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Die neue Welt · 1932-12-02 · Heft 273 (2.12.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 273 (2.12.1932)
Date
1932-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seife 6 DDE NEUE WELT Nr. 27% Jüdisches JntirBucti für Oesterreich i» 240 Seiten_Reduzierter Preis S 4.- Au8 dem Inhalte: FQhrer durch das Jüdische Wien und die jüdischen Gemeinden Oesterreichs / Statistik der Juden Oesterreichs Literarisch» Beitrage aus dem NachlaS der verewigten Oberrabb. Prof. Dr. Chajes u. Dr. J. S. Bloch, ferner von Saul Chajes, Dr. Feuchtwang, Dr. Leo Ooldhammer, Dr. Orunwald, Professor Di. Herzog, Dr. K rein, Prof. Samuel Kraus, Dr. A. Kamlnka, Samuel Melsels, Dr. Samuel Rappaport, Dr. Rosenmann, Dr. Taglicht, Reglerungsrat Dr.Wachsteln, dem Präsidium der Liener Kuliusgememde Professor Dr. Pick, Dr. Lowenherz und Dr. Ohrenstein, Kultusrat Dr. Viktor Baumlnger u. a. M WU fttottä Wien Ii UeditattlnstiJ/9 unter denen Deutschland heute leidet» begründet, sondern vielmehr in der Tatsache, daß das deutsche Judentum in seinem eigenen Lande moralisch isoliert ist. Die gesamte deutsche Intelligenz schweigt zu der hemmungslosen Judenhetze der Nationalsozialisten und findet es nicht für nötig, ihre Stimme gegen die mit vergifteten Waffen arbeitende Agitation der Hitler-Leute in die Waagschale zu werfen. Im übrigen glaubt Ussischkin nicht, daß in Deutschland sich große politische Umwälzungen ereignen werden. Eine ganz andere Lage fand Ussischkin in Italien vor. Ein großer Teil der Juden Italiens, sagte Ussischkin, ist nationaljüdisch und zionistisch gesinnt. Mehrere dieser Juden bereiten ihre Reise nach Palästina vor, ungeachtet dessen, daß sie italienische Patrioten sind und Italien mit Liebe anhängen. In Italien ist jetzt eine starke hebraistische Bewegung in der Entwicklung. Die in glänzender politischer Lage sich befindenden?0.000 Juden Jugoslawiens, sagte Ussischkin weiter, sind zionistisch gesinnt. Ungeachtet dessen macht auch hier die Assimilation große Fortschritte» dies besonders unter den serbischen Juden, die einen ganz anderen Typus als die kroatischen Juden darstellen. Die Zahl der Mischehen steigt. Ussischkin besuchte auch das Elsaß und fand, daß die politische Position der dortigen Juden eine sehr gute ist. Der „judenreine*4 Reichstag. Max Reinheimer führt im „Schild" aus: Jkt der 6. November für unsere Judenfeinde kein Freudentag geworden, so können sie immerhin einen Erfolg buchen: Sie haben es erreicht, daß im Reichstag,-der sich am 6. Dezember konstituieren wird, kein Abgeordneter jüdischen Glaubens zu finden ist. Die Parteien, die immer jüdische Kandidaten an aussichtsreicher Stelle nominierten und damit die Judenfeindschaft ablehnten, haben unter dem Druck der antisemitischen Hetzereien nicht mehr den Mut, jüdische Kandidaten an aussichtsreicher Stelle aufzustellen. So sind die deutschen Juden in diesem Reichstag durch keinen Abgeordneten, der sich zum Judentum offen bekennt, vertreten, ein Vorkommnis, das interessant ist und von dem man sagen kann, daß es seit Bestehen eines Reichsparlaments einzig dasteht. Natürlich befinden sich unter den 580 Abgeordneten einige Dissidenten, von denen bekannt wird, daß sie jüdischer Abstammung sind, die aber mit dem Judentum gebrochen haben. In den N a ch kr i e gs - R ei chs t agen, die man so gern als Judenparlamente verschrie, saßen Juden in ganz verschwindender Anzahl. Am stärksten waren die Juden in der verfassunggebenden Nationalversammlung vertreten, und zwar mit neun Abgeordneten, die sich auf vier Parteien verteilten: Deutsche Volkspartei, Demokraten, Sozialdemokraten und ein Unabhängiger. In den dieser Nationalversammlung folgenden Reichstagen finden wir noch vier Abgeordnete jüdischen Glaubens, und zwar Georg Bernhard und den zu früh verstorbenen, auch im RjF. wohlbekannten Dr. Ludwig Haas von der demokratischen Fraktion und Dr. Moses und Hugo H e i m a n n von den Sozialdemokraten. Im Reichstag vom 14. September 1930 saßen nur noch die beiden Letztgenannten. Im Reichstag vom 31. Juli blieb Hugo Heimann der einzige Jude und nun ist auch er nicht mehr da. In dieser Tatsache spiegelt sich die Tragik der deutschen Juden unserer Zeit wider: Obwohl sie formell vollkommen gleichberechtigt sind, finden sie im Parlament keinen Platz mehr." „Wer einen Juden totschlägt, beerbt ihn" Der Deutsche Volksgemeinschaftsdienst teilt mit: Wie immer, wenn sich die NSDAP, in einer komplizierten Situation befindet, verstärkt sich auch jetzt wieder die nationalsozialistische J u de n h e t z e. In einer Versammlung der nationalsozialistischen Buchhändler-Zunft in Berlin erklärte am 22. November d. J. der Referent Denecke u. a.: „Wenn der Jude sieht, daß sein Geschäft nicht mehr so viel abwirft, wird er von selbst zu einer Auflösung des Warenhauses schreiten. Denn selber arbeiten will der Jude ja nie. Wenn wir dem Juden die Existenzmöglichkeiten derartig beschneiden, wird er unser Land fluchtartig verlassen und sich wahrscheinlich schnellstens nach Frankreich begeben. Hinzukommen muß, daß kein Jude die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten darf, daß er nicht Badh freiem Ermessen Handel treiben darf, daß er nicht Beamter werden kann, daß er nicht in deutscher Sprache Zeitungen und dergleichen schreiben darf. Wir schützen das Privateigentum und anerkennen es, doch gibt es hier eine Ausnahme: kommt so zum Beispiel ein krummna6iger, pl&ittiißiger Hund zu uns mit einem großen Aktienkapital, so ein Jude, der erst vor kurzer Zeit im Kaftan mit seinen Pajes aus dem Osten gekommen ist, dann nehmen wir ihm seine Aktienpakete ab und geben ihm nur 4 bis 5 Aktien wieder, damit er von diesem Gelde seine Reise nach Jerusalem bezahlen kann." Durch einen Zwischenruf, forderte während dieser Ausführungen ein Anwesender den Redner auf, man solle den Juden jede Erwerbsmöglichkeit nehmen, dann würden sie a tempo verschwinden. Darauf erklärte Denecke wörtlich: „Damit würden Sie ja die Judenfrage sofort lösen. Dann brauchte ich ja garnicht erst den kurzen Gesetzentwurf einzureichen: Wer einen Juden totschlägt, beerbt i hn." Dazu bemerkt der „Deutsche Volksgemeinschaftsdienst": „Das ist doch eine Sprache, wie sie in solcher Heftigkeit selbst in nationalsozialistischen Versammlungen bisher selten war. Nach uns zugegangenen zuverlässigen Mitteilungen muß auch festgestellt werden, daß die NSDAP.-'Führung in den Kreisen der immer ungeduldiger werdenden SA. da und dort eine regelrechte Pogromstimmung zu entfachen sucht, ganz abgesehen von der nach wie vor in unverminderter Stärke andauernden, von Anfang an hauptsächlich gegen die Juden gerichteten Hetze nationalsozialistischer Blätter vom Schlage des „Stürmer". Warum sie den Kronprinzen ablehnen Der Führer der NSDAP.-Fraktion im Preußischen Landtag, Wilhelm Kube, veröffentlicht im Preußischen Pressedienst einen Artikel: „Moskau, Monarchie oder Nationalsozialismus?", in dem er gegen den früheren Kronprinzen loszieht, und schreibt, die Nationatisozialisten lehnen jede Kombination mit dem Kronprinzen ab, der als Führerperson für das Dritte Reich nicht in Frage komme. Kube begründet das besonders mit der „peinlichen Vorliebe des Kronprinzen für die Mitglieder des jüdischen Volkes". Zum Schluß wendet sich Kube gegen den Reichspräsidenten von Hindenburg: „Lieber Moskau als Hitler, das ist nicht nur die Parole der Juden in Deutschland, das ist der Sinn[ des politischen Kampfes der Herren von Papen und Dr.. Hugenberg, das ist das Ende der Politik jenes Marschalls, der am 9. November 1918 seinen Degen der Regierung Ebert zur Verfügung stellte und der seinem'Kaiser den dringenden Rat gab, Armee und Tradition zu verlassen und nach Holland zu gehen." Schwarze Listen für die Hochschullehrer in Deutschland? In einem von der Leipziger Studentenschaft veranstalteten Arbeitslager kursierte ein nationalsozialistischer Fragebogen, der unier der Marke „V e r t r a u 1 i c h" die Studenten auffordert, über die politische Einstellung der Hochschullehrer Angaben zu machen. Es wird da gefragt: Welche Dozenten sind Juden/welche haben jüdisches Blut, welche sind arisch, haben aber Jüdinnen zu Frauen (Mädchenname der Frau?), welche sind als Freimaurer bekannt (mit Angabe der Loge), welche sind M a rx i s t e n usw. Auch nach Angehörigen anderer Parteien sowie nach eingeschriebenen Nationalsozialisten und nach Neutralen wird gefragt sowie danach, welche Dozenten Ausländer sind und welchem Volke sie zugehören. Generalversammlung der jüdischen Volksbank „hvria" Am 16. November fand in Berlin die Generalversammlung der Volksbank „Iwria" statt. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Herr Direktor Georg Kareski, eröffnete die Versammlung mit einem längeren Bericht über die Situation der Bank. Er gab eine Darstellung der Krise der letzten Jahre und ein Bild von der Entwicklung des Genossenschaftsgedankens in Deutschland. Seinen Ausführungen war zu entnehmen: Die „Iwria" ist dank einer vorsichtigen Geschäftspolitik gut über die schwierigen Zeiten hinweggekommen und ist in der Lage, der Generalversammlung eine Bilanz vorzulegen, die zwar ohne Gewinn abschließt, aber eine völlig wahrheitsgetreue Darstellung der Lage des Unternehmens gibt. Alle Verluste wurden in dieser Bilanz durch entsprechende Abschreibungen berücksichtigt, so daß die Verhältnisse der Bank als völlig bereinigt angesehen werden können. Herr Direktor Kareski wies besonders auf die im laufenden Jahre vorgenommene starke Unkostensenkung hin. Er sprach dann über die Förderung des jüdischen Genossenschafisgedankena in Deutschland und erwähnte die giünstige Entwicklung der Genossenschaftsbank in Chemnitz, ebenso die Gründung des Leih- und Sparvereins „Esra" e. G. m. b. II., die als Ergänzung der Tätigkeit der jüdischen Genossenschaftsbanken in Berlin, sich dem Klein- und Kleinstkr editgeechäf t widmen soll. Die vorgelegte Bilanz, die mit 427.000 Mark auf beiden Seiten abschließt, wurde debattenlos genehmigt, dem Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig Entlastung; >■■■■•■■■■■>■■»■■■■■■■■■<<■<>■»<•»•»————»—a——;! Abonnieren Sie die I „Mischar w'Taasia" ii (HANDEL UND INDUSTRIE) j!! Hebräische Zweiwochenschrift, gewidmet den :! wirtschaftlichen Problemen Palästinas und des j '< \ Nahen Ostens j;; Bringt die neuesten und verläßlichsten Nach-; richten über alle Fragen der Wirtschaft und des;; Geschäftslebens in Palästina und dem Nahen; Osten. Jährlicher Bezugspreis: Sh. 15/—. Probenummer auf Verlangen gratis. ' Adresse des Hauptbüros: „Mfschar w'Taasia", Tel-Awlw;; I P. O. B. 21 j; 1 imilMMWIMIIIIIMHIMUMMIIMMMIWWMMIIMH ereilt. In den Aufsichtsrat wurden hinzugewählt: Direktor Belilowsky, Salomon Drimmer, Konsul Dr. Feniger. Zum Schluß entspann sich noch eine Debatte, in der die Frage der Liquidität und der Risikoverteilung der Genossenschaft eine Rolle spielte. Es sprachen die Herren Roth, Steuer, Rothenberg, Drimmer und Doktor Taizlin, sowie die Vorstandsmitglieder Steinberg und Dr. Silbert. Herr Direktor Kareski schloß die Generalversammlung mit einem Appell, alle Kräfte anzuspannen, um die Entwicklung der „Iwria" in den nächsten Jahren erfolgreich zu gestalten. Breslau Am 20. November fand eine Mitgliederversammlung der revisionistischen Ortsgruppe statt, bei welcher die aktuellen Fragen der revisionistischen Union besprochen wurden. Es wurde folgende Resolution gefaßt: „Die Mitgliederversammlung der Zionisten-Revisionisten, Ortsgruppe Breslau, gibt der Erwartung Ausdruck, daß nach den Beschlüssen von Calais und Wien die Frage des Verhältnisses zur Zionistischen Organisation definitiv geklärt ist. Eine Neuaufrollung erscheint uns vorläufig überflüssig und unzweckmäßig. Brith Trampeldor (Vom Büro des Shiltom in Paris.) Palästina. In Tel-Awiw fand ein Kinnus Bene- Betar statt, an dem sich alle Betarim beteiligten, die ihre betarischen Abschlußprüfungen bereits abgeschlossen haben. — Der I r g u n Haklai Revisionisti, d. fader Verband der auf KKL.-Boden gesiedelten revisionistischen Arbeiter, berichtet, daß er den Boden der neuen Kolonie „Ramat-Tjomkin" (in der Nähe Nathanias) bereits gepflügt hat. Das Problem, von dem dieser Irgun jetzt steht, ist die Beschaffung eines Kredits zum Bau des Hauses der neuen Kolonie; bis dahin sind die Mitglieder des Irgun gezwungen, in der benachbarten Kolonie Nathania zu wohnen. Der Irgun ist bei der Regierung als Genossenschaft m. b. H. „Ramat-Tjomkin eingetragen. Bulgarien. Der Betar Sofias veranstaltete am 7. November eine Massenversammlung zum 15jährigen Jubiläum der jüdischen Legion und der Balfour-Deklaration. Auf dieser Versammlung wurden auch die letzten Arbeiterkonflikte in Palästina behandelt. Die Versammlung faßte folgende Resolution: „Juden Sofias, die sich versammelten, um die gefallenen Helden der jüdischen Legion xind den Jahrestag der Balfour-Deklaration zu feiern, senden der nationalen Arbeiterschaft in Palästina den Ausdruck ihrer Bewunderung für ihren selbstlosen Kampf bei der Verteidigung des nationalen Charakters der jüdischen Wirtschaf t^und versprechen ihr uneingeschränkte Unterstützung.' — Auf der letzten Landeskonferenz der Zionistischen Organisation Bulgariens erstattete der KKL. Bulgariens einen Bericht, in dem die Leistungen des Betar für den KKL. besonders hervorgehoben wurden; der Betar steht unter allen zionistischen Gruppen Bulgariens an erster Stelle in bezug auf die Leistungen für den KKL. Lettland. Nach Erwerbung der jüdischen Tageszeitung „Owent-Post" durch die revisionistische Union Lettlands übernahm der Betar die Durchführung der Werbeaktion für das neue judenstaatlerische Organ. Die Aktion brachte einen guten Erfolg. — Am 16. November verließen Lettland 14 Olim des Betar, um nach Palästina zu gehen. — Der Betar in Lettland umfaßt 19 Kenanim und 4 Initiativgruppen. Argentinien. Der Betar in Buenos-Aires entwickelt sich und zieht immer weitere Kreise der jüdischen Bevölkerung in seinen Wirkungskreis. Vor kurzem wurde eine besondere Peluga für die s e p h a rdischejugend gegründet, die ihre Arbeit ausschließlich in hebräischer Sprache führt. Die Netzivut Argentiniens geht jetzt daran, für die Betarim, die die Absicht haben, in der nächsten Zukunft nach Palästina zu gehen, eine Hachschara-Institution zu gründen. Legitimation« aktion. Bis heute versandte der Shilton 8016 Legitimationen an 252 Ortsgruppen, * Brith Trampeldor Berlin Die Chawerot der Plugot Gilboa und Awiw neftV men an den vom Arbeiter-Samariterbund veranstalteten Sanitätskursen teil. —- An jedem Sonntag finden unter Leitung des Naziw Feiwel pioniertechnische Uebungen der Darga Gimmel statt. — Herr Dr. Oskar Rabinowitsch nat sich nach seiner Rückkehr nach Berlin bereit erklärt, den bisher vom Mefakked Eger F©leiteten zionistischen Geschichtskursus für die Plugot atterson und Gilboa fortzusetzen. — Der Brith Trumpeldor Berlin fährt in diesem Winter in drei verschiedenen Abteilungen zum Skisport ins Riesengebirge. Quartiere sind bereits gemietet worden. — Auf Einladung und unter persönlicher Führung des Herrn General von Stülpnagel nahm der Mefakked Eger am 26. November an der Besichtigung des ersten Lehrerausbildungskursus des Reichskuratoriums für Jugendertüchtigung teil. Zum Wünsdorfer Lehrgang waren zwei Mitglieder des Berliner Bethar berücksichtigt worden, die auf Grund ihrer Vorbildung beide in den Vorgeschrittenen-Lehrgang eingeordnet worden waren. Die geländeeportliche Ausbildung w&c mustergültig,

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