Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 272 (29.11.1932)
- Date
- 1932-11-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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_r Seite 1 Wo und wie haben Sie xn wählen? ' 1. Sie haben ausschließlich die „Zionistische Liste**, Listen ffihrer Dr. Desider Fried« mann, Ing. Robert Stricker, Dr. Jose! Löwenher« zu wfihlen und zu achten, daß Sie den richtigen Stimmzettel ins Kaveri legen. 2. Der Wahltag ist Sonntag, der 4. Detern* her, die Wahlzeit ist 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags, ohne Unterbrechung. 3. Als Wahlerlegitimation gilt die von der Kultusgemeinde abgegebene amtliche Wahllegitimation, außerdem haben Sie einen, womöglich mit Lichtbild versehenen Identitätsausweis (Reisepaß, Tramwaykarte, Heimatschein, Gewerbeschein) mitzubringen. 4. Sie haben in das Wahlkuvert zwei Stimmzettel hineinznlegent einen für die Wahl des Kai tos Vorstandes und den zweiten für die Wahl der Vertrauensmänner der einzelnen Bezirke. Achten Sie genau, daß bei Abgabe des /weiten Stimmzettels (für die Bezirksvertranensleute) der Stimmzettel Ihres Bezirkes ins Kuvert gegeben wird. Sonst ist Ihre Stimme verloren! Für die Wahl des Knltusvorstandcs ist der Stimmzettel für alle Bezirke einheitlich. 5» Erweisen Sie uns den Gefallen und wählen Sie so zeitlich wie möglich, Sie ersparen der Zionistischen Liste viel Arbeit und Mühe. 6. Lassen Sie sich nicht beeinflussen, eine andere zionistische Liste als die ».Zionistische Liste** Listenführer Dr. Desider Friedmann, Ing. Robert Stricker, Dr. Josef Löwenherz, zu wählen. Keine andere Liste hat das Recht, Sich als o f f izielle zionistische Liste zu bezeichnen. Achten Sie daher, daß Ihnen kein falscher Stimmzettel unter» schoben wird. Achtung! Bewahret die von der Kultusgeraelnde zugestellten Wahllegimationen und bringt sie zur Wahl mit, Wer seine Legimation verloren oder verlegt Haben wird, kann am Wahltag ein Duplikat beim Vorsitzenden der zuständigen Wahlkomm i s s i o n verlangen. DIE NEUE WELT In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd tu erhalten, gibt es nicht« Besseres als ständige Körperpflege. Ein Ideales Mittel dazn finden Sie In dem seit Jahrzehnten bewährten» In tausenden Familien beliebten DIANA- Franzbranntwein mit Mftnthol! Erhalt durch tägliche Massagen 'Einreibungen) die Spannkraft kräftigt Muskeln und Nerven, verleiht Ausdauer. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege und zu rrianigfachen anderen Zwecken. Das anerkannte Hausm tteL In ledern besseren Gesthaffe erhältlich. Verlangen Sie BtudrücfcUrh „DIANA" und nehmen Sie nur „DI AN A\ Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Hans Rothschild hat für den blutigen Lügenfeld« zug der Hakenkreuzler die Bahn freigemacht. Wahlsdi winde!! Im Bewußtsein der eigenen Unfähigkeit und Schwäche hat die „Union" zur Rettung ihrer Mandate das unnatürliche Bündnis mit den sozialdemokratischen Werktätigen geschlossen. Die »Werktätigen" haben ihnen die Wahlhilfe der großen österreichischen Sozialdemokratie versprochen« Betrogene Betrüger, Die - ------------ Nr. 272 J Christen und die anständigen Juden der österreichischen Sozialdemokratie haben nach Bekanntwerden des famosen Vertrages voll Empörung dagegen protestiert, daß ihre große Arbeiterpartei in diesen Rothschild- und Kultusschacher verwickelt wird. Die „Arbeiter- Zeltung41 hat mehrere ParteierklMrungen veröffentlicht, in welchen den Werktätigen verboten wird, im Namen der Sozialdemokraten irgend eine Stimme für die Kultuswahl zu fordern, in ihrem Namen zn agitieren. Was aber tun die Werktätigen? Sie versenden Aufrufe an die „Genossen** und verlangen mit Berufung auf ihre Parteizugehörigkeit sozialdemokratische Stimmen für die kapitalistisch-kommunistische Rothschild - Rath- Liste, Wahlschwindel I Die Hüter der „Tradition" und ihre größte Sorge! Führer der Union arbeiten für das „Reformjudentnm". Weg mit der hebräischen Sprache ans dem Gottesdienste! Weg mit dem Worte „Zion"! Statt des Sabbatden Sonntagsgottesdienst! Schallplattenkonzert im Tempel! Der von der Union eingesetzte oberste Leiter des Jugendunterrichtes begeistert sich für die „Reform4* und den Weihnachtsbaum. Die „Werktätigen" sind als Sozialdemokraten eingefleischte Freidenker. Einer ihrer Vertreter im Kultusvorstand war noch als Kandidat Leitungsmitglied des Verbandes der Freidenker in der Josefstadt! Lauter Hüter der „altehrwürdigen jüdischen Tradition" vor der Zerstörungslust der bösen Zionisten. Sie schämen sich zu sagen, was und wer sie sind! Sie nennen sich „N i c h t nationale Liste. Sie sagen nur, was sie nicht sind, sagen nicht, was sie sind. Sie haben wirklich recht! - minderes Rediit Das Gutachten eines Slaatsreditslehrers ein solches Gutachten abgegeben. Er sagt in diesem Gutachten wörtlich: „Ansprüche von Angehörigen einer Minderheit in bezug auf Gleichbehandlung mit anderen Staatsbürgern finden demnach im Friedensvertrag eine ausdrückliche, nicht bloß vom Standpunkt des Völkerrechtes« sondern auch der ö s t e r r ei c h ischen Rech tsordn ung vollgültige Rechtsgrundlage. Für die rassischen, religiösen und ethnischen Minderheiten verdient sogar die durch den Friedensvertrag geschaffene Rechtslage bei weitem vor der ans dem Staatsgrandgesetz sich ergebenden Rechtslage den Vorzug; nicht bloß deswegen, weil die Gleichberechtigung auch jener Staatsbürger, die rassischen, sprachlichen oder religiösen Minderheiten angehören, nunmehr ausdrücklich statuiert, sondern weil die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zugunsten der Minderheitsangehörigen im Friedensvertrag wirksamer sanktioniert ist Die Gleichberechtigung derjenigen österreichischen Staatsbürger, die rassischen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten angehören, ist nämlich nicht bloß innerstaatlich, wie die der sonstigen Staatsbürger durch die Beschwerde an den Verfassungsgerichthof wegen Verletzung der durch die Verfassung gewährleisteten Rechte, sondern auch durch internationale Instanzen garantiert. Mit diesen Vertragsbestimmungen ist zugleich die Aenderung des den Minderheitsangehörigen zukommenden Rechtsschutzes im Vergleiche mit dem verfassungsgesetzlichen Schutze sonstiger Staatsangehöriger wesentlich erschwert — ein weiterer wichtiger Gewinn der Gewährleistung der Gleichberechtigung zugunsten der Minderheitsangehörigen durch den Friedensvertrag. Nimmt eine rassische, religiöse oder ethnische Minderheit eine der im Friedensvertrag aufgestellten Schutzbestimmungen, z. B. den vorstehend näher erörterten Schutz der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung oder finanzielle Leistungen des Bundes oder eines Landes für Erziehnngs-, Religions- oder Wohltatigkeitszwecke in Ansprach, so kann hieraus weder der Minderheit im ganzen noch einem ihr angehörigen österreichischen Bundesbürger irgend ein Nachteil, Insbesondere in bezug auf die Aemterfähigkeit, die Zulassung zu den verschiedenen Berufs- und Erwerbstätigkelten oder zu öffentlichen Schulen, erwachsen. Jedem Versuche einer solchen Benachteiligung könnte mit den vorstehend angeführten innerstaatlichen und internationalen Rechtsmitteln begegnet werden. Es ist eine keiner näheren Begründung bedürfende Selbstverständlichkeit, daß die vorstehenden Feststellungen über den Rechtsschutz der Minderheiten in Oesterreich im allgemeinen ausnahmslos auch auf die. Von der ruhmreichen //Ni'difnad'onalen Liste" Sie schämen sich zu sagen, wer nnd was sie sind. Jede anständige Partei sagt in ihrem Titel, iii ihrer Listenbezeichnung, was sie ist. Die vereinigten Herrschaften von der „Union* und den „Werktätigen Juden" nennen ihre Liste „Nichtnationale Liste". Sie sagen nicht, was sie* Wollen, sie sagen nur, was sie nicht sind, was sie nicht wollen. Sie wollen nicht die jüdische Solidarität, sie wollen nicht ein einheitliches Judentum. Einem Menschen, der nicht sagen will, wer er ist, wendet man im Privatleben den Rücken. Eine wahlwerbende Partei, die nur sagen kann and will, was sie nicht ist, hat sich damit vor der Öffentlichkeit selbst gerichtet. Ein Grauen faßf sie an « « Von den achtzehn bisherigen Kultusräten der „Union** sind nicht weniger als elf von der Liste verschwunden, von den „Werktätigen"4 alle. Die Mehrzahl der Verschwundenen hat selbst auf eine Wiederkandidatur verzichtet. Diese Männer hat angesichts ihrer „neuen44 Kellegen ein Grauen erfaßt. Wie sehen die „Neuen44 aus? Der Spitzenkandidat der sozialdemokratischen „Werktätigen44 ist Dr. Jos. L ö w y. Er hat sich — ohne zu reagieren — in der Zeitung seiner eigenen Parteigenossen unkorrekte Manipulation mit Wahlgeldern zum Vorwurfe mächen lassen. Das ist sein Ruf in der sozialdemokratischen Oefientlicltkeit. Der jüdischen Oeffentliehkeit ist er als Denunziant bekannt. In einer Eingabe an die Landesregierung hat er — natürlich fälschlich — einen Wilnaer Gemeinderabbiner der Dokumentenfälschüng beschuldigt und dessen Beseitigung, als „Zugereister44, gefordert Sein Mitkandidat Herr Ignaz Roll mann war Mitglied einer Standesvertretung. Seine Kollegen in dieser Vertretung fällten den Beschluß, mit ihm wegen unkorrekten Verhaltens nicht mehr an einem Tische zu sitzen und haben diesen Beschluß der unionistisch-werktätigen Wahlleitung mitgeteilt. Ohne Erfolg. Herr Roßmann ist weiter Kandidat an führender Stelle, jetzt kann man verstehen, daß von zwanzig ganze dreizehn davongelaufen sind. Die Firma» „Baron Roihsdiiid, Kommunist Leo Rath und Comp." In der Angst vor den bösen Zionisten, in der Wut gegen die bösen Zionisten haben sie jedes Schamgefühl abgestreift. Das hochgeborene, stolze Haus Rothschild gebt mit dem Kommunisten Leo Rath auf eine Liste, auf die kapitalistisch-kommunistisch-freidenkerisch-orthodoxe Liste der ^Nichtnationalen". Die anständigen Elemente der „Union44 und der Sozialdemokraten sind empört, ob dieser unwürdigen Komödie. Die Antisemiten jubeln! Jetzt ist ihre Behauptung, daß das ausbeuterische, jüdische Großkapital und der Bolschewismus Verbündete sind, erhärtet und erwieee». Das Wiener Minderheit srecht - Wie man die luden dumm machen will — jDie Zionisten fordern für die Juden die in den , Friedensverträgen festgelegten und Vom Völkerbund garantierten Minderheitsrechtel — Das ist gefährlich! — Minderheitsrficht ist minderes Recht, -t- Also gefährden die Zionisten die Gleichberechtigung d er Jud e nl" Dieser Ruf ertönt überall; wo die Zionisten oder änderet jüdischnational eingestellte Gruppen dafür eintreten, 'daß Jiidpn eliae Politik betreiben sollen, welche den beaorfderen Schutz der besonders schwer bedrohten jüdischen Rechte zum Inhalt hat. Er ertönt natürlich jetzt in Wien in besonderer Stärke bei den Kultus wählen, im Kampfe um die Führung der Juderigemciinde. M i n d e r h e i t s recht ist y e rmindertes Recht! Unermüdlich wird dieser bösartige tjnsinn in allen Tonarten wiederholt, dieser Unsinn, der di6 Aehnlichkeit von Worten benÜBtfc, um den Sinn ins Gegenteil umzukehren. Eine Demagogie, die beim Wähler ein Höchstmaß von Dummheit voraussetzt. N&hderheitsrecht ist nicht „minderes" Recht, sondern bedeutet erhöhten Rechtsschutz für nationale und religiöse Gemeinschaften, die inmitten einer andersgearteten Majorität leben und durch einfache demokratische Abstimmung in den maßgebenden Parlamenten und sonstigen Körperschaften nie zu ihrem Rechte kommen könaten. Zum Beispiel: Ein Parlament mit polnischer Mehrheit wird auf dem Wege einfacher Abstimmung, nie den in Polen lebenden Staatsbürgern deutscher Nation das Reoht auf deutsch« Schulen geben. Das Minderheitsrecht zwingt aber die polnische Regierung zur Einrichtung, respektive staatlicher Unterstützung deutscher Schulen. Ist das weniger Recht oder mehr Recht? Ist das B edrohung der Gleichberechtigung oder erhöhte Sicherung der Gleichberechtigung? Im Falle der österreichischen Juden: Die Juden haben Spitäler, Versorgungshäüser, Waisenanstalten, Blindeninstitute, Erziehungsanstalten usw. zu unterhalten. Das chrißtlicheoziale Parlament und die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung stimmen jeden Antrag, den Juden für ihre Einrichtungen eine Unterstützung zukommen zu lassen« ans den allgemeinen Steuern, entsprechend der Höhe des jüdischen Anteiles an denselben, nieder. Die Katholiken» die Sozialdemokraten bekommen alles, die Juden nichts. Nach dem im Friedensvertrag vorgesehenen Minderheit »recht aber gebührt den Juden diese Unterstützung. Die Zionisten verlangen, daß diesem Minderheitirecht eatspftööhen, daß der notleidenden Jüdeüschaft ihr Recht züerkannt wird. Ist das Bedrohung der Ölelöhberechtigühg oder Wahrung der Gleichberechtigung? Uro diesem endlosen und sinnlosen Hin- und Herreden ein Ende zu machen, haben sich die österreichischen Zionisten um ein Gutachten von anerkannt autoritativer Bedeutung bemüht Der ordentliche Professor für Rechts- und Staatswissensebaftenan der Universität Wien Dr. Adolf M e r k 1 hat Uber Ersuchen der österreichischen Zionisten