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Die neue Welt · 1933-01-06 · Heft 278 (6.1.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 278 (6.1.1933)
Date
1933-01-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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rgetl«l~ Wf. 271 — Hlstadruth Iwrilh-Brilh Iwrith Olamilh Mi ilik-Joligileier 14. Jänner 1933,8 Uhr abends, im großen Fest- Mal des Hotel Continental, il, Taborstr. 4 Eröffnungsrede (hebr.) Piäsident Dr. D. Rothblum / Festrede (deutsch) Prof. Dr. A. Sonne Ferner wirken mit: die 9jährige Klaviervirtuosin Evi Wächter, Violinvirtuosin Ada Baumin» gar. Konzertsängerin Hilde Ouütskaja und Winkler / Rezitation: Jehuda Ehrenkrans Kartenvorverkauf: Keren Kajemeth, I, Kärntnerstraße 28, Bücherstube Rath, Ii, Taborstraße 20, bei den Mitgliedern der Histadruth Iwrith und an der Tageskassa. wandte von Landeseinwohnern verteilt werden. Auf die 2000 der ersten Kategorie wlirden dann 8000 Seelen hereinkommen und auf die 2100 der zweiten bei vorsichtiger Wertung der bestehenden Erfahrungen etwa 2600, zusammen also 10.600. Statt dessen hat die Agency die Zertifikate folgendermaßen verteilt: 600 für den Mittelstand, 250 für Saloniki und den Jemen, praktisch also ebenfalls für Mittelständler und orientalische Juden oder jedenfalls Familien mit Kindern, und weitere 150 bis 200 für kleinere Länder,* in denen es keine Chaluzbewegung gibt und aus denen ebenfalls nur eine Verteilung an Mittelständler in Frage kommt. Das ergibt zusammen maximal 950 Zertifikate für diejenigen Schichten, die zu der Kategorie der Kinderreichen gehören, 1200 Zertifikate wurden für Verwandte von hier ansässigen Juden bestimmt und 1950 für Chaluzim, also zum allergrößten Teil unverheiratete Arbeiter. Daher kann man auf die 4100 Zertifikate nur eine Einwanderung von etwa 5700 Seelen erwarten, also nur wenig mehr als die Hälfte des nichtjüdischen Geburtentiberschusses. Die passive jüdische Innenpolitik der Zionistischen Organisation hat den durch diese Immigrationspolitik bewirkten Bückgang der Geburtenziffer noch dadurch verstärkt, daß sie die Auflösung der schon im Lande befindlichen kinderreichen Orthodoxie fördert. Denn sie hat nichts getan, um zu verhindern, daß gerade die Gruppe der Atheisten, Sozialisten und Liberalen, also der Kind er armen oder Kinderlosen, zur tonangebenden gesellschaftlichen Oberschicht wurde. Wie Uberall, ahnen aber auch in Palästina die mittleren und unteren Bevölkerungsschichten die oberen nach. Und da die Oberschicht atheistisch ist, werden auch die aufstrebenden Söhne und Töchter der religiösen Mittel- und Unterschicht atheistisch. Belm Aufgeben des. Religionsgesetzes und der Tradition fangen sie aber begreiflicherweise mit den unbequemsten Vorschriften (und Ideen) an. Daher wird nicht das Schaletessen am Sabbat, sondern das Verbot antikonzeptioneller Mittel und die Vorstellung, daß es ein Glück ist, Kinder zu haben, als erstes beiseite getan. Vernünftigerweise hätte eine zionistische Politik, ganz gleich, wie ihre Führer zur Religion oder zu sozialen Fragen stehen, um der Erreichung des zionistischen Ziels willen alles tun müssen, um diese Entwicklung zu verhindern und umgekehrt die religiösen Schichten zu stärken, ihnen zur Führung im Jischuw zu verhelfen und den Kinderreichtum zur conditio sine qua non der Zugehörigkeit . zur gesellschaftlichen Oberschicht zu machen. Man darf sich nicht zu dem Trugschluß verleiten lassen, daß auch bei den Mohammedanern der Geburtentiberschuß zu sinken beginnt, weil die Geburtenziffer per tausend vom Jahre 1930 zum Jahre 1931 so stark gefallen ist. Dieser Bückgang ist nur scheinbar. In den Jahren 1923 bis 1930 wurde die Bevölkerung nämlich durch Hinzufügung des Geburtenüberschusses zu dem Ergebnis der Volkszählung von 1922 unter Zuzählung des Einwanderungsuberschusses oder Abzug eines Auswanderungsüberschusses errechnet. Dabei wurde die seßhafte Bevölkerung berücksichtigt; die 103.301 Beduinen (durchwegs Mohammedaner), die 1922 gezählt wurden, blieben außer Betracht. Bei der Volkszählung von 1931 ergab sich aber, daß die mohammedanische Bevölkerung einschließlich Beduinen, um rund 49.000 und die christliche um rund 7000 Seelen größer ist, als sie bei Addition des Geburten- Uberschusses von 1923 bis 1931 zu dem Ergebnis der Volkszählung von 1931 sein durfte. Bei den Juden, bei denen eine verhältnismäßig noch größere Differenz besteht, wird sie vollständig durch den Einwanderungsüberschuß unter Einschluß der 1931 registrierten 5000 illegalen Immigranten ausgeglichen. Bei Mohammedanern und Christen gibt es keinen derartigen Ausgleich. Da die Geburten- und Todesfälle seit 1925 ziemlich genau erfaßt werden und. die Ungenaulgkeit vor 1925 nicht ausreichen wurde, um eine so große Differenz auch nur annähernd zu erklären, bleiben nur zwei Möglichkeiten offen: Entweder die Zählung von 1922 stimmte nicht, es gab damals also mehr Mohammedaner und Christen, als registriert wurden, oder die Zählung von 1981 war falsch und es gibt weniger Mohammedaner und Christen, -als sie verzeichnete. Die Regierung neigt, soweit sich in Erfahrung bringen läßt, der ersten Annahme zu und meint, daß 1932 ein großer Teil der Araber nicht erfaßt wurde. Ihr Grund dafür ist, daß die Zählung damals einen Uebersohuß von Männern Übet Fraueu ergab, während normalerweise die Zahl der Frauen größer ist als die der Männer. Aber die jetzige Zählung, an deren Richtigkeit die Regierung glaubt, zeigt dieselbe Erscheinung: Wieder ist die Zahl der Männer größer als die der Frauen. Andererseits führt die Regierung, soweit sich feststellen läßt, den merkwürdigen Sturz der Ziffer für die Beduinen (rund 37.000 Seelen) u. a. darauf zurück, daß sie 1922 viel zu hoch eingesetzt wurde, da eine richtige Zählung nicht stattfand. Wenn das stimmen würde, dann spräche es gegen die Theorie, daß die Zahl der Mohammedaner damals unterschätzt wurde. Dann müßte aber die Zahl der Mohammedaner und wahrscheinlich auch der Christen bei der Zählung von 1931 übertrieben hoch angegeben worden sein. Ist das der Fall, dann wurden aber die mohammedanische und die christliche Geburtenziffer für 1931 mit einer zu hohen Bevölkerungszahl verglichen und die beiden Geburtenraten per Tausend wären dementsprechend höher, als aus der Tabelle hervorgeht. War aber umgekehrt die Ziffer der christlichen und mohammedanischen Bevölkerung 1922 nicht vollständig erfaßt worden, so ist die Geburtenziffer für die Angehörigen beider Religionen für die Jahre 1923 bis 1930 mit einer zu niedrigen Bevölkerungsziffer verglichen worden, ist also niedriger, als die Tabelle angibt. In beiden Fällen verschwindet der starke Rückgang der Geburtenrate von 1930 auf 1931. Wahrscheinlich ist aber die Annahme richtig, daß die Mohammedaner 1922 nicht vollständig erfaßt wurden und ihre Zahl In Wirklichkeit größer war. Denn die Geburtenrate, die sich auf Grund des Volkszählungsergebnisses von damals ergibt, ist anormal groß, höher als in den arabischen Nachbarländern und überhaupt irgendeinem Lande der Welt. Daher ist anzunehmen, daß die Zahl der Geburten von 1923 bis 1930 in der Tat auf eine zu kleine Bevölkerung bezogen wurde und die wirkliche Geburtenrate (Geburten per tausend Seelen) niedriger liegt. Auoh die jüdische Geburtenrate für 1923 bis 1930 ist noch etwas niedriger, alsdieTabelle angibt, und daher ist auch bei den Juden der Rückgang von 1930 auf 1931 schwächer. Denn die Ziffern für die jüdische Bevölkerung, mit denen die jährliche Geburtenzahl zur Errechnung der Rate per tausend , Seelen verglichen wurde, enthielten vor 1931 nicht die 5000 illegal eingewanderten JUden, die sich bei der letzten Volkszählung registrieren ließen. Aber auch die Rate für 1931 ist in der Tabelle noch etwas zu hoch angegeben. Denn nach Schätzung der Regierung sind auch bei dieser Zählung 1000, nach Schätzung von jüdischer Seite sogar 5000 Juden nicht erfaßt'worden. Die Ziffer der jüdischen Bevölkerung, mit der die Geburtenzahl für 1931 zu vergleichen wäre, müßte daher entsprechend erhöht werden. (Zum Verständnis sei bemerkt, daß die Geburten auch der illegal eingewanderten und bei der Volkszählung nicht eingeschriebenen,' Juden vollständig registriert werden,), Aus * dem Schluß, daß die ..Volkszählung von 1932 . die Zahl der äloliammedanpr z u niedrig angab, ergibt sich aber noch eine höchst wichtige Folgerung: Man kann daraus mit an Gewißheit grenzender Wahrscheinlichkeit schließen, daß die Zahl der Beduinen damals um gut 100.; Prozent z u hoch eingesetzt wurde. Das müßte man aber annehmen, wenn man den Rückgang von 103.331 auf 66.000 bei der letzten Zäh- { lung damit erklären will, daß die erste Ziffer übertrieben ' war. Denn die 66.000 im Jahre 1931 gezählten setzen ja wegen des Geburtenüberschusses seit 1932 ] eine noch kleinere Ziffer für damals voraus. Die Auswanderung kann auch nicht als Erklärung für diese Halbierung dienen, denn der ganze mohammedanische Auswanderungsüberschuß für die Zeit vom Oktober 1922 bis Juli 1929 betrug 3198 Seelen und seit damals hat er sich aller Wahrscheinlichkeit nach in einen kleinen jährlichen Einwanderungsüberschuß verwandelt. (Der Bericht der Mandatsverwaltung für 1930 führt leider nur die mohammedanische Auswanderungsziffer von 526 Seelen an, ohne anzugeben, wieviel Mohammedaner unter den 1324 eingewanderten Nichtjuden enthalten sind.) Also müssen sich In der Zeit von Herbst 1922 bis Herbst 1931 über 37.000 Beduinen seßhaft gemacht haben. Und zwar muß das zum größten Teil auf dem Lande geschehen sein, denn der Anteil der städtischen Bevölkerung an der gesamten Einwohnerzahl ist, wenn man Tel-Awiw abzieht, in dem es praktisch keine Araber gibt, unverändert geblieben. Er betrug 1931 wie 1933 82,6 Prozent (ohne Tel-Awiw). Während das Kolonialamt durch seine ganze Propagandamaschinerie in aller Welt verbreiten läßt, daß die schwerreichen Juden, die bekanntlich nur aus Rothschilds, Melchetts, Warburgs und Bolschewiken bestehen, in dem von typisch jüdischer Ausbeutungssucht getragenen Bestreben, ihr geraubtes Land und ihre verlorene Freiheit wiederzugewinnen, die armen, unglücklichen Araber, die bekanntlich nirgends auf der Welt ein Stückchen Land besitzen, von der S cholle zu verdrängen, ist also der größere Teil von mehr .als 3 7.0 00 Beduinen auf dem Boden Palästinas ansässig geworden. Die Zahl der von den Juden „verdrängten" Araber aber, die der Sachverständige des Kolonialamts, Lewis French, nach einer langen, die letzten 50 Jahre umfassenden Untersuchung ausfindig machen konnte, beträgt einige hundert. Weswegen es offensichtlich höchstes Gebot der Gerechtigkeit und Humanität ist, durch geeignete. I administrative, gesetzgeberische und politische Maßj nahmen die Juden an der Wiedergewinnung ihres geraub- I ten Landes und ihrer nationalen Freiheit zu hindern. Zionistischer Jugendtag in Wien Wie wir erfahren, veranstaltet die Union der Zionisten-Revisioiiisten Oesterreichs Ende Jänner eilten Jugend tag. Die gesamte jüdische Jagend und Studentenschaft, soferne sie die Lösung der Judenfrage in der Errichtung des Judenstaates sieht, soll an dieser Tagung teilnehmen. Es werden Referate über das politische, wirtschaftliche und soziale Ziel gehalten werden. Die Beteiligung an der Debatte steht für alle Anwesenden frei. Studenten und Jugendliche können Teilnehmerkarten Im Sekretariate, n., Untere Augartenstraße 88* jeden Montag und Mittwoch von halb 7 bis 8 Uhr abends beheben. Das detaillierte Programm der Tagung wird demnächst veröffentlicht. Zum Vortrage Ing* R* Ptister Die Zuhörer werden nicht nur Gelegenheit haben, das gigantische Aufbauwerk an einer Reihe vorzüglicher Lichtbilder kennenzulernen. Vielen, die in der Zelt schwerster Krise an eine Existenzgründung in Palästina denken, werden neue Anregungen er« halten, für deren Durchführung der Austro-Palästinensisohe Wirtschaftsdienst seine Dienste unentgeltlich zur Verfügung stellt. Da der Vortrag nur einer beschränkten Zahl von Besuchern zugänglich ist, empfiehlt sich Sicherung von Karten Im Vorverkauf. Gesellsdiafts? und Studienreise nach Palästina 28. Februar bis 28. März 1938 Veranstalter: Austro-palästinensischer Wirtsehaftsdienst. Preis: Von Wien bis Wien — alles inbegriffen — S 500.— und engl. Pf. 18.—. Aegyptenarrangement engl. Pf. 8.—. Auskünfte und Prospekte kostenlos durch Austro-palästinensischen Wirtschaftsdienst, Wien. DL» Berggasse 16 (Handelsmuseum), Montag und Donnerstag von halb 5 bis 6 Uhr nachmittags, Telephon A-17-5-40 Serie oder durch die Reiseleitung: Frau Berta Taubes, Wien, n., Böcklingstraße 92, Telephon B-51-705, an allen Werktagen. Wer ist Spinoza? Das „.Hamburger Isr. Familienblatt" berichtet aus Amsterdam: Gelegentlich der Dreihundertjahrfeier des Geburtstages von Spinoza, der in der ganzen Welt gefeiert wurde, kam ein hiesiger Journalist auf den Gedanken, eine klejine Umfrage zu veranstalten. Er fragte .15 Einwohner von Amsterdam, die den verschieden« I sten Bevölkerungsschichten angehörten, wer Spinoza war. Unter ihnen befand sich ein Schneider, eine Stenotypistin, ein Kellner, ein Bankbeamter, ein Zeitungssetzer, ein Kaufmann, ein Seemann usw. Unter den 15 befragten Personen gab es nur zwei, den Bankbeamten und den Zeitungssetzer, die wußten, wer Spinoza war. Acht von ihnen kannten seinen Namen nur von der Spinoza-Straat, zwei antworteten, es sei ein Augenarzt. (Tatsächlich gibt es in der Spinoza-Straat eine Augenklinik.) Drei andere, ein Postbeamter und der Kellner, wußten von Spinoza nur, daß er Jude war. Aber damit waren ihre Kenntnisse erschöpft. Um eine Gegenprobe zu machen, fragte der Journalist sämtliche 15 Leute auch nach dem Namen des Torhüters der holländischen National-Fußballmannschaft. Den kannten sie alle ohne Ausnahme. Armer Spinoza! Berittene Polizei sprengt den von Dr. Kraus geführten Demoufttrattönszug in New York Die „Neue Welt" hat über den von Dr. Kraus durch einen achttägigen Hungerstreik erzwungenen Beschluß, wegen der Mißhandlung jüdischer Studenten in Polen vor dem polnischen Generalkonsulat in New York aufzumarschieren, berichtet. Ueber den Verlauf dieser Demonstration meldet die J. T. A. aus New York: Ueber 3000 jüdische und nicht jüdische S t u d e n t e n des New Yorker City College, der Columbia University und der Hunter University von Long Island nahmen an der von Dr. Artur KrauB geführten Demon- , stration zum polnischen Generalkonsulat als Protest gegen den Universitätsantisemitis- :mus in Polen teil. Vor dem Konsulat wurde der Zug durch berittene Polizei aufgelöst, wobei es zu tumultuösen Vorfällen kam. In der zur Ueberreichuhg an den polnischen Generalkonsul vorbereiteten und von den Demonstrierenden angenommenen Resolution wird die polnische Regierung aufgefordert, die antijüdischen Ausschreitungen zu verhindern; dies könne sie tun, wenn sie es wirklich wollte. ^liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiis |Guteinge^ j vfesgtan*^ | j 2 im 2. Bezirk» krankheitshalber zu ver- | 2 pachten. Unter „Gesicherte Existenz § 2 und ausbaufähig" an die Expedition 5 2 dieses Blattes | i nuiiiiiuimiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiifmiiiiiiiiniiiiiimirl

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