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Die neue Welt · 1932-11-18 · Heft 270 (18.11.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 270 (18.11.1932)
Date
1932-11-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 270 DIE NEUE WELT Seit« f ' Kanaan Treuhandge§ellsdiaft Canaan Truttaethlp Co., niDOmDM man Jerusalem a^«m» Iii e f e r t Informationen, Ideen, Vorschläge, Pläne, Programme, Kostenvoranschläge; besorgt die Gründung, Abwicklung, Leitung und Überwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel Vertreter für Österreich: Ludwig Gutmann, Wien I, nalschmarkf St, II., III., f6 MUndliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer (R-25-7-79) Vereinbarung bei jüdischen Einwohnern in den Wohnungen und auf der Straße durchgeführt. Kein jüdischer Beamter wird eingestellt, auch nicht Lehrer für jüdische Religion, so daß in einer großen Reihe Schulen jüdische Religion nicht gelehrt wird. Als man an den Richterabbau schritt, wurden von den nichtjüdischen 10 P r o 7. en t, von den wenigen jüdischen Richtern aber TO Prozent abgebaut. Die Autonomie der jüdischen Gemeinden wird vernichtet, ohne daß dies jemand Nutzen bringt. Kein gewählter Gemeindepräsident wird bestätigt, wenn er nicht dem Starostn seine Seele vorher verkauft hat. Die jüdischen Schulen sind die einzigen, die keine Regierungsunterstützung bekommen. Dagegen werden Lehrer an jüdischen Schulen zu Unrecht disqualifiziert. Die Lehrerbildungsanstalt der Warschauer jüdischen Gemeinde ist seit Monaten geschlossen, weil die polnische Schulbehörde den neuernannten Direktor nicht bestätigen will. Den Grund kennt niemand. Es ist nichts als Schikane. Die Tragödie unserer studierenden Jugend schneidet uns ins Herz. Vom Genuß des Selbsthilfefonds sind die jüdischen Studenten ausgeschlossen, hochbegabte jüdische junge Leute werden nicht zum, Studium zugelassen und müssen ins Ausland wandern. Für die Regierung scheinen die dreieinhalb Millionen Juden in Polen überhaupt nicht zu existieren. Rabbiner Lewin führte u. a. aus: „Keine Schicht der polnischen Bevölkerung ist von der Wirtschaftskrise so schwer betroffen wie wir Juden. Die Steuereinschätzungen jüdischer Kaufleute sind oft fiktiv und phantastisch. Das Resultat: Zusammenbruch der jüdischen Kaufmannschaft, Schließung zahlreicher jüdischer Geschäfte in allen Hauptstraßen der Städte, unbeschreibliches Elend Hunderter und Tausender jüdischer Familien. Die Monopolpolitik der Regierung hat sich nicht bewährt, die Regierung würde im Interesse des ganzen Landes handeln, wenn sie gewisse Produktions¬ und Handelszweige wieder der privaten Initiative überlassen würde." Der Redner wies darauf hin, daß der Zuschuß des Staates für jüdische religiöse Zweck e, der schon früher mikroskopisch klein war, jetzt auf 4 000 Zloty jährlich gesenkt wurde. Gleichzeitig haben die jüdischen Gemeinden in Polen für Aufbringung eines Jahresbudgets von insgesamt 40 Millionen Zloty zu sorgen, und diese Gelder entlasten die Regierung, indem die Gemeinden ihr Verpflichtungen abnehmen. Das jüdische Schulwesen, das den Staatssäckel so ungeheuer entlastet, wird von der Regierung nicht gestützt. ,.., Ein weißer Rabe Der Rektor der litauischen Staatsuniverßdtät in Kowno, Prof. Tschepinekas, sprach sich jüdi- , seihen Pressevertretern gegenüber entschieden gegen das Verlangen nach Einführung des Numerus clausus gegen die Juden, das von mehreren litauischen Studentenorganisationen anläßlich der Neuwahl des Siudentenkomiitees ausgesprochen worden ist, aus. Ich war, sagt? der Rektor, peinlich überrascht, als das Plakat mit der Numerus-clausus- Fprderung an den Wänden der Universität erschien, ich hielt sofort mit dem Prorektor Prof. Tschesnis eine Beratung ab, und wir beschlossen, das Plakat sofort entfernen zu lassen. Ich glaube nicht, daß die Numerus-clausus-Forderung ernst zu nehmen ist, weder die Studenten.' noch die Verwaltung der Universität haben darüber zu entscheiden, das ist Sache der Regierung und der Verfassung. Aber weder der Präsident unserer Republik, Herr Smetana, noch Ministerpräsident Tubialis, noch Unter rieh tsminister Schakianis, noch sonst ein Mitglied der Regierung werden sich auf irgendeine Erörterung nach der Richtung der Einführung eines Numerus clausus einlassen. Die Universitätsbehörden wollen nichts mit einer Bewegung zu tun haben, die die Tore der Universität gegenüber Angehörigen von Minderheiten schließen will. Als Gelehrter mache ich keinen Unterschied zwischen Litauern, Polen, Deutschen oder Juden. Verzweifelte Lage der Juden in der Ukraine Der Arbeiterführer Rennie Smith, parlamentarischer Privatsekretär des Unterstaatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten, der von einer sechswöchigen Reise durch die S o w j e t u n ii o n soeben nach London zurückgekehrt' ist, berichtete auf einer Tagung des Verbandes jüdischer philantropischer Gesellschaften über die Lage der Juden in der Ukraine. Der kommende Winter, sagt« Rennie Smith, wird in der Ukraine infolge der schlechten Ernte einer der schwersten sein, die bisher zu verzeichnen waren. Schon jetzt herrscht unerträgliche L.e.bensmittelknappheit. Am schwersten natürlich ist die Lage der jüdischen Bevölkerung der Städte, die nicht einmal-der wenigen armseligen Vergünstigungen, wie sie die Bauern genießen, teilhaftig sind. Er habe die Ukraine mit schwerem Herzen, böser Ahnungen voll, verlassen. Unmöglich auszudenken, was aus all diesen armen Menschen in dem kommenden strengen Wime" werden wird. Der Verband der jüdischen philanthropischen Gesellschaften müsse das Aeußerste tun, um seinen Gkubensbriideru in der Ukraine zu Hilfe zu kommen. Der Verband bewilligte 1500 Pfund zu Zwecken der Nahrungsmittelbeschaffung für die notleidenden Juden in Kiew, Odessa, Charkow, Minsk und in anderen Städten, sowie 600 Pfund für jüdische Hilfsgesellßchaften in Polen. Die Parade jüdischer Frontsoldaten in London Vergangenen Sonntag fand in London eine Parade der jüdischen Frontsoldaten zur Erinnerung an die Kriegsgefallenen statt, an der Uber 4000 ehemalige jüdische Soldaten, die im Weltkriege an der Front gekämpft haben, unter Führung des Obersten J. H. L e v e y teilnahmen. General Sir Wehb G i 1J m a n, das militärische Oberhaupt des Eastern Command, nahm die Parade ab. Nach dem Kaddisoh-Gebet wurde die „letzte Reveille" geblasen, dann eine Minute „Schweigen des Gedenkens". Die Frontsoldaten sangen, vom Orchester der Scots Guards begleitet, das „Adon Olam". Nach der Zeremonie fand ein Tee in der AlbertHa.ll statt. Oberst Levey referierte über das Projekt der Errichtung eines jüdischen Kiegerdenkmals. General G i 11 m a n erklärte: Es war mir eine Ehre und eine Freude, Ihrer Feier beizuwohnen. Die jüdischen Frontsoldaten haben für König und Vaterland die höchsten Opfer gebracht. Die Feier wurde durch das Londoner Radio verbreitet. Der Tiroler Landesrabbiner Dr. Josef Link gestorben Der Landesrabbiner von Tirol, Dr. Josef Link, ist im Alter von 53 Jahren plötzlich gestorben. Dr. Link war ein hervorragender Orientalist und veröffentlichte eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten auf dem Gebiete der Semitologie. Er befaßte sich auch mit sozialer Fürsorge in der Judenheit Tirols und wurde erst vorige Woche vom Bundespräsidenten Miklas mit dem Großen Goldenen Verdienstzeichen Oesterreichs für Verdienste um die Republik ausgezeichnet, Hermann Jadlowker Professor am Inländischen Staatskonservatorium Kammersänger Hermann Jadlowker, der nach einer mehrjährigen erfolgreichen Wirksamkeit als Star der Berliner und der Wiener Staats.oper sowie der Metropolitan Opera in New York vor einigen Jahren das Amt eines Oberkantors der jüdischen Gemeinde in Riga angenommen hat, ist nun zum Leiter der Gesangsklasse des lettländischen Staatskonservatoriums mit dem Titel Professor ernannt worden. Spaltung im holländischen Misrachi Aus Amsterdam wird gemeldet: Der Parteitag des holländischen Misrachi lehnte mit 25 gegen 21 Stimmen den Antrag der Exekutive, aus dem Weltm i s r a chi a u s z n s.c h e i d e n ab. Nach der Abstimmung traten die MitgliedeV'cler Exekutive, die Misrachi-Leitungen in Amsterdam und im Haag und eine größere Zahl Delegierter aus dem holländischen Misrachi aus und bildeten eine Unabhängige Misrachi- Partei unter dem Vorsitz von Z. Mossel. Die Rumpftagung des Misrachi wählte ihrerseits eine neue Exekutive unter dem provisorischen Vorsitz von MoreB. deVries in Amsterdam. * Der Weltverband der traditionstreuen Zionisten „Misrachi" macht eine schwere Krise durch. Zum großen Schaden der zionistischen Weltbewegung, für welche ein starker Misrachi lebenswichtig ist. Die Spaltungstendenz trat zuerst in Deutschland zutage, wo der Misrachi unter den Einfluß opportunistischer Elemente geriet. Er trat in Oppostion zu den Führern des Weltmisracthi, Farbstein und B e rl i n, überzeugter Judenstaatler, und beschuldigte diese „revisionistischer" Tendenzen. Vor zirka einem Jahr trat der deutsche Misrachi aus dem Weltverband aus. Auch in der Schweiz sind ähnliche Erscheinungen zu verzeichnen. Zwölf jüdische Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten Außer den am vergangenen Sonntag in den Vereinigten Staaten gewählten vier jüdischen Gouverneuren -— Herbert Lehman in New York, Henry Horner in Illinois, Arthur Seligman in New Mexico und Julius Meier in Oregon — wurden am gleichen Tage zwölf Juden, davon 5 aus New York, 2 aus New Jersey, einer aus Pennsylvania, einer aus Kalifornien, einer aus Wisconsin, einer aus Illinois und einer aus Connecticut, in den Kongreß der Vereinigten Staaten gewählt. Die 5 New Yorker Kongreßmitglieder sind E. Celler, S. Dickstein, W. I. Sirovich, T. A. Peyser und S. O. Bloom, die anderen sind Isaac Bacharach aus Atlantic City, Richter Harry Joelson Patterson und Henry Ellenbogen aus Pittsburg, Richter Joseph Padway aus Milwaukee, Frau Florenoe Kahn aus San Franzisko, A. Sabbath aus Chikago und Herman Kopperman aus Connecticut. Hetzrede des Prinzen zu Schaumburg-Lippe Auf einer natioaialsozialißtischen Kundgebung in Gemünden führte der frühere regierende Prinz Friedrich Christian zu, Schaumiburg-Lippe in einer Rede aus: „Immer war das internationale Judentum der Feind des deutschen Volkes. Schon vor 1914 stellte es fest, es könne kein Volk so gut für sich arbeiten lassen wie da/s deutsche. Durch die vielen Parteien hat das Judentum das Volk enjkaweit und ihm dann den Klassenkampf eingeredet . . . Hitler ist es gelungen, den Klassenkampf zu beseitigen! ,» Au§f ro - Paläsf inensi§dier Wi'rlsdiaft§di'enst Gesellschafts- und Studienreise nach Palästina 28. Februar, bis 23. März 1933. Gesamtarrangement von Wien bis Wien — alles inbegriffen — S 950. Anschließend Aufenthalt in Aegypten. Auskünfte und Prospekte durch Austro-Palästinensischer; W i r tschaftsdien st, Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), Telephon A-17-5-40 Serie (Sprechstunden Montag und Donnerstag von #5 bis 6 Uhr nachmittags), und durch die Reiseleiterin Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinstraße 92, Telephon B-06-7-05, an allen Werktagen. IndustriellenffKonferenz in TehAwiw 12.000 Arbeiter — 1 Million Pfund Lohn — Export 250.000 Pfund (Bericht der „Neuen Welt") , C' In Tel-Awiw fand am 18. Oktober «ine Konferenz der Industriellen statt. Sie wurde vom Herrn Vizebürgermeister R o k a c h im Namen der Stadt Tel-Awiw begrüßt. Er führte u. a. aus: „Die Befürchtungen, die in Verbindung mit der Weltwirtschaftskrise gehegt wurden, haben sich nicht erfüllt. Das beweist, daß die junge palästinensische Industrie auf festem Boden steht. Wir sind den Unternehmern zu Dank verpflichtet, daß sie in dieser so schweren Zeit alles taten, um die jüdische Industrie zu erhalten und auszubauen. Te^Äwiw hat das größte Interesse an der Entwicklung der Industrieunternehmungen, weil sie die Hauptbedingung für die Entwicklung der Stadt bilden. Was die häufigen Arbeitskonflikte anbelangt, wird die Irijah (Stadtverwaltung) alles tun, um das l?estmögliche Verhältnis zwischen A rbeitgebern und Arbeitnehmern herzustellen. Aber die Arbeiter müssen einsehen, daß der Fabrikant der Führer ist, nicht der Geführte sein kann. Das soll nicht bedeuten, daß die Arbeiter kein Interesse an der Entwicklung der Industrie nehmen sollen. Die Irijah ist leider noch nicht die Instanz', die alle Konflikte beilegen kann. Aber sie muß ihre Stimme erheben und vor unverantwortlichen Schritten warnen, die unsere Industrie ins Verderben führen." Herr Nadiwi, der Generalsekretär der Vereinigung der Industriellen, berichtete: „Die Vereinigung der Industriellen zählt heute 161 Mitglieder, von denen 140 in Tel-Awiw, 13 in Jerusalem, 3 in Haifa und die anderen in den Kolonien ihre Fabriken haben. Die Einnahmen an Mitgliedsbeiträgen betrugen im Jahre 1931 1014 Pfund. In der Berichtsperiode sind 8Fabriken geschlossen worden, dafür wurde in 6 die Arbeit wieder aufgenommen. In wenigen Wochen werden wieder 5 neue Fabriken (Seide, Kerzen, Baumwollwaren und Socken) eröffnet werden. Der Umsatz betrug im letzten Jahre über 2 Millionen Pfund. Die jüdische Industrie beschäftigt gegenwärtig über 1 2.000 Arbeiter mit einem Durchschnittslohn von 25 Piaster (S 7.50) pro Tag. Der Industriearbeiter wird durchschnittlich 30 0 Tage im Jahre beschäftigt. Die Industrie zahlt über 1 Million Pfund pro Jahr an Löhnen aus. Der Export betrug im Jahre 1931 über 250.000 Pfund. In der abgelaufenen Berichtsperiode haben die Unternehmen Kredite in der Höhe von 40.000 Pfund aufgenommen. Die Irijah Tel-Awiw ist den Industriellen immer hilfreich beigestanden, wofür ihr herzlicher Dank gebührt. Im letzten Jahre gab es 21 Arbeitskonflikte, ein Teil derselben nahm gewalttätige, bedrohliche Formen an. Was die Einkommensteuer betrifft, sind alle Anstrengungen gemacht worden, um ihre Einführung zu verhindern.*" Die Konferenz nahm einige wichtige Resolutionen an und wurde in gehobener Stimmung geschlossen. Die Handelsbeziehungen zu Aegypten Aus Kairo wird gemeldet, daß dort ein Komitee zwecks Verbesserung und Ausgestaltung der Handelsbeziehungen zwischen Aegypten und P alästina eine Tagung abgehalten hat. Es nahmen teile der Vertreter des ägyptischen Ackerbauministeriums, der Vertreter des Regierungsdepartements für Handel , und Industrie, der Vertreter der Kammer für Export, der Getreidehändler und der Handelskammer, Die Tagung beschloß, eine Delegation nach Palästina zu entsenden, um an Ort und Stelle mit den maßgebenden Faktoren Verhandlungen zu pflegen,

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