Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 274 (9.12.1932)
- Date
- 1932-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 5 DIE NEUE WELT Nr. 274 Klub |unger Revisionisten, Wien, II* Untere Augartenstraße 38 Einladung zu dem am Samstae, den 17. Dezember 1932, in den Festsälen des Revisionlstenheimes, 1!., Untere Augartenstraße 38, stattfindenden Ge§ell§diaft§abend mit Tanz Es wirken hervorragende Kunstkräfte mit Entree S 1.50 Beginn 20 Uhr Der Reinertrag fließt unserem Chaluzfonds zu mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm gemüßigten Araber gehalten. Die französische Verwaltung zeigte anfangs eine grenzenlose Geduld; sie tat aUes Mögliche, um Komplikationen aus dem Wege zu gehen. Schließlich sah sie sich jedoch ge7,wungen, eine kriminelle Verordnung — ähnlich derjenigen Palästinas — erscheinen zu lassen. Heber 70 Haftbefehle sind seitdem herausgegeben und zirka 12 arabische Notabein eingekerkert worden... Nun .drohen schon die nationalistischen Führer, daß sie — falls die Regierung mit dem Lande keinen Vertrag schließen werde (ähnlieh demjenigen Iraks. H. B.) — dos Parlament verlassen und zum offenen Kampfe übergehen werden.*' Eine kurze, aber anschauliche Bilanz... * -Will man nun an politischen Ereignissen etwas lernen — und das, glaube ieh, wollen wir alle — so ist es ganz und. gar unmöglich, dieses Kapitel politischer Geschichte unbeachtet zu lassen. Libanon und Syrien, Nachbargebiete Palästinas, sind sowohl geographisch wie ethnisch, politisch und kulturell Länder, die uns in mehr als einer Beziehung interessieren. Nun trat in diesen Ländern klar zutage: 1. Daß der Gedanke, daß man die arabisch-politischen Leidenschaften durch Einführung parlamentarischer Institutionen -zähmen könne, kläglich zusammengebrochen ist. Im Gegenteil: diese Institutionen wirken wie Oel ins Feuer orientalischer Ekstase. 2,. Daß die Straße den extrem-terroristischen Elementen des Arabertnins ausgeliefert wurde« Das Vxj^k, welches hierzulande politisch wenig geschult ist, wurde ein .Opfer schlimmsten parteipolitischen Scharlatan ismus. 3. DajB das parlamentarische Regime unter dem Einflüsse de* von ihm erweckten Kräfte unausweichlich zu 1 e ga 1 i si e r t,em R a u b, zu Diebstahl und Erpressung auf Rechnung des Steuerzahlers führen muß. Die Wirtschaft des Landes konnte sich einer derartigen gesellschaftlichen Ordnung nicht erwehren u»4 ging raschdew Verfall entgegen. 4. Daß das Prestige der europäischen M a c h t unter diese» Umständen ganz u n g e h euer sank. Sie mußte sich endlich dazu entschließen» im Interesse der Aufrechterhaltung ihrer Position zu den strengsten diktatorischen Gewflltmittejji .zu greifen. Wenn man all das im Auge behält, wird man sich lejjebt vorteilen können, was für Folge» ein Parlament, relßktive ein gesetzgebender Rat für Palästina haben muß. Niemand wird ja behaupten wolle», daß das arabische Kulturniveau i» Palästina demjenigen. Syriens und Libanons überlegen ist. Eins ist auch kein Geheimnis, daß die Gelüste und Ambitionen der palästinensisch,arabischen Rädelsführer, denjenigen ihrer Freunde im Norden in keiner Weise nachstehen, Es ist nicht schwer, zu erraten,, wie der Fellache unter der hohen parlamentarischen. Führung seine« Ausbeuters und Wucherers, der für Politik genug Zeit hat, aussehen wird. Mehr Als der Fellache interessiert uns aber der Jude, Und hier kann schon kein Zweifel bestehen: Ist das Parlament im Libanon bloß ein Mißerfolg, so wird es j» Palästina eine Katastrophe sein. Im Libanon gibt es kein Problem der innerstaatlichen nationalen Spannung; es existiert dort keine Frage „fremder Einwanderung und fremdrassigen Schutzes derselben", Man kennt.dert keine Legende „landloser Araber", deren »Landlosigkeit*4 angeblich von eingewanderten Juden verursacht wurde. Das Blut der Bevölkerung enthält keine Gifttropfen aus den Jahren 1920/21 und 1929. Und trotzdem führte das parlamentarische Regime zn einer geradezu fürchterliche» Aufrüttlung der libauonischeu Oeffentlichkeit. Alle Voraussetzungen für eine derartige Aufrüttlung, die Libanon und Syrien in ein Kriegslager umgewandelt hatten, existieren auch in Palast in». Dieses ist aber außerdem durch eine Rassen« Spannung, ein Einwanderungsproblem, eine kolonisatorische Sehutzfrage eine arabische Landlosigkeitslegende, jüdische Pogromerinnerungen und Hunderte andere größere und kleinere Uebel belastet. Der arabische Parlamentarismus in Palästina wird mit Pathos über seinen Kampf gegen „fremde Invasion*4 sprechen. Tilglieh und stündlich werden nach Europa und Amerika die Reden dieses oder des anderen „Volksvertreters** telegraphiert werden. Die jüdische. Wirtschaft; welche die bessere, also beraub u n g s w ü r d 1 g e r e, und gleichzeitig eine „fremde" ist, wird in Trümmer geschlage» werden. Was in Libanon und Syrien zu öffentlicher Verwirrung führte, wird { hier in Schlacht und Zerfleischung ausarten. Der Jude wird sich schon die Einreichung von Klagen an den englischen Beamten ersparen können. Denn wird die Regierung einmal den Weg zu diesem Ruin durch Einführung von parlamentarischen Institutionen bahnen, so wird sie selbst in eine Klemme geraten, aus der man nicht so leicht herauskann. Insbesondere, wenn man gar nicht heraus muß: die Franzosen haben die „Volksherrschaft" in ihren Ländern mit eiserner Hand gezähmt, sobald diese Herrschaft ihr wahres Antlitz zeigte. Die Engländer werden in Palästina gar keine eiserne Hand gebrauchen müssen: sie werden sich ohne weiteres (und ohne den britischen Steuerzahler zu belasten) hinter dem jüdischen S ü n d e n b o c k verstecken können... „New P a 1 e s t i n e*\ ein überaus gemäßigtes zionistisches Blatt, schreibt, daß „die Entwicklung eines Kolonisationslandes in erster Reihe die Ausschaltung jeglicher aufregender Zwischenfälle erforderlich macht"; das unparteiische Fachblatt, „P n 1 e s t i n e and N e a r East" versichert, daß der wirtschaftliche Wohlstand Palästinas die Folge jüdischer Kapitalseinwnnderung in dieses verhältnismüßig ruhige Land ist. Das wird wohl stimmen. Hiemit wird aber die Parlamentsidee vom Aufbaustandpunkt totgesagt, den eine parlamentarische Holle würde erst einen regelrechten Brand im Lande entfachen und der Kapital sein Wanderung wie der allgemeinen Entwicklung, ein für allemal ein Ende setzen. Die zionistische Presse sollte sich nicht damit begnügen, Tatsachen festzustellen, sondern sollte auch den Mut aufbringen, aus den Tatsachen Schlußfolgerungen zu ziehen. Denn jetzt, nachdem England offenkundig nicht mehr gewillt ist, die „unangenehme Diskussion bezüglich der Pariainentsfrage aufzuschieben", verliert das weitere Schweigen der Zionisten jeden Sinn. Das offene Spiel der Mandatarmacht zwingt uns ebenfalls Offenheit und Aktivität auf. Und zwar auf allen Fronten. Wir müssen dafür sorgen, daß der Mißton unseres linken Flügels, der so gefährliche defnitistische Neigungen in der Parlamentsfrage zeigt, sowie das Hin und Her des „Jewish Chronicle" (vom 28. Oktober 1932X, welcher für eine „jüdischarabische Verständigung" in „Weizmannschem Geiste", das heißt also im Geiste der Parlamentsbereitschaft plaidiert, ein Ruf in der Wüste bleibe. Die jüdische Oeffentlichkeit muß Mittel finden, um diese def artistische Gesellschaft im Zaune zu halten. Jeder Versuch, im gegenwärtigen Kolonisationsstadium parlamentarische Institutionen — in welcher Form immer — in Palästina: einzuführen, muß und wird von der jüdischen öffentlichen . Meinung, als offene Kriegserklärung aufgenommen, werden. Es wird vonnutzen sein, wenn diejenigen englischen Kreise, die es angeht, diese Tatsache rechtzeitig ins Kalkül ziehen. mne gegen Meiw tiroßntann Die von den Mitgliedern der sozialistischen „Histadruth" in Palästina gegen Mitglieder der nationalen Gewerkschaft „Irgun" inszenierten Ueberfälle dürften vor dem . Zionistischen Kongreßgerichte zur Erörterung kommen. Die J. T. A. meldet: Die Allgemeine Jüdische Arbeiterföderation Palästinas (Histadnjth Haowdim) Hat beim Gericht des Zionjstenkongresses Klage gegen den Vizepräsidenten der Weltunion der Zionisten-Revisipnisten, Meir Großmann in London, und gegen das revisionistische Hauptorgan „R a.s s w j e t" in Paris wegen verleumderischer . Beleidigung erhoben. Inkriminiert werden ein Artikel Großmanns in der Warschauer jiddischen Tageszeitung „Moment" und einige Artikel im .Rasswjet", in denen die Behauptung aufgestellt wurde, die Histadruth habe der Polizei die Namen von illegal in das Land gekommenen Revisionisten angegeben, um deren Ausweisung zu erwirken; auch hätten Führer der Histadruth erklärt, daß ihnen arabische Arbeiter lieber seien als revisionistische Ar heiter. Das Kongreßgericht wird Großmann und die Redaktion des „Rasswjet" auffordern, für diese Behauptungen Beweise zu erbringen. * Herr Meir Großmann erklärt mit Bezug auf diese Anklage: Ich habe weder im „R a e s w j e t" noch im „H a j n t" noch in irgend eineranderen Zeitung behauptet, daß die Histadruth der palästinensischen Polizei Informationen über angeblich illegal in das Land gekommene Revisionisten zukommen lasse. Wohl aber habe ich auf der Pressekonferenz im revisionistischen Hauptbüro am 1. November erklärt, daß die Vertreter der Histadruth bei jeder Gelegenheit sagen, daß sie in ihren Betrieben lieber arabische Arbeit er sähen als j ü d i s c h e A r b e i t e r," die außerhalb der sozialistischen Gewerkschaften stehen. Ich bin bereit, diese meine Erklärung vor dem Kongreßgericht zu erhärten. Die revisionistische Exekutive hat zweimal die Histradruth ersucht, mit ihr über Errichtung neutraler Arbeitsnächweise und 'Einführung eines Zwangsschiedsgerichts zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu verhandeln. Die Histadruth hat diesen Vorschlag abgelehnt Anklage gegen den Zionistisch-revisionistischen Sonderverband und den Vizepräsidenten Dr. Soskill Aus London wird gemeldet: Ueber Antrag der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hat der Kongrefianwalt, Herr Rechtsanwalt Dr. A. Barth, Berlin, gegen den Sonderverband 'der Zionisten-Revisionisten, sowie gegen Herrn Dr. S. E. Soskin beim Vorsitzenden des Ehrengerichts, Herrn Rechtsanwalt und Notar S. Gronemann, Berlin, die Ehrengerichtsklage erhoben. * Die Serie von Anklagen gegen den Revisionismus ist ein Teil jener Aktion, welche darauf hinauszielt, durch Ausschließung der Revisionisten aus der Weltorganisation dem vom letzten Kongreß — unter dem Einflüsse der revisionistischen Delegation — abgelehnten früheren Präsidenten, Professor W e i z m a n n, den Weg zurück freizumachen» Die von einigen Blättern verbreitete Version, daß Präsident S o k o 1 o w, der Nachfolger Weizmanns, energisch! gegen den sofortigen Ausschluß der Revisionisten Verwahrung einlegen mußte, charakterisiert die Lage. Ebenso charakteristisch ist. daß gleichzeitig mit der Anklage-Kampagne in amerikanischen Zeitungen unter großer Aufmachung eine Aktion: „Zurück zu Welzin a n n" eingesetzt hat. lieber diese, für die Zukunft der Zionistischen Organisation höchst bedeutsamen Vorfälle wird noch zu reden sein. Präsident Lebrun — Patron des Briand-Waldes in Palästina Der Präsident der französischen Republik, Herr Lebrun, hat sich bereit erklärt, das Patronat über die Aktion zur Schaffung eines Briand-Waldes auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds in Palästina zum Andenken an den verstorbenen großen französischen Staatsmann und Freund des jüdischen Palästina- Werkes, A r i s t i d e Briand, zu übernehmen. 1000 Pfund dem Keren Hajessod hinterlassen Aus Johannesburg (Südafrika) wird gemeldet, daß Herr Chaim Harzenstein, der dort im Alter von 85 Jahren starb, 1000 Pfund dem Keren Hajessod ver~ macht hat. 100 Pfund Geldbuße für das Wort „Shylock" Sir Daniel Levy, der Vorsitzende des Parlaments der australischen Provinz Neusüdwales, verklagte eine in Sydney erscheinende Arbeitertageszeitung, die über ihn geschrieben hatte, er habe während seiner Amtszeit als Oberstaatsanwalt in einem gewissen Fall als Shylock gehandelt. Der Anwalt Sir Daniel Levys führte vor Gericht aus, sein Mandant sei stolz auf seine Zugehörigkeit zum Judentum, aber er könne es sich nicht gefallen lassen, ein Shylock genannt zu werden. Das Gericht gab der Klage Folge und verurteillte den Redakteur der beklagten. Zeitung zur Leistung einer Geldbuße von 100 Pfund. Sir Daniel Levy, einer der angesehensten australischen Juristen, betätigt sich sehr aktiv im jüdischen Gemeindeleben und redigierte vo? einiger Zeit das jüdische Organ „Australien Hebrew". Eine Palästina-Abteilung auf der britischen Reichsausstellung Am 16. Dezember 1952 wird in London der Minister für die Dominions J. H. Thomas.im Grosvenor House eine von der British Commonwealth League organisierte Reichsausstellung (Empire Exhibition and Market) eröffnen. Die Ausstellung wird eine umfassende Schau der Produkte der englischen Dominions und Kolonien bienten, der im Hinblick auf die Ottawa-Konferenz eine große Bedeutung beigemessen wird. Auf der Ausstellung wird eine von der Präsidentin der Wizo, Frau I. M. S i e f f, eingerichtete Palästina-Abteilung zu sehen sein. AUS PALÄSTINA. Die Verteilung der Palästina-Zertifikate für Arbeiter und Handwerker Die Jewish-Agency hat die für Arbeiter und Handwerker bestimmten Einwanderungszertifikate für das laufende Halbjahr auf die einzelnen Länder wie folgt verteilt: Polen 1060 Arbeiter und 300 Handwerker; Rumänien 215 und 45; Litauen 195 und 18; Aden 130; Deutschland 90 und 23; Lettland 90 und 5; Tschechoslowakei 75 und 5; Griechenland 52 und 40; Amerika; 40 und 25; Oesterreich 35 und 6; Rußland 3ö; Jugoslawien 30; die restlichen Zertifikate wurden auf 24 weitere Länder in Europa, Amerika und Asien verteilt. Die 1200 Zertifikate für Verwandte von Palästina-Ein* wohnern sind in den obigen Ziffern nicht inbegriffen* Norwegische Schiffe für den Export palästinensischer Orangen Die Exporteure Palästinas haben einen Vertrag mit einer norwegischen Schiffsgesellschaft abgeschlossen, zwecks Verfrachtung palästinensischer Orangen. Es wurde ein Einheitspreis von 7 Mil per Kijpte festgesetzt, gegenüber 8 Mli, welche englische Gesellschaften fordern. Gegen die Bodenspekulation in Palästina In T e 1 - A w i w fand auf Anregung des Exekutiveraitgliedes Emanuel N e w m a n eine Sitzung der verschiedenen Wirtschafte-Inforuiationsbüros statt, wobei über die Frage der Koordination der wirtschaftlichen Informationstätigkeit gesprochen wurde. Es wurde die Ein» Setzung eines gemeinsamen Komitees vemabart Eint