Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 271 (25.11.1932)
- Date
- 1932-11-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711892--3424-2716796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 ÖIE NEUE WELT Nr. 271 SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 q. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für «ny^Relich unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Ist. Kultusgemeinde Wien Autozufttellung kostenlos IX. BerggaMe 15 ✓ XVIII., Währlngerstr. «7 Die palästinensischen Arbeiterskandale vor Grerichi Die „Neue Welt" hat ausführliche Berichte über die systematischen Ueberfälle von ihren Führern verhetzter Arbeiter der sozialdemokratischen „H i s t adruth" auf die in der nationalen Gewerkschaft „Irgun" organisierten revisionistischen Arbeiter gebracht. Fabriken und Werkstätten, in welchen revisionistische Arbeiter — nicht etwa zu niedrigeren Löhnen und unter schlechteren Arbeitsbedingungen, sondern unter normalen Bedingungen — angestellt sind, werden überfallen, besdhädigt und die revisionistischen Arbeiter werden blutiggeschlagen, schwer verletzt. Die Tendenz ist, alle Arbeiter in die „Histadruth" zu zwingen. Wer nicht beitreten und ihr politisches Programm, das klassenkämpferisch und gegen den Judenetaat eingestellt ist, annehmen will, soll ausgehungert und aus Palästina vertrieben werden, Nun ist dem beschämenden Schauspiel der Ueberfälle das ebenso beschämende Nachspiel vor Gericht gefolgt Engländer und Araber haben über Gewalttaten von Juden gegen Juden, über die Gewalttaten der „Histadruth" zu richten. Aus Jerusalem wird gemeldet: Im Zusammenhang mit den Schlägereien zwischen Mitgliedern der „Histadruth Haowdim" und solchen der revisionistischen Gewerkschaft bei der Biskuitfabrik Frumkin in Jerusalem hatten sich 23 jüdische Arbeiter vor Gericht zu verantworten. Das Gericht verurteilte zwei Arbeiter zu je drei Monaten, zehn zu je einem Monat Gefängnis oder einer Geldbuße von je 10 Pfund. Die übrigen elf Angeklagten wurden freigesprochen. on Sonderverband der Zi'oni'§fen*Revi§i'oiH$ten Zioniilisdien Weltorganisation in der Der Sonderverband übermittelte der „Neuen Welt" folgenden Aufruf: An die ziomftffdie Öffentlichkeit! Die letzte Sitzung des A. C. der Zionistischen Weltorganisation, die über unseren Antrag beschlossen hat, den Sonder verband der Zionisten- Revisionisten anzuerkennen, hat damit die Stellung der revisionistischen Schekelzahler innerhalb der zionistischen Organisation geklärt. Die ständigen Versuche der Gegner, die Ausführung dieses Beschlusses zu verhindern, werden vergeblich bleiben. Noch ist die Aufgabe nicht erfüllt, die sich der Revisionismus in der. Zionistischen Organisation gestellt hat. Noch droht die Restauration des Regimes, das der letzte Kongreß so entschieden verurteilt hat. Es ist nun unsere Aufgabe, alle Kräfte zu sammeln, zum Kampfe, der uns vor und auf dem 18. Kongreß bevorsteht, zu rüsten. Dieser Kampf, der nach wie vpr der Erneuerung d e r Z i o n i s t i s e h e n O r g a n isation und ihrer Institute gilt, soll von uns auch weiterhin mit der bisherigen Entschlossenheit ausgetragen werden. Die Auswirkung' des Revisionismus innerhalb der zionistischen Bewegung ist nicht ohne Resultat geblieben. Die Zionistische Organisation wurde am XVII. Kongreß von dem persönlichen Regime befreit, das den defaitistischen Kurs im Zionismus vertrat. Die linken Parteien im Zionismus, die seit Jahren eine von Irrtum und Schwäche geleitete Politik unterstützten, würden in Basel von uns in die Defensive gedrängt. Der Monopolstellung des linken Flügels in den Palästina-Aemtern, die es ihm ermöglichte, die Arbeitereinwanderung nach Palästina zu kontrollieren, wurde ein Ende gesetzt Der Anspruch der Linken, ihre ökonomisehe Diktatur im Zionismus auf Kosten des jüdischen Mittelstandes und der nichtklassenkämpferischen Chaluzim aufrechtzuerhalten, wurde zurückgewiesen. Unsere auf dem Kongresse eingebrachte Judenstaatsresolution und der Kampf für die Formulierung der zionistischen Endziele zwang die zionistische Oeffentlichkeit, den wahren Sinn des politischen Zionismus zu erkennen und den liquidatorischen Tendenzen der führenden zionistischen Kreise entgegenzutreten. Durch unsere Agitation, durch die Demaskierung der schädlichen Politik der Leitung wurden die zionistischen Massen aufgeklärt und die Idee des politischen Zionismus neu erweckt. Die 65.000 Stimmen, die bei den letzten Kongreßwahlen für uns abgegeben wurden, die sehr bedeutende Steigerung unseres Einflusses auf die zionistische Bewegung nach dem Kongreß, ganz besonders auf die Jugend, sind Beweise dafür, daß unser Weg der richtige war und ist. Das alles genügt aber bei weitem nicht, um die bisherige Politik und Praxis der Bewegung einer gründlichen Reform zu unterziehen. Die in Basel gewählte Exekutive fand nicht den Mut, sich von dem alten Kurs loszusagen. Die Reden und Handlungen der gegenwärtigen Exekutive lassen erkennen, daß sie nicht imstande ist, sich auf politischem Gebiet von der verhängnisvollen Tradition ihrer Vorgängerin zu befreien. Die Wirtschaftsmethoden, die Regelung der finanziellen Angelegenheiten, die Verwaltung der Fonds haben bisher ebenfalls keine Erneuerung erfahren. Nach wie vor fehlt es an jeder Initiative, jeder fruchtbaren Idee. So hat die in Basel begonnene Reform vorläufig noch keine genügenden Resultate gezeitigt. Die Gefahren, welche den Zionismus bedrohen, sind schwer. Die politische Lage ist trotz mancher Aenderungen in den Einzelheiten im ganzen durchaus unbefriedigend. Von einer Anerkennung oder gar Durchführung der grundsätzlichen zionistischen Forderungen ist nichts zu merken. Auch ist die Regelung der Einwanderungsfrage, trotz der Gewährung einer beträchtlichen Zahl von Zertifikaten, völlig unbefriedigend. Unter diesen Umständen bleibt die Reform der politischen Methoden das Gebot der Stunde. Wir, die wir entschlossen sind, die begonnene Revolutionierung der Zionistischen Organisation zu Ende zu führen und Herzls Schöpfung vor der Versumpfung zu retten, müssen alle dazu nötigen Anstrengungen machen. Diese Arbeit mag zuweilen klein, ihr Resultat unbefriedigend erscheinen, sie ist aber von schwerwiegender Bedeutung. Solange .die Zionistische Organisation direkt oder indirekt als Jewish Agency fungiert, d. h. im Namen des jüdischen Volkes handelt und spricht, ist es unsere Aufgabe, diese als die im Mandat vorgesehene jüdische Vertretung, im Sinne unserer Vorschläge auf dem.. XVI. Kongreß zu reformieren, sie zu leiten, sie in unsere Hände zu bekommen. •; v ■ Wir rufen die revisionistischen Schekelzahler | Stricker, Wien; ERFOLGREICH ST ER KLAVIER- UNTERRICHT MEISTER SCHULE S 2.- KORREPETITION S 1.- UEBUNGSGELEGENHEIT Unter „Staatlich geprüfte Konzertpianistin" an dieAdm. d. Bl. jedes Landes, jeder Stadt, jeder Ortschaft auf, sich zusammenzuschließen, um ihre Aufgabe als Mitglieder der Zionistischen Organisation zu erfüllen. Ueberall sollen sofort Schekelkomitees gegründet werden. Obwohl wir mit den Verwaltungsbehörden und der Kolonisationspolitik unserer Fonds nicht einverstanden sind, soll doch die Arbeit für diese Fonds in vollem Umfange fortgesetzt werden, damit die, wenn auch unzulängliche, Aufbauarbeit in Palästina für keinen Augenblick unterbrochen wird. Keine zionistische Position, keine Instanz und keine Institution der Zionistischen Organisation, der wir angehören, soll von uns preisgegeben werden. Wir treten in das Kongrefijahr ein, damit ergibt sich für uns die Pflicht rechtzeitiger Mobilisierung unserer Kräfte. Werbet unablässig neue Freunde, damit die Wahlen zum nächsten Kongreß ein weiteres, großartiges Anwachsen der revisionistischen Stimmenzahl zeitigen. Die Tätigkeit für den Aufbau des Judenstaates zu beiden Seiten des Jordan muß in allen Ländern, auf allen Gebieten der Arbeit, auf allen Fronten des jüdischen Daseins geführt werden. Es muß die Kraft des Revisionismus in der Zionistischen Organisation gestärkt, die Eroberung des Zionisten-Kongresses vorbereitet werden. Für die Revisionistische Fraktion im Aktionskomitee der Zionistischen Weltorganisation: Benjamin J. A r d i 11 i, Sofia; Justizrat Dr. Max Bodenheimer, Köln; Meer Großman; London; Dr. Jakob Hoffmann, Riga; Dr. Jakob Kahan, Warschau; Moscheh Leiserovicz, Warschau; Richard Lichtheim, Berlin; Jonah Machover, London; Dr. Oskar Rabinowicz, Brünn; Israel R o s o f f, Tel-Awiw; Prof. Jakob Rothmann, Lwow; Josef Schechtmann, Paris; Dr. Michael Schwartzmann, London; Dr. S. Eugen Soskin, Genf; Oberbaurat Robert Baruch Weinstein, Tel-Awiw. Ghettogei'sl über dem jüdischen Naiionalheint Von Rechtsanwalt Dr1, Ephraim Waschitz (Jerusalem) Der ungeheuerliche Fall der schweren Beleidigung der Juden durch einen englischen Staatsanwalt in Palästina, über welchen die „Neue Welt" berichtet hat, erfährt durch diesen! Artikel des bekannten ■Ziönistenführers die richtige Beleuchtung. Die charakterlose Haltung maßgebender jüdischer Persönlichkeiten bei dieser Gelegenheit ist leider > symptomatisch. Am Freitag, den 28. Oktober 1932, fand vor dem Jerusalemer Obergericht, der höchsten Gerichtsinstanz Palästinas, eine Berufungsverhandlung statt. Gegenstand der Berufung war ein. Urteil des Distriktsgerichtes Jerusalem, welches über drei Juden Gefängnisstrafen wegen Versicherungsbetrug durch Brandlegung verhängte. In der Berufungsverhandlung war die Anklage durch den Vertreter des Oberstaatsanwaltes, Regierungsanwalt E 11 i o t, vertreten. Die Verteidigung lag in Händen von drei Rechtsanwälten, darunter des bekannten Advokaten E1 i a s h, der juridischer Berater der Jewish Agency (Zionistischen Exekutive) ist und die Juden vor der Klagemauerkommission vertreten hat. Den Vorsitz führte der Oberste Richter Palästinas, als Beisitzer fungierten ein Araber und der Jude Frumkin. Nach den Ausführungen eines der Berufungsvertreter erhob sich der englische Regierungsanwalt zur Antwort und meinte, es lägen alle charakteristischen Elemente des Verbrechens vor: e i n Jude, eine Versicherungsgesellschaft, Ueberversicherung usw. Der Vorsitzende hörte die Worte ruhig an und fand nichts daran zu rügen. Nach einer Weile wandte sich der jüdische Beisitzer an den Staatsanwalt mit der Frage: Ein Jude? Worauf Mr. Elliot wörtlich seine Behauptung wiederholte und erklärend hinzufügte, daß die Tatsache des jüdischen Versicherungsbetruges in London allgemein bekannt ist. Der Vorsitzende schwieg, der jüdische Richter, kreideblaß, nahm weiter an der Verhandlung t e i 1. Nun erwartete der vollgepackte Gerichtssaal, daß seitens des Advokaten Eliash, der die Replik hatte, entsprechend reagiert werden wird. Er replizierte, kam aber auf den Zwischenfall in der Argumentation des Staatsanwaltes mit keinem Worte zurück. So geschehen am Freitag. Sonntag, den 30. Oktober, morgens berichteten alle Tagblätter Jerusalems über den Vorfall ohne Kommentar. Das fiel um so mehr auf, als die Blätter, die am Samstag nicht erscheinen, Zeit genug hatten, Artikel vorzubereiten. Durch Nachfrage wurde festgestellt, daß die Exekutive der Jewish Agency oder, deutlicher gesagt, Dr. Arlosoroff, der politische Vertreter der Zionistischen Weltorganisation, die Presse ersuchte, über den Vorfall nicht zu schreiben. Darob große Empörung im Publikum. Ihr Rechnung tragend, wagten sich jetzt die Blätter mit sehr gemäßigten Kritiken hervor. Es war klar, daß bei der Exekutive der Agency Vertuschungsabsichten bestehen. Volles Licht in die Sache brachte erst die für den 1. November einberufene außerordentliche Generalversammlung der jüdischen Advok aten Jerusalems. Da stellte sich die beschämende Tatsache heraus, daß der Vorsitzende der jüdischen Advokatenvereingung Palästinas; Dr. Smora, mit Herrn Arlosoroff konferierte, daß er es war, der beschwichtigte, ja, daß er, ohne einen Schritt der Regierung oder des Herrn Elliot abzuwarten und trotz der Warnungen jüdischer Kollegen, mit dem antisemitischen HerrnElliot Verbindung suchte, mit ihm konferierte und auch eine Erledigungsformel gefunden haben soll. Herr Doktor Smora machte sogar den Vorschlag, in einer sehr langweiligen und kindischen Rede Herrn Elliot in Schutz zu nehmen und das Beschwichtigungsverfahren der Agency zu rechtfertigen. Das Resultat war ein Beschluß der Generalversammlung, der gegen Elliot protestiert, ihn seines Amtes für unwürdig erklärt, gleichzeitig aber auch das Vorgehen des Advokaten El i a s h, der auf Elliots Insinuation nicht repliziert hat, und das Benehmen Smoras, der auf eigene Faust Besprechungen mit Elliot eingeleitet hat, scharf rügt. In der Vollsitzung des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas) vom 3. November beantragte ich eine scharfe Protestresolution und Genugtuungsforderung. Dank den Genossen Dr. Arlosoroffs, zu denen auch der Vorsitzende Ben-Zwi gehört, fiel der Beschluß schwächer aus, als zu wünschen war. Daß die englische Beamtenschaft Palästinas durch und durch judenfeindlich ist, hat sie schon oft bewiesen. Daß aber im sogenannten „jüdischen Nationalheim" ein englischer Staatsanwalt den traurigen Mut haben wird, eine Pauschalverdächtigung gegen die Juden im offenen Saal des höchsten Gerichtshofes, in Gegenwart eines jüdischen Richters und jüdischer Anwälte auszusprechen, hätte kein Pessimist zu erwarten gewagt. Man kann mit voller Sicherheit behaupten, daß in Staaten, die antisemitisch verseucht sind, eine derartige Behauptung eines amtlichen Organs an