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Die neue Welt · 1933-01-06 · Heft 278 (6.1.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 278 (6.1.1933)
Date
1933-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 278 Seite 9 H UNION DER ZIONISTEN-REVISIONISTEN OESTERREICHS* :: Zur Aufführung gelangt ♦ das berühmte Lustspiel Am Mittwoch, den 11. Jänner 1933, veranstalten wir zugunsten unseres Heimfonds und Chaluzfonds eine SONDERVORSTELLUNG HERSCHELE 0STR0P0LER ,m THEATER „REKLAME" von M. iSFTI CHITX mtvmtwifknnadtrSdtostpfsltr dir WilnatrTroppe 11/ PRATERSTRASSE 34 Vorverkauf: „Neue Welt", II, Untere Augartenstr. 38, Tel. A-45-6-34; Paula Stricker, II, Hollandstr. 10, A-48-1-89; Theodor Grubner, IX,Wasag.l7, A-l1-0-10; Buchhandlung M. Rath,II,Taborstr.20a; LS. Chajes, lI.Hollandstr.il, A-48-4-57 hat Prof. Brodetzky nicht entsprochen. Wenn man in Betracht zieht, daß er tags vorher über die Gefahr der kommunistischen Assimilation bewegliche Klage geführt hat, ist diese Vorgangsweise eines Führers noch unverständlicher. Debatte im englischen Unterhans über Benachteiligung der Juden bei den öffentlichen Arbeiten in Palästina ' Im englischen Unterhaus richtete der Arbeiterparteiler David Adams an den Kolonienminister Sir Philip Gunliffe-Lister die Frage, ob er wisse, daß Ende f931 unter den bei öffentlichen Arbeiten in Jerusalem beschäftigten 280 Personen sich nur vierzig Juden befunden haben, dies, obwohl die Juden nahezu 60 Prozent der Jeru&alemer Gesamtbevölkerung ausmachen; ob er ferner wisse, daß Ende 1931 im palästinensischen Norddistrikt von insgesamt 480 bei öffentlichen Arbeiten Beschäftigten nur fünfunddreißig Juden waren; ob er schließlich Schritte machen wolle, um das in dem Schreiben des Premierministers Macdonald an Dr. Weizmann vom 13. Februar 1931 gegebene Versprechen in die Tat umzusetzen. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Ich habe Kenntnis von dem Memorandum der Jewish Agency, dem diese Statistiken entnommen sind. Aus dem Inhalt des Memorandums geht klar hervor, daß die Jerusalem betreffenden Zahlen sich auf von der J erusalemer Munizipalität durch geführte öffentliche Arbeiten beziehen. Hinsichtlich des Norddistrikts verfüge ich über keine offiziellen Zahlen. Die Beratungen zwischen der Palästina-Regierung und der Exekutive der Jewish Agency über die Fesfcsteilung des jüdischen Anteiles an öffentlichen Einkünften haben keine weiteren Fortschritte gemacht; die Regierung befaßt sich gegenwärtig mit der Festsetzung des Beschäftigungsanteiles der Juden an den öffentlichen Arbeiten. * Nach dem jüdischen Proteststurm, welchen das berüchtigte antizionistische „W e i ß b u c h" Lord Passfields, des Kolonialministers der Arbeiterregierung, erregt hatte, richtete Premierminister Macdonald an den damaligen Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Weizmann ein Schreiben, in welchem den Zionistetn alles mögliche, darunter ausreichende Beteiligung jüdischer Arbeiter und Unternehmer an öffentlichen Arbeiten in Palästina versprochen wurde. Während Dr. Weizmann und seine Freunde diesen Brief als großen Erfolg und die Garantie für die Zukunft hinstellten, lehnte die zionistische Opposition den Brief, sowohl in Hinsicht auf seinen Verfasser als auch seine hinterhältige Form, als leeren Beschwichtigungsversuch ab. Jetzt erweist es sich, wer recht hatte. Zwei Jahre nach dem schönen Brief sind die Juden von den öffentlichen Arbeiten so gut wie ausgeschlossen und der derzeitige Koloniallerischen Richtung in unserer Literatur, nach einem Quell, der so reich floß wie bei Tolstoi, Turgenjeff und Gogol. Ich fand ihn zum Teil bei S c h a 1 o m AIejehern, bei den Jüngeren, bei den Russen und bei den Europäern. Mendele hat bei allen ihm anhaftenden „Merkmalen" ewige Züge getragen, und da sollte er in fünfzehn Jahren vergehen? Kurze Zeit später begann er selbst seine Werke ins Hebräische zu übersetzen. War das der Weg in die Ewigkeit, wie die Hebräisten es haben wollen, oder etwas anderes? Ich glaube — etwas anderes war es m e h r. Er selbst wollte sich künstlerisch umgestalten. Der ewige Sucher hat hier die beste Methode gefunden. Seine hebräischen Uebersetzungen besitzen, ein bedeutend höheres künstlerisches Niveau. Das war mein Eindruck. Fünfzehn Jahre nach Drianows Bemerkung ist Mendele Mocher Sforim (Schalom Jakob Abramowitsch) gestorben. Es wäre interessant, etwas über seine letzten Lebenstage zu erfahren. Hat er den Tod kommen sehen und mit ihm Frieden gemacht? Hat er willig die Mission seinen Werken überlassen, er, dessen Leben, dessen Gang, dessen Höhe, dessen Blick und Gedanke alles überragte? Hat Drianow damals am Begräbnistag geglaubt, daß der „Großvater" der jüdischen Literatur gleichzeitig mit seinem letzten Leser gestorben ist? Auch in H ebräisch? Ich glaube nicht daran. Ein Gefühl sagt mir, daß Heute, fünfzehn Jahre nach seinem Tode, Mendele mehr in Hebräisch als in Jiddisch gelesen wird. Mendele, der Klassiker, ist ewig. Sein Wort bleibt echt, so wie er es geformt hat. Seinen Einfluß in der jüdischen Literatur möchte ich aber je rascher, desto lieber verschwinden sehen, insolange nicht der letzte Leser entlaufen ist, der in der Literatur nur eine — Metbode sieht. minister des nämlichen Herrn Macdonald begnügt sich mit der Feststellung, daß die Verhandlungen keine weiteren Fortschritte gemacht haben! Die neue jüdische Landwirtschaftsschule in Palästina Auf eine Anfrage von Barnett J a n n e r im englischen Unterhaus bezüglich der Hinterlassenschaft des Schanghaier Juden Kadoorie in der Höhe von 120.000 Pfund für Schulen in Palästina erwiderte der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister, daß die Kadoorie-Landwirtschaftsschule für Araber im Jänner 1931 mit 40 Schülern eröffnet worden ist; über die jetzige Schülerzahl habe er keine Information. Der Bau der Kadoorie-Landwirtschaftsschule für Juden hat sich wegen der Schwierigkeit, ein geeignetes Terrain zu finden, verzögert; diese Schule wird im September 1933 fertiggestellt sein und gleichzeitig zu funktionieren beginnen. Roslere dich besser! einzige schwedische Weltmarke Judentum und Zioni§mu§ Von General Mosche Cohen Seit einiger Zeit berichtet die internationale Presse über den englischen Juden Mosche Cohen, der als militärischer und finanzieller Berater der jungen chinesischen nationale Republik eine bedeutende Rolle im fernen Osten spielt. Mosche Cohen hielt sich kürzlich in England auf, wo er seine Eltern besuchte, und erzählte hiebe! einem jüdischen Pressevertreter über seine Erlebnisse im Weltkrieg und über das jüdische Leben in China. Im nachstehenden geben wir seine Aeußerungen über das Judentum und den Zionismus in China wieder. Es gibt in China eine Reihe blühender Gemeinden, hauptsächlich orthodoxer Juden. In Hongkonk z. B. wohnen ungefähr vierzig wohlhabende jüdische Familien. Sie besitzen eine prachtvolle Synagoge und einen Klub, eine Erbschaft nach der berühmten Wohltäterin Kadoori. Ich muß gestehen, daß an Wochentagen ein Minjan schwer zusammenzubringen ist, hingegen ist die Synagoge an den hohen Feiertagen, zum Teil auch durch Fremde überfüllt. Alles, reiche Thorarollen, ein Rabbiner, ein Kantor und ein Tempeldiener sind vorhanden. Die meisten Juden sind Sephardim, Verwandte IU1IIIIIIIIIIIIIIIIII1I11IIIIIIIIIIIIIIIIIIH w$> Renate Müller u. Geors Alexander 1 vr in dem Lustspielschlag eri 113 BEI TISCH! | LIEBE MACHT MODE | | mit Otto Wallburg, Gisela Wcrbeiirk j | Ein Film von Ph. L. Mayring und Fr. Zeckendorf § j§ nach Egers Lustspiel. Produktion Bruno Duday, § | Regie i'ranz Wenzler. Musik H. O. ßorgmann 1 | Täglich: i | Gartenbau-Kino, I, Ufa-Ton-Kino, II, § 1 Stafa-Kino, VII. Wienzeile-Kino, VI. 1 i Kolosseum-Kino, IX. §f von jüdischen Familien aus Indien. Die Mehrzahl der Juden, von solchen, die jiddisch sprechen, finden sich in Schanghai, wo die einheimischen und fremden, die askenasischen und sephardischen, in völliger Eintracht leben. Die Stadt hat sieben Synagogen; ein Schulgebäude für Kinder wird eben gebaut. Sehr aktiv ist die Bne Brith Loge, die sich auf dem Gebiet der Bildung und der Unterstützung betätigt. Ein schweres Problem bedeutet hier die große Zahl der Juden, die seit der russischen Revolution als Flüchtlinge ins Land gekommen sind. Wenn auch viele von ihnen eine Existenz gefunden haben, sc? gibt es doch eine Menge Familien, die auf die Unterstützung der Bne Brith angewiesen sind. Eine sonderbare Erscheinung sind gewisse „wandernde" jüdische Gemeinden. Sie setzen sich aus Juden zusammen, die über ein paar Monate nach China kommen (hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten), um Seide einzukaufen, den Kreis der jüdischen Gemeinschaft vergrößern und das Land wieder verlassen. Antisemitismus gibt es in China nicht. Eine solche Einstellung habe ich bei keinem Chinesen gefunden. Was den Zionismus anlangt, genießt er in allen jüdischen Kreisen große Sympathie und es gibt auch alljährlich Sammlungen für die jüdischen Fonds. Der verstorbene chinesische Minister Dr. Sunjatsen war ein enthusiastischer Anhänger der zionistischen Idee und es ist bekannt, daß das offizielle China mit den Bestrebungen zur Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina sympathisiert. Das läßt sich vielleicht damit erklären, daß China sehr viel für die militärisch schwachen Nationen übrig hat, Ich beteilige mich aktiv am jüdischen Leben in China. Ich bin Mitglied der Gemeinde und der Bne Brith 'und habe in Hongkong und Schanghai an allen jüdischen Wohltätigkeitsaktionen teügenommen. Gerade jetzt unterhandle ich wegen Ankaufs eines Grundstücks für die jüdische Synagoge, das einer christlichen Missionsgesellschaft in Canada gehört. Es besteht auch die Absicht, in Schanghai eine jüdische Schule und ein jüdisches Spital für Mittellose zu errichten. Als ich vor zwei Iahren in England war, kam ich mit den offiziellen zionistischen Führern in Berührung und erhielt von ihnen viel zionistisches Material. Ich ließ es ins Chinesische übersetzen und machte in chinesischen Kreisen Propaganda für das zionistische Programm. Bezüglich meiner englischen Staatsbürgerschaft kann ich nur das eine sagen: Sie hat mir im Fernen Osten nie geschadet, denn mein Amt und meine Geschäfte sind kein Geheimnis. Und ebensowenig hat mir das Judesein in China geschadet. Ich habe als Jude meine Karriere gemacht. Die verfehlte Einwanderung§poHtik in Palästina Von Ernst Davis, Jerusalem (Schluß) 'f Während Ernst Davis im ersten Teil seines Aufsatzes die Bevölkerungsbewegung in Palästina mit Hilfe des statistischen Materials Uber Geburten, Todesfälle und Einwanderung charakterisiert, zieht er im zweiten Teil seiner Ausführungen die politischen und sozialen Konsequenzen. Von grundlegender Bedeutung Ist hiebe! der Umstand, daß Davis auf Grund seiner Ergebnisse die Notwendigkeit betont, das jüdische Einwanderungsmaterial nicht nach einseitigen Gesichtspunkten auszuwählen, sondern entsprechend den Bedürfnissen des jüdischen Aufbaues zu bestimmen. Diese Entwicklung zeigt, wie falsch von Grund auf, wie geradezu antizionistisch die Elnwanderungs- und Innenpolitik der Zionistischen Organisation ist. Eine zionistische Einwanderung»- und Innenpolitik hätte alles tun müssen, um die jüdische Geburtenziffer nach Kräften zu steigern. Sie hätte daher solche Elemente ins Land bringen müssen, die viele Kinder in die Welt setzen. Das sind orthodoxe und orientalische Juden und (nicht auagesprochen) orthodoxe, aber in ihren Anschauungen und Lebensgewohnheiten immerhin konservative Leute des kleinen Mittelstands. Diese Bevölkerungsschlohten haben in Palästina die kinderreichen Familien, während in der atheistischen, liberalen und sozialdemokratischen Schicht das Ein- und Zweikindersystem herrsoht und auch kinderlose Ehen vorkommen. Die zionistische Einwanderungspolitik bat aber umgekehrt gerade die zweite, kinderarme Gruppe Ina Land gebracht und in jeder Welse gefördert. Ein Beispiel zeigt am besten, wie die Immigrationspolitik vom zionistischen Standpunkt aus sein sollte und wie sie tatsächlich ist: Die Jewish Agency hat für das halbe Jahr vom 1. Oktober bis zum 30. März 4100 Einwanderungszertifikate bekommen. Von den offiziell gewährten 4500 behielt sich die Regierung 400 zur Verteilung an Touristen, die hier bleiben wollen, zurück.) Jeder Einwanderer kann auf sein Zertifikat seine Frau und Kinder unter achtzehn Jahren mitbringen. Da der arabische Geburtenüberschuß bei rund 21.000 Seelen im Jahr, in sechs Monaten rund 10.600 Seelen beträgt, hätte die Agency die Zertifikate so verteilen müssen, daß sie mindestens ebensoviel Juden ins Land bringt, damit der Ausgleich des arabischen Geburtenüberschusses in jedem Fall garantiert ist und der jüdische Geburtenüberschuß wie die unsichere Einwanderung der Kapitalisten (Leute mit mindestens 1000 Pfund) und Touristen nur einen Nettogewinn bilden, der uns der jüdischen Bevölkerungsmebrhelt näherbringt. Wenn man annimmt, daß die Familien der orthodoxen, orientalischen und mlttelständlerischen Juden im Durchschnitt zwei Kinder unter achtzehn Jahren haben, so hätten mindestens 2000 Zertifikate für diese Kategorie bestimmt werden müssen und die übrigbleibenden 9100 konnten dann auf Arbeiter und Vet*

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