Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 273 (2.12.1932)
- Date
- 1932-12-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711894--3444-2716818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 1 DIE NEUE WELT Nr. 275 Hak oahner! — Hakoah* Anhänget! Freunde des jüdischen Sports! Der Fußballklub Hakoah, der Schwimmklub Hakoah, der Touristenklub Hakoah, der Sportklub Hakoah« bestehend ans den Sektionen: Fechten, Handball, Hockey, Leichtathletik, Ringen, Schach, Tennis, Tischtennis, bitten alle Anhänger des jüdischen Sport- Sedankens, bei den bevorstehenden Kultüswahlen ie *Zionistische Liste" zu wählen, da auf dieser Liste neben erprobten Männern mit Verständnis für unsere jüdische Sportsache nnser Ehrenpräsident Dr. J. H. Kürner und der Präsident des Fußballklubs Hakoah, Herr Max Schiff mann, aufgestellt sind, also Männer, die sich unsere Forderungen zu eigen gemacht haben. Wir wollen der jüdischen Jugend Gelegenheit geben, sich sportlich zu betätigen, wir wollen aufrechte, kräftige Männer erziehen, die gerüstet, gefestigt in den Lebenskampf gehen. Unsere Bitte richten wir insbesondere an jene Tausende, die früher der Wahlurne ferngeblieben sind. Gebet der „Zionistischen Liste" eure Stimme, werbet in Bekanntenkreisen, und wir und die jüdische Jugend werden euch dankbar sein. F. C Hakoah, Sportklub Hakoah, Schwimmklub Hakoah, Touristenklub Hakoah. Hakoahner! Meldet euch zur Mitarbeit! Täglich IL, Praterstrafie 13, Mezzanin, I. Stiege (Lloydhof), Tel. R-44-3-45. ■ ' ' Erklärung An' die Redaktion der „Neuen Welt", Wien, II. Wien, am 29. November 1932. Wir ersuchen um Aufnahme folgender Erklärung: ^Bezugnehmend auf den in der letzten Nummer des „Jüdischen W e g" erschienenen offenen Brief des Herrn Malkiel G t ü n w a 1 d an Herrn Dr.' Josef Lowenherz, stellen wir fest, daß Herr Dr., Löwenherz an den diesbezüglichen Verhandlungen nicht teilgenommen hat und daß der, auf unverantwortliche Weise, gegenihn erhobene Anwurf des Treubruches vollkommen unbegründet ist. Hochachtungsvoll Wahlkomitee ,der „R.el igi ö s en Litte Mi s räch i". Rency Smith über da§ jüdisdh-arabische Problem Vor kurzem fand in der „Convey Hall" in London eine Versammlung des Anglo-Palestine Club statt. Der bekannte englische nicht jüdische Staatsmann Rency Smith hielt einen Vortrag über das j ü d i s c ha r a b i s c h e Problem. V'' ' Mrl Smith eagte, daß er als p a r I'a m en t a r i 9 eher Sekretär des früheren Außenministeriums Gelegenheit hatte, das palästinensische Problem .gründlich zu studieren. Er bedauerte, feststellen zu müssen, daß. die,Erklärungen, welche der Emir Feisal, König des Irak, bei der Friedenskonferenz im Iahre 1919, abge.- geben hatte, nicht verwirklicht wurden. Mr. Sniith verlas eine Erklärung des Emir Feisal vom Jahre 1919, in welcher dieser dem Gedanken Ausdruck gab, daß die- Forderungen der Juden gerecht und logisch sind und daß die Araber die Juden in Palästina mit Brudergruß empfangen werden. Als er jedoch in Palästina war, 'mußte er zu seinem Bedauern feststellen, daß dieses Brüderlichkeitsgefühl bei den Arabern zur Gänze fehlt. Er sah einen tiefen ökonomischen und kulturellen' Abgruiid zwischen Juden und Arabern klaffen. Er hatte Gelegenheit, mit den Vertretern der arabischen Presse zu sprechen und stellte fest, daß die Majorität dieser Journalisten aus unverantwortlichen Elementen besteht. Kein einziger zeigte Verständnis für die Leistungen der Juden. Die Furcht vor dem „erobernden Juden" verdunkelt ihren Blick. Das jüdische Werk muß bei jedem Bewunderung hervorrufen. Das einzige Streben des Juden in Palästina ist, ein Leben der A r b e i t und der Gerechtigkeit zu führen. Die Juden arbeiten schwer und wollen in Ruhe leben. Das aktuellste Problem der palästinensischen Judenheit ist: Wie verwandelt man die Non-Cooperation- Politik der Araber in eine Politik der Zusammenarbeit. Dazu braucht man Zeit und Geduld. Man muß. bei den arabischen Kindern beginnen. Die jüdischen Kinder lernen in den. Schulen Arabisch, die arabischen dagegen nicht hebräisch. Hierin liegt ein großer Fehler. Ich würde den Arabern sagen: Ihr habt Syrien, Irak, Arabien. Eure Kultur reicht bis nach Indien. Genug Platz, um euch national auszuleben. Seid nicht engherzig. Lasset uns dieses kleine Territorium Palästina für die Verwirklichung unseres großen jüdischen Werkes. Den Juden sage ich: „Ihr und die Mandatarmacht seid die zwei mächtigen Pfeiler des Dreiecks Palästina. Erleichtert es dem dritten, weniger entwickelten Pfeiler, Anlehnung an die zwei stärkeren zu suchen!" Vorschlag für einen Bevölkerungsanstatiscli zwischen dem Irak und Palästinn Die in Bombay erscheinende „Times of India" veröffentlicht einen Bericht aus Basra im Irak, in dem der Plan eines Austausches von in Bagdad und Basra lebenden Juden gegen Araber in Palästina erörtert wird. Ein solcher Austausch würde im Hinblick auf die schnelle Annäherung der Länder Irak und Palästina aneinander im Zusammenhang mit dem Bau der Petroleum-Röhrenleitung zwischen Nordirak und Haifa jetzt durchführbar sein. Der Gedanke rä um 1 ich.er Versetzungen größerer Bevölkerungsmassen hat heute für die Welt des Nahen Ostens seine Schrecken verloren, nachdem die diesbezüglichen Erfährungen mit Griechen und Türken gute gewesen sind. In dem überwiegend moslemitischen Irak lebt eine große und einflußreiche jüdische Minderheit, i n B a g d a d g i b t e<s 5 0.0 0 0 Juden. Im Irak würden arabische Einwanderer aus Palästina sehr willkommen sein. Zur Beschäftigung dieser Arbeiter müssen aber Kapitalien investiert werdenr •die vielleicht mit Hilfe der Zionisten zu beschaffen wären. Dafür würde in Palästina ein solider jüdischer Block inmitten einer sonst völlig arabischen Welt errichtet werden. _ Gegen das Palästina-Parlament Der Exekutivrat der zionistischen Föderation für Großbritannien und Irland hielt bei Anwesenheit des Mitglieds der Exekutive der Jewish Agency, Professor Dr. Selig Brodetsky, eine Sitzung ab, in der eine Resolution des Inhalts angenommen wurde, daß der Exekutivrat die „ermutigende Erklärung des High Commissioner vor der Mandatskommission des Völkerbundes, über die Lage in Palästdna begrüßt", aber der ernsten Befürchtung hinsichtlich des Plames zur Errichtung eines Legislative Council (Parlament)' in Palästina Ausdruck gibt, da eine Verwirklichung dieses Planes einen ernsten Rückschlag in der jetzigen erfreulichen Entwicklung des Landes herbeiführen müßte. Der Exekutivrat ist der Ueberzeugung, es sei noch nicht an der Zeit, eine so tiefgreifende Aenderung in der Verfassung Palästinas während des jetzigen Entwicklungsstadiums des jüdischen Nationalheims eintreten zu lassen. Bei Menschen mit unregelmäßiger Herztätigkeit schafft ein Glas natürliches „Franz-Josef-Bitterwasser, täglich früh nüchtern genommen, mühelosen, leichten Stuhlgang. In Apotheken und Drogerien erhältlich. Wirtsdiaftsbrief «aus P<9la§dna Orangen — Zwei Gefahren: Einkommensteuer und Wassermonopol T e 1 ■> A w i w, Ende November 1932. Auf dem Gebiet der Orahgenpflanzungen in Palästina herrscht augenblicklich rege Tätigkeit: es werden Neupflanzungenangelegt, der Orangenexport wird vergrößert — dieses. Jahr werden vier Mil- \ i o,n e n O r a n g e-.n k ist e n. exportiert und nach etwa .acht bis zehn. Jahren werden es zehn Millionen "sein —, die Absatzmärkte vergrößern sich und auch die Preise sind nicht schlecht.und der Verdienst nicht klein, nur eine Sache fehlt: etwas Ruhe und Sicherheit! Wer jetzt unter den Orangenpflanzern, lebt, nicht den jungen Pflanzern, die noch ihre voraussichtlichen F. i n n a h m e n berechnen, sondern zwischen den alten Orangenexporteuren, die die Geschäfte auf diesem Gebiet führen und ihre Ausgaben kennen, wird ihre Lage mit der der Acker- und Weinbauern in der blühenden Periodet Palästinas vergleichen,. von der es in der Geschichte heißt: „Die Erde war fett und gab gesegnete Frucht, aber die Steuern des, Königs fraßen alles auf". Steuern und Zölle, das sind jetzt die' aktuellen Probleme in .Palästina, sie schaffen eine Atmosphäre der Erbitterung trotz der augenblicklich günstigen ökonomischen Lage im. Lande. Zwar hat die Regierung großes Entgegenkommen bewiesen, insofern, als sie dieses Jahr die meisten Bauern im Lande von einem großen Teil der Zehent-Steuer befreit hat, aber das Wodurch entstandene Loch will sie jetzt aus anderen, sichereren und reicheren Quellen füllen. Die politische Richtung ist ganz klar: Die Regierung bringt den nicht vorwärtskommenden Wirtschaftszweigen Rücksicht entgegen und will ihnen helfen; aber dafür trachtet sie um so mehr danach, den sich entwickelnden Wirtschaftszweigen — Orangenbau, Industrie und einträgliche Berufe — ihre Macht zu zeigen. (Zur Zeit. der Türken betrug die Zehent-Steuer 26 Prozent der Einnahmen der Regierung, nach fünf Jahren englischer Mandatsregierung 16 Prozent und im Jahre 1932 3 Prozent.) Es steht also jetzt die Einkommensteuer auf der Tagesordnung. Sie ist zwar bis jetzt noch nicht ausgeschrieben worden und die Regierung versichert auch, daß sie einen solchen Beschluß nicht fassen wird, bevor sie nicht hierüber mit den interessierten Stellen in der jetzt im Lande üblichen Form: in einer Konferenz zwischen Bürgern und Regierungsbeamten, beraten haben wird. Aber die vermögenden Schichten im Lande fühlen dieses Schwert über ihrem Haupte schweben. In verschiedenen Kreisen, vor allem in Kreisen der Hausbesitzer und Industriellen, kursieren Gerüchte, daß das Gesetz über die Einkommensteuer schon fertig in den Mappen der maßgebenden Beamten bereit liege. Eine Protestbewegung, die die Aufhebung dieses Beschlusses fordert, greift mit aller Energie auf alle interessierten Kreise über. Entgegen dem abstrakt demokratischen Prinzip, das dieser Tendenz der Regierung zugrunde liegt, stützen große Teile der Bevölkerung ihre Gegnerschaft ztt diesen Steuern auf eine Reihe von Gründen, die in den besonderen Bedingungen des Landes liegen: Die jungen Zweige der palästinensischen Wirtschaft — wie Industrie, Baugewerbe usw. — müssen erst gefestigt werden, bevor man ihnen ein Steuersystem auferlegt, welches in Ländern mit einer alten und sicher fundierten Wirtschaft gehnndhabt werden kann. Die Bestimmung der Einkommensteuer-Höhe, ob diese durch Einsichtnahme in die Bücher der Geschäftsinhaber geschieht, die in klarer Weise alle Geheimnisse aufzeigen, oder ob durch „Schätzung" der Regierung durch ihre. Administration, die nicht immer mit freundlichem Auge auf die Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft, und besonders der jüdischen, blickt, ist wahrscheinlich imstande, die Entwicklung vieler Wirtschaftszweige zu erschweren, wenn nicht gar zu gefährden. Außerdem besteht auch vom Gesichtspunkt der finanziellen Lage der Regierung keinerlei Zwang für die Steuer: In der ersten Hälfte des Jahres 1932 überstiegen die Einnahmen die Ausgabenmit 20 0.0 00 Pfund und der Ueberschuß der Einnahmen über den veranschlagten Etat betrug beinahe eine Viertelmillion. '* Neuerdings besteht die Gefahr, daß auch das Wasser in Palästina besteuert werden wird. Im Zusammenhang mit der Wasserknappheit, die letzten Sommer in Jerusalem besonders zutage trat und den Anstrengungen, die gemacht wurden, dieser Stadt aus anderen Orten Wasser zuzuführen, ferner im Zusammenhang mit den erfolgreichen Versuchen, bei denen in einer Reihe von jüdischen Siedlungen iri „trockenem" Boden neue Wasserquellen gefunden wurden (Karkur, Bertuviah, Javniel u. a.), hat die Regierung angefangen, sich mit dem Problem der Besitzrechte an den Wasserquellen eingehend zu beschäftigen, und, Gerüchten zufolge, will sie auch ihre Rechte auf die Wasserschätze unter der Erde, Quellen und Flüsse, bekanntgeben, so daß es in Zukunft unmöglich sein wird, einen neuen Brunnen zu bohren oder alte Wasserquellen zu erweitern, ohne hierzu eine b e s o n d e r e Erlaubnis von der Regierung zu haben, und' vielleicht wird hierauf sogar eine b es ort-5 d e r e S t*e ü e r gelegt vwei'den;: Bei' "den ' besonderen Bedingungen Palästinas kann man von vornherein sogar nicht wissen, ob dieses Gesetz zum Zwecke der Förderung einer intensiven Bodenausnutzung erlassen werden soll, an der die Juden besonders interessiert sind,1 oder ob es die gegenteilige Wirkung erzielensoll. ..... Aus Ungarn. , An der Universität Debrecen haben nach den letzten Judcnkrawallen nur an der juridischen Fakultät Vorlesungen stattgefunden. An den übrigen Fakultäten wurden keine Vorlesungen gehalten, da, sich die christlichen, Hörer nicht eingefunden hatten. Ins.geria.mt waren nur vier jüdische Hörer anwesend. Unter solchen Umständen erklärten die Professoren, keine Vorlesungen zu halten. Zu Tätlichkeiten ist es nicht gekommen. Diechristlichen Hörer beschimpften jedoch ihre jüdischen Kameraden und machten dabei auch bei den jüdischen Hörerinnen, die .sie als .„Gansr leberprimadonnen" bezeichneten, keine Ausnahme. Die christlichen Hörer erklärten auf das nachdrücklichste, daß sie den Vorlesungen so lange fernbleiben werden, als die Universität von Juden besucht werde. Die jüdischen Höret hielten eine Konferenz ab und beschlossen, den Kultus- und Unterrichtsminister um "die Entsendung eines Regierungskommdssärs zu ersuchen. * Der Strafgerichtshof in Budapest verhandelte gegen den Führer der einen ungarischen Hitlerp a r t e i, Zoltan B ö s z ö r m e n y i, wegen konfessioneller Aufreizung. In einer Flugschrift behauptete BöÄZörm6nyi, das Judentum beherrsche das Christentum und dies sei die Ursache des heutigen Volkselends. Die Reaktion habe Ungarn zu einem Paradies der Semiten, für die echten Ungarn aber in eine Armensünderzelle und ein qualvolles Golgatha Umgewandelt. Der"Angeklagte behauptet, lediglich historische Ta tsachen festgestellt, ohne eine Aufreizung , bezweckt zu haben, und zwar um das Programm der, ungarischen . nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu; begründen. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten mit Bewährungsfrist zu zwei Monaten G e f ä.n g-. ni6 wegen konfessioneller Aufreizung. Die Bewährungsfrist wurde dem Angeklagten zugebilligt, weil er unbescholtenen Vorlebens sei und weil die Broschüre im übrigen patriotische Gedanken enthalte, Gegen dieses Urteil appellierten sowohl der Verurteilte als auch der Staatsanwalt. Achtung! Halten Sie ßich Donnerstag, den 22. Dezember 1932, für die große Ma k k a b ä e r f e i e r de« Berith Trumpeldor frei. Suche für meinen Sohn, Israelit, 33 Jahre alt, passende Heiratsgefährtin mit Mitgift iiiiiiiiniiiiiim im Alter von 25 bis 3u Jahren, aus. anständiger. Israel Familie, derselbe ist tüchtiger, sprachkundiger Fachmann u. Kaulmann der Mtttsanbrancn« sowie Teilhaber meiner hirma, die ich seit 5 Jahren in Haifa (Palästina) gegründet habe. Zuschriften unter „Seriös" an die Redaktion d. Bl.