der polnischen vier Wände verborgen bleiben können. Das Ausland ist Uber die Vorgänge informiert. Am vierten (!) Tag der Exzesse wurde die „Gazeta Polska" wegen eines Artikels, in dem die Exzesse verurteilt werden, beschlagnahmt. Die offizielle Polnische Telegraphenagentur (P. A. T.) hat die Nachrichten über Protestversammlungen im Ausland und Interpellationen im englischen Parlament unterschlagen. Deswegen sind diese Aktionen nicht weniger wirklich. Die Regierung, schloß Rosmarin, müsse eine klare Stellung zur Judenfrage einnehmen. Das höchste administrative Gericht läßt sich in der Durchführung der Prozesse gegen die Urheber antisemitischer Ausschreitungen sehr viel Zeit, seitJahren harren solche Prozeßfälle der Erledigung. Unier 1500 Beamten der Warschauer Postsparkasse kein einziger Jude In Warschau fand die feierliche Eröffnung fies mit einem Aufwand von sieben Millionen Zloty erbauten Hauses der P o st sp arkasse bei Anwesenheit des Staatspräsidenten und des Ministerpräsidenten statt. Die jüdischen Pressevertreter, dde der Eröffnung ebenfalls beiwohnten, konnten feststellen, daß unter den 1500 Beamten des Instituts kein einziger Jude ist, wo doch die Bevölkerung Warschaus zu 33 Prozent jüdisch ist und von den Inhabern der Postscheckkonten sogar 60 Prozent Juden sind. Die Rechtslage der jüdischen Frau Der Oberrabbiner von Frankreich, Israel Levi, führte den Vorsitz in einer auf Anregung von Frau Zadok-Cahn, Vizepräsidentin des Ausschusses für Besserung der Rechtslage der jüdischen Frau, einberufenen Beratung, in der beschlossen wurde, in Paris ein Büro zu errichten, das jüdischen Frauen, deren Eheverhältnisse nicht geregelt sind, dazu verhelfen soll, die n o twendigen Dokumente zu erlangen. Es wurde ein Komitee gebildet, das die Sammlung von Unterschriften für die Besserung der Rechtslage der jüdischen Frauen Ubernahm. Diese Aktion wird insbesondere vom Oberrabbiner Maurice Liber (Paris) und dem Mitglied des Staatsrats Hendel gefördert. Ermäßigung der PaßgebUhren für Chaluzim in Rumänien Im Hinblick auf die wachsende Bedeutung der Chaluzbe wegung in Rumänien und in Anerkennung des idealen Charakters der Palästina-Pionierbewegung hat der Finanzminister Madgearu auf Intervention des Abg. Landau die PaßgebUhren für Chaluzim, die nach Palästina gehen, um 75 Prozent ermäßigt. Wochen-Kalender Jänner .1933 na» y mn Tebeth 5693 8 Freitag 8-n Sabbateingang 4.15 7 Samstag 9-b Sabbatausgang 5 05 vi ian w mBBfi .wi 8 Sonntag 10- 9 Montag 10 Dienstag 12-a> 11 Mittwoch ll-JP 18 Donnerstag 14~T 1 AUS PALÄSTINA. 1192 Juden kamen im November nach Palästina Im Verlaufe de« Monats November 1932 sind — Wie vom Immigrationsbüro der Regierung mitgeteilt wird — 1329 Personen, unter ihnen 1192 Juden, in Palästina eingewandert. Von den eingewanderten Juden fallen 111 unter die Kategorie der Einwanderer mit eigenen Mitteln (Kapitalisten). Aus Haifa Wie berichtet wurde, hat die Regierung Palästinas den Jahresvoranschlag von Haifa um 15.000 Pfund kürzen wollen. Die Vertreter des Stadtrates von Haifa erschienen am 14. Dezember beim Generalsekretär der Palästina- Regierung und wiesen nach, daß die Kürzung des Budgets um 160.000 Pfund die Wetterführung des Ausbaues der Stadt unmöglich macht. Das Resultat der Aussprache war, daß die Regierung auf die Kürzung des Budgets verzichtet hat. Demnach bleibt der Voranschlag für das Jahr 1933 in der Höhe von 57.000 Pfund bestehen. * Das Jahresbudget der jüdischen Gemeinde Haifas für das Jahr 1933 wurde mit 6830 Pfund festgesetzt. Nach der bevorstehenden Vollendung des Hafenbaues in Haifa werden verschiedene Pläne des Ausbaues der Stadt zur Ausführung gelangen. Im Hafen wird ein großer Bahnhof errichtet werden, der den Knotenpunkt des Eisenbahnverkehrs mit Aegypten und Hedjas bilden wird. Fünf neue Straßen werden die Stadt mit dem Hafen verbinden. Die Regierung hat sich bereit erklärt, der Stadt Haifa eine Anleihe zur Verwirklichung dieser Pläne zu gewähren. Die Gemeindeverwaltung vertritt jedoch den Standpunkt, daß die Ausgaben für den Ausbau des Hafens von der Hafengesellschaft zu tragen sind. * Der Boden im Hafen von Haifa bleibt für immer Besitz der Regierung. Die Regierung wird den Boden parzellieren und großen Firmen in Pacht übergeben. So hat sich die Regierung bereit erklärt, einen Teil der Hafenböden für die Errichtung eines Transitlagers für den Irak zur Verfügung zu stellen. Der Dampfer „Karmel" Eine Gruppe von jüdischen Exporteuren erwarb ein Schiff zwecks Export palästinensischer Produkte nach den Nachbarländern Aegypten, Rhodos, Zypern usw. M. Disengoff, der Bürgermeister von Tel-Awiw, ist leitendes Mitglied der Gesellschaft. Am 18. Dezember ist der Dampfer in Jaffa eingetroffen und als zum Hafen Jaffa gehörig registriert worden. Der Dampfer trägt den Namen „K arme 1". Das Palästina-Budget stark aktiv Offiziell wird mitgeteilt, daß die Palästina-Regierung gegenwärtig im Schatzamt über einen U e b e rschufi von einer Million Pfund verfügt. Transjordanien und der Völkerbund Arabische Zeitungen in Palästina melden, daß zwischen der Regierung in Jerusalem und der in London Verhandlungen betreffend Vorbereitung des Eintrittes Trans Jordaniens in den Völkerbund geführt werden. I's heißt in diesen Meldungen, daß die Verhandlungen gewisse Aenderungen im Status Trans. Jordaniens zum Inhalt haben, nach deren Vollzug die Londoner Regierung Transjordanien das Versprechen geben wird, daß es seine Aufnahme als Mitglied dem Völkerbund empfehlen wird. Zollerhöhung für Mehl und Getreide Die permanente Regierungskommission für Handel und Industrie hat beschlossen, den Zoll für Mehl und Getreide ab 1. Jänner 1933 zu erhöhen. Der Zoll wird fortan 2 Pfund per Tonne statt 1V3 Pfund betragen. Die arabischen Getreidehändler haben ein Protestschreiben an den Oberkommissär gerichtet und drohen, zum Zeichen des Protests, ihre Geschäfte zu schließen. Arabische Weltkonferenz in Palästina? Der Korrespondent des „F a 1 e s t i n" in Bagdad berichtet aus verläßlicher Quelle, daß die im Frühjahr abzuhaltende Weltkonferenz der Araber in Palästina tagen wird, da die Regierung des Irak sich gegen die Abhaltung der Konferenz in Bagdad ausgesprochen hat. „Marath el-Scharak" für ein Parlament Entgegen der bisher einmütig ablehnenden Haltung der Araber Palästinas in der Frage der Einführung eines Parlaments in Palästina veröffentlichte die arabische Tageszeitung „Marath el-Scharak" einen Leitartikel, in welchem die Araber aufgefordert werden, dem Plan der Regierung zuzustimmen. Raub in der jüdischen Kolonie Beth Alpha Bewaffnete Araber überfielen am 26. Dezember das Weideland der jüdischen Kolonie Beth Alpha im TaJe Jezreel und führten aus der Schafherde der Kolonie 57 Schafe weg. Die Polizei, die sofort Nachforschungen anstellte, fand 31 Schafe der Beth-Alpha- Herde in benachbarten Höhjen vor und verhaftete drei Araber als am Schafraub beteiligt. |IIW!IIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIH ImittWOCh, 1. feber, um y48 uhr abends 1 österreichlache erstaufführung der j „einzigen lösung" § S zionistisches propagandastück n 1 von talin lewin, musik daniel sambursky n §f im margaratanar volkibildungshaut, 5, ttabargais« IS s (Straßenbahn: 6,15,61,63; Stadtbahn: pilgramgasse) f§ g vorher tanzt gertrud kraus! |j I karten! keren kajemeth, kärnlnerstr. 28, tel. r-27-3-20 | IllilllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIillllllllllllllllllllllillllllllllllillllllllllllllH * Bril Trumpeldor (Vom Büro des Shilton in Paris); Palästina: Die Leitung der Pelugot Avoda (Arbeitsabteilungen) teilt mit, daß in der letzten Zeit 70 Olim des Betar aus verschiedenen Ländern eingetroffen sind. 70 Prozent von ihnen wurden in die Pelugot Avoda eingegliedert; der Rest ordnete sich mit Genehmigung der Leitung der Pelugot Avoda privat ein. — Die Lage in den Pelugot ist zufriedenstellend. Er herrscht ein Mangel an Arbeitskräften. Auch die Peluga in R o s h- Pinna (Galiläa), die trotz Arbeitslosigkeit diesen für die jüdische Arbeit so wichtigen Punkt nicht verlassen hat, hat die kritische Periode bereits überstanden. Die Peluga hat sogar sieben neue Olim aus Danzig und Lettland aufgenommen. Die Peluga in Herzlia nahm den Boden ihrer Hilfswirtschaft (11 Dunam) in Besitz. Die junge Peluga in Ramat-Gan entwickelt sich ausgezeichnet, sie hat die 5 Dunam ihrer Hilfswirtschaft bereits gepflügt und besät. — Eine neue Peluga, die große Entwicklungsmöglichkeiten besitzt, istinPetach-Tikwa gegründet worden. Lettland: Die Netzivut trat an die Organisierung von Kooperativen in allen Kenanim des lettländischen Betar heran. Der Natziv M. Gold besuchte auf einer Inspektionsreise die Kenanim der lettländischen Provinz. Polen: Am 28. November verließen 26 betarische Olim Polen. — Der stellvertretende Natziv, A. Remba, besuchte die Kenanim Lodz, Pabjanice, Szedlec sowie den Gedud-Hachshara Hlanuwek. — In Chmielnik fand ein Treffen des Galil statt, an dem der Mefakked des Ken Sosnowiec J. Klarmann teilnahm. Jitzchak Je Hin, Ketzin der Netzivut Palästinas und Mitglied der Leitung der Pelugot Avoda, der sich zur Zeit in Polen befindet, besuchte 16 Kenanim, in denen er erfolgreich in öffentlichen Versammlungen auftrat. Belgien: Das vom K.-ha-Sh. H a 1 p e r n gebildete Tel-Haj-Komitee, das sich der maritimen Hachshara widmet, bestehend aus Madame Hannania (Vorsitzende) und den Herren Biron, Buchenholz, Granowsky und Kleinberg, trat bereits an seine Tätigkeit heran; es trat mit Fischereigesellschaften in Belgien und Holland in Verbindung; es schritt an die Beschaffung des zur Erwerbung des Schulschiffes notwendigen Kapitals.— Der Instruktor B. Blankenfeld (Jerusalem) befindet sich zur Zeit in Antwerpen, wo er einen Instruktorenkurs leitet und sich der Organisation von Kenanim in der Provinz widmet. K.-ha-Sh. Halpern erstattete dem Rosh- Betar Bericht über seine Tätigkeit in Belgien. Tschechoslowakei: Der Natziv Kpt. J< Grosz inspizierte die Kenanim Brünn und Boskovice, Mefakked ha Galil A. Winkler (Berehovo) Inspizierte die Kenanim Kosino, Sevlus, Chust, Bustino und Vyskovo nad Tisou. — Auf Initiative des Betar sind in Bratislava und Kosino revisionistische Ortsgruppen gegründet worden. — In Secovce haben 20 Betarim die erste Prüfung in Hachshara haganatit vor einer Kommission unter Leitung des Mefakked Gelili H. Klein abgelegt. China: Es erschien Nr. 9 des „Hadegel". Jubiläum Die bekannte Steinmetzfirma Friedländer Mf Deutsch beging am 1. Jänner ihr vierzigjähriges Be- « Standjubiläum. Theater/ Kunft und üiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin! Li I e r a tu* „Die Brofmühle" (Der Taube) von David Bevgelsohn Die kommende Novität der Jüdischen Künstlerspiele. . . Die Direktion der Jüdischen Künstlerspiele (n., Pratersträße 34), die bekanntlich eine Reihe hervorragender Schauspieler der „Wilnaer Truppe" für ein Gastspiel verpflichtet hat, bringt demnächst ein neues Stück heraus, das nicht verfehlen wird, in den weitesten Schichten der Wiener jüdischen Oeffentlichkeit Interesse hervorzurufen. Es ist dies das Drama „Die Brotmühle" (Der Taube) aus der Feder des bekannten Schriftstellers David Bergelsohn. „Die Brotmühle" ist ein Schauspiel von größter dramatischer Wucht, in Polen, wo es bisher aufgeführt wurde, war die Aufführung von großem Erfolg begleitet, hauptsächlich dank der ausgezeichneten Darstellung der „Wilnaer", die auch in Wien in Hauptrollen tätig sein werden. Josef Kamen, Jakob W e i s 1 i t z, Dina König und andere Mitglieder der „Wilnaer Truppe", die jetzt in Wieiy gastieren, werden — mit Hilfe des ständigen Ensembles der Jüdischen Künstlerspiele — dem Publikum eine gewiß beachtenswerte Aufführung bieten. Abgesehen von der Besetzung und der Qualität des Stückes, wird der szenische Aufbau eine sehenswerte Neuerung bringen. Die Uraufführung der „Brotmühle" wird demnächst bekanntgegeben werden. Vorläufig bleibt wegen des grollen Erfolges „Herscheie Ostropoler" auf dem Spielplan. Jüdischer Theaterverein Wien. Unter dem Titel „Jüdischer Theaterverein" hat sich in Wien eine Organisation gebildet, die sich die Pflege der jüdischen Bühnenliteratur zur Aufgabe gemacht hat. »Mitgliederaufnahme jeden Freitag von 7 bis 10 Uhr abends im Vereinslokal, n., Pratersträße 52 (Restaurant Austria). Talentierte junge Damen und Herren können sich zwecks Gründung eines Theaterstudios melden,

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