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Die neue Welt · 1932-12-23 · Heft 276 (23.12.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 276 (23.12.1932)
Date
1932-12-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit«* DIE NEUE WELT Nr. 276 SIEGM. KORN MEHL i aROsmeiscHHAUEftii;;. Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-l?'3-39 a. A-16-9-34 <l Lieferant fttr Heilanstalten Abteilungen ffflr -^»Fleisch ' MTtr^r Aufsicht des Ehrwürdigem Rabbina« der hr. '.l;; Kultusgemeinde Wien j| Aiitoaust«llung ko«tealo«;: x. Berggasse IS ✓ XVIII., Währlngcritr. 07 j!M»..............•.....»»♦........................MM»" Palästina in Paris eingetroffen war, wohnte der Bestattung bei. Brith Trumpeldor stellte die Ehrenwache, führende Mitglieder der russisch-jüdischen Kolonie in Paris fungierten als Bahrtuchträger. Tauscndc Pariser Juden schritten hinter dem Sarg. Am offenen Grabe hielten Dr. Victor Jacobson im Namen der Zionistischen Exekutive, Isaac Naiditsch im Namen des Keren Hajessod, der hebräische Dichter Salman Schneur Im Namen der von 21atopolsky so großzügig geförderten hebräischen Literatur und der Führer der Ziönisten- Revisionisten Wladimir Jabotinsky tief empfundene Nachrufe auf Zlatopolsky. Isaac Naiditsch, *^in irttimer Freund des Verstorbenen, bildete ein Komitee' zur Ehrung des Andenkens Zlatopolskys durch Eintragung seines Namens in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds und zur Schaffung einer Zlatopolskys Namen tragenden Schule in Palästina. Das Komitee, dem außer Naiditsch der Rabbiner der russisch-jüdischen Gemeinde in Paris und frühere Oberrabbiner von Petersburg, Eisenstadt, Advokat Sliosberg, Wladimir Jabotinsky, Dr. Miron Kreinin, J. Effroykin, Dr. Z. Tiomkin, Dr. Victor Jacobson und Chefredakteur Jatzkan angehören, erließ vor der Bestattung einen Aufruf an die Juden von Paris, „einem der bedeutendsten und treuesten Kämpfer für die nationale Wieder auflebung unseres Volkes" die letzte Ehre zu erweisen. „Hillel Zlatopolsky", heißt es in dem Aufruf weiter, „war der Begründer der Tarbuth-Bewegung, die die hebräische Sprache in vielen Ländern der Diaspora verlebendigt und zur Sprache des täglichen Gebrauchs macht und die auch das große Netz der Tarbuth-Schulen in Osteuropa und in Amerika geschaffen hat, in dem für die Erziehung von über lOO.OOOjüdischen Kindern im Geiste des Hebraismus gesorgt wird. Als Schriftsteller verteidigte Zlatopolsky bis in seine letzten Lebenstage , die hohen Ideale des Zionismus und die jüdische nationale Ehre. Zionisten und Nichtzionisten ehren , sich selbst,' wenn sie Ihren großen toten Bruder ehren." , „.,..., Kein jüdisches Attentat in Kairo Der im Zusammenhang mit dem Bonmbenanschlag gegen das Palais des britischen High Commissioner für Aegypten, Sir Percy Lorraine, vor einigen Tagen verhaftete Jude ist aus der Haft entlassen worden, nachdem sich herausstellte, daß er mit dem Attentatsplan nichts zu tun hatte. Seine Verhaftung erfolgte nur darum, weil er sich zur Zeit des Attentatsversuchs in der Nähe des Palais aufgehalten hat. Man nimmt an, daß der Attentatsplan von extremen ägyptischen Nationalsozialisten herrührt. Die Verhaftung eines Juden im Zusammenhange mit dem Attentat ist von einigen arabischen Tageszeitungen bentzt worden, um eine antijüdische Kampagne einzuleiten. Es wurde viel über „jüdisch-kommunistische" nnd „zionistische" Umtriebe geschrieben. Don Angelo Pulido Don Angelo Pulido, der christliche Verfechter der Idee der R ckkehr der sephardischen Juden nach Spanien, starb im Alter von SO Jahren in Madrid. Die gesamte jüdische Bevölkerung Spaniens betrauert seinen Tod. Don Angelo Pulido war es, der noch in der Zeit der spanischen Monarchie und Später nach Ausrufung der Republik dafür gekämpft hat, daß das moderne Spanien das vom alten Spanien an den Juden begangene Unrecht der Austreibung wieder gutmache und die in verschiedenen Ländern zerstreut lebenden sephardischen Juden in die Heimat ihrer Väter zurückrufe. Ein Jade im neuen belgischen Parlament Im neugewählten belgischen Parlament Sitzt nun auch ein Jude, Mark Sommerhausen, der auf der Liste der Sozialistischen Partei gewählt wurde. Sömmerhausen entstammt einer Rigaer jüdischen Familie und ist ein Freund des jüdischen Palästina-Werkes. Der Minister für auswärtige Angelegenheiten Belgiens, HyraarJ, ist jüdischer Abstammung, er selbst betrachtet sieb aber nicht mehr als Jude. Die „Reinigung4* der Kommunistischen Partei Büß* lands und die Juden Laut. Beschluß des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei wird im Verlauf von 1933 eine „Reinigung" der Partei von unbewährten Elementen durchgeführt werden. Bei Gelegenheit früherer „Reinigungen" waren Juden mehr als Angehörige anderer Nationalitäten betroffen, weil die Kontrollkommisson hauptsächlich solche Mitglieder entfernte, die früher einmal anderen Parteien angehört hatten. Unter den ukrainischen Kommunisten zählt man über 4 Prozent, unter den russischen etwas unter 4 Prozent, aber unter den jüdischen Kommunisten über 15 Prozent „gewesene Part ei mit* g 11 e* d e r", von denen. die meisten einst dem Bund, dem P a öl e Z i o n oder den Menschewisten angehört hatten. Laut der Parteizählung im Jahre 1927 gab es in der Kommunistschen Partei der gesamten Sowjetunion 49.511 jüdische Kommunisten (davon 11.545 Frauen), d. s. 4,5 Prozent der Kommunisten in der Sowjetunion. 1927 zählte die Partei 773.220, heute zählt sie 2 Millionen Mitglieder. Die Zahl der jüdischen Kommunisten hat sich aber nicht in dem gleichen Verhältnis wie die der nichtjüdischen erhöht, da sich seit 1927 die neuen Parteimitglieder fast ausschließlich aus der Industriearbeiterschaft, in der die Juden immer noch nicht zahlreich genug vertreten sind, rekrutieren. Man schätzt die Zahl der jüdischen Parteimitglieder heute auf rund 75.000. |t|||||||||||||||||||||||||||l!ll|||l||||l!l|||l||||||||||lllllllllllllllllllllltlllllllll1lll!llllllllllll 1 BRITH TRUMPELDOR S i 1 -^!gggg=gg=gg^ 5 I UmmmSl^mSmSmmL I | Donnerstag den 22 Dezember 1932, V99 Uhr | I abends im Hotel Post, Wien I, Drachengasse 1 g | Programmrede: Dr. Wotlgang w. Wala! § | Mitwirkende: Jehuda Ehrenkran» / Oskar I § Teller und seine Gruppe / David Tendier g | (Gesangi / Robert Spektor (Klavier; § | Restliche Karten an der Abendkasse von S -J0 1 1 bis S 4.- I r= 5 siiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiw Die Krisis der jfidi'sdien Kolonisafron in Argentinien Die Gefahr der Enteignung — Hälfe der „Ica"? Aus Argentinien kommen Nachrichten über die kritische Lage der dortigen jüdischen Kolonisation. Man führt zwar diese kritische Lage auf die allgemeine Weltwirtschaftskrise zurück, sie hat mber noch andere, lokale Ursachen. Diese Hegen hauptsächlich im einseitigen Charakter der jüdisohen Kolonisation, die fast ausschließlich auf G e t r e i d e b a u und auf Viehzucht aufgebaut ist. Das sind die Zweige der Landwirtschaft, die von der gegenwärtigen Krise am meisten getroffen sind. Farmer, die daneben gemischte Wirtschaft betreiben (Obst, Milch, Hühner, Gemüse), befinden sich in besserer Lage. Auf einer Konferenz der „F r a t e r n i d a d" (Brüderschaft) der jüdischen Kolonisten iu Buenos Aires wurden alle Probleme besprochen, mit welchen die argentinischen Kolonisten ringen, und die Möglichkeiten deren Lösung erwögen. Die Haüptsorge der jüdischen Kolonisten: sind die Schulden, in welche sie im Verlaufe der günstigeren Jahre geraten sind, und gerade , jetzt bezahlt werden müssen, da der Farmer für" ein Bushel Weizen nicht mehr als 25 Cent erhält. Bed vielen Farmern, ßind eben die Hypothekenzaihlungeo fällig geworden und ihr Besitz steht in Gefahr, auf Lizitationsweg verkauft zu werden, in einer solchen Situation natürlich um einen Pappenstiel.Der ErlSs wtirdö k$um 'zur Bezahlung der Schulden aüsreicheü. Ueberdies würden "die jtidiööheti Farmen in n i ch t jü d i sch e S pe k u 1 ant e n h ä ri de übergehen. Die Lösung dieser schwierigen Frage wird jetzt auf poltischem und auf ökonomischem Gebiet gesucht. Die „Fraternidad" hat beschlossen, ein Moratorium für landwirtschaftliche Hypotheken zu fordern eine Forderung, die auch von anderen, agrikultureilen Vereinigungen erhoben wird. Auf der Sitzung der „Fraiernidad" stellte sieh ober heraus, daß die in Vorbereitung befindliche Agrikulturbdll (Lan^dwirtschaftsgesetz) sich bloß auf die Zahlungen für den Boden, nicht aber auch auf die Hypothekarzansen beziehem wird, so daß sie sich bei den jüdischen Kolonisten nur in geringem Grade auswirken würde. Bei vielen jüdischen Kolonisten haben, sich die Zinsenschulden derart aufgehäuft, daß sie bereits nlehr betragen als die Bodenschuld an sieh. Nun wurden seitens der jüdischen Kolonisten Delegationen zu allen parlamentarischen Parteien geschickt und diese sagten auch eine entsprechende Berücksichtigung zu. Aber die parlamentarische Maschine arbeitet sehr schwerfällig und überdies gibt es noch andere Interessenzusammen'hänge, besonders mit den Banken, die ein Moratorium «cheel ansehen. Daher müssen eigene Hilfsmittel gefunden Werden. Das Mittel, mit dem die jüdischen Kolonisten Argentiniens die Gefahr des Lizitationsverkaufes beseitigen wollen besteht in der Gründung einer jüdischen Hypothekenbank (Banco de Poraenito) mit einem Kapital von 2,000.000 Pesos (rund 600.000 Dollar). Zu diesem Kapital soll die »Jca*4, (Jewish Colonisation Association), welcher Baron Hirsch vor seinem Tod die Aufsicht über die jüdische Kolonisation übergeben hat, 90 Prozent, die jüdischen Kolonisten den Rest beitragen. Gestützt auf dieses Kapital, wird die Bank zumindest auf die gleiche Summe Obligationen ausgeben können», so daß hinreichend Kapital für die Uebernahme aller Hypotheken vorhanden sein würde. Bis jetzt hat die Jca'* versucht, sich aller ihrer Pflichten bezüglich des Schicksals der von ihr gegründeten jüdischen Kolonien zu entwinden. Sie behauptet, daß die Kolonisten schon lange ihrem Regime entwachsen seien und ihre Probleme selbst lösen müßten. Die Führer der jüdischen Kolonisten Argentiniern* gehen jetzt daran, eine Delegation nach Paris zu schicken, um bei der zentralen Verwaltung der „Ica** gegen diesen Standpunkt zu protestieren. Die jüdische Oeffentlichkeit Argentiniens verfolgt mit großer Sympathie den Kampf, den die Kolonisten für ihre Existenz und Zukunft führen. Jedenfalls wäre der Untergang der jüdischen Kolonisation ein schwerer Schlag für die ganze jüdische Bevölkerung Südamerikas. Festsaal 220 Sitzplätze Vortragssaal zirka 150 Sitzplätze für Veranstaltungen, Versammlungen, Vorträge, Konzerte, Konferenzen usw. gegen mäßiges Entgelt zu vergeben Auskünfte: Verbandsheim - II., Untere Augarfenstr. 38! Die trostlose Wirtschaftslage trifft uns Juden besonders hart. Juden werden aus allen wirtschaftlichen Positionen verdrängt. Der wachsende Antisemitismus und der wirtschaftliche Verfall der europäischen Länder lassen .keine Hoffnung auf eine Besserung in absehbarer Zelt aufkommen. Der einzige Lichtpunkt in diesem trostlosen Chaos ist das aufstrebende jüdische Palästina! Junge jüdische Menschen, hier wirtschaftlich entwurzelt, von allen Selten angefeindet, verfolgt, finden dort als aufrechte Menschen Arbeit, helfen bei der Errichtung unserer nationalen Heimstätte. Der Aufbau Palästinas schreitet wunderbar vorwärts. .Noch immer warten Tausende von Dunam jüdischen Bodens auf jüdische Arbeiterhände. Die jetzt einsetzende Wanderung soll das Bedürfnis des Landes nach Arbeitern erfüllen Die neuen Pflanzungen und die aufstrebende jüdische Industrie erfordern sofortige Einwanderung. Auch Oesterreich hat Hunderte von Chaluzhn in der nächsten Zeit ins Land zu schicken. Die Wanderung erfordert Geldmittel — und diese fehlen unseren Chaluzim. Es liegt nun ah uns allen, die notwendige Auswanderung im Monat Jänner durch Auf« bringung der erforderlichen Reisespesen zu ermöglichen. Jeder spende für den Keren Allahl Jeder trage zur Ausrüstungsaktion sein Teil bei! Palästina-Amt: Dr. S. Hörowltz. Zionistisches Landeskomitee: Dr. O. Grünbaum. Union der Zionisten - Revisionisten: Oberbaurat R. Stricker. Paole Zion-Hitachduth: Mendel Singer. W. I. Z. O.j Sophie Löwenherz. Verband radikaler Zionisten: Dr. Leopold Plasohkes. Misrachi: Rabb Tandmann. Spenden sind auf das Konto des Hilfsvereines fttr Jüdische Palästina-Wanderung C 26.901 zu überweisen. AUfäUlge Spenden von alten und neuen Kleidungsgegenständen für die Auswanderer sind dem Palästina-Amt (Telephon R-27-4-86) bekanntzugeben und werden prompt abgeholt. eine umfassende intormatlonssctvirr üner die grosse ßewegung Im Zionismus Vcrfasst von Robert Stricker HeraiiÄflCflebrn von der Union der Zlonltfr n- Revisionisten ^Oesterreich* / P'els 20 q I Dhaitllch b Verlad ,.Neuc Well'4, Wien Ii, Untere Rugarrenstr. 3$

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