Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 276 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 3 mß wurden gefunden, Sortierung und Verpackung stetig verbessert, technisch vervollkommnete Methoden aus Kalifornien eingeführt. Vor einigen Jahren war England beinahe der einzige Absatzmarkt palästinensischer Grangen, neben dem nur noch Aegypten von Bedeutung war. Nun hat Aegypten durch hohe Schutzzölle den eigenen Orangenanbau geschützt. England ist noch immer der weitaus wichtigste Markt geblieben, aber Deutschland gewinnt von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung, und daneben treten Skandinavien, Holland und andere Staaten, in letzter Zeit auch Rußland, als Absatzmärkte auf. Von 3,65 (im Vorjahre 2,47) Millionen Kisten Gesamtausfuhr 1931-32 entfielen auf England 2,56 (1,73) und auf Deutschland 0,66 (0,51) Millionen Kisten. Man rechnet damit, daß in der jetzt beginnenden Orangensaison 4,30 Millionen Kisten zur Ausfuhr gelangen werden, also ein Viertel mehr als im Vorjahre, und in kurzer Zeit, schon 1936, wenn 110.000 Dunam Frucht tragen werden, bereits 11 Millionen Kisten, also das Dreifache der vorjährigen Ausfuhr. Ein Teil der Früchte wird wohl in kleinen industriellen Anlagen im Lande verarbeitet werden können zu Saft, Marmelade u. a., aber immer ernster wird sich das Absatzproblem gestalten, wenn auch die Palästina-Orange durch ihre Schönheit und Qualität (heute auch durch den Fall des Pfundes, das palästinensische Pfund ist dem englischen Pfund völlig gleichwertig) stets ihren Rang auf dem Weltmarkt behaupten wird. Aber jede Zollerschwerung bereitet natürlich den Orangenpflanzern Sorge, so auch die Ausschaltung Palästinas aus dem System der Vorzugszölle, die britische Reichsprodukte seit der Konferenz von Ottawa in England genießen. Freilich trifft der Schaden nur die Früh- und Spätsaison der palästinensischen Orange. England sucht die südafrikanische Orange zu schützen, die im Sommer auf den englischen Markt kommt, und hat daher für die Zeit vom 1. April bis 30. November Schutzzölle eingeführt, die im April und im November auch die ersten und letzten palästinensischen Orangen treffen, deren Hauptzeit freilich vom Dezember bis März liegt. Die palästinensischen Orangeninteressenten bemühen sich daher, den Schutzzoll auf die Zeit vom 15. Mai bis 1. November einzuschränken. Um so heftiger wird es sie treffen, wenn auch die Einfuhr nach Deutschland auf Schwierigkeiten etoßen würde, die in diesem Fall sich wohl nicht auf einen kleinen Teil, der Saison beschränken werden. Ohnehin wird das wachsende Angebot in den nächsten Jahren die Verwertung zum bisherigen Preis immer schwieriger werden lassen. Die arabischen Ansprüche auf Wadi-Hawarith- Boden endgültig zurückgewiesen Das Oberste Gericht Palästinas hat arn 12. Dezember in dem Streit um 6000 Dunam Boden auf Wadi Hawarith, den der Jüdische Nationalfonds vor längerer Zeit erworben hat und auf den arabische Beduinen Anspruch erheben, die endgültige Entscheidung getroffen. Das Oberste Gericht entschied, daß der gesamte Boden legales Eigentum des Keren Kajemeth ist und daß die arabischen^ Ansprüche auf ihn keinerlei legale Grundlage haben. Das Oberste Gericht annullierte den den Arabern günstigen früheren Entscheid des Bodengerichtes. Die Araber, die immer, noch den strittigen Boden besetzt halten, werden diesen jetzt verlassen müssen. Sie werden zusammen mit anderen Arabern vorläufig auf der 3000 Dunam großen Bodenfläche auf Wadi Hawarith angesiedelt werden, die die Palästina- Regierung zur vorübergehenden Ansiedlung landloser Araber vor einiger Zeit vom Jüdischen Nationalfonds gepachtet bat. Die Angelegenheit hat seinerzeit große Aufregung hervorgerufen. Arabische Beduinen hatten jüdische Arbeiter vom Boden vertrieben, und unter dem Drucke englischer Regierungsbeamter hatte sich das Direktorium des Nationalfonds bewegen lassen — gegen das Statut des J. N. F. — Boden an die Araber zu verpachten. Der Gouverneur Wanchope leistete persönlich Garantie dafür, daß diese 3000 Dunam im Jahre 1933 geräumt werden. Der Umstand, daß nunmehr neuerlich auf dem zu räumenden Boden Araber angesiedelt werden, kompliziert die Angelegenheit, Aus Tel-Awiw Wasserverbrauch. Im Monat Oktober stieg der Wasserverbrauch der Stadt auf 240.412 Kubikmeter. Geburten und Todesfälle im Oktober. Im Monat Oktober kamen in Tel-Awiw 161 Kinder zur Welt. 53 Personen verschiedenen Alters sind in dieser Periode gestorben. Der Omnibus verkehr. Im Monat Oktober hatten die städtischen Omnibusse 383.000. Fahrgäste^ Der Jahresabschluß der Judengemeinde in Haifa i Die jüdische Gemeinde Haifa hat vor wenigen Tagen den budgetären Jahresabschluß veröffentlicht. Ein-* nahmen von 4826 Pfund stehen 5664 Pfund Ausgaben gegenüber. Es ergibt sich also ein Jahresdefizit von 1300 Pfund. Die Baubewegung in Tel-Awiw Im Monat November hat das technische Departement des Tel-Awiwer Gemeinderates 160 Baubewilligungen für 323 Zimmer mit einer Fläche von 11.612 Quadratmeter erteilt. Die Baukosten betragen 52.000 Pfund. Im letzten Jahr wurden insgesamt 1115 Baubewilligungen erteilt, deren Baukosten 392.200 Pfund betrugen. 50 Palästina-Einwanderungszertifikate für Rabbiner in Rußland ausgefolgt Die Palästina-Regierung hat dem palästinensischen Rabbinat soeben 50 Einwanderungszertifikate für Rabbiner aus Sowjetrußland und ihre Familien übergeben. Voraussetzung für die Einreisebewilligung der Rabbiner ist, daß sie der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen. Demgemäß wurde für jedes Zertifikat ein Bon von 100 Pfund bei dem Rabbinat deponiert. Eine neue englische Tageszeitung Unter der Redaktion und Geschäftsführung des Journalisten Gerschon Agronsky begann in diesen. Tagen in Jerusalem die große englisch geschriebene Tageszeitung „P a 1 e s t i n e Post" zu erscheinen. Das neue Unternehmen wurde mit der bisher in Jerusalem erschienenen englischen Tageszeitung „P a 1 e s t i n e Bulletin" verschmolzen. „Palestine Post" erscheint täglich in 8 Seiten Großformat, als Herausgeber zeichnet „Palestine Bulletin Ltd.", zu deren Hauptaktionären die Palestine Telegraphic Agency gehört; andere Aktionäre sind Lord Melchett und jüdische Industrieführer in Palästina. In ihrem Programmartikel erklärt die neue Zeitung als eines ihrer politischen Ziele: Förderung der Durchführung des Palästina- Mandats. Gründung einer Hafenarbeitergewerkschaft < In Haifa und Jaffa wurde eine jüdische Hafenarbeitergewerkschaft gegründet. Zweck der Gewerkschaft ist: Unterbringung von Juden bei der Hafenarbeit, Vef« breitung der hebräischen Sprache im Hafenleben, Star» kung des nationalen YvrantwertttnifSffc* f ü h \ s,