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Die neue Welt · 1932-12-02 · Heft 273 (2.12.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 273 (2.12.1932)
Date
1932-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 273 DIE NEUE WELT SeKe $ Widtti's lur Palästina -Einwanderer! Das Palästina-Amt teilt mit: Gemäfi den neuen Bestimmungen der Palästina- Regierung muß jeder Einwanderer nach Palästina, gleichgültig, welcher Kategorie, nachweisen, daß er in den letzten sieben Jahren mit Erfolg gegen Pocken geimpft worden ist. Der Nachweis erfolgt durch das übliche Impfzeugnis oder durch Attest eines Arztes. Der Nachweis muß erbracht werden, bevor das Visum erteilt wird.__ Spinoza-Feier Die Spinoza-Feier des Jüdischen Hochschulausschtisscs und des Jüdisch-akademischen Philosophenvereines findet Dienstag, den 6. Dezember . 1952, im Festsaal des Handelsmuseums, Wien, IX., Berggasse 16, um halb 8 Uhr abends statt. Die Festrede hält Dr. Walter Eckstein: „Die Grundlagen der Philosophie Spinozas." Gäste willkommen. PANEUROPA GARANTIERT A IISLANDSEMPFANG AUCH WAHREND DER BISAMBERG»GROSS»SENDUNG 5-Röhren-5chirmgiffer-Empfänger mit elektrodynamischem Lautsprecher, absolute ElnKnopf-Bedieruing und geeichte sendershaia, Dringt ohne Erde— ohne Antenne alle Sender Europas EINFUHRUNGSPREIS S 390*™ Kostenlose Vorführungen g Ruch Teilzahlungen Panradio*Apparate*Vertriebsges* m+ b* ML Farnruf U-24-2-77 Wien I. Am Hof 5 Fernruf U-24-2-77 us Deutschland tfetfage der »Neuen Weif« für Deuluhland % Fili'alredakiion und Administration! Berlin, Charlottenburg 2, JoadifmfteforilMfle 3to Rundschau Treu bis zum Fußtritt! Seit den letzten Reichstags wählen, die dem Haken kreuz zwar eine kleine Schwächung brachten, aber an der Gesamtsituation nichts änderten, hört man nicht viel von den Juden Deutschlands. Nicht viel und nichts Neues. Die Lage, in der sie sich befinden, hat sich sozu sagen stabilisiert: Nicht die Lage der nationaljüdischen, zionistischen Elemente, die ihrem Schicksal klar ins Auge sehen und der physischen und seelischen Judennot mit den gegebenen Mitteln steuern, sondern die Haltung jener Assimilationsschichten, wie sie sich z. B. im C. V. (Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) zusammengefunden haben. Ihnen hat die deutsche Wirklichkeit nichts als Niederlagen gebracht. Alle ihre Versuche, sich in die deutsche Schicksalsgemeinschaft ein zu gliedern, alle ihre Beteuerungen,jtlaß sie die besten und treuesten Diener und Glieder des deutschen Volkskörpers seien, waren fruchtlos. Aber die deutschen Assimilanten sind hartnäckig. Sie lassen nicht so leicht locker. Und sie bezeugen ihre Hartnäckigkeit, ihren Eifer, bieder am deutschen Volkskörper zu hängen, täglich aufs neue. Vor kurzem fanden sich in einem deutschen Städtchen 60 Centralvereinler, also die Elitetruppen der deutschen Assimilation, zu einer Beratung zusammen, die einer höchst aktuellen Frage galt: der Frage nämlich, ob es „unter den obwaltenden Umständen" zweckmäßig sei, daß jüdische Turner der Deutschen Turnerschaft, d. i. der deutschnational-hakenkreuzlerischen Organisation der deutschen Turnverbände, weiter angehören sollen, oder ob es ratsam sei, daß die jüdischen Turner an o'ie Gründung eines jüdischen Sportklubs gehen. Es ist dies ein Problem, das von der nationaljüdischen Jugend in allen Ländern bereits gelöst wurde. Oder anders gesagt: Die jüdische Jugend, stolz und bescheiden, selbstbewußt und sportfreudig, hat überall ihre eigenen j ü d i s c h e n S p o r t v e r b ä n d e ins Leben gerufen und betätigt ihren sportlichen Sinn im Kampf mit den Sportvereinigungen der anderen Nationen. Es gibt bereits eine tüchtige, kampferprobte jüdische Sportjugend, die überall, wo sie mit den Emblemen ihrer nationalen Zugehörigkeit auftritt, sich die Achtung, ja Bewunderung ihrer Sportkollegen errungen hat. Jüdischer Sport ist eine Marke auf dem Gebiete der Weltsportbewegung. Die C.-V.-Juden wollen es anders. Ihre deutschien Mitbürger haben es ihnen in der Wirtschaft, im fheater- und Kunstleben, an den Universitäten, vor allem im Bereich der Politik, zu verstehen gegeben, daß sie ihnen als Weggenossen nicht genehm sind, aber was kümmert, sie, die unbelehrbaren Assimilanten, der tag* liehe Wink mit dem Zaunpfahl, der tägliche Hieb mit der Peitsche? Jene Herren, die über das jüdisch-deutsche Sportproblem berieten, wiesen eindringlich darauf hiiij daß „junge jüdische Menschen dort, wo sie in der Deutschen Turnerschaft mit ihren christlichen Volksgenossen, ungetrübt durch den politischen Tageskainpf, zu- Kanaan» Trenhandgesellsdhafi mDönt^Dtf man D^WIT Canaan Trusteethip Co. ■:; , Jerusalem II i e f e r t Informationen, Ideen, Vorschläge, Pläne, Programme, Kostenvoranschlage; besorgt die Gründung, Abwicklung, Leitung und Überwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel , Vertreter für Österreich: Ludwig Gutmann. Wien I, Fleischmarkt 22, III., 56 Mündliche Bespjechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer (R-25-7-79) Vereinbarung sammen turnen können, nicht an die Gründung eines jüdischen Sportklubs gehen dürfen". Ein weiser Vorschlag, ein gesunder Vorausblick! Die Herren Assimilanten empfehlen den jüdischen Sportlern, nur weiter mit ihren christlichen — Volksgenossen zu turnen, sich von ihnen die Gnade des Geduldetseins erweisen zu lassen, solange es eben geht. Solange das Verhältnis durch den politischen Tageskampf ungetrübt ist. Das ist: So lange, bis sie, die jüdischen Sportler, von ihren christlichen Volksgenossen den Fußtritt bekommen. Krasser kann sich das Gesicht der deutschen Assimilation nicht enthüllen. Kein Talent, doch ein Charakter Man muß dem Schicksal dankbar sein, wenn es einem einmal das C.-V.-Blatt in die Hände spielt. Man erfährt nämlich daraus die reizendsten Dinge; so z. B., daß es „deutsche Juden gibt, die im Centraiverein nicht nur ihren politischen, sondern auch ihren geistigen Bewegungsrnum sehen". Dieser Aphorismus findet sich tatsächlich im Organ , des Centraivereins. Und dieser Aphorismus bezieht sich, wie man weiter ersehen kann, „auf die Dich terp'|ersönlichkeit des jüdischen Deuts'ciic*n Ernst Xissauer", der seinen 50. Geburtstag im Kreis der C.-V.-Leute verbracht und von ihnen Ehrungen empfangen hat. Ja, die C.-V.-Leute feiern ihren Ernst Lissauer als deutschen Dichter. Die Allerweltsbeglücker, die Deutschlandbeglücker, die Friedensposaunisten bekränzten also mit Lorbeer den Mund, der während des Weltkrieges unseligen Angedenkens so brüderliche Liebesworte fand wie den „Hallgesang gegen E n g 1 a n d". Es wäre ungerecht, einen Menschen für ein paar unbedachte Worte sein Lebenlang verantwortlich zu machen; ihn zu zwingen, daß er eine gedankliche Entgleisung sein Lebenlang als schwere Kette an den Beinen hinter sich herschleife. Aber das läppische Wort Lissauers „Gott strafe Engl an d!" war und ist ein Zeugnis für einen Charakter, der keiner Stimmung standhält, jeder Wallung nachgibt, sich das Recht Usurpiert, in Dinge dreinzureden, die einem ihm fremden „geistigen Bewegungsraum" angehören. Lissauer sprach als Deutscher. Auch Tausende andere Lissauers taten so. Tauchten unter im Schicksal der Deutschen, ihnen auf Gedeih und Verderb anheimgegeben. Waren Kriegswüteriche. Und heute, da ihre Kriegskameraden von einst die Blutsbruderschaft mit dem langen Messer ablehnen, versuchen sie, sich wieder mit ihnen in Reih und Glied zu stellen. Die Herren vom Centraiverein klatschen Bravo und versprechen sich Wunder von der „verantwortungsvollen" Leistung und von der Wirkung, die solche Menschen auf ihre deutschen — Stammesbrüder ausüben; ja, sie verlangen sogar, daß man Ernst Lissauer mit Stolz als deutschen Dichter empfinde. Die Sache fängt von vorne an. „Gott strafe England!" sei vergessen. Herr Lissauer will an seine literarische Vergangenheit nicht gemahnt sein, er will sich nun, wie der C. V. sagt, im Kreis seiner „Gesinnungsfreunde" ausleben. Er steigt hinunter in die Tiefe der Mystik des Johann Sebastian Bach, er streichelt die Kutten der Religionsstifter Martin Luther und Thomas Münzer, so intim, so c h r i s 11 i c h -g e r m a n i s c h, als hätten seine Ahnen im Haus dieser Geister allabendlich Rummy gespielt. Ernst Lissauer ist, kurz gesagt, ein Gesinnungsgenosse der C.-V.-Leute und wird von ihnen als deutscher Dichter gefeiert. Mit einem Wort: Die Sache fängt von vorne an. or. Berliner Nachrichten Menorah-Sprechchor. Anmeldungen (besondere Begabung nicht erforderlich!) und Informationen im Büro der Revisionisten: BerMn-Charl., Joachimsthalerstraße 3/II, Tel.: J, 1. Bismarck 55-90. Chanukkafeier. Die „Menorah" plant für Anfang Jänner eine große Chanukkafeier mit einem Lehrstück von Robert Schiftan, das die Makkabüergeschichte behandelt. Die Proben beginnen in den nächsten Tagen. Revisionistische Gruppe Zentrum-Berlin. Wie Ihr Korrespondent erfährt, wird in den nächsten Tagen eine revisionistische Gruppe im Zentrum Berlins geschaffen. Das Schwergewicht der revisionistischen Ortsgruppe in Berlin lag bisher ausschließlich im Wessen der Stadt; die jüdischen Massen aberhaben ihre Wohnsitze im Zentrum. Nach den Berichten zeigt sich für die Schaffung dieser neuen Gruppe großes Interesse und es ist intensive Arbeit, hauptsächlich unter den Ostjuden, zu erwarten. Vortrag Dr. Bloch. In einer von der revisionistischen Ortsgruppe einberufenen Protestversammlung sprach der Vorsitzende der revisionistischen Union Deutschlands, Dr. H. Bloch, über „Die Terrorakte der Histadruth dn^ Palästina". Den Vorsitz der Versammlung führte Dir. G. Kares.ki, der. einleitend auf die Bedeutung dieser politischen Kämpfe in Palästina hinwies. Dr. Bloch schilderte zunächst den Tatbestand der Ueberfälle von Histadruth-Arbeitem auf' Revisionisten und Betarim, belegte seine Ausführungen* durch private und Zeitiniissmeldiingen aus Palästina und der Gallith. Der Redner kam schließlich auf die;tieferen Zusammenhänge dieser Geschehnisse im Lahde zu sprechen und bewies einleuchtend, daß die Drahtzieher dieser rein politischen Terrorakte in der Umgebung des gewesenen Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Weizmann, zu finden seien. Er appellierte an das saiize jüdische Volk, sich gegen die Terrormethoden der Histadruth zu wenden und diejenigen zu unterstützen, die in Palästina nichts anderes; wollen, als arbeiten. Mit einer begeisternden. Ansprache schloß Dir. Kareski die Versammlung, welche trotz Anwesenheit zahlreicher Gegner ungestört verlief. Mit überwältigender Mehrheit wurde folgende Resolution angenommen: „Die in Berlin am 23. November 1932 gegen die Terrorakte in Palästina vom Landesverband der Ziondsten-Revisionisten Deutschlands einberufene Massenversammlung hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Sie verurteilt auf schärfste die feigen Ueberfälle, die parteipolitisch verhetzte Anhänger des Klassenkampfes auf die s t a o t s z i o n i s t i s c h e n Arbeiter unternommen haben. 2. Sie macht die Leitung der Zionistischen Organisation und die Führung der .Histadruth' für die innerzionistische Verhetzung verantwortlich, die zu einer. Klassenkriegsstimmung im Jischuw geführt hat. 3. Sie appelliert an die verantwortlichen Führer des Aufbaues, in letzter Stunde die Prinzipien des nationalen Primats vor allen Klassenideologien und Diktaturwiinschen durchzusetzen und den Weg zum politi- 'eg H e" r z 1 s P v zuruckzusehen Zionismus Theodor finden. 4. Sie sendet ihre brüderlichen Grüße den Arbeitern des Zohar und Betar und fordert sie. auf, in ihrem heldenhaften Kampfe um die Freiheit des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina auszuharren, bis die Vorherrschaft einer Klassenkampfpartei gebrochen , ist und alle Schichten des jüdischen Volkes'den Aufbau des Juden- Staates in gemeinsamer friedlicher Arbeit durchführen können." Der revisionistische Delegiertentag in Deutschland soll bereits anfangs Dezember stattfinden, da eine Klärung innerhalb des deutschen Landesverbandes notwendig erscheint. Man rechnet mit einer starken Beschickung der Konferenz durch die Provinz. Als Tagungsort kommt Berlin in Frage. Ussisdikin über die deutschen Juden Der Präsident des Jüdischen Nationalfouds M. M. U s s i s c h k i n, der von einer Reise durch Deutschland, Jugoslawien und Italien nach Jerusalem zurückgekehrt ist, führte in einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter aus: Die Lage der Juden in Deutschland ist in geistiger Beziehung weit schlimmer als die der Juden in dem ehemaligen zaristischen Rußland. Mag in, Deutschland kommen, was will; nehmen wir sogar an, daß die Hitler-Bewegung aus dem politischen Leben verschwindet, der Geist des deutschen Judentums bleibt gebrochen. Hierin liegt die eigentliche Tragödie. Die Wirtschaftslage der deutschen Juden, fuhr M. M. Ussischkin fort, ist nicht besser und nicht ärger als in anderen Ländern. Der Wirtschaftsdruck lastet gegenwärtig auf ganz Europa. Die große Not des deutschen Judentums ist aber nicht so sehr in den politischen und auch nicht in den ökonomischen Wirrnissen,

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