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Die neue Welt · 1932-12-16 · Heft 275 (16.12.1932) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 275 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 275 SCHIFFMAN N iMvrstrM in der Marmarosch' - bezeichnende Fäll hat tiefe Erregung bei der jüdischen- Bevölkerung ausgelöst. Das Massenelend der Marinaroscher Juden ist vor allem auf die Stillegung der j ü d i s c h e n H o 1 z i n d u s t r i eet riebe und auf den Umstand, daß die -Taatlichen Betriebe keine J u d e n beschäftigen, zurückzuführen. Fr}ed, der ein Alter von 50 Jahren erreicht hat, hinterläßt fünf Kinder. Im ungeheizten und verelendeten Hause- Frieds hat man als' einzigen L eb e n smitt el v'o r-ra t ein kleines Stückchen M a i e b r o t gefunden. RFOIGREICHITIR K L AVI E R- UNTERRICHT MEISTERSCHULE S 2.- KORREPETITION S 1.- UEBUNGSGELEGENKEIT Unter „Staatlich geprüfte Konzertpianistin" an dieAdm. d. Bl Verunglückte rassische Judenrepubliken Das Gesamtresuliat von Bi'ro*Bidsdian Von J. Schechtmann (Warschau) Die jüdische Kolonisation in der Ukraine und in der Krim hat ihr Ende gefunden. Alle großen und weitgehenden Pläne einer Massenkolonisation der wirtschaftlich gebrochenen und sozial deklassierten russischen Juden zu dem Zweck, um im Süden Rußlands eine „jüdische Republik" zu errichten und auf diese Weise die Jude% {rage zu lösen, sind auf dem Papier geblieben. Zunächst aus Mangel an freiem Boden. Die naive, vorrevolutionäre Vorstellung, daß, sei was immer, Rußland genügend Boden besitze, daß man ihn nur gerecht an alle bodenhungrigen Elemente verteilen müsse, hat sich als oberflächlich, als falsch erwiesen. In einer offiziellen Ausgabe des landwirtschaftlichen Kommissariats hat Prof. Bolschakow festgestellt, daß über freien Boden, der sich zur Bearbeitung eignet, Rußland für 1 Million Menschen verfügt und daß Boden für 10 Millionen Menschen benötigt wird. In der Ukraine allein gab es im Jahre 1926 rund 8Q0.0OO Bauern, die Boden benötigten. Und schon auf der ersten Konferenz der „OzetK (Februar 1926) hat einer der Führer dieser jüdischen Kolonisationsbewegung in Rußland offen erklärt, daß nach einem oder zwei Jahren die Juden in der Ukraine keinen Boden mehr werden bekommen können, da der Bodenfonds gänzlich absorbiert ist. Die Juden haben sieben Prozent des Bodenfonds erhalten, und damit war Schluß. Auch in der Krim hat man aufgehört, Boden an Juden zu geben, da der Bodenfonds für die tatarischen Bauern benötigt wurde. Das Resultat der ganzen jüdischen Kolonisation im europäischen Rußland hat sich bis zum Jahr 1930 in der Ansiedlung von 16.000 jüdischen Familien ausgedrückt: 3000 Familien, 15.000 Seelen per Jahr. An und für sich ist das eine ganz anständige Zahl. Wenn man aber in Erwägung zieht, daß der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in Sowjetrußland jährlich 40.000 Seelen beträgt, wird klar, daß kaum die Hälfte des Zuwachses von der landwirtschaftlichen Kolonisation absorbiert wird — der Kern der russischen Judenheit wird von der staatlichen Kolonisation kaum berührt Unter diesen Bedingungen kann von einer Antwort auf die Judenfrage in Rußland nicht die Rede sein. Nicht mehr als 200.000 Juden leben zur Zeit in Rußland von der Landwirtschaft. Die zaristische Regierung konnte zu ihrer Zeit auf nicht geringere Erfolge hinweisen. Im Jahre 1897 haben in Rußland von der Landwirtschaft 192.000 Juden gelebt. Und in der letzten Zeit konstatiert die sowjetistische Presse eine kolossale Rückwanderung aus den jüdischen Kolonien der Ukraine: Laut Mitteilung der „Komzet" sind im Kalinindorfer Rayon von den 1916 jüdischen Familien, die dort im Jahre 1931 lebten, im Sommer 1932 bloß 350 Familien geblieben. Neue Kolonisten kommen nicht an, die Felder bleiben unbearbeitet, und der „Emess" (das jüdisch-kommunistische Zentralorgan in Moskau) vom 13. Juli 1932 war gezwungen, den Vorschlag zu machen, man solle mit Gewalt Juden aus den kleinen Städten für landwirtschaftliche Arbeit in den ukrainischen jüdischen Kolonien mobilisieren. Nach dem Mißerfolg der jüdischen Massenkolonisation im europäischen Rußland und aller Pläne bezüglich einer jüdischen Republik in der Ukraine und in der Krim ist das Projekt einer jüdischen Republik im Fernen Osten, in Biro-Bidschan, aufgetaucht. Am 28. März 1928 hat die Sowjetregierung auf Grund eines Berichtes, den die Expedition des Prof. Bruck ergab, beschlossen, in Biro-Bidschan eine große jüdische Kolonisation zu beginnen, mit dem Endziel, dort eine jüdische territoriale Einheit zu schaffen. Die ganze Energie der Kolonisationsarbeit wurde auf Biro-Bidschan konzentriert; das die Antwort auf die jüdische Frage geben mußte, nicht allein in Sowjetrußland, sondern für die ganze Welt. Es handelt sich nun darum, seine Aufmerksamkeit auf die Resultate der Biro-Bidschaner Kolonisation zu lenken. Das Territorium von Biro:Bidschan ist groß: 3,862.682 Hektar —- nicht kleiner als Belgien und zweimal so groß wie Palästina. Anfang 1930 haben auf dem ganzen Gebiet insgesamt 37.450 Seelen gelebt, 1 Mensch auf 1 Quadratkilometer. Betrachten wir die erzielten Resultate. Der ursprüngliche Fünfjahrplan der Biro-Bidschaner Kolonisation, der von der Sowjetregierung mit lauten Fanfaren proklamiert wurde, hat die Ansiedlung von 10.000 Menschen pro Jahr, d. i. von 50.000 Menschen im Verlauf des Fünfjahrplanes, 1928 bis 1933, vorgesehen. Die ersten drei Jahre sind vergangen, und Ende 1930 fand man in Biro-Bidschan nicht 30.000 Juden, wie es dem Plan entsprochen hätte, sondern bloß 2700 Juden, von welchen sich 60 Prozent gezwungen sahen, wieder umzukehren. Im Jahre 1932 hat die Regierung beschlossen, 19.000 Juden zu kolonisieren, später wurde die Zahl auf 13.000 reduziert, und faktisch sind nach der optimistischen Behauptung des Leiters der ganzen Biro-Bidschan- Kolonisation, Raschkes, bloß 6500 Juden eingewandert, von denen fast 60 Prozent die Gegend wieder verlassen haben. Eine zusammenfassende Charakteristik der erreichten Resultate hat'vor einer Woche der Vorsitzende und Generalsekretär des „Komzet", Boris Trotzky, gegeben, der den Pressevertretern mitteilte, daß während der ganzen Zeit der Biro-Bidschan-Kolonisation, d. h. vom Jahr 1928 bis heute, in Biro-Bidschan 7700 Juden eingewandert sind, von denen bloß 4500 ifll Land geblieben sind; di« üferi&en 40 Prostat kotutttt

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