Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 273 (2.12.1932)
- Date
- 1932-12-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 273 DIE NEUE WELT Seite« JUDEN! Entscheidet euch für das positive Judentum, wählet am 4. Dezember die Zionistische Liste Listenführer Dr. Deslder Friedmann, Oberbaurat Robert Stricker, Dr. Josef Löwenherz Dr* So§kin in PoIiusdhvSdilesien Seit einigen Wochen halt sich der Vize-Präsident der Welt-Union der Zionisten-Revisionisten, Dr. Soskin, in Polen auf. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, engeren Gesinnungsgenossen in geschlossenen Sitzungen Aufklärungen über die politische Situation des Zionismus zu geben und die P e t i t i o n sbewegung des jüdischen Volkes vorzubereiten. So hat sich bis vor kurzem seine Arbeit still und ohne Reklame abgewickelt, bis das Londoner Büro der Zionistischen Exekutive, urbi et orbi bekanntgab, daß Dr. Soskin wegen Disziplinbruchs — er hatte nämlich dem polnischen Ministerium des Aeußeren einen Besuch abgestattet und dasselbe über die Ziele des Zionismus informiert (ein Verbrechen!) als Angeklagter vor das Kongrefigericht gestellt wird. Daß die Herren Brodetsky, Locker usw. durch diese leere Fanfare Dr. Soskin in der jüdischen Oeffentlichkeit Polens noch populärer und beliebter gemacht haben, ist klar. Wir schlesische Revisionistlen haben es uns selbstverständlich nicht nehmen lassen, unseren verehrten Führer dringend zu uns zu laden. Trotz seiner beschränkten Zeit, seiner Ueberlastung mit nationaler Arbeit (er ist bereits 6 Wochen unterwegs und soll bis Ende Dezember noch 4 Länder besuchen) gab Soskin unserer Einladung seine Zustimmung und verbrachte 3 Tage bei uns. Am Tage seiner Ankunft in Bielitz, fand eine Kreiskonferenz statt, bei der Dr. Soskin vertrauliche Mitteilungen über seine Aufklärungsarbeit beim Völkerbund und den auswärtigen Aemtern der einzelnen Länder machte. Wir konnten uns von der überaus wertvollen Arbeit unseres „Völkerbunddelegierten" und gleichzeitig von der Passivität, respektive falschen Politik des offiziellen Zionismus überzeugen. In der überaus interessanten Debatte nahmen Delegierte aus Oswiscim, Chrzanöw, Dziedzice, Bielitz, Äywiec und Cieszyn statt. Sodann referierte Dr. Soskin über die nächsten Aufgaben der revisionistischen Partei, sowohl in den einzelnen Ländern, wie auch am neuen Sitz unseres Exekutiv-Komitees in Genf. Insbesondere behandelte Dr. Soskin die Petition und die Taktik der Revisionisten im Verhältnis zum XVIII. Zionistenkongreß. Die Delegierten der einzelnen Städte versprachen dem Führer, alle Kräfte aufzubieten, um mit einer doppelt so starken Delegation zum XVIII. Kongreß zu kommen und so den vollständigen Sieg des Herzl-Zionismus auf dem Kongresse zu sichern. Abends fand eine Massenversammlung statt. Trotz der kurzen Zeit, die zur Vorbereitung der Versammlung übrigblieb, fanden sich zirka 600 Juden ein, die gespännt eineinhalb Stunden zuhörten, was Dr. Soskin über „Wirtschaft im Zionismus und Internationale P o 1 i t i k" zu sagen hat. Sachlich, ruhig, klar, gab Soskin einen historischen Ueberblick der Entwicklung des Zionismus, um dann zur Geschichte der letzten Jahre des Zionismus, seiner Wirtschaft und Politik überzugehen. Besonders starken Eindruck machten seine Mitteilungen über die Gefahren des Parlamentes und der Einkommensteuer in Palästina, Einrichtungen, denen gewisse Kreise des Zionismus leider ihre Zustimmung gegeben haben. Tosender Beifall folgte den hochinteressanten Ausführungen Dr. Soskins und unter Absingung der Hatikwah gingen die Versammelten in gehobener Stimmung auseinander. Am nächsten Tage besuchte Dr. Soskin Äywiec und Cieszyn, um mit den dortigen Parteifreunden Fühlung zu nehmen und unser Arbeitsprogramm zu besprechen. Der Besuch Soskins in Polnisch-Schlesien war ein neuer Beweis der Vitalität des Revisionismus und wird sicher dazu beitragen, unsere Reihen noch mehr zu stärken. Dr. David Wdowinsky. %m Es gehl jeden anl Werbewochen föde Wäschereparatur, exaktest ausgeführt, Groschen / Strumpfe repassieren, garantiert unsichtbar von 30 Groschen aufwärts / Strümpfe anstricken, per Paai S 1.30 / Neuanfertigung von Herren-, Damen- und Bettwäsche nach neuesten Modellen, feinst und billigst Wäsche-Erzeugnis ha us Macourek * Epstein VIII, Skodagaia« 30 (Ecke Alterilr.) tie§ellsdiaft§» u+ Studien9 reise nach Palastina 28. Februar 1933 bis 28. März 1933 Wie bereits angekündigt, veranstaltet der A n 81 r o- Palästinensische Wirtschaftsdienst im Frühjahr 1933 seine erste große Gesellschafts- und Studienreise nach Palästina. Die Reise wird in Wien am 28. Februar 1933 angetreten und dauert bis zum 28. Mörz 1933. Die Seereise wird von Triest bis Jaffa und zurück von Haifa bis Triest auf einem Eildampfer des Lloyd Triestino zurückgelegt. Für den Aufenthalt im Lande sind 1? Tage vorgesehen. Das Programm des Landaufenthaltes umfaßt den Besuch der Städte Palästinas sowie eines großen Teiles der Siedlungen und ermöglicht den Reiseteilnehmern, sich mit dem fortschreitenden Aufbau des Landes, seinen wirtschaftlichen Institutionen, den modernen jüdischen Siedlungspunkten und den vielen Sehenswürdigkeiten des alten Judenlandes bekannt zu machen. Die Tage um Purim verbringt die Reisegesellschaft in Tel-Awiw und beteiligt sich an dem schon traditionell gewordenen Pnrimkarneval. Im Anschluß an den Aufenthalt in Palästina kann auf der Rückreise auch in Aegypten Aufenthalt genommen werden. Die Anmeldungen zur Teilnahme an dieser Reise haben bereits begonnen und werden in der Reihenfolge des Einlaufes vorgemerkt. Es liegt daher im Interesse der Reiseteilnehmer, die Anmeldungen ruschestens vorzunehmen, damit ihnen die reservierten guten Kabinen zugeteilt werden können. Die Pauschalpreise für das ganze Arrangement sind äußerst niedrig gehalten und ermöglichen den weitesten Kreisen die Teilnahme an dieser Palästina-Reise. Mit der Reiseleitung wurde Frau Berta Taubes betraut. Der ausführliche Prospekt, welcher ein detailliertes Programm der Reise, die Pauschalpreise für das Arrangement, die Zahlungsmodalitäten und ein Merkblatt für die Reiseteilnehmer enthält, wird über Verlangen kostenlos zugeschickt. Auskünfte werden im Sekretariat des Austro- Palästinensischen Wirtschaftsdienstes, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), Telephon A-17-5-40 Serie, jeden Montag und Donnerstag von halb 7 bis 6 Uhr und an allen Werktagen von der Reiseleiterin Frau Berta Taubes, IL, Böcklinstraße 92/5, Telephon B-51-705, erteilt. Die Industrie Palästinas und ihre Zukunft Wag ein bedeutender Industrieführer fordert Auf einer kürzlich stattgefundenen Konferenz der Industriellen Palästinas hielt der bekannte Führer des Verbandes palästinensischer Industriellen, Schenkar, ein Referat über die Zukunft der palästinensischen Industrie, wobei er sich mit den wichtigsten Problemen dieses Gebietes beschäftigte. Seine Ausführungen gipfelten in der Behandlung folgender Fragen: 1. Gibt es in Palästina Möglichkeiten für eine Industrie? 2. Wie wird sich die Entwicklung auf die wirtschaftliche Lage des Landes auswirken? 3. Welche Umstände behindern die Entwicklung unserer Industrie und welche fördern sie? In den letzten Jahren konnte eine intensive industrielle Entwicklung in Ländern konstatiert werden, wo die kulturellen Voraussetzungen nicht günstig waren. So haben Polen und Rumänien eine mächtige Industrie geschaffen, weshalb auch für uns eine solche Möglichkeit besteht. Allerdings fördert der Staat dort die Industrie durch Gewährung von Krediten und durch Schutzzölle. In Palästina ist das Gegenteil der Fall. Abgesehen davon, daß unsere Regierung nichts zur Unterstützung der Industrie tut, machen große Teile der jüdischen Bevölkerung und Parteibürokratie Propaganda gegen eine jüdische Industrie. Es gibt Fälle, wo Menschen, die mit Kapital zur Industrie-Investierung ins Land kamen, eine solche Investition seitens jüdischer Einwohner abgeraten wurde. Aber wir, die seit Jahren hier Erfahrungen gesammelt haben, wissen die** Chancen der Industrie richtig einzuschätzen. Unsere eigene Existenz und Prosperität bilden den besten Beweis für unsere Prognose. Es gilt nun, unsere kleine Industrie in eine große, für den ganzen Nahen Orient bestimmte umzuwandeln. Tel-Awiw kann zu einer Industriemetropole werden. Das bisherige Fehlen mancher Produkte ist kein Hindernis. Der Transport ist nicht teuer, elektrische Kraft genug vorhanden. Die ganze Welt leidet an Ueberproduktion. Wir hingegen wohnen in einer Gegend, wo man noch nicht die notwendigen Maschinen besitzt. An der Quelle der Baumwolle sitzend, haben wir hiefür noch keine Verarbeitungsindustrie. Trotz der Ueberfülle an Rohmaterial besitzen wir noch keine Textilfabriken. Unsere nächste Aufgabe muß die Schaffung von Industrien für Bier, Glas, Küchengeräte, Zucker, Galanteriewaren u. a. sein. Die Juden Polens, die in ihrem Lande diese Industrien kennen und an Ueberproduktion ersticken, könnten sich dieser lohnenden Aufgabe widmen. Bezüglich des Einflusses der Industrie auf das Wirtschaftsleben des Landes sind sich heute schon alle darüber einig, daß die Industrie ein Segen für das Land ist. Da Palästina zu wenig Boden für Millionen Menschen hat, müssen andere Existenzquellen gesucht werden. Die nationale Wirtschaft wird nur dann stark sein, wenn sie sich auf mannigfache Lebensquellen stützen kann. Agrikultur, ah sich unerläßlich, stellt hohe physische Anforderungen an den einzelnen, während die Industrie nicht so große physische Energien verlangt. Jeder Artikel, den wir vom Ausland beziehen, enthält 30 Prozent Arbeitsenergie. Diese muß im Land aufgewendet werden. Wir müssen vornehmlich unsere Beschwerden den Führern gegenüber vorbringen. Nur durch unsere eigene übermenschliche Anstrengung ist die kleine palästinensische Industrie geschaffen worden. Es wäre viel mehr geleistet worden, wenn unsere Führer mehr Verständnis für unser Werk gehabt hätten, zumindest eine zentrale Institution für Gewährung langwieriger Kredite zu niedrigem Zinsfuß wäre erforderlich. Auch die zionistische Anglo-Palestine Bank hat noch nicht das nötige Verständnis. In der letzten Zeit haben zwar kleinere Banken Verbindungen mit der Industrie angeknüpft, aber ihre Tätigkeit beschränkt sich auf den Eskompte kurzfristiger Wechsel. Jetzt, da die Banken große Kapitalseinlagen besitzen, ist es schwer, billige Kredite zu bekommen. Auch das Zollproblem muß geregelt werden. Unsere Bemühungen zur Ermäßigung der Zölle für R o hprodu kte lassen sich nicht schildern. Die Regierung zeigt sich jetzt etwas nachgiebiger, arbeitet aber ungeheuerlangsam. Die Erhöhung des Zolles für L u x u swaren ist uns bisher nicht gelungen, obwohl beim Schutz der eigenen Luxusindustrie viele hunderte Einwanderer Beschäftigung finden könnten. Eine besondere Frage bildet diebilligeArbeitskraft der Nachbarländer. Allerdings rechtfertigt die bessere technische Ausrüstung und höherwertige Leistungen können die Konkurrenz ermöglichen. Mit der Zeit werden wir uns mit unseren Arbeitern verständigen. Sie werden einsehen, daß ihnen aus ständigen Konflikten kein Nutzen erwachsen kann. Unser nationales Gefühl und die Sorge um eine gedeihliche Wirtschaft sind die beste Garantie für ein harmonisches Zusammenarbeiten. Aber die Arbeiterführer müssen auch unseren Standpunkt würdigen. Scharfen Protest müssen wir gegen die Leitung der Jewish Agency erheben, die keinerlei Verständnis für unsere Aufgaben hat. Zum Schluß noch die Frage der Einkommensteuer. Hier müssen wir auf der Hut sein; denn hier liegt eine große Gefahr für die Privatinitiative in unserem Lande. RFOLGREICHSTER KLAVIER- UNTERRICHT MEISTERSCHULE S 2.- KORREPETITION S 1.- UBBUNQSOELBQENHElT Unter „Staatlich geprüfte Konzertpianistin" an die Adm. d. BL Eine umfassende informationsschrifr (IDer die grosse Bewegung Im Zionismus Verfasstvon Robert Strieder Herausgegeben von der Union der Zlonlsten* Revisionisten Oesterreichs / Preis 20 g / Erhältlich t>. Verlag „Neue Welt'4, Wien II, Untere Hugartenstr. 35