Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 277 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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r Sei!« I " DIE NEUE WELT Nr. 277 ein größerer Bin Wanderungsüberschuß nötig ist als vor 1928. Statt dessen ist er um fast zwei Drittel kleiner! Je kleiner die Einwanderung ist, um so mehr muß der Unterschied zwischen dem jüdischen und dem nichtjUdischen Geburtenüberschuß wachsen. Denn man darf nicht vergessen, daß im Durchschnitt der Jahre 1927 Ms 1931 statt einer Vergrößerung dieses Unterschiedes eine Verkleinerung hätte erfolgen müssen, da ja die jüdische Bevölkerung inzwischen durch die Einwanderung gewachsen ist und auch die Einwanderer Rinder bekamen. Mit anderen Worten: Hätte es keine Einwanderung gegeben, hätten sich die Juden wie die Araber seit der Volkszählung von 1922 nur durch den Geburtenüberschuß vermehrt, so wäre der Unterschied zwischen dem jüdischen und dem nichtjüdischen Bevölkerungsüberschuß ganz rapid gewachsen. Denn wie die folgenden Ziffern zeigen, ist der Geburtenüberschuß bei den Juden pro Tausend der Bevölkerung niedriger als bei den Nichtjuden: Geburtenüberschuß per 1000 der Bevölkerung Jahr Juden Christen Mohammedaner Andere Nichtjuden zusammen 1923 . 22,0 20,0 21,7 25,6 37,0 21,8 1924 . 25,7 23,6 19,7 25,3 1925 . 18,1 18,4 23,5 28,8 22,9 1926 . 23,9 22,1 31,6 . 20,0 22,1 30,4 1927 . 21,6 18,8 23,0 22,3 . 1923 . 23,2 21,5 25,9 24,6 25,3 1929 . 22,8 19,9 26,1 17,0 25,9 1980 . 23,8 22,8 32,4 25,8 31,1 1931 . 22,2 22,1 24,6 33,3 24,4 ßls 1928 einschließlich wurden die Ziffern wieder dem Statistischen Handbuch entnommen, für 1929 und 1930 den Regierungsberichten an den Völkerbund, während sie für 1931 auf Grund der Volkszählung und der Angaben des Gesundheitsdepartements der Regierung über die Geburten und Todesfälle berechnet wurden. Sie zeigen, daß der nichtjüdische Geburtenüberschuß seit 1925 dauernd über dem jüdischen liegt. Da nach den Angaben des Handbuchs die Ziffern vor 1925 nicht vollständig waren, ist es nicht ausgesclüossen, daß er auch vorher schon größer war. Wenn man die Ziffern der Geburten und Todesfälle betrachtet, aus denen Sich der Geburten- Überschuß ergibt, dann zeigt sich außerdem, und das ist das Wichtigste, eine ganz deutliche Tendenz zur Steigerung der nichtjüdischen Geburtenziffer. Die jüdische dagegen sinkt: Geburten luden Christen Mohammedaner Andere Jahr Zahl p. Mille Zaln p. » He Zah' p Mi le Zahl |> Mille 1923 3276 36,6 2566 85,7 25.147 51,0 55,5 413 53,1 1924 8623 38,3 2969 40,4 28.048 315 39,0 1925 4000 33,2 2777 37,2 28.211 54,7 491 59,3 1926 5299 36,0 3025 40,0 31.949 60,2 468 55,0 1927 5182 35,1 2991 38,9 30.586 58,1 434 50,3 1928 5308 35,4 8172 49,4 34.011 61,0 404 45,6 1929 5257 84,1 8036 87,8 33.053 57,7- 396 43,7 1930 5484 33,4 3221 89,0 - 85.517. 60,8 415 49,0 1931 5532 31,7 3339 36,5 36,682. 52,4 494 48,9 Da die Promille-Ziffer der riichtiüdischen Gr».b?irten wegen der erdrückenden Mehrheit .dejr Mohammedaner ganz und gar von der mohammedanischen Geburtenziffer bestimmt, wird, kann diese zur Veranschaulichung der Geburtenbewegung bei der Gesamtheit der Nichtjuden benutzt werden. Es zeigt Sich, daß die jüdische Geburtenziffer pro Tausend mindestens seit 1925 deutlich im Fallen ist, während die mohammedanische mindestens stabil blieb, im Vergleich mit den Jähren 1923 bis 1925 sogar stieg. Die mohammedanische Geburtenziffer pro Tausend ist um ungefähr 66 Prozent größer als die jüdische. Wenn der mohammedanische Geburten- Uberschuß trotzdem nur gelegentlich mehr als 10 Prozent über dem jüdischen liegt, so kommt das nur daher, daß die mohammedanische Sterblichkeit zwei- bis dreimal so groß ist wie die jüdische: gliedern öfterszu Sprachstreitigkeiten. Hie Portugiesisch, hie Jiddisch. Es kam sogar zu harten Kämpfen in diesem Nobelklüb. Endlich fanden die „Kulturkämpfe" ein Ende. Der Circulo Israelita ist nämlich eingegangen. Da wurden selbst die jüdischen Portugiesler sprachlos. Der Sängerkrieg Zwei Wochen - vor Rosen Haschana rüsten die Vereine, damit ihre Kassen aufgefüllt werden, zur AbhaUung eigener Gottesdienste mr antisemitischen Lokalen. Beliebt sind zum Beispiel die Deutsche Turnerschaf t, die Gesellschaft „Germania". u. a. Was halbwegs Talent zum Vorbeten, und einen stahlharten Kehlkopf hat, wird . aufgeboten und tritt in Konkurrenz. Jeden Abend gibt es Prüfungen der Stimmbänder. Man hört an und engagiert schließlich. Eine wahre v^vbeterbörBe. Wenn der große Tag gekommen ist, dann sind die brasilianischen Blätter voll mit photographischen Auf nahmen der Improvisierten Synagogen, und, alleinstehend, die aus. der Konkurrenz siegreich .hervorgegangenen Kantoren in vollem Ornat und reizvoller Reklamepose. Erhebend für das jüdische Gemüt. . . Die ungarische Krone Ihre Verkörperung ist hier der „Ungarische Fußballklub". Jedes Mitgliedsknopfloch ist mit einem Horthy-Emblem in auffallendem Ausmaß ge- Todesf ällc luden Christen Mohamn edaner Andere Jahr Zahl pro Mille Zahl pro Mille Z:iht pro Mille Zahl p.Mille 1923 1310 14,6 1185 15,7 14.424 29,3 125 16,1 1924 1196 12,6 1235 16,8 15.085 29.9 150 19,3 1925 1817 15,1 1408 18,8 16.119 31,2 289 32,5 1926 1782 12,1 1355 17,9 15.186 28,6 297 34,9 1927 1987 13,4 1515 20,1 18.031 33,0 243 23,1 1928 1830 12,2 1488 18,9 19.575 35,1 188 21,0 1929 1820 11,8 1439. 17,9 18.133 81,7 242 28,7 1930 1562 9,6 1340 16,2 18.434 27,9 177 19,2 1931 1649 9,4 1319 14,4 18.011 23,7 158 15,6 Der jüdische Geburtenüberschuß pro Tausend ist also seit 1928 bei sinkender Geburtenziffer nur durch ein gleichzeitiges Sinken der Sterblichkeitsziffer einigermaßen stabil gehalten worden. Der mohammedanische Ge- §diau§pieler der Wilnaer Truppe in Wien „Herscheie Ostropoler" in den „Jüdischen Künstlerspielen" Auf verschiedenen Wegen kann man nach dem jüdischen Wesen forschen. Wirklichkeit, Buch, Bühne —; in diesen drei Bereichen, in diesen . geistig-sozialen Räumen geben eich die Manifestationen des jüdischen Wesens kund. Die V/ilnaer Truppe hat vieles davon realisiert. Heute noch, als Torso, gelingt es ihr, die Erinnerung an ihre große Vergangenheit wachzuerhalten. Nun ist auch der vielgespielte „Herscheie Ostropoler" nach Wien gekommen. M. Lif schütz, der aus der legendären Gestalt des ostjüdischen Till Eulenspiegel . eine vieraktige Komödie formte, ging es darum, im Rahmen einer lockeren Handlung die unsterbliche Figur aus der Anekdote in die jüdische Wirklichkeit zu führen; den jüdischen Witz aus dem engen Anekdotendasein zu erlösen; im Zusammenprall von chassidischem Formalismus und anarchistischer Ungebundenheit eben diese Ungebundenheit, die Freiheit des Geistes und Körpers triumphieren zu lassen. Rebbe Reb Dowidei Schiweter ist ein Gerechter, aber Herscheie Ostropoler ist ein Gesunder. Rebbe Reb Dowidei Schiweter ist ein Bewahrer, aber Herscheie. .Ostropoler ist, efri .JBefreier.., Weiche Freude,?u seilen, wie Josef K a m e n Herscheie Ostropoler anfaßt! Wie er mit den Schellen der Narrenkappe klingelt! Wie 'seine Schalkhaftigkeit die Weisheit übertölpelt! Wie seih Humor das gute Wollen der anderen rettet! Ein Schälksüärr, ein Witzbold, ein Bohemieri, ein — Weiserj \Vohrdem, der solche" Weisheit im Herzen und im Munde hat. In seiner Darstellung geht Josef Kamen bis hart an die Grenze des Blasphemischen, bis hart an die Grenze, nicht weiter. Seiner künstlerischen Noblesse gelingt es, jede Gefühlsverletzung zu vermeiden, dem schüchternsten v.Traditionseinwand" Halt zu gebieten. Ein brillanter Schauspieler,. ein yorjnehmer Psychologe — interessant im äußeren Habitus, originell in der Art, wie er den Niggun, den einprägsamsten aller Niggunim, zelebriert. Hier wird ' eine' geformte' Volksmelodie zum — Schlager, den .man nach Hause nehmen kann. Herscheies Gegenpol, der Schiweter ■ Rebbe, war Jakob Weislitz anvertraut. Man kennt die Würde und Schlichtheit, mit der die Wilnaer ihre Zaddikim spielen. Weislitz hatte diese Würde und Schlichtheit, er hatte schmückt. Eine fast selbstverständliche Sache, werin man weiß, daß 95 Prozent dieses Klubs ungarische — Juden sind, die mit magyarischem Eifer eine national-ungarische Schule zu erhalten mithelfen. Judäo-magyarische Ueberpatrioten fern von der Heimat! „Nationale" Örganisaiionsbesirebungen Die jüdische Kolonie von Sao Paolo zählt bereits an die 15.000 Köpfe. Grund genug, sich national zu organisieren. Natürlich nicht jüdischnational! Die ungarischen Juden haben ihre eigenen Vereine, ebenso die französischen, englischen und syrischen, es gibt einen „Polnischen Verband", die Russen besitzen ihren eigenen Verein, und kürzlich erschien auch ein Aufruf der deutschen Juden zur Gründung eines „Vereins deutscher Staatsbürger mosaischen Glaubens". Wo bleibt ein zusammenfassender jüdischnationaler Verband? Es sieht so aus, als würden sich nun alle Zirkel zu einem „International-interterritorialen Lokalverband"v nichtnationaler israelitischer Vereine auf national Grundlage in Sao Paolo" verbinden! , . 'Mn >ve»fier Rabe Im jüdischen Ambulatorium (Unat . Hazedek); amtierte unter anderen ein . brasilianischer katholischer Arzt unentgeltlich. Er war, wie man erfuhr, aus Ueberzeugung zuni Judentum übergetreten — unter Beobachtung aller vorgeschriebenen rituellen Formalitäten ... Wieviele unserer lieben Stammetfgenossen, sind ausgetreten? 1 : . bnrtenUberschuß pro Tausend ist dagegen seit 1928 infolgo stabiler Geburten- und sinkender äterbHchkeitsziffer gestiegen. Da die jüdische Sterlilichkeitsziffer mm aber so tief gesunken ist, daß sie ihr Fallen kaum noch fortsetzen kann, ist bei weiterem Rückgang der Geburtenziffer jetzt auch mit einer Abnahme des jüdischen Bevölkert! ngs übe r- Schusses pro Tausend z tf rechnen. Andererseits kann das Sinken der mohammedanischen Sterblichkeits- und Geburtenziffer pro Tausend wegen ihrer außerordentlichen Höhe noch weitergehen. Bei der Stabilität der mohammedanischen Geburtenziffer ist daher mit einem Steigen des mohammedanischen Bevölkerungsüberschusses pro Tausend zu rechnen. (Schluß folgt.) auch die stille Einfalt und Demut, ohne die kein Zaddik „vor Gott und Menschen" bestehen kann. Und wio rührend-anmutig die Rebbezin der Frau Dinä König! Eine Rebbezin wie aus den zarten chassidischen Legenden herausgeschnitten, eine schwermütig und heiter trillernde Lerche in einem verzauberten Käfig. Wann ward schon solch eine Rebbezin auf der jüdischen Bühne zu sehen! Nach den Wilnaer Gästen das heimische Ensemble. Man brauchte sich seiner wahrlich nicht zu schämen. Mit wenigen Proben auf die Bühne gestellt, in einem Stück, das vom Herkömmlichen wesentlich abweicht, haben die Mitglieder der „Jüdischen Künstlerspiele" Ausgezeichnetes geleistet. Adolf Bell verlieh der heiklen Rolle des Misnagid überzeugende Haltung und Reife. Der Gabbe Simche des Hermann T u n'iä bezeugte das starke Talent dieses ein wenig im Hintergrund gestandenen Schauspielers. Moische Schnattmann konnte endlich wieder seine Gabe grotesker Darstellungsleidenschaft zeigen. B. Sigal legte den Chossid Chanine breit und wuchtig an. Charakteristische Typen schufen Lea W e i ntraub-Graf, Mark Tan off als biederer Bal-Agule und H, Mayer als Chanines blutjunger Schwiegersohn. Unter Josef Kamens Regie kam ein stimmungsvoller, mit Humor bis an den Rand gefüllter Abend zustände. Der klesmerische Charakter'der. von JvKohn. auf-, gezeichneten Mtisikunter Leitung-von Leibowicz gab der Aufführung die., volkstümlich-klangreiche Untermalung. Der dekorative Stil des Raums und der Kostüme vertiefte die poetisch gerechte Illusion! Herscheie Ostropoler siegte nach Belieben. Das Gastspiel der Schauspieler der Wilnaer Truppe hat unter einem günstigen Stern begonnen. Mit Herscheie ist ein neuer Geist in die „Jüdischen Künstlerspiele" eingezogen, o. r. Moderne Entwicklung Palästinas Ein Lichtbildervortrag Dem Austro-Palästinensisclien W i r t s c Ii a f t s dienst ist es gelungen, den Bauleiter des großen Rnthenherg-Werkes in Palästina Ing. Rudolf P f i s t e r für eine» Lichtbildervortrag zu gewinnen, der Montag, d. i6. /iiuner 1933, um 8 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental stattfindet. Ing. Pf ister, ein Nicht j _v.de, hat sich als hervorragender Fachmann (Durchführung des Baus des Ruthenberg- und Spiillerseewerks) einen Namen gemacht und gehört zu den eifrigsten und enthusiastischesten Verfechtern des jüdischen Auufbauwerks in Palästina. Der Austro-Palästinensische Wirtschaftsdienst will durch' die Veranstaltung des Lichtbild- Vortrags die breite Öeffentlichkeit mit der modernen Entwicklung des jüdischen Palästina bekannt flachen und wird in der nächsten Nummer der „Neuen Welt" zum Thema des sich in selbstloser Weise zur Verfügung stellenden Ing. Pfister Stel- ' hing nehmen. Gesellsdhaftssr und Studienreise nach Pa astina 28. Februar bis 28. März 1933 Veranstalter: Austro-palüstinensischer Wlrtschaftsdlenst. - Preis: Von Wien bis Wien — alles inbegriffen 4- S 500.— und engl. Pf. 18.—, Aegyptenurrangement engl. Pf. 8.—. Auskünfte und Prospekte kostenlos durch Austro-palüstinensischen Wirtschaffsdienst, Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), Montag und Donnerstag von halb 5 bis 0 Uhr nachmittags, Telephon A-17-5-40 äerie oder durch die Iteiseleitung: Frau Berta Taubes, Wien, II., Böekllnstraße 02, Telephon B-öl-703, an allen > . Werktagen. UNION DER ZIONISTEN-REVISIONISTEN OESTERREICHS' Am Mittwoch, den 1 I. Jänner 1933, veranstalten wir zugunsten unseies Heimfonds und Ghaluzlonds eine SONDERVORSTELLUNG Zur Auf fühl ung gelangt das berühmte Lustspiel HERSCHEIE OiTROPOLER im THEATER „REKLAME" von M. LUFTSCHITZ unter Mitwirkung dir Zuspieler der Wünaer Trappe Bl, PRATERSTRASSE 34 ♦♦♦»♦♦♦<>♦♦♦»»»♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦+♦♦♦♦<