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Die neue Welt · 1932-11-11 · Heft 269 (11.11.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 269 (11.11.1932)
Date
1932-11-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite '4 DIE NfiUE WELT Nr. 269 SIEGM. KORNMEHL GROSSPLEISCHHAUfiAEI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteHuwgen für Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. Kultusgemeinde Wien Autoxustellung kostenlos JX. Berggatae 13 / XVIII., W8hrlng«rstr. 97 Sir Herbert Dowbiggins, betreffend Reorganisation der Polizei nach dieser Richtung hin, ist bisher kein irgendwie wesentlicher Teil zur Durchf ü h r u n g gelang t. Wichtige jüdische Zentren entbehren auch jetzt noch eines angemessenen Kontingents jüdischer, Polizei,. in gewissen DienstdepartenWnts ist der Prozentsatz des, jüdischen Personals außerordentlich gering. Die Situation in der Trans jordanischen G r e nzmacht gibt zu noch größerer Unzufriedenheit Anlaß. Aus Palästina-Einkünften wurden bis heute etwa 750.000 Pfund für die Erhaltung dieser. Streitkraft und ihrer Reservedetachemen'ts verausgabt; sie wurde ganz und gar ein Teil der permanenten Palästna-Garnison. Sie bewacht die Jordanliuie und die hydroelektrischen Werke, auch liegt es ihr ob, Waffenschmuggel nach Palästina zu verhindern. Femer ist ihr der Sqliutz. gewisser Gebiete jüdischer Siedlung, im Jordantale und in Galiläa, anvertraut. Ungeachtet dessen sind die jüdischen Bürger Palästinas aus ihren Reihen so gut wie ausgeschlossen. Am 1. Jänner 1931 gehörten der transjordanischen Grenzmacht.- deren Stärke einschließlichder Reserve 980 Mann belrug, nur 2 8 Juden, unter"ihnen 2 Offiziere, an. Erwägungen, die sowohl vom Prinzip der G1 e i ch he i t wie von dem der Sicherheit ausgehen, heischen dringende Maßnahmen, um in geeigneter Form eine wesentliche Zahl Juden in den aktiven Bestand und in die Reserve der trans jordanischen Grenzmacht einzureihen. Mehrere Jahre hindurch sah sich die J. A. gezwungen, darauf hinzuweisen, daß der von der Palästina-Regierung zur Erhaltung des von der J. A. verwalteten hebräischen öffentlichen Schulwesens geleistete Zuschuß, sowie der Beitrag der Regierung zu den Ausgaben des jüdischen G e s u ndheitsdienstes in'keiner "Weise den Bedürfnissen der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Leistung für die öffentlichen Einkünfte entsprechen (im Falle des Gesundheitsdienstes entspricht der Zuschuß nicht einmal dem Zahlen Verhältnis der Juden gegenüber der Gesamtbevölkerung). Eure Exzellenz haben zugegeben, daß eine Erhöhung der Beihilfe für die -hebräischen Schulen und ein Beitrag für' den jüdischen Gesundheitsdienst erwogen werden müssen. Sie' haben eine Prüfung' dieser beiden Fragen bei Vorbereitung des Budgets 1933/34 veranlaßt. Ich hoffe, daß es im Ergebnis dieser Prüfung möglich seih wird, den berechtigten Ansprüchen der jüdischen Gemeinschaft 'auf angemessene Beteiligung der Regierung an ihren sozialen Diensten entgegenzukommen. Aus dem Berichte des Vizepräsidenten Af. Groilmann •In der Presse wird viel von einer Besserung der Situation, des Zionismus und der politischen Lage in Palästina gesprochen. Es ist nicht zu leugnen, daß eine gewisse, jedoch nur winzige Aenderüng des Kurses der Palästina-Regierung zu bemerken ist, und zwar in der Behandlung der jüdischen Behörden in Palästina. Das einzige Positive an diesem sogenannten „neuen Kurs" ist die Vergrößerung der Zahl der Einwanderungszertifikate, wobei bemerkt werden muß, daß ein Teil der Zertifikate nicht freigegeben wird, sondern für Verwandte in Palästina ansässiger Juden und Touristen reserviert wird.. Von den 4?00 zur "Verfügung gestellten Zertifikaten werden nur zirka 300Ö zur Verteilung gelangen, was angesichts1 der Bautätigkeit und der Lage des Arbeitsmarktesungenügend ist. Zu bedauern sind die allgemeinen Vorschriften für die Kontrolle der Immigration, die bedeutend . verschärft wurden. Auch der touristischen Bewegung werden jetzt Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Die englischen Konsulate in den Länderai haben jetzt Weisungen erhalten, die Bedingungen für die .Ausgabe von Touristen visas mit derartigen Schwierigkeiten zu verknüpfen, daß eine Einstellung der Touristik zu befürchten ist. Charakteristisch für den politischen Zustand in Palästina sind die Pläne der Regierung, eine Einkommensteuer einzuführen und den Weg für die Einsetzung einer parlamentarischen Institution mit arabischer Majorität zu bahnen. "Worin besteht die sogenannte Besserung der Lage? Ist die 2ahl der 'jüdischen Beamten gestiegen? Sind der jüdischen Siedlung StaatsUndereien zur Verfügung gestellt worden? Werden Juden in große,in Umfange für öffentliche Arbeiten engagiert? Ist die Reform der Munizipalitäten in einer Weise durchgeführt worden, die den gerechten Auteil der Juden sichert? Wird die hebräische Sprache als offizielle Landessprache im täglichen Leben anerkannt? Ist das .Verbot der jüdischen Einwanderung und Siedlung tn Trans Jordanien aufgehoben? Sind Zeichen einer effektiven Zusammenarbeit der Regierung mit der jüdischen Agenz vorhanden? Gerade jetzt, in dieser Zeit der wirtschaftlichen Ruhepause, ist es Aufgabe der zionistischen Organisation, auf die Festlegung der zukünftigen Politik der Palästina-Regierung 1 im Sinne des Mandats, im Sinne der aktiven Förderung des Aufbaues des jüdischen National* heimei hinzuwirken» Die Palästfna*Frage vot der Mandatskommission des Völkerbundes Am 3. November vormittags wurde in Genf die XXII. Session der Mandatskommission des Völkerbundes eröffnet. Die Behandlung d(g Palästina-Mandats ist für den 10. November vorgesehen, auch der Vormittag des 11. November ist für diesen Gegenstand reserviert für den Fall, daß die Diskussion sich ausdehnen sollte. Die britische Regierung wird bei den Verhandlungen durch den High Commissiöner Sir Arthur Wauchope, durch H. F. Downie vom Colonial Office und S. Moody vom Palästina-Sekretttfiat vertreten sein. Auf der Tagesordnung der jetzigen Session figuriert auch eine größete Anzahl von Petitionen, die sich auf die Lage in Palästina beziehen. Es sind dies die folgenden Petitionen: 1. Memorandum der Jewlsh Agency vom 12. September 1932, daö, ähnlich den in den früheren Jahren der Kommission vorgelegten Memoranden, einen Ueberblick über die E n t w i c k 1 u n g Palästinas im Jahre 1931 gibt. 2. Eine Petition des Waad Leumi, datiert Jnni 1931, gegen den S i m p s o n - Bericht. (Berichterstatter: der Japaner Sakenobe.) "' ' '; , 3. Drei Petitionen der Zentrale der Aguda• Jisroel: a) Eine vom 28. Juni 1931, in der gewisse Bemerkungen zur „Palestine (Wailing Wall) Order in Council" (Klagemäuer-Verordnung gemacht werden. (Berichterstatter Palacios.) b) Eine zweite Petition vom 8. November 1931, in der Protest erhöben wird gegen einige Stellen im jährlichen Bericht der britischen Regierung über die Verwaltung Palästinas für 1930, Stellen, die sich auf die Wahlen zur Assefat Haniwcharim beziehen, c) Eine dritte Petition vöm 30. Juli 1931 über die Lage und die Rechte der Agudas Israel in bezüg ataf das Knesset-Israel-Gesetz. (Berichterstatter der Aguda-Petitionen ist der Deutsche Dr. Ruppel.) 4. Eine Petition der Arabischen Liberalen Partei vom 10. September 1931 gegen die Entscheidung der Klagemauerkommission (Berichterstatter Palacios). 5. Eine Petition des Kongresses der arabischen Frauen über die Lage der arabischen Bevölkerung in Palästina und ihre Beziehungen au der Administration (Berichterstatter Rappard). 6. Eine Petition von Hans von Bassewitz wegen des gegen ihn in Amman begangenen Attentats (Öeriohterstatter Sakenobe). Die Kommission wählte für das künftige Jahr als Präsidenten den It'aliehe;r; Ma-rqüis Thöodoli' und als Vizepräsident^ Der Völkerbundsrat hat'"!!! seihet'letzteni Sitzung für das nächste Jahr als ständigen Berichterstatter in den Mandatsfragen den Vertreter der Tschechoslowakei gewählt, nachdem der Vertreter Jugoslawiens, der in den letzten drei Jahren Mandatsberichterstatter war, in diesem Jahr aus dem Rat ausgeschieden ist. Zur Auf frischung des Blntes trinken Sie einige Tage hindurch frühmorgens ein Glas natürliches „Franz- Josef "-Bitterwasser! In Apotheken und Drog. erhältlich. n 11 ■ 1 1 1.......' ..... ..........■■■1" -"" ■■...... .' 1,1. "■ Der englische Rundfunk treibt antisemitische Propaganda Zwischen den englischen Filmindustriellen und der Zeitung „Sunday Express" brach ein Konflikt aus, der seinen Ausgangspunkt in einer antisemitischen Rede des Filmkritikers des „Sunday Express", Cedric Belfradge, im englischeu Rundfunk hat. Bei-' fradge, der auch Sachverständiger im RundfunkrKontrollausschuß der Regierung ist und früher einmal einige Zeit in Hollywood war, hielt vor einigen Tagen im Radio einen Vortrag über Film, in dem er gegen die „Oligarchie der raubgierigen Juden in dem Filmland England-Amerika" loszog. Führer der englischen Juden beraten gegenwärtig über einen bei der eugliachen Regierung zu unternehmenden Schritt, durch den die Aufmerksamkeit der zuständigen Stellen auf den Mißbrauch des staatlichen Rundfunks zur Propagierung rassischer Vorurteile gelenkt werden soll. Die leitenden Persönlichkeiten der Filmindustrie, Juden wie Nichtjuden, haben von der Redaktion des „Sunday Express" gefordert, daß sie Belfradge die Filmkritik entzieht. Als die Redaktion des .jSunday Express" diese Forderung abschlug, beschlossen die englischen Filmindustriellen gemeinsam mit den großen amerikanischen Filmgesellschaften, wie Metro-Goldwyn-Meyer, Gattniont, Universal, Warner Brothers usw., dem „Suriday Express" keine Annoncen mehr zu geben und die bereits erteilen Annoneenaufträge zurückzuziehen. Antisemitische Propaganda in Athen Eine vor kurzem hier gegründete „A n t i k o m m u. nlitische Organjeatloh* verbreitete Aufrufe zum Boykott jüdischer Warenhäuser« Die jüdische Gemeinde yon Athen Überreichte den'.zuittiA« d igen Stellen einen Protest gegen die Versuche, zVitehen Juden und Nichtjuden, die vonvje in der Baup^jadt Griechenlands friedlich nebeneinander, lebtedr $to|«> tracht zu säen. In Atheu leben, unter etwa 800.000 Ein« wohnern rund 4000 Juden. Antisemitische Studenten im ruhen in Lemberg Nationaidemokratische Studenten verbreiteten' jn1 den Straßen Lembergs Aufrufe zum Boykott der' Juden. Als sich eine große Gruppe antisemitischer Studenten zu einem Demonstrationszug. formierte, winde sie durch Polizei zerstreut. Sofort verbreiteten sich Gerüchte, daß nationaldemokratischo Studenten duroh junge Juden mißhandelt worden sind. Obwohl es sich bald herausstellte, dnfl <lii -.c G« tiiclne grundlos sind, zogen am Abend Gruppen nationaldemokratischer Studenten unter Racherufen durch die von Juden bewohnten Straßen, mißhandelten zahlreiche jüdische Passanten und schlugen in jüdischen Geschäftsläden die Fenster ein Erst spät gelang es der Polizei, die Ruhe herzustellen. An der Warschauer Universität herrscht Ruhe, nachdem die Regierung den Rektoren der Hochschulen mitgeteilt hat, daß jeder Versuch von Studenten, die Rühe zn stören, mit Gefängnis und Relegation bestraft werden wird. 3200 polnische Palästina-Wanderer in diesem Jahre Durch die Vermittlung des zentralen Palästina- Amte« in Warschau sind von Jänner bis September 1932 1794 Juden ans Polen nach Palästina gewandert Gegenwärtig werden große Vorbereitungen zu der großen Alijah getroffen, die in den nächsten zwei Monaten 1400 Juden nach Palästina bringen wird. Im Jahre 1932 werden also allein durch Vermittlung des Palästina-Amtes etwa 3200 Juden aus Polen nach Palästina gewandert sein. Die Vernichtung der zionistischen Arbeit in Sowjetmfiland Die Palästina-Delegation' des illegalen Hechaluz in Rußland hat soeben in Buchform unter dem Titel „Hechaluz berussia'1 einen Bericht Über die zionistische, Arbeit in den Ländern der Sowjetunion herausgegeben, in dem die Verfolgungen des Hechaluz in Rußland, die mit Heroismus ertragenen Leiden tausender Jünglinge und Mädchen, deren einziges Streben die Verwirklichung , ihres Palästina-Ideals ist, erschütternd dargestellt werden. In dem Buche wird erzählt, wie die besten Chaluzkplonien in Rußland, die die hebräischen Namen «BW*, „Kadima", „Mischmar* usw. getragen haben, durch die systematischeVerfolr gung seitens der russischen Behörden allmählich,zugrunde gegangen sind. Die Berichte sind durch zahlreiche Dokumente und Photographien, belegt. Union werktätiger Deursdiösterrddier VonW.k ~--r*'. ••- - -■■> * ,. .Die „^Jüiö'tt^; dtVoV^»^t^m^<wA» ,,. - .^8o#fot^^ 1 „Werktätigen Juden", haben für die Kultuswahlen eine gemeinsame Liste gegen die Zionisten ' aufgestellt — ) - Szene im Sekretariat der Wahlleitung• der „Union werktätiger Deutschösterreicher . An der Wand hängen diverse, Aufschriften, wie: ,,H ä h d e weg ' von d e ü t sc h eV; 1^ einig t e r d e'V .jlJer wahrhaft- Freie ist Freidenker", „Deutschland; erwach e, Palästina verrecke", „Leset und verbreitet das unionistische Manifest", „Die unionistische 'Weltrevolut i o n m a r s c h i e r t" usw. usw. Sekretär der Wahlleitung der „Union werktätiger Deutschösterreicher" telephoniert: „Oh, Freiheit, Herr Kommerzialrat, wie steht das werte Befinden?... Das ist wirklich nett'von Ihnen, daß Sie sich doch entschlossen haben, für den Wahlfonds zu spenden... Aber keine Spür," vom" Wahjfonds bleibt" gar n 1 c h t s ü b r ig... Nein, es bleibt, wtb gesagt, nichts übrig, aber falls doch, geht bestimmt von dem Geld; nichts nach' Pal ä's t i na. Es wurde beschlossen, falls doch etwas übrigbleibt, das Geld zu' verteilen, die Hälfte erhält der „Verfem zur Erhaltung des Deutsch* tums in Südtirol", die andere Hälfte erhalten': die Freidenker.,!: Nem, it-h weiß zwar, von Welch ungeheurer Bedeutung die C h e w r a Ka di s c ha ist, aber die kann leider nichts 'erhalten, da ihre Stellung noch gänzlich ungeklärt ist, es besteht'von unserer Seite nämlich die Absicht, die Chewra dem A r b*e i t e r - F e u e rbe91a11u n gsy erein ^Flamine" als Untersektion einzureihen, doch gibt es da noch verschiedene Schwierigkeiten, da zur Bedingung gestellt wird, daß die Ghewra nur Proletarier beerdigen darf... Also* gurr ich sende Ihnen Erlagschein. Freiheit,-Herr Kommerzjalrat," Ein älterer, elegantgekleideter Herr stürmt aufgeregt in das Zimmer: „Das ist doch unerhört, was mir passiert, jetzt bin ich 30- Jahre Mitglied der. .Uriiöh', aber so wa;s war noch nicht da!" ■ Sekretär*; „Was, -ist denn passiert, * Herr. BdJien'rat?<' < ■ , : ' , {: ■>■,.. ' ,\ r B ö r s e n r a t: „No. hören Sie, Sie schicken mit einen Ooj in. die Wohnung, für den. Wahlfonds schnorren!" r Sekretärv „A|*«r. Herr Börsenrat, Sie müssen doch die Situation berücksichtigen, zu sqleher Arbeit braucht man Jugend, die Zionisten haben so,viele junge Menschen und wir gar keine, da haben wir uns durch Zuziehung .. nichtjüdischer arbeitsloser Parteimitglieder behclfen müssen." B örsenrat: „Mir ist das ganz egal, so etwas mache ich n,icht weiter mit. Der Goj kommt, zu mir und fragt, ob ich , nicht etwas für den Wahlfonds geben will Ich frag' ihn erstaunt, für was für einen Wahlfonds, sagt er mir, er weift das nicht so genau, «» finden J«Ut die

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