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Die neue Welt · 1932-11-04 · Heft 268 (4.11.1932) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 268 (4.11.1932)
Date
1932-11-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 268 Jahre Schiffrmnru-Jtefosl &ukuwsbweLs6 unserer fflcmenßonfeßäons-Ü6t. Modarne Filzhdtc, Handarbe ts-Modelle mit Metallnadel. S Dam«n>Bind«>Pariier, Lack mit schwarzem Boxcalf oder hämisch mit Imitation-Eidechse kombiniert.......S Flauschmantel, englische Sportfasson pelzverbrämt . . .S Jugendl. Boucle-Mäntel m. Ummfell-KreuzvetSchluß, Seide gefütiert, Schafwolle watihrt.............S Per beliebte Koiaken-Mantal, reich verbrämt, Seide gefüttert....................S Frauenmantel auch für sehr starke Frauen) mit großem Pelzkragen, Seide gefüttert und wattiert..........a Blaue oder schwarze Trotteur-Mäntel aus gutem Winterrips, Seide gefütiert. Schafwoll wattiert, m. großem, gezogenem Sei i-Electiic-K ragen..................S Feine Tuchmänte<> schwarz oder blau. m. großer, feiner Pelz- Verbrämung, Seide gefüttert Schaiwoll wattiert. S 79.—, S Vornehme Modell-Mäntel aus feinstem Cröpe-Borke" oder anderen Qualitätsstolfen, mit Edelfellen reich verbrämt, erstkl. irchneiderarbeit.....S 169 —, 149.—, 129.—, S Breirschwanz-Piflscnjäckchen, ganz Reinseide geiüttert, Schafwolle wntteliert.......,........a 3F.—, S Moire-Lamm teil-Jäckchen, Seide geiüttert und watteliert S 49.-, s Molre-Fohlen-Mäntel mit elegantem Lammfell-Schalkragen. Seide gefüttert und wattelien.............S Nutria-Lamm-Pelzmantel, nur aus ganzen Fellen, Seide getütteit und waHeliert..................S Echte Naturbisam-Mantel, ganz CrSpe Mongol gefültert, pikiert und watteliert............... . s Sport-Kostüm aus Modestoffen, Jacke ganz gefüttert. . . S Shetland-VfinterkostOm, Seide gefüttert, sehr fesch . . . S 490 1490 JJ.50 29- 35 39 45 69 Elegante Mode-Stoffkleider, neueste Fasson . . . S 34.-, S Bemberg-Seiden-Blusen, fesche Fassons....... . . S Elegante Crepe-Mongol-Blusen, schöne Modefarben . . 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S 9.80, 7.90, S Große Auswahl in Trauerkleidern und -Mänteln Provinzveisand per Nachnahme ' Fahr y-rgütung SCHI FF MANN TABORSTR.4A 98 25 39 139 149 298 39 49- 29" 390 J.M 49 690 29 990 2450 990 4.90 Jf.90 |.90 Das Mädchen antwortete eine Weile nicht, dann: „Weshalb wundern Sie sich?" „Immerhin, Avas wollen Sie?" „Es hat mir gefallen, was Sie damals gesagt haben." „Gefallen? Was hab' ich denn gesagt?" „Daß ich von hier wegfahren soll." „Nun, wer hält Sie denn zurück?" Sie wartete ein wenig, dann mit Mut: „Ich hab' kein Geld für die Reise!" „Krabbeln Sie es zusammen!" „Nicht dar was!" Siwer kaltblütig: „Was also wollen Sie von mir?" Feige machte eine stolze Bewegung: „Ich bin nicht bitten gekommen." „Was denn?" Das Mädchen warf zart einen Blick auf Siwer. Nach einer Weile, während sich die Nacht mit großen Mondlichtflecken auf die Diele legte, fragte •Siwer wieder: „Was wollten Sie von mir?" „Gar nichts. Zu Hause ist mir schwer und düster, darum bin ich zu Ihnen gekommen." „Wie alt sind Sie," fragte Siwer von ungefähr. „Ich?" zog Feige langsam die Antwort. „Zwanzig . .** Einige Minuten Schweigen. Siwer blickte dem Mädchen* ins Gesicht. Sie schwieg und lächelte, als würde sie so seinen Blick beantworten. Siwer war müde, löschte die Lampe, sein Kopf war heiß und schwer. Im Schlummer fühlte er den Atem des Mädchens, das Klopfen ihres Herzens. Sich aufraffend, zündete er das Licht/ befreite er sich aus Feiges Händen, blickte sie durchdringend an und sagte gleichgültig zu ihr: „Sie glauben wohl durch mich Protektion zu kriegen!" Das Mädchen stand da, ins Herz getroffen. Zwei Falten gruben sich ihr über der Nase ein. Die Augen wurden kalt und streng. Gewöhnliche, graue Augen wurden es. Sie sah sich suchend um, ergriff hastig ihren. Hut und das Ueberkleid. Siwer hielt ein Buch in der Hand, gähnte faul, blickte gar nicht auf den unerwavteten Gast. Sie faßte sich: „Siwer, ach, Siwer ..." Er hob seine halbverschlafenen Augen auf ek\ Und da nahm sie sich^die Kraft, zu sagen: „Was? Auch auf Liebe hain' ich keinen Anspruch?" Die letzten Worte trafen ihn mit besonders harter Wucht. Er nahm sie bei der.J-Iand. Die Hand war heiß. Sie brach in lautes und tiefes Schluchzen aus. In; Siwer brach sich ein Gefühl des Mitleids Bahn. Er ertappte sich dabei; es langweilte ihn davor. Er ließ ihre Hand. Das Mädchen fühlte wieder seine Gleichgültigkeit, ging hinaus. Zu Hause fand Feige den Vater mit dem „Emess" über dem Gesicht liegen. Es war so seine Art. Er tat eine Drehbewegung und sagte wie zu sich selbst: „Schon durchgelesen noch ein Blatt und gar nichts gefunden." In der Nacht schaukelte sich der Bart wie immer über der Mutter Bett. Er gab der Mutter Pillen und erzählte sein letztes Gleichnis: „Sind wir also, heißt das, die Sterber von der Wüste." Der alte Mann blickte zu Feiges Winkel hin und fügte traurig hinzu: „Nun, und die Jungen, werden die ins Land Israel kommen?" Er schlief ein. Von der Wand blickte sinnend der Wilnaer Gaon. Jenseits des Fensters war's mondhell, heiter, jugendfreudig. Aus dem Parfümfläschchen trank Feige in der Nacht eine brennende Flüssigkeit und bei Tagesanbruch lag sie tot mit verdursteten Lippen und mit einer blassen, spitzen Nase. T Der Wilnaer Gaon sah -zu, sich hinüberbeugend über Hersch Rebelskis "lahgW Bart, der mit seinen Spitzen hinter dem „Emess" hervorguckt.; {■:,> Von der Haganah Generalappell Der Jüdische Wehrsport- und Schützenverein 'Haganah hielt Sonntag, den 30. Oktober d. J., am Hakoah-PIatz seinen diesjährigen Generalappell ab. Schon in den frühen Morgenstunden waren die Straßenbahnen mit Kameraden der Haganah, die zum Appell fuhren, gefüllt. Als der Hornist zur Vergatterung blies, formierten sich Hunderte junge Juden, na,ch Zügen geordnet, zu einer mächtigen Kolonne. Die zahlreichen Gäste waren von der starken Beteiligung und der besonderen Strammheit der Haganah-Kameraden restlos begeistert. In mitreißenden Worten eröffnete der Bundesführer der Haganah den Generalappell. Anschließend" daran wurden sämtliche Kameraden bei der blau-weißen Fahne zur Treue ihrem Volke und der Haganah gegenüber angelobt. Nach der Defilierung wurde die Neueinteilung in territoriale Wehrkreise vorgenommen, die dadurch ermöglicht wurde, daß die Haganah außer der Schießstätte, IX., Nußdorferstraße Nr. 16, noch zwei weitere Heime, und zwar in dem für sie so wichtigen zweiten Bezirk, Obere Donaustraße 89, und im XIV. Bezirk, Hollergasse 40, erwerben konnte. Mit der Absingung der „Tikwah" fand die Kundgebung ihr Ende. Tonfilmaufführimg der Haganah Sonntag, den 6. November d. J., halb 11 Uhr vormittags, findet im Schäfferkino, VI., Mariahilferstr. 37, eine Tonfilmaufführung zugunsten der Haganah statt. Zur Aufführung gelangt der vom Völkerbund prämiierte Tonfilm „Niemandsland" mit Wladimir Sokolow in der Hauptrolle. Außerdem „Frühling in P a 1 ä s t i n a", tönende Wochenschau usw. Karten zum Preise von S 1.— und S 1.50 bei den Kameraden der Haganah und an der Kassa. Wir bitten um zahlreichen Besuch. Uebersiedlung Die Bundesführung übersiedelt ab 7. November in das neue Heim, II., Obere Donaustraße 89. Amtsstunden und Mitgliederaufnahme Montag bis Donnerstag ab 7 Uhr abends. Außerdem werden Neuanmeldungen in den beiden anderen Heimen, IX., Nußdorferstraße 16, und XIV., Hollergasse 40, entgegengenommen. Das persische Generalkonsulat in Wien. Der Bundespräsident hat dem kaiserlich persischen Generalkonsul, Bankier Josef Stein, der im April d. J. von der persischen Regierung mit der Uebernahme der Geschäfte des Generalkonsulates in Wien betraut worden war, das Exequatur erteilt Ueber 22 Millionen Schilling an Klassenlotterie- Gewinnen, darunter 4-mal die große Prämie, 26mal größte Haupttreffer, hat die „Glückstelle Stein" in kurzer Zeit an ihre glücklichen Kunden zur Auszahlung gebracht. Bestellen auch Sie uingehendst Ihre Glückslose zu der am 16. November beginnenden Ziehung der Klassenlotterie bei der „Glückstelle Stein'*. Wien, I., Wipplingerstraße 21, an der „Hohen Brücke". Beachten Sie das Inserat auf Seite 3. E Juden, die ihr Kapital fruchtbringend in Erez Israel anlegen wollen, verweisen wir auf das Inserat der Kanaan Trcuhandgoeilschaft, Jerusalem. Was die sowjetvuffifdie Enzyklo* pädi'e über Juden und Judentum erzählt Eine historisch-materialistische Auffassung Der 24. Band der „Großen sowjetistischen Enzyklopädie", der soeben in Moskau erscheint, ist zum großen Teil den Juden und der jüdischen Geschichte gewidmet. Der Band enthält 300 Spalten, ^von denen 120 Spalten Artikel über „Juden" und 45 Spalten verschiedene Stichwörter jüdischen Inhalts behandeln. Alles wird vom historisch-materialistischen Standpunkt behandelt. So wird z. B. in einem kurzen anthropologischen Essay gesagt, daß die besonderen anthropologischen Eigenschaften,keine rassischen seien, sondern das Resultat der Lebensbedingungen, denen die Juden im Verlauf der Jahrhunderte als verfolgtes Volk ausgesetzt waren. Als Beweis wird das verschiedene Aussehen der Juden in den einzelnen Ländern angeführt. Bezüglich der Geschichte der Juden schreibt der Autor dieses Abschnitts, daß der Auszug aus Aegypten unter der Führung Möslseine theologischnationalistische Legende sei, die 700 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung erdacht worden wäre. Das Leben der Juden in Kanaan (1200 bis 1300 Jahre vor Christi Geburt) wird als das Leben einer Klassengesellschaft geschildert, wo die reiche jüdische Aristokratie das Proletariat ausgebeutet und versklavt habe. Die Priester hätten zur Feudalaristokratie gehört. Die besten Böden, Gärten und Rebenböden seien den Bauern abgenommen und der Aristokratie, der Geistlichkeit und den militärischen Führern zugeteilt worden. Weiter wird dargestellt, wie später nach dem König Salomo (im 9. Jahrhundert v. Chr.) Jerusalem und Samaria lebendige Handelszentren geworden sind und wie die Dorfbevölkerung-unter dem Druck der Grundherren verarmte. Die weitere Geschichte wird als Kapitel im Verlauf des Klassenkampfes dargelegt. Bezüglich der Galuth wird erzählt, daß sie der Bourgeoisie gut bekommen habe, da diese Gelegenheit hatte, ihren Handel zu erweitern; ein Teil der Bourgeoisie sei bereits in — Babylon zu Wohlstand gelangt. Ueber zehn Spalten beschäftigen sich mit der Geschichte der Juden in neuerer Zeit. Diese Abteilung enthält Artikel über die Geschichte der Juden in Frankreich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, England, Holland, Belgien, Italien, Rumänien, Amerika und im Orient. Zahlreiche Tatsachen' sind falsch dargestellt, unter dem Aspekt des Marxismus. Bezüglich Palästinas wird gesagt, daß bis in die Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts die jüdische Bevölkerung aus Chaluka-Juden bestanden habe. Erst später hat man in Palästina begonnen, Kolonien zu gründen, und zwar „auf dem Boden, der den armen arabischen Fellachen geraubt w u r d e". Die Kolonien haben zumeist kapitalistischen und ausbeuterischen Charakter getragen. Mit dem Beginn der zionistischen Bewegung sind nach Palästina mehr arbeitsfähige Elemente, größtenteils aus Rußland, ausgewandert und es hat eine wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung eingesetzt, wobei sich aber der Einfluß der Reaktionären und R a b b i n e n verstärkt hat. In der Zeit des Weltkriegs ist der Zionismus verwandelt worden „in eine Bewegung der jüdischen Großbourgeoisie, welche sich dieselben Ziele gestellt hat wie die Bourgeoisie der imperialistischen Länder". Die Zerstückelung der Türkei durch die imperialistischen Großmächte haben die Zionisten dazu benützt, um den armen arabischen Fellachen ihr Land zu entreißen. Die Balfour-Deklaration sollte die Sympathie der jüdischen Bourgeoisie in Rußland und Amerika gewinnen. So hat England die Zionisten zu direkten Agenten ihres Imperialismus gemacht. Die Pogrome in Palästina vom August 1929 werden als „Aufstand des ganzen arabischen Volkes gegen die zionistische Herrscha f t" bezeichnet. Im Artikel „Juden im Sowjetverband" wird von der tiefen Veränderung in der sozialen Struktur der jüdischen Bevölkerung in Sowjetrußland erzählt. Es werden Ziffern, Tabellen und Daten gebracht, die das kulturelle Wachstum und die politischen Errungenschaften der jüdischen arbeitenden Bevölkerung in Sowjetrußland illustrieren sollen. Aus Tunis Der Fall Ankri liquidiert Das Lösegeld — Die Hetie des Mufti unter französischer Flagge erfolglos. Aus Paris wird der „Neuen Welt" geschrieben: In Tunis beginnt sich die Unruhe zu legen, hauptsächlich dank der energischen Haltung der französischen Macht gegen die arabischen Hetzer. Im übrigen wird die ganze Angelegenheit bei Beginn der Session vor das französische Parlament kommen. In den jüdischen Kreisen von Paris sorgt man für die Wiederherstellung des alten Zustandes in dem Sinne, daß es wieder möglich sein wird, zionistische Redner zu hören und die Aktionen für die jüdischen nationalen Fonds fortzusetzen. Zunächst sollen die Folgen der arabischen Ueberfälle liquidiert werden. Für die Beruhigung der BeYÖl-

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