Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 269 (11.11.1932)
- Date
- 1932-11-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 2»! AUS PALÄSTINA. Die Handelsbeziehungen zu Palästina. Di« maßgebende palästinensische Wirtschaftszeitung „Mischarwe Tassjah" veröffentlicht eine eingehende Zusammenstellung über den Handelsverkehr zwischen Palästina und den wichtigsten europäischen Ländern. Nachstehend sind Auszüge aus diesen interessanten Veröffentlichungen gebracht, die 9ich auf Oesterreich und die Tschechoslowakei beziehen. Aus den Ziffern ist zu ersehen, daß Oesterreich revaltiv viel nach Palästina exportiert und, bei entsprechender Propaganda, in Palästina einen wertvollen Absatzmarkt für österreichische Produkte schaffen kann. Oesterreich Die Einwohnerzahl ist 6,5 Millionen, Jaden 260.000. Oesterreich importiert insgesamt um 80 bis 100 Millionen Pfund. Die Handelsbeziehungen mit Palästina haben erst seit 1929 einen Aufschwung genommen. Der Export Palästinas nach Oesterreich betrüg in den letzten Jahren 3000 bis 4000 Pfund. Der Import aus Oesterreich betrug 1930: 130.000 Pfund, 1931: 92.000 Pfund. Die hauptsächlichsten Exportartikel Palästinas sind (Export 1930 in Pfund in Klammer): Därme (937), Wein (356), Bücher (172). Bei Wein zeigte das Jahr 1930 einen starken Abfall, denn es wurden 1928 um 1418 Pfund, 1929 um 1142 Pfund importiert. Natürlich ist die Summe der Einfuhr aus Palästina nur ein verschwindender Bruchteil von der Gesamteinfuhr Oesterreich«. Speiseöl führt Oesterreich um 2 Millionen Pfund ein — davon lieferte Palästina 1930: um 56 Pfund, Sesamöl um 17 Pfund, Tabak (Import 1,5 bi9 3 Mill.), Gemüse (600.000 Pfund) liefert Palästina überhaupt nicht, letzteres trotz gelungener Versuche. Ebenso werden Fruchtsäfte, Honig, Bananen (von letzteren wurden 1918 und 1929 kleine Probesendungen gemacht) importiert. Ethrogim in verschwindendem Maße. Orangen 1929: 2400 Kisten, 1930: 6440 Kisten im Werte von 1932 Pfund. Von Industrieprodukten wurde etwas weniges in Stück- und Webwaren importiert, für 59 Pfund bei einem Gesamtimport von 5 Millionen. Bei geeigneter Organisation könnten nach Oesterreich auch religiöse Artikel und Andenken exportiert werden. Tschechoslowakei Von 14 Millionen Bewohnern, sind 365.000 (2,5 Prozent) Juden. Jahresimport 100 Millionen Pfund. Der Verkehr mit Palästina hat stark ansteigenden Charakter. Jahr Export nach Palästina Import von Palästina Pfund Sterling Pfund Sterling 1927 104.874 227 1928 126.681 J.285 .1929 139.707 . 2.045 1930 . 177.275 8.993 Trotzdem beträgt der Export Palästinas dahin erst ein Hundertstel Prozent des Gesamtimports der Tschechoslowakei. .Folgende Exportwaren Palästinas sind gar nicht vertreten: Tabak (Import 1,3 bis 2,8 Millionen Pfund), Pflanzenöle, Sesam, Honig, Fruchtsäfte, Häute (Import 1,7 bis 3,5 Millionen Pfund). Selbst religiöse Artikel und Andenken wurden 1930 nur um 104 Pfund aufgenommen. In manchen Artikeln, wie Bücher, Ethrogim, Wein, ist der Import aus Palästina verschwindend gering, Orangen stellen das Hauptkontingent: 1930: 20.500 Kisten, Wert 6140 Pfund. In Deutschland ist das relative Wachstum des Imports von Orangen im Laufe:der Jahre fünfmal so groß wie in der Tschechoslowakei. In Därmen war der Import: 1930: 2255 Pfund. Von Industrieprodukten kamen Bekleidung nur in geringen Mengen, indes die Tschechoslowakei jährlich für 2 bis 2,5 Millionen importiert Bei geeigneter Organisation könnte der Export nach derv Tschechoslowakei sehr ausgedehnt werden. Forderung nach Zollfreiheit für Palästina-Produkte in England Im Verlauf der Debatte über das Abkommen in Ottawa im englischen Unterhaus kam der Konservative H. Williams auf das Thema Palästina- Orangen zu sprechen und beklagte es sehr, daß Palästina im Hinblick auf die jetzige Interpretation des Wesens der unter die Gruppe A fallenden Mandatsländer Kanaans Treuhandgesellschaft niDowD'« man jy» o^»rv Cenaan Trusteeshlp Co. Jerusalem Iliefert Informationen, Meen, Vorschläge, Pläne, Programme, Kostenvoranschläge; besorgt die Gründung, Abwicklung, Leitung und Überwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel Vertreter für Österreich: Ludwig Gutmann. Wien lf Net schmortet 88, II., III., 56 Mündliche Be p echung nach vorheriger schriftlicher oder telepbonischer (R-25-7-79) Vereinbarung in der Frage der Meistbegünstigung alsein fremdes Land betrachtet werde. Er, Redner, habe sich mit dieser Interpretation des Wesens des Mandats nie einverstanden erklärt und halte sie auch heute noch für grundfalsch. Es sei geradezu absurd, daß England, das für Recht und Ordnung in Palästina verantwortlich ist, verwehrt sein solle, Palästina eine Vergünstigung zu gewähren, und daß auch Palästina nicht gestattet sein soll, englischen Produkten eine Vorzugsbehandlung zuteil werden zu lassen. Dies sei eine durchaus abnormale Situation, die hoffentlich eines schönen Tages entwirrt werden wird. Es sei sehr zu bedauern, daß durch die Most Favoured Nation Treatment Bill der zukünftigen Entwicklung Palästinas hinsichtlich des Orangenexports in einem gewissen Maße Abbruch getan werde. Williams ersuchte die Regierung, dieser Angelegenheit ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im zweiten Teil seiner Rede forderte H. Williams, daß Palästina als ein Teil des British Empire angesehen und behandelt werde. Zugegeben, daß die Si tuation für Palästina nicht so schlimm sei, als man im Hinblick nnf die neue Bill anzunehmen geneigt wäre; werden ja Palästina-Orangen während einer Periode eingeführt, in der der höhere Zollsatz nicht zur Anwendung gelangt. Aber auch der lOprozentige Zoll auf Palästina-Orangen sei zu hoch und eine Behinderung der Ausfuhr dieses Produkts. Nur zu gern ergreife er, Redner, diese Gelegenheit, um der berechtigten Klage Englands und Palästinas gegen die jetzt geltende Interpretation des Wesens der Klasse A des Mandats Ausdruck zu verleihen. Juden beim Bau des Rockefeller-Museums in Jerusalem nicht beschäftigt Die hebräische Arbeiter-Tageszeitung „Dawar" weist darauf hin, daß beim Bau des John D. Rockefeiler- Palestine Archeolo'gical Museum in Jerusalem, das in der Nachbarschaft der hebräischen Universität errichtet wird und für welches John Dr. Rockefeller jun. eine Summe von zwei Millionen Dollar gestiftet hat, kein einziger jüdischer Arbeiter beschäftigt wird. An der Errichtung des jetzt fertigen Rohbaues waren ausschließlich Nichtjuden beschäftigt, und jetzt bei der Fertigstellung und Inneneinrichtung der Anstalt werden alle jüdischen Arbeitsangebote zurückgewiesen. Die Regierung hat, schreibt „Dawar", die Arbeit an einen Unternehmer vergeben, ohne, wie es ihre Pflicht gewesen wäre, dahin Vorsorge zu treffen, daß eine Benachteiligung der jüdischen Arbeit nicht Platz greift. Der Balfour-Tag in Palästina ruhig verlaufen Nachdem die Exekutive des Arabischen Jngendverbandes vor einigen Wocen für Mittwoch, den 2. November d. J., den 14. Jahrestag der B a 1four-Deklaration, den arabischen Generalstreik proklamiert hatte, hat sich die Arabische Exekutive in den letzten Tagen dieser Parole angeschlossen und hat eine Proklamation an alle Araber Palästinas erlassen, in der diese aufgefordert werden, am 2. November durch Arbeitsruhe gegen die Balfour-Deklaration zu protestieren, die „für die Verarmung der arabischen Bevölkerung verantwortlich ist, in dem sie es den Juden ermöglicht, die Araber ihres Bodens und ihrer sonstigen Existenzmittel zu berauben. Der Tag verlief im ganzen Lande ruhig. Die Generalstreikparole der arabischen Exekutive wurde in diesem Jahr weniger als in den bisherigen Jahren befolgt Die palästinensische Presse stellt fest,'daß der von der arabischen Exekutive für den 2. November, den Jahrestag der Balfour-Deklaration, proklamierte Streik ein Feblschlag wie noch nie bisher war. In Jerusalem war keine Spur von einem Streik zu merken, auch in Jaffa und in Haifa waren die arabischen Läden den ganzen Tag geöffnet. Nur in N a b 1 u s und in J e n i n waren die Läden geschlossen. Dort und in einigen anderen Städten wurden Versammlungen abgehalten und Resolutionen angenommen, in denen die Schaffung einer palästinensischen Verfassung, vollständige Einstellung der jüdischen Einwanderung und ein Verbot des Bodenverkaufes an Juden gefordert werden. Die Resolutionen sollen dem High Commissioner übermittelt werden. Die jüdische Bevölkerung in Jerusalem und in Tel-Awiw feierte den Balfour-Tag durch Beflaggen der Häuser mit englischen und zionistischen Fahnen. In Tel-Awiw wurde zur Erinnerung an die Verkündung der Balfour-Deklaration eine Massenkundgebung abgehalten, in der Bürgermeister Mayer Dizengoff und das Mitglied der Exekutive der Exekutive der Jewish Agency, Emanuel N e u m a n, Ansprachen hielten. Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) und Agudas Jisroel fordern Elliots Rücktritt Der Waad Leumi hat in seiner am 3. November abends abgehaltenen Sitzung eine in scharfen Worten gehaltene Resolution gefaßt und der Regierung Uber* mittelt, in der die Entfernung des pal (Ist inen* sischen Kronanwalts El Hot, der vor Gericht beleidigende und verleumderische Aeßerungen gegen die Juden getan hat, von seinem Posten gefordert wird. Die Agudas Jisroel Palästina« nahm eine ähnliche Resolu« tion an und Ubergab sie der Regierung« Tätigkeitsbericht des hebräu sdhen Theaters „Habima" Die „Neue Welt" erhält von der „Habima,, anschließend an die letzte Darstellung einen Bericht, worin es heißt: Die materiellen Schwierigkeiten liegen zum großen Teil in der Höhe der Regiespesen. So hat das Theater z. B. im Laufe eines Jahres 1700 Pfund Saalmiete gezahlt, wobei ihm nicht einmal alle guten Spielabende zur Verfügung standen. Die Steuern machen mehr als 1000 Pfund aus. Aus dieser Situation heraus entstand bei den Freunden der „Habima" der Wunsch, die Lebensbedingungen des Theaters in durchgreifender Weise zu erleichtern. Folgendes wurde erörtert und in Angriff genommen: 1. Die Herabsetzung der Unkosten. 2. Der Bau eines „Habima"-Theaters in Tel- Awiw. 3. Die Gründung einer ständigen Organisation von Freunden im Ausland und in Palästina. 4. Die Flüssigmachung der zugesagten Subventionen. Das Theater sucht eine größtmögliche Rationalisierung durchzuführen. Außerdem ist es bemüht, bei der Stadtverwaltung Tel-Awiw und der palästinensischen Regierung gewisse Erleichterungen der Erhaltung des Theaterbetriebes durchzusetzen. Schon lange bestand das dringende Bedürfnis, der „Habima" ein eigenes Haus zu bauen, da ja keine Institution auf die Dauer in fremden Räumen existieren kann. Es wurde daher beschlossen, ein Theater in Tel- Awiw zu bauen, um im Zusammenhang mit der Rationalisierung dem Theater die günstigsten Bedingungen künstlerischer und materieller Festigung zu geben. Dieser Plan wurde schon im Frühjahr gefaßt, und ganz Palästina begrüßte diese Idee enthusiastisch. Eine Sammlung ergab schon in ihren ersten Anfängen schöne Erfolge. Der Kauf soll vom Keren Kajemeth und der Stadt Tel-Awiw finanziert werden. Das Gebäude wird der „Habima" zur vollständig freien Verfügung und Nutznießung tiberlassen. Es ist zu hoffen, daß neben den Geldspenden auch große Beiträge an Baumaterial dem Bau zugute kommen werden. Als der High »Commissioner General Wanchope der Aufführung des „Ewigen Juden" beiwohnte, ließ er durch Dr. Tschernichowsky erklären, er werde sich an dem Bau beteiligen, und sandte einen Scheck auf 50 Pfund als Beitrag. In verschiedenen Orten Palästinas haben, .sich in den letzten Wochen spontan Initiativgruppen gebildet die die Anfänge des „Habima"-Kreises. schaffen wollen. Es ist anzunehmen, daß diese organisierten Gruppen einerseits eine moralische und gesellschaftliche Stütze der „Habima" bilden, anderseits die Sorge der Subventionsaufbringung in Palästina wie im Ausland auf sich nehmen werden. Fest steht jedenfalls, daß keine kurzfristigen Palliativmittel mehr angewendet werden dürfen, sondern daß nur ernste gemeinsame Arbeit aller Freunde und befreundeten Institutionen den subventionierenden Staat wird ersetzen können. Brs'th Trumpeldor Vom Büro des Shilton in Paris) S h i 11 o n. Der Leiter des wehrsportlichen Departements im Shilton, Ketzin-ha-Shilton H a 1 p e r n, er** stattete dem Rosh-Betar offiziellen Bericht über die im Sommer in Oesterreich und der Tschechoslowakei abger haltenen Kurse für Wehrspört-Instruktoren. Die Instrüktorenschule in Oesterreich absolvierten 30 Betarim aus Wien, 8 Betarim aus Innsbruck, 4 Betarim aus Budapest. (Der Schule gehörten 74 Schüler an.) Unter den Schülern aus Wien war ein Vertreter des Jüdischen Sport- und Schützenvefeins „H a g a n a". Die Instruktorerischule in der Tschechoslowakei, die unter der Leitung des Betar- Instruktors Josef Doueler, Tel-Awiw, stand, absolvierten 20 Betarim aus 12 verschiedenen Orten der östlichen Slowakei und Karpathorußlands. Estland. Die Netzivut in Riga (Lettland) berichtet über die Gründung von Kenanim in Estland. Der Ken in D o r p a t umfaßt etwa 60 Betarim, der Ken in Reval umfaßt etwa 30 Betarim. Der Ken Reval wird vom lettländischen Betar-Instruktor B. K a t z e n e 11 c n-* bogen geführt. Litauen. Die Netzivut Kowno berichtet über den Verlauf der III. Landeskonferenz des Betar Litauens, die vom 17. bis 19. Oktober in Kowno stattgefunden hat An der Konferenz nahmen 75 Delegierte und mehr als 200 Gäste teil. Die Netzivut stellt das hohe Niveau der Debatte der Konferenz fest, an der 40 Konferenzdelegierte teilgenommen haben. Die Konferenz faßte wichtige ideologische, organisatorische und erzieherische Be- ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION lliliilllliiillillilllllilliillllillllilli^ Rastauration, Kaffeehaus / Täglich 3-Uhr-Taa SEMMERING ISÄS*SStVV°^43 Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaliwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24