Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 276 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 276 DIE NEUE WELT Seite T Judisdies Leben in Italien Von Schefomo Jfxchakf, Rom Der Palästina-Pavillon in Bari In Italien ist das nationalgesinnte Judentum eine bedeutende Gruppe, die sowohl die orthodoxreligiösen Kreise aller größeren Städte des Königreiches als auch die zionistischen Parteien und Persönlichkeiten umfaßt Zwar ist der einstige Glanz des italienischen Judentums aus den Zeiten des großen Luzzato ein wenig verblichen, aber noch immer hält das heutige Judentum seinen Schild blamk. Jm Verlauf des Monats Oktober hatten die Italienischen Juden eine große Aufgabe zu erfüllen, die ihnen vom „Ausland", von Palästina Überantwortet worden war. Es war die wichtige „Levante-Fair", die Orient-Messe, dMe die talienische Regierung, nun zum drittenmal, in der Hafenstadt Bari veranstaltet hat An dieser Messe nahmen über 20 Nationen Anteil, aber das Hauptziel bestand darin, die Handelsbeziehungen zwischen Italien und den Ländern des Orients, wie Syrien. Palästina und Hedschas, zu vertiefen. Der italienische Export in diese Levanteländer wird von Jahr zu Jahr größer. Italienische Ware konkurriert mit vielen Produkten der europäischen Länder, erstens der billigen Preise wegen und zweitens wegen des Einflusses der italienischen weltlichen und geistlichen Schulen und Gesellschaften in den genannten Ländern. In Palästina geht es immer „noch ganz gut" mit dem Import italienischer Waren. Ich sage „noch ganz gut" mit Rücksicht darauf, daß die Araber eine Hetzpropaganda gegen die Italiener führen, die beschuldigt werden, daß sie ihre „muselmanischen Brüder" in den italienischen Kolonien von Nordafrika unterdrücken. Es ist selbstverständlich, daß dessentwegen die palästinensischen Araber die Levantemesse in Bari boykottieren. Hingegen glänzt im Messepalast der Völker die blau-weiße Fahne mitdem Magen David über einem reizenden Pavillon mit einer riesigen Auf-, schrift in Hebräisch und Italienisch: Palästina—Erez Israel. Die Buchstaben, weiß auf tiefblauem Grund, am Abend in helles Licht gettaucht, machen einen entzückenden Eindruck auf die hunderttausende Besucher. Von Palästina war Morris Klingbell als Vertreter der Palästina-Industrie hier. Aber die größte Arbeit hatten die italienischen Ziomisten. Com. Frederic Luzzato war die ganze Zeit über in Bari und hatte viel Erfolg mit seinen Informationen an die höchsten Persönlichkeiten betreffs aller Erzeugnasse, des Aufstiegs und der Fonds im jüdischen Palästina. Der Pavillon selbst machte einen vornehmen, ästhetischen Eindruck, außen und innen ein Stück moderner Architektur. Innen ein wahres Museum wertvollster großer und kleiner Kunstwerke, Figuren, Reliefs, Diagrammen und Tabellen von allen Branchen des jüdischen Landes. Jedes Zimmer beherbergte eine besondere Abteilung. Beim Eingang konnte jeder eine feine, künstlerisch garbeitete Mesusa sehen, die daran mahnte, daß man sich in einem jüdischen Haus befindet... Den größten Eindruck machte ein monumentaler Löwe aus — Seife. Es war das Symbol, die Fabriksmarke der größten Tel- Awiwer Seifenfabrik. Die größten Spezialisten bewunderten die Erzeugnisse. der Fabrik für künstliche Zähne. Feinste Holzarbeitern, Möbel, Glaswaren, Seide, Silber- und Goldwaren, wunderbare Druckwerke, Parfüms mit den schönen Namen „Königin Esther", «Königin von Saba" luden die Besucher zum Verweilen ein. Zu diesen gehörte u. a. der jüdische Finanzminister Jung, der Justizminister Ciano und zahlreiche Vertreter der Arbeiterkorporationen. Die italienische Presse hat begeisterte Artikel über die jüdischen Leistungen geschrieben. Die Orientmesse hat dem italienischen Judentum viel Ehre gebracht, besonders aber dem zionistischen Namen. Die Messe-Aktion gestaltete sich zu einer Hauptaktion der zionistischen Kreise in Italien. Jüdische Lehrkurse Im gleichen Monat Oktober wurde auch auf dem Gebiet der jüdischen Ku 11ur Bedeutendes geschaffen. Es war die Errichtung von Kursen für die jungen jüdischen Lehrer seitens des italienischen Ge- Gustav Wilder Wien IV, Rainerg. 31, Tel« 11-42*4.84 empfiehlt: JAFFAiORANCEN pro Kiste (80 bis 150 Stück) S 82»"~ JAFFA »GRAPEFRUIT pro Kiste (80 bis 96 Stück) S 84L""~ Auf Wunsch auch halbe Kisten meindeverbandes. An der Spitze stand hidbei die altehrwürdige Gemeinde Livorno. Es war keine leichte Arbeit Fast alle Gemeinden haben von ihren Fonds beigesteuert, damit die Kurse zustande kommen, und nach Livorno ihre besten Lehrer, Rabbiner und Wissenschaftler geschickt, welche, jeder auf seinem Gebiet, einige Vortrage für die jungem Lehrer hielten. Die Kurse standen auf sehr hohem Niveau, was man leicht aus den Themen ersehen kann. So sprach z. B. Rabbiner Leon Leoni Über „BLfolintarpretntnonen im Mittelalter", Alfonso Pacifizi, der Führer des religiösen Judentums in Italien, über das Thema „Wie soll man unsere Kinder in der jüdiesheo Geschichte» unterrichten?", Rabbiner Dr. Dante Latte« über die ,JErziebungsgedanken Achad Haaros*. Die Kurse hatten großen Frfolg. Sie wftren eine Synthese aller Richtungen im heutigen jüdischen Leben. Für das jüdische Kind Schwere Hindernisse hatten die nationalbewußten Juden zu überwinden, als sie die Eltern dahin bringen wollten, ihre Kinder in die Talmud-Thora-Schulen zu schicken, die dieselben Rechte haben wie alle anderen Volksschulen, wie z. B. Befreiung vom Schulgeld und dazu noch — jüdische Atmosphäre. Zionismus, Palastina, die großen jüdischen Namen in der Welt wurden zugunsten der Propaganda für die Talmud-Thora-Schulen gut ausgenützt: Turin besitzt jetzt eine große jüdische Schule, wo reich und arm nobeneinandersditzt. Mailand, Triest und Rom haben modern eingerichtete Talmud-Thora-Schulen und der Prozentsatz der jüdischen Kinder, die dorthin gehen, wird alljährlich größer. Auch Florenz dürfte bald eine jüdische Volksschule bekommen. Gleichzeitig mit der Frage der jüdisdhen Schule wird auch das Problem der Lehrbücher für die jüdische Jugend gelöst. Es handelt sich darum, alle nichtjüdischen Embleme. Darstellungen aus den für jüdische Kinder bestimmten Büchern 2U entfernen, eine Aufgabe, der sieh Felix Raven na, ein alter Herzl- Zionist, Regierungskommissär für den Gemeindeverband, widmet. * Der Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens In den ersten Tagen des Jänner 1933 findet in Rom der Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens statt. Je 300 Steuerzahler einer Gemeinde wählen einen Delegierten zum Kongreß. Der bisherige Regierungskommissär des Verbandes jüdischer Gemeinden Italiens, Advokat Feiice Ravenna, wird über die bisherige Tätigkeit und die weiteren Aufgaben der „Unione delle Comunita Isräelitiche in Italia" berichten. Der Rat des Gemeindeverbandes, der aus 15 Mitgliedern der Gemeindevorstände und drei Vertretern des Rabbinerkollegiums besteht, wird vom Kongreß gewählt. Das jüdische Genossenschaftswesen in Jugoslawien Der genossenschaftliche Gedanke hat auch unter den Juden Jugoslawiens Wurzel gefaßt. Die von den Behörden legalisierten jüdischen Spar- und Kredit-Genossenschaften in Sarajevo (Melaha, Geulah), Zagreb (Ezra) und N o v i s a d (Rehusch) entwickeln eine segensreiche Tätigkeit im Interesse der Kl ein kauften te und Gewerbetreibenden. Im Entstehen begriffen sind jüdische Spar- und Kreditgenossenschaften in Belgrad, Osijek und Bitolj. Kampf In der Warschauer jüdischen Gemeinde Warschau, 16. Dezember. (J. T. A.) Die letzte Sitzung der Repräsentanz der Warschauer jüdischen G e m c i n d e, in der das Budget für das kommende Jahr beraten wurde, verlief außerordentlich s t ü rm i s c h. Die von den Agudisten und ihrem Anhang zusammengesetzte Mehrheit beschloß, gegen den Protest der zionistischen Minderheit, die Subventionen für die zionistischen Fonds (10.000 Zloty für Kcren Hajessod und 10.000 für Keren Kajcmeth) zu streichen. Die zionistische Minderheit versammelte sich daraufhin zu einer Beratung, in der beschlossen wurde, den Warschauer Juden zu empfählen, so lange die Zahlung der Gemeindesteuern zu verweigern, als nicht der Beschluß, die zionistischen Posten aus dem Budget zu streichen, wieder aufgehoben wird. Inzwischen wird aus Krakau mitgeteilt, daß die Repräsentanz der Krakauer jüdischen Gemeinde ebenfalls die Vorschläge der zionistischen Mitglieder, einige Posten für die zionistischen Fonds in das Budget einzustellen, abgelehnt hat. Austro * Palästinensischer Wirtsdiafts*Dienst Gesellschafts? nnd Studienreise nach Palästina 28. Februar bis 28. März 1933 Die Vorbereitungen für die klaglose Durchführung der vom Austro-Palästinensischen WirtschaftsdienSt veranstalteten Palästinareise sind beendet. Die bestgelegenen Kabinen des Lloyddampfers in der II. und III. Klasse wurden für die Reisegesellschaft reserviert, so daß schon der Aufenthalt auf dem Dampfer den Reiseteilnehmern zum Vergnügen werden wird. In Palästina und Aegypten wurde für gutbürgerliche Hotels und reichliche Verpflegung Vorsorge getroffen. In die Zeit des Palästinaaufenthaltes fällt die Orangenblüte und die Reiseteilnehmer haben auch Gelegenheit, den Purimveranstaltungcn in Tel-Awiw beizuwohnen. Der wirtschaftliche Aufschwung Palästinas bietet Verschiedene Entwicklungsmösiichkeiten für Handel, Gewerbe und Industrie. Die Vertrauensmänner des Austro- Palästinensischen Wirtschaftsdienstes in Palästina stehen allen Reiseteilnehmern, welche für die Anbahnung von Verbindungen in Palästina, Investition von Kapitalien usw., Interesse haben, mit Auskünften kostenlos zur Verfügung. Mit Rücksicht auf die beschränkte Zahl der reservierten Kabinen empfiehlt es sich, die Anmeldungen schleunigst vorzunehmen. Der Pauschalpreis für das gänze Arrangement von Wien bis Wien — .alles inbegriffen —- beträgt S 950, das Aegyptenarrangement engl. Pfund 8. Auskünfte und Prospekte durch den; Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienst, Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), Telephon A 17-5-40 Serie, Sprechstunden Montag und Donnerstag von halb 5 bis 6 Uhr nachmittags und durch die Reiseleitung, Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinstraße Nr. 92, Tel. B 51-705. * Die PaIästina*Ofänge Wie deutsche Fachmänner ihre Bedeutung beurteilen — Absatxmoglichkeiten und Absatzschwierigkeiten Das führende Organ der deutschen Früchte- Importeure Und Händler, „Der Früchtehandel" (Düsseldorf) bringt in seiner letzten < Nummer die folgende Abhandlung über die Bedeutung der Palästina- Orange: Gegen Ende. November beginnt die palästinensische Orangensaison, die bis in den April dauert Die „Jaffa- Apfelsine*4, die durch ihre Größe und Qualität eine Sonderstellung besitzt, stellt in dem landwirtschaftlichen Land den wichtigstenAusfuhrgegenstand vor. Schon 1930 stellten die Orangen mit Pf. St. 875.000 fast die Hälfte der palästinensischen Gesamtausfuhr von 1,90 MilL und 1931 ist bei einem Rückgang der Gesamtausfuhr in ihrem Wert von beinahe 20 Prozent auf Pf. St 1,57 MilL die Orangenausfuhr trotz Preisrückgang wertmäßig noch etwas gestiegen auf Pf. St 881.000, also auf mehr als die Hälfte der Gesamtausfuhr. Die Ausfuhr der palästinensischen Industrie ist völlig unbedeutend, nur die Ausfuhr der arabischen, vorwiegend in Nablus erzeugten Waschseife konnte sich früher annähernd mit der Orange vergleichen (1930 noch für Pf. St 205.000), doch geht sie infolge der durch hohe Zölle geschützten neuen ägyptischen Reifenindustrie stark zurück. In ebensolchem Rückgang befinden sich die zwei anderen wichtigsten landwirtschaftlichen Exportartikel Palästinas: Melonen und Durra. Das Wachsen der Orangenausfuhr zeigt folgende Zusammenstellung (in Mill. Kisten zu 120 oder 200 Stück): 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 033 U4 U7 138 2,15 1,69 2,66 2,20 1,72 2,83 Aber erst in den letzten Jahren hat die Anlage neuer Orangengärten schnelle Fortschritte gemacht, wobei man bedenken muß, daß der Orangenbaum erst im siebenten Jahr oder nach den neuen Methoden im vierten Jahr Frucht zu tragen beginnt und erst im zwölften auf voller Höhe seiner Ertragsfähigkeit steht Die Qualität der Frucht hatte ihre Anpflanzung als eine der rentabelsten und sichersten Kapitalanlagen in Palästina erscheinen lassen. Man rechnet bei den letztjährigen Preisen auch vorsichtig noch mit dem Reinertrag von 8 bis 10 Prozent. Wie Melone, Oelbauni, Getreide war auch die Orange vor dem Weltkrieg vorwiegend ein Teil der arabischen Landwirtschaft, erst nach dem Weltkrieg begannen Juden vorwiegend in dieser durch die Höhe des investierten Kapitals wie durch die komplizierten technischen Anlagen unterschiedenen Pflanzung ihr Kapital zu investieren. Die Gesamtfläche des für Orangenanbaü geeigneten Bodenain Palästina wird auf etwa eine halbe Million Dunam (der metrische Dunam ist ein Zehntel Hektar) geschätzt, vorwiegend in der Küstenebene von Gaza über Jaffa nach Haifa. Geschätzt wurde Ende 1922 die Gesamtfläche auf 32.000 Dunam, davon in jüdischen Händen 10.000; Ende 1925 42.000 Dunam, bzw. 17.000, Ende 1930 110.000 Dunam, bzw. 60.000. Im Sommer 1932 wurde geschätzt, daß in Palästina 150.000 Dunam mit Orangen bepflanzt sind, wovon erst 54.000 Dunam Frucht tragen; von diesem Areal waren 90.000 Dunam in jüdischen Händen, von denen 31.000 Frucht tragen. Man kann damit rechnen, daß etwa 30.000 bis 40.000 Dunam jährlich neu gepflanzt werden. Von Jahr zu Jahr wird die Zahl der fruchttragenden Bäume und damit die Ausfuhr rapid steigen und sich bald das Absatisproblem als das wichtigste Problem der Palästina-Orange herausstellen, Freilich hat die Organisation stete Fortschritte gemacht Neue Märkte Jjfijffi^fflft^^^^KV^^.. , t,