Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 266 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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nt. m ~. DIE NEUE WELT SeH*l Neu in der pädagogisdien Literatur I Bar.Mizwa // II Ein Unterrlditsbudi fOr Jeden jüdischen Knaban zur Erlernung des Tafllllnlegens und als passendes Gasdienk Überall erhältlich! Und bei lsak Herzberg* II/ Karmelfcerg» 5/9 seines Planes, zur „Ehrenrettung" der Juden einen jüdischen Staat in Madian zu errichten. All das geschah fünf Jahre vor dem Erscheinen des „Judenstaat". Zu dieser Zeit weilte Theodor Herzl als Berichterstatter der „Neuen Freien Presse" in Paris. Es ist anzunehmen, daß er über Friedmanns Absicht, ein jüdisches Reich in Madian zu errichten, informiert war. Denn in den Nummern der „Neuen Freien Presse", welche Pariser Berichte Theodor Herzls brachten, waren auch Notizen über die Affäre Friedmann enthalten. AUS PALÄSTINA. Zum Sckulstreik von Palästina In der am 11. Oktober abends in Jerusalem abgehaltenen Sondersitzung des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat), der auch Vertreter der Jewish Agency und anderer an der Regelung des Schulproblems interessierter Instanzen des Jisohuw teilnahmen, wurde in der Frage der Kontrolle des hebräischen Schulwesens in Palästina ein Kompromiß erreicht, durch welches der seit sechs Monaten herrschende Schulkonflikt, der der Wiedereröffnung der hebräischen Schulen in dem neuen Schuljahr bisher hindernd im Wege stand, beigelegt worden ist. Es ist vorgesehen, daß die Schulen schon in sehr kurzer Zeit, spätestens in zwei Wochen, wiedereröffnet werden. Das Kompromiß wurde auf der folgenden Grundlage geschlossen: Die Schulen unterstehen im allgemeinen der Kontrolle des Waad Leumi. Jedoch wird die unmittelbare Kontrolle von einer fünfglieder i ge n Sonderschulkommission ausgeübt, die sich aus zwei Vertretern des Waad Leumi, einem Vertreter der Exekutive der Jewish Agency, einem Mitglied des Magistrats von Tel-Awiw und einem Vertreter des Elternverbandes der jüdischen K o 1 o n i s t en zusammensetzt. Die Verteilung der neuen 4500 Palästina-Zertifikate „Official Gazette" vom 13. Oktober bestätigt die Meldung, daß die Palästina-Regierung der Jewish Agency 4500 Einwanderungszertifikate auf Grund der Arbeiterschedule für das Halbjahr Oktober 1932 bis März 1933 zur Verfügung gestellt hat. „Official Gazette" fügt ergänzend hinzu, daß 2700 Zertifikate für Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren, 1500, Zertifikate. für unverheiratete Frauen der gleichen Altersstufe und 300 Zertifikate für Männer im Alter von 35 bis 45 Jahren bestimmt sind. Schärfere Kontrolle des Touristenverkehrs durch die Palästina-Behörden Jerusalem, 15. Oktober. (J. T. A.) Das Einwandeningsdepartement der Palästina-Regierung hat allen englischen Konsulaten in Europa Instruktionen zugehen lassen, den Touristenverkehr nach Palästina schärfer zu kontrollieren. Personen, die Palästina als Touristen besuchen wollen, sollen nur dann das Einreisevisum erhalten, wenn sie nachweisen, daß eie im Ausreiseland ein Geschäftsunter nehmen oder irgend einen Besitz haben; mich sollen die Touristen Rückreisebilletts vorlegen — alles dies, um die Garantie dafür zu schaffen, daß sie nicht dauernd in Palästina verbleiben. Einige Reiseagenturen in Europa, besonders in Polen, wur '°n von der Palästina-Regierung auf die schwarze Liste gesetzt; diese Agenturen haben in der letzten Zeit hunderte, jüdischer Touristen nach Palästina gebracht, denen sie versprochen hatten, sie würden dauernd in Palästina bleiben können, wenn sie eret einmal das Land betreten haben. Sie veranlaßten die Touristen auch, ihre Hausstände in der alten Heimat aufzulösen. Seitens der Jewish Agency wird der J. T. A. er» klärt, daß man vom jüdischen Standpunkt gegen die verschärfte Kontrolle des Touristenverkehrs seitens der Palästina-Regierung nichts einzuwenden hat, da sich die Aktion nicht gegen wirkliche Touristen richtet, sondern nur gewisse Machinationen unredlicher Reiseagenturen unterbinden soll. Im Monat Oktober werden etwa 6000 jüdische Touristen in Palästina erwartet. Schön! Unredlichen Reiseagentuten das Handwerk zu legen, ist ganz gut. Aber wje ist es denn dazu gekommen, daß Juden nach Palästina „eingeschmuggelt" werden? Handelt es eich um „Verbrecher"? Nein, um brave Menschen, welche Sehnsucht und Not nach Palästina drängeu. Die Palästina-Regierung erweist sich sehr tatkräftig in der Behinderung der Juden, wenn diese nach Palästina wollen. Dafür ist sie in der Erfüllung der Mandaispflicht, die j ü d i s c h e Einwanderung zu fördern, sehr, sehr lau. Unter solchen Umständen hätten sich auch die Herren von der Jewish Agency nicht gar so sehr beeilen müssen, den Ukaa gegen die „unwirklichen" Touristen so, rüokhaltslos zu begrüßen, * . Schofar blasen — 21 Tage Arrest Die J. T. A. meldet aus Jerusalem: Tausende von Juden beteten am Jörn Kippur an der Klagemauer. Es kam zu keinerlei Störung. Bei Einbruch der Dunkelheit versuchte ein aus Polen stammender Revisionist mit Namen Schlojma Neiman, nach dem Ne-ila-Gottesdienst Schofar Zu blasen, was einen Verstoß gegen die die Klagemauer betreffende Verfügung der Regierung bedeutete. Neiman wurde sofort von der Polizei verhaftet, aber auf Grund einer Intervention von Rabbi Kook gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Der Schofar wurde beschlagnahmt. Nach der Verhaftung griff eine Gruppe Revisionisten den den Gottesdienst am Jörn Kippur überwachenden Rabbi Isaac Orenstein tätlich an, weil er angeblich die Polizei auf Neiman aufmerksam gemacht haben soll. Schon am 11. Oktober, dem Tag nach Jörn Kippur, sollte sich Neiman vor dem Gericht des Distriktskommandos verantworten. Der Prozeß wurde aber auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Agudas Jisroel in Jerusalem veröffentlicht einen Protest gegen die Angriffe auf Rabbi Orenstein, der auch eine Verurteilung des Vorgehens Neimans enthält. In einem vom Waad Leumi veröffentlichten Kommunique werden das Vorgehen Neimans und der Angriff auf Rabbi Orenstein scharf verurteilt. * Der Revisionist Schlojma Neiman, der am Jörn Kippur nach dem Ne-ila*Gebet an der Klagemauer Schofar geblasen hat, was gegen die Klagemauerverordnung der Palästina-Regierung verstößt, wurde vom Gericht des Distriktskomimssariats zu 21 Tagen Gefängnis verurteilt. Eine ganze Familie muß nach Rußland zurück Eine jüdische Familie, die aus Rußland über Konstantinopel nach Palästina kam, wurde aus formellen Gründen nicht ans Land gelassen und so gezwungen, nach Konstantinopel zurückzukehren. Der Vater und die fünf Kinder gerieten in Verzweiflung. Der Vater versuchte ins Meer zu springen, wurde jedoch daran gehindert. Agudas Jisroel (Org. der Trennungs-Orthodoxie) beim High Commissioner Wie die J. T. A. bereits gemeldet hat, empfing der High Commissioner von Palästina, Sir Arthur Wauch ope, vor seiner Abreise nach Genf eine Abordnung der Agudas Jisroel, bestehend aus Rabbi Mosche Blau und Advokat Dr. Buchsbaum. Wie der „Israelit" nunmehr mitzuteilen in der Lage ist, ließ der High Cpmmissioner bereits wenige Tage nach der stattgehabten Unterredung die . Agudah- Zentrale wissen, daß er ein$ erneute Untersuchung darüber angeordnet habe, ob es technisch möglich sei, die Betonmischung für den, Bau des neuen Wasserwerkes regelmäßig . über Sabbat z^u-unterbrechen, damit deu jüdischen Arbeitern Sabbatruhe gewährt werden könne. Außerdem verständigte der High Commissioner die Agudas Jisroel, daß es zu seiner Freude gelungen sei, zu erreichen, daß die bei den Betonarbeiten beschäftigten jüdischen Arbeiter zunächst einmal am Neujahrsfeste und am Versöhnungstage von der Arbeit befreit werden. Auch in der Frage der Einwanderung von orthodoxen C h a 1 u z i m ist eine Verfügung des High Commissioner ergangen, aus der hervorgeht, daß die Regierung ernstlich bemüht sein wird, den berechtigten Ansprüchen der Orthodoxie auf gleichberechtigte Einwanderung nach Palästina durch Verhandlungen mit der Agency Rechnung zu tragen. Yemenitischer Appell zugunsten der Aden-Juden Das Zentralkomitee vemenitischer Juden in Palästina veröffentlicht einen Appell an die Juden in der ganzen Welt, Mittel zur Verfügung zu stellen, die es den ' unter dem antijüdischen Terror der Araber schwer leidenden Juden in Aden ermöglichen sollen, nach Palästina auszuwandern. Der Appell klingt in die Worte.aus: „Hotten vir wenigstens einen Teil unserer verfolgten Brüder in Aden!" Die yemenitischeh Juden Palästinas haben eine Institution geschaffen, die solchen palästinensischen Einwohnern, die jhren Verwandten in Aden zur Uebersiedlung nach Palästina verhelfen wollen, Darlehen gegen Ratenzahlungen gewährt: mit diesen Darlehen werden die Reisekosten der Wanderer bestritten und diese so lange unterstützt, bis sie in Palästina Arbeit gefunden haben. Kampf zwischen christlichen und mohammedanischen Arabern und Regierungsposten Die gesamte mohammedanische Presse Palästinas führt seit einigen Monaten einen heftigen Kampf gegen die Besetzung von Regierungsstellen mit christlichen Kanaan Treuhandgesellschaft Canaan Trustaaahlp Co., roDOTtt^DH man Jerusalem ywrp Iliefert Informationen, Ideen, Vorschläge, Plane, Programme, Kostenvoranschlage; besorgt die Gründung, Abwicklung, Leitung und Überwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel Vertreter für Österreich: Ludwig Gutmann, Wien I, Nelidimarkt SS, Hl.« S4 MUndliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer (R-25-7-79) Vereinbarung I SRAELITIN mit guaew Zeugnissen und Referenzen, sehr tüchtig im Kochen und WirttejMftfs, gut versiert in Krankenpflege, mit bescheid nen An«(rik$M, sucht Stelle fflr tagsüber oder nachts. Zuschriften an die Exp. HMHMMMHaaMMiaMaaaB| des Blattes unter »Tüchtig* Araber. Vor einigen Tagen fand in Jaffa eine Konferenz der mohammedanischen Jugend statt, in der der Beschluß gefaßt wurde, die Regierung auf das Unrecht aufmerksam zu machen, welches durch diese Postenibeseteungen den Mohammedanern angetan wird. Die christlich-arabischen Blätter ihrerseits protestieren gegen diese unduldsame Haltung der arabischen Brüder. 2500 Dunara für landlose Araber Mr. Andrews, der Leiter des Landentwicklungs» departemente der Palästina-Regierung verhandelt mit Effendis (arabische Großgrundbesitzer) von Rath" Schaan wegen Ankauf einer Fläche von 2500 Dunam für die Ansiedlung von landlosen Arabern. Juden in Sowjet* rußland Entpersönlichung von zweieinhalb Millionen Juden In einer Veranstaltung der Berliner Zionistischen Vereinigung las Esriel Ca rieb ach, der vor kurzem von einer Rußlandreise zurückgekehrte Redakteur de* „Israelitischen Familienblattes", Verfasser des vielgelesenen Reisebuches „Exotische Juden", aus einem größeren Manuskript verarbeiteter sowjetrussischer Reiseeindrücke das einführende Kapitel „Die Entp.ersönlichungvo ^zweieinhalb Millionen Juden". Carlebach führte u. a. aus: Ueber die russischen Juden ist eine Welt hereingebrochen, die sie zur Masse gemacht hat und sie zwingt, sich loszumachen von allem, was bisher ihre Individualität ausmachte, von allen persönlichen Bedingungen, Schicksalen und Eigenheiten. In wirtschaftlicher Beziehung drückt sich das zunächst darin aus, daß mit einem Schlage die ganze auf ,3 e z i e h u n g e n" aufgebaute Lebensbasis des jüdischen Städtchens verschwindet. Der Jude, der früher in „seinem" Haus, „seiner" Gasse, „seinem" Städtchen lebte wird in „einem" Haus, „einem" Städtchen unpersönlicher Diener eines unpersönlichen Staates. So erfüllt er, wo ihm eine Stelle angewiesen wird — als Verwalter eines kommerziellen ode,r. Arbeiter eines industriellen Betriebes — seine Pflicht zunächst ohne innere Beziehung zu seiner Aufgabe und mit keinem anderen als dem ganz materiellen und sehr übersteigerten Interesse am „Lohn". Die Regierung bemüht sich, dieses gleichgültige Verhältnis, zu dem Posten, an den der Staat ihn gestellt hat, zu wandeln, indem sie mit politischer Aufklärungsarbeit ihren Bürgern deutlich zu machen sucht, daß alle Arbeit für sie direkt getan wird, daß alle, als Glieder der Masse, ihre Nutznießer sind und deshalb den gleichen Eifer dn sie setzen müssen, als wäre es persönlich-kapitalistische Arbeit. In die Menschender älteren Generation aber 1 äß t sich dieses Bewußtsein nicht mehr einpflanzen, wäihrend es der jüngeren; der alle Vergleichsmöglichkeiten zu früheren Zuständen fehlen, allmählich zur selbstverständlichen Empfindung wird. Immerhin kann nur ein kleiner Teil des Städtchens im Staatsdienst Verwendung finden, weil erstens zentralisierte Pröduktenverteilung mit weniger Kräften auskommt als die dezentralisierte kapitalistische, und weil zweitens das Städtchen vorläufig in den ganz auf Großindustrialisierung abgestellten russischen Wirtschaftsplan einfach nicht mit einbezogen ist. So wütet dort, je stärker sich, lokal bedingt, diese beiden Umstände auswirken, unvorstellbar großer Hunger. Er zwingt alle, zu emigrieren, die überhaupt hiefür in Frage kommen. Diese Wanderung von Hunder ttauser.- den in die Großstädte, die Industriezentren und die Kolonien hält Canlebach deswegen für eine der merkwürdigsten in der jüdischen Geschichte, weil sie ganz ohne .yBeziehungen", ohne das Sich- Stützen des einen Juden auf den anderen, vor sich geht. Ueberall herrscht der unpersönliche Apparat, in dem einer dem anderen nicht helfen kann. Gerade hier aber vollzieht sich eine merkwürdige Metamorphose des Städtchen-Juden, der, mit begabtem, erfindungsreichem Verständnis für die Lücken jedes Wirtschaftsnetzes ausgestattet, dennoch nicht helfend eingreifen darf und schlicht-dienender Beamter werden muß, Aehalicbes erlebt der Jude in der uniformierenden Fabrik und am deutlichsten wird das schließlich in der jüdischen Kolonie. Hier können nur Menschen Verwendung finden, die politisch vorbearbeitet und sich darüber klar sind, daß sie weder als Einzelmenschen für einander noch als Kollektivwesen' für sich selbst, sondern alle gleichmäßig für den Staat säen uud ernten. Stellt einer ein Persönliches oder die Verbundenheit zum Mitkolonisten-Judeu höher als das Staatsinteresee, so muß er« logisoherwehjf,