Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 275 (16.12.1932)
- Date
- 1932-12-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711896--3469-2716851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
N r. 275 DIE NEUE WELT Seile 7 \ Klub junger Revisionisten/ Wien, IL Untere Aueartenstraße 38 Einladung zu dem am Samstag, den 17. Dezember 1932, in den Festsälen des Revisionistenheimes, IL, Untere Augartenstraße 38, stattfindenden Ge§ell§diaft§abend mit Tanz Es wirken hervorragende Kunstkräfte mit Entree S 1.50 Beginn 20 Uhr Der Reinertrag fließt unserem Chaluzfonds zu Ermordung Hillel Zlatopolskis in Paris Auf H. Zlatopolski, den bekannten Zionisten und Hebraisten, einen der Gründer des Keren Hajessod, wurde von einem älteren Franzosen, früheren Direktor eines der von Zlatopolski mitverwalteten, später aber stillgelegten Betriebe, im Verlauf einer geschäftlichen Auseinandersetzung ein Schuß abgegeben, durch den Zlatopolski schwer verletzt wurde. Darauf richtete der Angreifer die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich ebenfalls schwer. Der ganze Streit soll auf einem Mißverständnis beruhen. Zlatopolski wurde operiert, ist aber den Verletzungen erlegen. Ein sdiönes Jubiläum Am Sonntag, den 18. Dezember, um Ii Uhr vormittags federt der „Verein zur Errichtung von jüdischen Volksküchen" in seinen Räumen, Wien, IL, Krummbaumgasse 8, das Jubiläum seines fünfzigjährigen Bestandes. Dieser Verein wurde Uber Initiative des verewigten Oberrabbiners Dr. Moritz Güdemann im Jahre 1882 gegründet. Trotz aller Krisen war es ermöglicht, durch Spenden von Philanthropen und Subventionen der „Israelitischen Kultusgemeinde" sowie nach dem Krieg durch das energische und werktätige Eingreifen des verewigten Oberrabbiners Prof. Dr. C h a j e s, der vom Jahre 1918 bis zu seinem im Jahre 1927 erfolgten Ableben Ehrenpräsident und eifriger Gönner dieses Vereines war, den Betrieb in vollem Umfang bis heute aufrechtzuerhalten. Es werden an arme Menschen, die an den traditionellen Satzungen des jüdischen Glaubens festhalten, täglich zirka dreihundert komplette Mittagesse n verabreicht. Aus Anlaß des Jubiläums dieses vorbildlich geleiteten und wirkenden Vereines sei an alle die Aufforderung gerichtet, diese segensreich arbeitende Institution zu fördern und zu unterstützen. AUS PALÄSTINA Palästinensische Streiflichter Vom hebräischen Schulwesen Nach langen Unterhandlungen sind endlich die hebräischen Schulen aus den Händen der Jewish Agency in den Machtbereich der Kenesseth Israel und des Waad lenmi (Nationalrat) tibergegangen. Diese Angelegenheit ist nicht so leicht vonstatten gegangen. Monatelang dauerten die Besprechungen zwischen der Exekutive der Jewish Agency und dem Waad leumi betreffs Sicherstellung des Budgets des hebräischen Schulwesens. Die ganze Zeit über standen die Schulen gesperrt, und jetzt hat das Schuljahr mit einer Ver spätung von einigen Wochen begonnen. Es ist selbst verständlich, daß unter diesen Umständen das hebräische Schulwesen gelitten hat. Private Schulen sind entstanden, eine gewiß nicht erfreuliche Erscheinung, da bei diesen die Kontrolle seitens der nationalen In stitutionen des jüdischen Volkes fehlte. Das Traurigste aber dabei ist, daß von dieser Situa iion die Schulen der missionären Seelen, länger profitierten, die in Palästina eine intensive Propagandatätigkeit mit Hilfe der großen Gelder entwickeln, die ihnen zur Verfügung stehen. Die Zahl der jüdischen Kinder, die sich in den christlichen Missionsschulen von Jaffa befinden, ist heuer bis auf 300 gestiegen, während, vor einigen Jahren dort nur 60 jüdische Kinder untergebracht waren. Segen der Privatinitiative Im Verlauf der letzten Monate ist die Einwanderung nach Palästina in stetem Zunehmen begriffen. In der letzten Zeit kommen allwöchentlich ungefähr 1000 Menschen an: Chaluzim, Mittelständler und Kapitalisten. Besonders die Zahl der einwandernden Kapitalisten steigt an. Es kommen wirkliche Kapitalisten mit großen und manchmal sehr großen Geldmitteln. Es ist selbstverständlich, daß diese Kapitalisten-Einwanderung, wenn sie auch nicht Massencharakter .trägt, mit größter Genugtuung von allen Teilen des Jischuw aufgenommen wird. Man ist sich klar darüber, daß solch eine Erscheinung ein Segen für das Land ist: Neue Möglichkeiten der Arbeit und Entwicklung, neuer Bodenzuwachs und neue Pflanzungen, neue Arbeitsstätten und Unternehmungen, die Brot und Beschäftigung hundert neuen Einwanderern geben. Die hebräische Umgangssprache Erst jetzt wird das Resultat der letzten Volkszählung in Palästina bekannt Erst jetzt wird bekannt, welche Sprachen die Jaden Palästinas als ihre Umgangssprachen angegeben haben. Bekanntlich hat die orthodoxe „Aguda" einerseits und die extreme Linke andererseits im Jischuv eine energische Agitation betrieben, man möge nicht die hebräische Sprache, sondern Jiddisch oder irgend eine andere Sprache als Umgangssprache angeben. Und jetzt stellt sich heraus, daß diese Agitation mit einem totalen Debakel geendet hat. Von 174.610 Juden haben 166.000 hebräisch und bloß 9000 eine andere Sprache als Umgangssprache angegeben. Jiddisch als Umgangssprache gaben rund 4600 Juden an, also bloß zwei Prozent des ganzen Jischuvs. Wenn wir in Betracht ziehen, daß unter denen, die Jiddisch als ihre Umgangssprache angaben, sich viele neue Ankömmlinge befinden, die Hebräisch noch nicht erlernt haben, erkennen wir erst, mit welch jämmerlichem Durchfall der ampf der „Aguda" und ihrer linken Helfer gegen die hebräische Umgangssprache geendet hat. _ Der Orangenexport im September In der zweiten Hälfte des Monats September, wurden 224.343 Kisten mit Orangen und Grapefruits verladen. Der größte Teil des Exports ging nach England. Im Dezember 1000 Palästina-Wanderer aus Polen In diesen Tagen begeben sich auf Grund alter Zertifikate 300 Chaluzim aus Polen nach Palästina. Im Verlauf des Monats Dezember werden weitere 400 Chaluzim auf Grund der neu bewilligten Zertifikate nach Palästina gehen. Inisgesamt hat das polnische Palästina- Amt für den Monat Dezember 1932 1000 Zertifikate für Palästina-Wanderer ausgefolgt. Die heißen Quellen von Tiberias In den nächsten Wochen werden die Arbeiten zur rationellen Ausnützung der heißen Quellen von Tiberias abgeschlossen. Das neuerrichtete Bad enthält 150 Ruheplätze, ein Restaurant und zwei .X*ff«ehawtr. Es wurd« J eine Autobuslinie zwischen Haifa und Tiberias eingerichtet. In der Nähe des Bades wurde ein Palmengarten gepflanzt. Die offizielle Eröffnung findet anfangs Dezember dieses Jahres statt. Edwin Samuel — Gouverneur des Suddistrikts Wie verlautet, soll Edwin Samuel, der Sohn des. gewesenen Oberkommissärs Sir Herbert Samuel, zum Gouverneur des Süddistrikts von Palästina ernannt werden. Edwin Samuel kam als junger Mann mit seinem Vater nach Palästina und blieb dann 13 Jahre im Dienste der Regierung. Neue Ausgrabungen im Jordan-Tal Die Ausgrabungen im Jordan-Tal, welche von der hebräischen Universität in Jerusalem unter Leitung des Herrn S u k n i k vorgenommen werden, haben zu einem überraschenden Ergebnis geführt. In Chamät-Geder wurden Reste einer alten Synagoge entdeckt mit hebräischen und aramäischen Inschriften. Der Thora-Kasten ist ganz aus Marmor. Der Bau stammt aus dem fünften Jahrhundert n. Chr. Im Tempel wurden historisch aufschlußreiche Inschriften vorgefundent Preisausschreiben für eine Hymne an die hebräische Sprache Die Vereinigung für die Verbreitung der hebräischen Sprache in Palästina hat einen Preis für eine Hymne an die hebräische Sprache gestiftet. Spinoza-Feiern in Palästina Die Wiederkehr des 300. Jahrestages der Geburt des großen Philosophen Baruch Spinoza wurde in Palästina besonders gefeiert. Die Tageszeitungen widmeten große wissenschaftliche Artikel, wissenschaftliche Klubs veranstalteten in den größeren Städten Vorträge über das Leben und Wirken dieses Denkers. Palästina-Reise Dr. Weizmanns Dr. Chaim Weizmann, früher Präsident der Jewish Agency, hat sein Eintreffen in Palästina für die kommenden Chamika-Tage angekündigt. Der samaritanische Hohepriester gestorben Aus Jerusalem wird gemeldet: Jsaac Ben Amram, der Hohepriester der Samäritaner, der in der Nähe von Nablus (dem biblischen Schechem) am Fuße des Berges Gerizim ansässigen, etwas über zweihundert Seelen zählenden religiösen Sekte, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Isaac Ben Amram führte in seiner Gemeinde den Titel Konen Hagadol und genoß in ganz Palästina Popularität. Dem ersten Passah-Abend, während die Samaritaner auf dem Gipfel des Berges Gerizim ihr Passahfest durch Opferung eines Lammes nach dem altbiblischen Gebot feiern, wohnen alljährlich, Hunderte jüdischer Touristen bei, Isaac Ben Amram und seine Gemeinde pflegten die Touristen immer gastfreundlich zu empfangen und sich mit ihnen hebräisch zu unterhalten. Die Samäritaner führen ihren Ursprung auf das achte Jahrhundert v. Chr., die Zeit der Trennung Judas von Israel, zurück. Einst eine mehrtausendköpfige große Sekte, sind sie in den letzten Jahren auf etwa zweihundert Seelen zusammengeschmolzen. In den allerletzten Jahren soll ihre Zahl wieder auf 230 gestiegen sein. Die Zionistische Organisation hat für sie in Nablus eine Schule eingerichtet. Die samaritanische Jugend zeigt sich für moderne Landwirtschaft sehr interessiert. Mit den A r a b e r n leben die Samäritaner im allgemeinen in Frieden, jedoch nach den Unruhen im Jqhrel929 wurden auch sie von Arabern aus Nablus, dem Zentrum des arabischen Nationalismus, schwer belästigt. Rabbi Isaac Ben Amram wurde wiederholt beschimpft, die von ihm geleiteten Gottesdienste wurden gestört, so daß sich die Gemeinde zur Ueberreichung einer Klage bei der Palästina-Regierung veranlaßt gesehen hat Josef M illet gew. Dirigent des Poln. Tempels unterrichtet wieder In Gesang und Notenlesen, Blattsingen (Theorie). II, Bayrischer Hof, TaboiStraße Oesterreichischer Revisionistentag Die Union der Zionisten-Revisionisten teilt niitt Samstag den 7. Jänner 1933, und Sonntag, den 8. Jänner 1933, findet der ordentliche österreichische Revisionistentag (Generalversammlung) statt. Alle Mitglieder der Union werden hiemit auf- Sefordert, ihre ansständigen Mitgliedsbeiträge zu egleichcn, um sich ihr Stimmrecht zu sichern. Aus Rumänien In der rumänischen Kammer kam es anläßlich der Beantwortung einer Anfrage des AntisemhenfUhrers Prof. A. C. C. Cuza, betreffend das Rundschreiben des Unterrichtsministeriums an die Schuldirektionen, in dem gefordert wird, Schreib und Handfertigkeitsunterricht nach Tunlichkeit nicht am Sabbath und jüdischen Feiertagen anzusetzen, zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung. Unter stürmischem Beifall der Regierungspartei und der jüdischen Abgeordneten legte Unterstaatssekretär Petre Andrej den durchaus fortschrittlichen Standpunkt der Regierung in der Frage der Gleichberechtigung des mosaischen Kultus und der Wahrung der religiösen Gewissensfreiheit in der Schule dar. Der Minister erklärte: Freiheit für meinen Kultus bedeutet nicht Unterdrückung der Freiheit des Kultus eines anderen. (Beifall.) In der Tschechoslowakei besteht die Verordnung des Unterrichtsministeriums vom 31. August 1921, in der vorgesehen wird, daß die dem mosaischen Ritus angehörenden Schüler vom Besuch der Kurse an Feiertagen ihrer Konfession und nach Tunlichkeit vom Schreiben und Zeichnen an Sonnabenden befreit werden. Dasselbe sieht die Zinkularverorduung vom 4. März 1924 in Jugoslawien vor. In Ungarn, wo das Regime des Herrn Horthy besteht, wird empfohlen, Zeichnen, Kalligraphie und Handarbeit nicht an Sonnabenden und Feiertagen anzusetzen. Noch mehr, Herr Cuza! In Preußen gibt es eine ähnliche Verordnung des Unterrichtsministeriums, gegen die auch die Hitlerieten nicht protestiert haben. * In der Hauptstadt des Banats, Timisoara (Temesvar), haben Studenten des dortigen Polytechnikums eine Versammlung des Keren Hajessod, bei der Dr. N. M. Gelber aus Wien sprechen sollte, gesprengt. Zu der in den großen Saal des Jüdischen Gemeindehauses einberufenen Versammlung hatte sich ein zahlreiches, vorwiegend aus Frauen bestehendes Publikum eingefunden. Während der Ansprache des Oberrabbiners Dr. Drexler drangen Studenten in den Saal und erklärten, alle Reden müßten in rumänischer Sprach.e gehalten werden. Im Hofe hatten sich inzwischen mehrere hundert Studenten angesammelt, die eine drohende Haltung einnahmen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung. Die telephonisch herbeigerufene Polizei erwies sich gegenüber der Uebermacht der Studenten als zu schwach. Die Versammlungsteilnehmer mußten durch ein Spalier der Studenten, die antisemitische Drohungen und B eschimpfungen ausstießen, abziehen. . * Studenten, die von einer in Cluj abgehaltenen Protestkundgebung gegen die ungarischen Grenzrevisionsforderungen nach Oradea Marc (Großwardein) heimkehrten, halben auf der Fahrt in einem Abteil dritter Klasse schwere Exzesse gegen zwei jüdische Mitreisende, den Rabbiner der Gemeinde 'Marghita bei Cluj, Jechiel Ta ub, und den Talmudisten Alter Szabo aus Tecuci, verübt. Sie drangen unter antisemitischen Beschimpfungen auf die beiden jüdischen Reisenden ein, die sich vergeblich an die übrigen Insassen des Abteils um Schutz wandten. Fünf Soldaten erklärten sich schließlich, gegen Bezahlung bereit, Taulb und Szabo eine Stunde lang Schutz angedeihen zu lassen. Im Verlauf dieser Stunde erhöhten sie ununterbrochen ihre Geldansprüche und überließen, als die Stunde abgelaufen war und sie den hohen Lohn erhielten, die beiden Juden ihrem Schicksal. Der her- beigerufene Schaffner weigerte sich, einzugreifen! Die Studenten rissen die. jüdischen Reisenden an den Bärten und schlugen so lange auf sie ein, bis der Rabbiner blutüberströmt am Boden lat. In Hujedin etiegen zwei Polizisten ein, die aber gegen die Exzedenten nicht einschritten. In der Station Egeres löschten die Studenten das Licht aus und setzten im Dunkeln die Mißhandlung der beiden Juden fort. In Ciucea stieg ein Teil der Studenten aus, der Schaffner führte den Rabbiner in ein Abteil zweiter Klasse, damit er seine Wunden verbinden könne. Er wurde jedoch von einem Kontrollor bald w:eder aus dem Abteil zweiler Klasse gewiesen. In Oradea Marc angelangt, meldete Rabbiner Taub den Vorfall der Bahnpolizei. * In Borscha ist der seit zwei Jahren arbeitslos* Holzindustrieangestellte Schülern Fried an Ent» kräftung gestorben. Der für das unrehsur« £l«al