Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 278 (6.1.1933)
- Date
- 1933-01-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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" Nr. 3*6 DIE NEUE WELT Seit«? ' Aus Deutschland deflagc der »Ntnea Weh« fftr IHprtfdilaad f Nttabcdkfclfam «mI Mori»to#lfoii* BeH<"^ CiMvIoffeiibiirjp Sr Joadrfm«laferttHifle t/N Jüdische Hakenkreuzler ♦ ♦ ♦ Eine Verleumdungskampagne und ihre Anstifter Das Wiedererstarken des Herzischen Juden* staatsgedankens im Zionismus vollzieht sich nicht ohne Widerstand. Insbesondere die jugendlichen Träger des Judenstaatsgedankens — die Vereinigung >Brlth Trumpeldor" und die zionistisch-revisionistischen Jugendverbände — sind heftigen und bösartigen Angriffen ausgesetzt. Wie seinerzeit die Assimilationsjuden nicht mit sachlichen Einwänden — weil sie sich als wirkungslos erwiesen —, sondern mit Verleumdung gegen den Judenstaatszionismus arbeiteten, so tun jetzt gewisse zionistische Gruppen, welche der Idee vom' Judenstaate untreu geworden sind, dasselbe. Die Assimilationsjuden verleumdeten den Judenstaatsgedanken als „reaktionär", „vaterlandsfeindlich" und „antiliberal". Die erwähnten zionistischen Gruppen, vor allem die antistaatlich und klassenkämpferisch eingestellte Poale Zion, verleumden heute den exponierten Träger des Judenstaatsgedankens, den Zionismus- Revisionismus und seine Jugendorganisationen als „kriegshetzerisch", „antisozial", „reaktionär" und als „Jüdisches Hakenkreuzlertum". Die liberalen Assimilationsjuden begnügen sich nicht mit der Verleumdung in jüdischen Kreisen, sondern hetzten auch in nichtjüdischen gegen die Judenstaatler. Die zionistischen Anti-Judenstaatler laufen zu den nichtjüdischen sozialdemokratischen Parteien und Zeitungen und hetzen diese auf. Nachstehend geschilderte Episode zeigt das Resultat dieser Brunnenvergiftung. Das Berliner sozialdemokratische Hauptorgan „Vorwärts" brachte am 28. Dezember unter der Ueberschrift „Jada erwache! SA. macht alles — selbst für Zion!" folgende Notiz: „Der jüdisch-zionistische Wehrverband ,Brith Trumpeldor' hat eine Anzahl ehemaliger deutscher Offiziere als Instrukteure eingestellt. Unter ihnen befinden sich Offiziere, die bisher der SA. (Sturm-Abteilungen der, Hitler-Partei) als Unterführer angehört haben. Der ,Brith Trumpeldor' ist ein in Paläs Ina be- "Stehender jÜdiseh-nätionalistiseher Webrverband, der die jüdische Jugend Palästinas gegen die Araber »ertüchtigt*. In Deutschland haben die jetzt im .Trumpeldor' instruierenden SA.-Offiziere ihre Nazijünglinge gegen die Juden gedrillt. Deutschland erwache — Juda verrecke! Jetzt lehren dieselben SA.-Leute in Jerusalem den Schlachtruf: ,Juda erwache!'" Diese Nachricht wurde von.anderen nichtjüdischen Zeitungen aufgegriffen, so auch vom Wiener sozialdemokratischen Hauptorgan „Arbeiter-Zeitung", und entsprechend glossiert. Die Landesleitung des Brith Trumpeldor für Deutschland hat sofort diese aus der Luft gegriffene ungeheuerliche Lüge als solche festgestellt und im Wege der' Jüdischen Telegraphenagentur eine Erklärung erlassen, in der es u. a. heißt: „Die Nachricht des »Vorwärts' entspricht in keinem Worte den Tatsachen. Die Notiz ist derart abgefaßt, daß es dem Leser nicht, klar erscheint, ob es sich um den Weltverband Brith Trumpeldor oder um eine besondere Landesorganisation handelt. Es darf wohl angenommen werden, daß der Schreiber des ,Vorwärts' selbst hierüber nicht Bescheid weiß. Brith Trumpeldor ist eine zionistische Jugendorganisation, die in allen Ländern der Erde ihre Landes- und Ortsorganisationen hat und zirka 40.000 Mitglieder zählt. Zu ihrem Programm gehört geistige, berufliche und wehrsportliche Vorbereitung des jüdischen jungen Menschen für Palästina. Brith Trumpeldor hat nicht die Aufgabe, irgendwelche Kämpfe zu provozieren, sondern, wenn sich Ereignisse, wie wir sie in Palästina bereits in Form von an ti jüdischen Pogromen erlebten, wiederholen sollten, jüdisches Leben.und Eigentum zu verteidigen. Der Brith Trumpeldor führt gegen niemand'Krieg. Er hat nur die Aufgabe, dem Judenstaat zu beiden Seiten des Jordan in jeder Form zu dienen. Es ist lächerlich und naiv, vom Brith Trumpeldor zu behaupten, daß er SA.-Offiziere oder Unteroffiziere als Instrukteure einstellt. Das hat er gar nicht nötig. In den meisten Ländern, in denen Brith Trumpeldor-Organisationen bestehen, gibt es eigene Instrukteur- Schulen, die vom Tel-Chaj-Fonds unterhalten werden und die eine ausreichende Anzahl gut geschulter Instrukteure herangebildet haben. Die Lehrer sind Juden. Die Instrukteure bereisen die Brlth-Trumpeldor-Organisatlonen in der ganzen Welt und erteilen den Mitgliedern daselbst den wehrsportlichen Unterricht: Es könnte dem »Vorwärts' einleuchten, daß eine zionistisch bewußte Jugend keine SA.-Männer für ihre Ausbildung; heranzlelieu wira. Aber ebenso klar sollte dem «Vorwärts' sein, daß für eine zionistisch bewußte Jugend auch keine Reichsbanner-Offiziere in Betracht kommen. Die jüdische Jugend weiß sich auch auf diesem Gebiete allein zu helfen. Wir verstehen wohl, daß der »Vorwärts' solche aus der Luft gegriffene Behauptungen in die Welt setzt, weil er seinen bedrängten Genossen in der Zionisti sehen Organisation zu Hilfe eilen will. Da deren Stimme in der jüdischen Welt immer weniger gilt, soll ihr durch Mobilisierung der nichtjüdischen öffentlichen Meinung Nachdruck verliehen werden. Es ist klar, daß man dadurch nur das Entgegengesetzte dessen erreicht, was man erreichen will." * Wenn ein Zweifel darüber bestehen konnte, daß es sich hier um ein Spiel mit verteilten Rollen handelt, daß dem nichtjüdischen „Vorwärts" die Lügennachricht von einer gewissen jüdisch-zionistischen Seite her eingegeben wurde, so haben die Anstifter selbst dieseu Zweifel zerstreut. Das seit voriger Woche in Brünn erscheinende Parteiblatt der vereinigten Poale Zion und Hitachduth ,Der neue Weg' bringt in seiner ersten Nummer, auf der ersten Seite in Fettdruck als Meldung der J. T. A. (JUd. Telegraphenagentur) die Nachricht von hakenkreuzlerischen SA.-Offizieren als Lehrer des Brith Trumpeldor und unterschlägt das von der J. T. A. gleichzeitig gebrachte Dementi der Leitung des Brith Trumpeldor! Eine Rekordleistung journalistischer Giftmischerei. Mit den Handlangern dieser Politik abzurechnen, lohnt nicht. Aber an die verantwortlichen Führer der zionistischen Gruppen, die heute zum Zionismus-Revisionismus in Gegensatz stehen, muß die Frage gerichtet werden, ob diese unter ihrer Verantwortung betriebene Verhetzung andauern soll. Daß der Judenstaatsgedanke durch sie nicht ertötet werden kann, ist sicher. Aber ebenso sicher ist, daß die schmähliche Lüge von irgendeiner Verbundenheit des Judenstaatszionismus mit deutschnationaler Häkehkreüzlerel alle Zionisten und Juden schändet, die zionistische Bewegung demoralisiert. G Abermals ein großer Haupt* freffer mit einem Sdielhammer» los gewonnen! Bei der kürzlich stattgefundenen Ziehung der Baulose vom Jahre 1925 entfiel der erste Haupttreffer von S 80.000 auf das seitens des Bankhauses Schelhammer & Schattera, Wien, I., Stephansplatz Nr. 11, gelegentlich der Emission verkaufte Los Serie 4329 Nr. 73. Das Glück scheint auch im Jahre 1933 dem Haupttreffer-Bankhause Schelhammer & Schattera treu bleiben zu wollen. Unsere heben jüdischen „ Volksgenossen I Schäbiger Haß — schäbige Liebe Die Berliner „Deutsche Allgemeine Zeitung", das Hauptorgan des Herrn Hugenberg und seiner deutschnationalen Partei, wartet ihren Lesern urplötzlich mit einer Liebeserklärung an die Juden auf. Ihr Prag er Berichterstatter führt Klage darüber, daß bei der letzten tschechoslowakischen Volkszählung viele Deutsche weggeschwindelt wurden, was zur Folge hat, daß in einigen Bezirken deutschsprachige Gerichte \ und Aemter verschwinden werden. Dann schreibt er: „Das würde häufiger vorkommen, als es heute geschieht, wenn man nicht auf die List verfallen wäre (in der Tschechei beiläufig nicht anders als auch sonst in den neuen Staatlichkeiten), den Begriff der ,j ü d i* sehen Nation' einzuführen. Das erleichtert den Juden den Rückzug von dem Volkstum, zu dem sie in der alten Monarchie sich bekannt hatten. Wer erst einmal bei der jüdischen Nation sich hat einschreiben lassen, findet dann wohl auch in fünf oder zehn Jahren den Uebergang zum tschechischen Herrenvolk. Zur Ehre der deutschböhmischen Juden wird man feststellen dürfen, daß sie von der vergoldeten Brücke, die ihnen die Tschechen hinhielten, im allgemeinen keinen Gebrauch gemacht haben. In der Slowakei, wo der ostjüdische Einschlag ohnehin näher und stärker ist, sind sie scharenweise vom Magyarentum abgewandert. Das Deutschtum, im geschlossenen Sprachgebiet und auch in Prag, verlor auf solche Art wohl wenig. BL »DAHEIM« SEMMERING Wolfsbergkogel, Tel. 82, Auskunft Wien Tel. R-K-0-21 Neue Leitung: Dir. ERWIN GUNST Erstkl. Küche Täglich 5 Uhr The Dansant Abendkonzert HB PENSION S 10.- aufwärts H Wer schon früher den Tschechen sich zugesellt hatte, blieb natürlich drüben. Die anderen, obschon die Nordböhmen durchziehenden Strömungen es ihnen nicht eben leicht machten, harrten auch bei den verfolgten und entmachteten Deutschen aus. Diese Juden lieben das historische Prag, das doch eben das deutsche Prag war. Sie hatten einst, durch sehr namhafte Spenden, das Neue Deutsche Theater schaffen helfen. Sie haben auch heute noch für deutsche, zumal kulturelle Belange immer eine offene Hand. Allein schon die akademiche mensae, für die bedrängte, allenthalben zurückgesetzte deutsche Studentenschaft Prags eine Lebensnotwendigkeit, wären ohne die Unterstützung wohlhäbiger jüdischer Bürger kaum durchzuhalten. Der eine oder der andere bringt wohl auch noch mehr als materielle Opfer. Es' gibt unter diesen Juden auch deutsche Bekenner. Männer, die unter Umständen eher ihr Staatsamt hinwerfen, als daß sie dem Volkstum untreu werden, in das, seit Generationen, sie hineinwuchsen. Ich zähle nicht zu den Oberflächlingen, die — gerade im Bereich deutscher Menschheit — das Vorhandensein des jüdischen Problems leugnen. Habe volles Verständnis auch für den Kampf, den, in Brünn wie in Prag, die deute sehen Studenten gegen das massenhaft eindringende Ostjudentum zu führen haben, das in Hörsälen, Laboratorien und Kliniken ihnen den Platz nimmt und das wissenschaftliche und gesellschaftliche Niveau drückt. Um so mehr schien es mir Pflicht auszusprechen, was ist. Und, hoffentlich, so auch in Zukunft bleibt." Lange bevor es noch eine HitlersPartei gegeben hatte, haben die Deutschnationalen, also Herr Hugenberg und seine Zeitungen und Organisationen, mit der Judenhetze eingesetzt. Der heute noch streng gewahrte „Waidhofe n e r"*Beschluß, wonach alles aus jüdischem Mutterleib Kommende ehrlos ist, wurde von Deutschnationalen gefaßt, bevor noch Hitler auf der Welt war. Der akademische und allgemeine gesellschaftliche Boykott wird überall von Deutschnationalen geübt, mindestens ebenso streng wie seitens der Hakenkreuzler. Alle Maßnahmen gegen jüdische Professoren, Studenten, Künstler usw. gehen von deutschnationalen Behörden aus, die Hakenkreuzler besorgen meistens nur das Beifallsgeheul. Und gar in deutschen Teilen der Tschechoslowakei, gerade dort, wo man doch die beste Gelegenheit hätte, sich den „wohlhäbigen, ehrenhaften deutschböhmischen Juden" dankbar zu erweisen. Dort gibt es nur Fußtritte, Anpöbelungen. Aber in Berlin, in der Berliner Zeitung setzt man ihnen ein Ehrenmal. Ja, man frißt gerne aus ihrer Hand und nimmt gerne ihre Stimmen bei der Volkszählung.. Die Wahl tut einem wirklich wehe: zwischen dem blutrünstigen Geheul der Hakenkreuzler und der schäbigen Verlogenheit der Hugenberg-Leute. Ob die unentwegten „deutschböhmischen" Juden wohl auf dieses Lob sehr stolz sein werden? Berliner Nachrichten. Delegiertentag. Diejenigen Gesinnungsgenossen, die als Delegierte oder Gäste von auswärts am Delegiertentag (8. Jänner 1933) der deutschen Revisionisten teilnehmen, werden hiemit aufgefordert, sich rechtzeitig beim revisionistischen Büro (Berlin- Charlottenburg, Joachimsthalerstraße 3/II) anzumelden. Der Anmeldung ist hinzuzufügen, ob auf billige Kost und Logis reflektiert wird. Das Fest der „Menorah". Am 7. Jänner 1933 (Logenhaus, Kleiststaße 10) und am 8. Jänner 1933 (Haverland-Festsäle, Neue Friedrichstraße 35) findet das mit großem Interesse erwartete Fest der „Menorah" statt. An beiden Abenden Beginn Va9 Uhr. Karten (von M. —.60 bis 1.—, Jugendliche M. —.30) im revisionistischen Büro, Berlin-Charlottenburg, Joachimsthalerstraße 3, Tel. J 1, Bismarck 55-90. Aus dem Programm: Leo Kopf dirigiert das jüdische Kammerorchester; erstes Auftreten der jüdischen Spieltruppe „Menorah" mit dem Makkabäer-Lehrspiel „Durch Kampf zum Sieg" von Robert Schiftan; Bethar-Revue „Mit dem Auto ins Heilige Land"; Festreden: Dir. G. Kareski und Rabb. Dr. E. Cohn; H. RosenblUth singt hebräische Lieder; es singen und spielen der Chor und das Marschorchester des Brith Trumpeldor, Berlin. Vortrag Dr. Friedländer. Am 22. Dezember fand der erste Werbevortrag der revisionistischen Ortsgruppe im Zentrum Berlins im Cafe Dobrin (Hakescher Markt) statt. Herr Dr. F. Friedländer sprach über das Thema „Judentum in Gefahr!". Er gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Judennot in ihren verschiedensten Formen und begründete hieraus das Entstehen des Zionismus. Er setzte sich eingehend mit der bürgerlichen und roten Assimilation auseinander, wies auf die Momente, die der Zionismus in diesem Zusammenhang zu tun verabsäumte, und schloß mit einem warmen Appell zur Rückkehr zum Zionismus Herzls. Stürmischer Beifall belohnte die Ausführungen des Redners. Der Vorsitzende P. F e i w e 1 erteilte in der nunmehr folgenden Debatte Herrn Ernst Hamburger das Wort, der sich eingehend mit der Lage der Juden in Deutschland befaßte und die Absurdität der Asslmilanten-Ideologle nachwies. Herr Felsenberg sprach hauptsächlich über die Frage Ost- und Westjudentum und behandelte. Ja diesen) Zusammenhang die. Frage der Arbeiterschaft