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Die neue Welt · 1932-10-21 · Heft 266 (21.10.1932) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 266 (21.10.1932)
Date
1932-10-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Unter diesem Gesichtspunkt — eigenwillige Menschen mit eigener Wertskala können keine bedingungslosen Staatsdiener sein — wird jede jüdisch -r eligiöse und nationale Empfindung bekämpft Und das mit Erfolg, weil alle Atmosphäre für spezifische -Bekenntnisbekundung mit den Formen der alten Gesell-' schäftlichkeit zugleich verschwunden ist. Beim einfachen Mann ist die Verbundenheit mit alt jüdischen Formen relativ leicht zu lösen gewesen, aumindest erkenntnismäßig. In dem Intellektuellen, dem sie vitales Gut war, bricht, unter tragischen Umständen, nur allmählich der Widerstand gegen die Uniformierung. Denn die Kampagne zur Entpersönlichung wird mit taktisch überaus klugen Mitteln, unter genauer Einfühlung in die jüdische Mentalität, geführt. Jiddische Schulen, Gerichte, Polizei, Theater, Kulturanstalten erfassen den jüdischen Menschen direkt und quasi in seiner spezifischen Atmosphäre unentrinnbar für die Regierungsabsichten und -taktiken. Bei alledem darf aber nicht vergessen werden, daß ebenso wie die positiven, auch die negatiyen Seiten jüdischen Seins liquider! werden. Das gehetzte Leben des „Luftmenschenv im luftleeren Raum wandelt sich in unbedingte, im Guten wie im Schlechten ausschließliche Geborgenheit in den Händen des Staates, und genau so energisch wie die Jüdischkeit wird — der Antisemitismus bekämpft. Im selben Maße wie sie ist auch er im Verschwinden. Es wäre aber nach alledem falsch, anzunehmen, daß an die Stelle einer, ausgeprägten jüdischen Persönlichkeit nun vom Staat eine willenlose und leere Maschine Mensch gesetzt werden soll. Im Gegenteil: das kommunistische Lebensjgesetz ist nioht weniger kategorisch und umfassend, den ganzen Menschen füllend, als das altjüdische Religionsgesetz. Nur daß jene Generation, die nooh in einem Gesetz aufgewachsen ist, dieses abtut und doch das neue „Religionsgesetz" nicht in sich aufnehmen kann, weil dieses Geschlecht zweiflerisch, schlechtweg mißtrauisch gegen jede Beherrschung des Individuums durch die „Verordnung" geworden ist. Die junge Generation allerdings wird mit dem kommunistischen Lebensreglement auch die Ausgeglichenheit und den Persönlichkeitswert wiedergewinnen. Sie wird problemlos sein können, wie der alte Jude es war» aber — sie wird nicht, und in keinem Sinne, jüdisch sein. Tragt u. propagiert das gemeinsame dl« M«tj»w«iB« Stecknadel! Vertrieb: Keren Kojemeth Bfitfh Trumpeldor (Vom Skilton-Büro, Paris) S h i 11 o n. Auf der letzten Sitzung am 6. Oktober 1932 wurde beschlossen, für die Landesorganisationen des Betar in den Mittelmeerländern (mit Ausnahme Palästinas) ein gesondertes Ressort im Rahmen des Generalsekretariats zu bilden. Das neue Ressort steht unter Leitung des Ketzin-ha-Shilton Harry L e v y, Paris. Ferner erstattete der Leiter des wehrsportlichen Departements beim Shilton, K. ha-Sh. J. Halperin, Bericht über die Reorganisierung der Manöver-Kommission. Die im vorigen Jahr vom Rosh-Betar eingesetzte autonome Manöver-Kommission wurde vom Rosh-Betar wieder aufgelöst und die Leitung der Vorbereitung der Betar- Manöver direkt dem wehrsportlichen Departement des Shilton unterstellt. Dieses hat seine Tätigkeit in bezug auf die Vorbereitung der Manöver bereits aufgenommen. In seiner Pekuda Nr. 35 ordnete der Shilton (wehrsportl. Dep.) für die Länder Palästina, Lettland, Polen, Litauen, Oesterreich, Ungarn, Tschechoslowakei und Deutschland an, in den Kenanim, in denen sich ausgebildete Betar- Instruktoren befinden, unter Leitung derselben „P e 1 ugot-Timronim" (Manöver-Abteilungen) zu bilden, die ein vom wehrsportlichen Departement des Shilton auszuarbeitendes Lehrprogramm durchnehmen werden. Gemäß dem vom Shilton genehmigten Beschluß der Wiener Moatzat-Netzivim werden die allgemeinen Betarmanöver im Jahre 19 34 sattfinden, während im Jahre 1933 in jeder der obengenannten Landesorganisationen lokale Proben und Vorbereitungsübungen der „PeJugot-Timronim" stattfinden werden. Oesterreich. In Oesterreich hat die Netzivut nach der Sommerarbeit, die ausschließlich dem vom K. ha-Sh. Halperin geleiteten Instruktorenkurs in Auen gewidmet war, ihre volle Tätigkeit wieder aufgenommen. In Wien wurde ein Kurs für „Sammalim" (Instruktoren) unter Leitung des Mishne-la-Natziv I. Goldstein organisiert, in dessen Rahmen der Natziv Dr. L. Koppel einen Kurs über Betar-Ideologie abhalten wird. Ali ja. In den letzten Wochen traten Betarim aus folgenden Ländern ihre Ali ja nach Palästina an: Oesterreich ein Ole, Deutschland sechs Olim, die nach Palästina per Auto fuhren, Litauen zehn Olim. Die Netzivut der Vereinigten Staaten berichtet, daß sich die ersten Olim des Betar in den USA. zur Ali ja vorbereiten. Legitim ationsaktion. In den Landesorganisationen Belgien und Danzig geht die Legitimationsaktion bereits ihrem Ende entgegen. Die Netzivut Polens unternimmt eine breitangelegte Aktion (durch die öffentliche und betarische Presse, in speziellen Zirkularen und Pekudot an die Kenanim usw.) zwecks erfolgreicher Durchführung der Aktion. Die Netzivut Litauens wird auf der bevorstehenden Landeskonferenz der Aufklärung über die Bedeutung der Legitimationsaktion einen breiten Raum widmen. Jehuda Ehrenkranz liest, „Aus dem jüdischen Leben". Jehuda Ehrertkranz gibt Mittwoch, den 26. d. M. im Architektenvereinssaal, I., Eschenbachgasse 9, einen einzigen Abend vor seiner Vortragstöurnee. Der Künstler liest unter dem ^Titel j,,Aüs dem jüdischen Leben" in deutscher Sprache Dichtungen von Schalom Asch, Avigdor Hameiri, Schalem AI ej ehern, Oskar Rosen fei d und Leopold EDi ch 1 e r. Von Hichler, dem Verfasser des Romans „Moses Mautner und sein Sohn", gelangt das Kapitel „Der Sed.er" aus dem demnächst erscheinenden Roman „Heimweh nach Wien" aus dem Manuskript zur Vorlesung. Karten von 1 bis 3 Schilling in den Buchhandlungen M.;-Rath, IL, Taborstraße 20a, und R. Lanyi, I.. Kärntnerstraße 44. Jüdische Künstlerspicle Sonntag, den 23., gelangt in den „Jüdischen Künsiilerspielen" die Komödie „Moderne Liebe" mit L. Juogwiirth und U. Grimmiger zur Auffüihnuing. — Donnerstag, den 27.. findet unter Mitwirkung namhafter Künstler eine Sondervorstellung statt, deren Gesamtertrag für die Sicherung des Theaters bestimmt ist. Beginn der Vorstellungen 8.30 Uhr. 1 üdlfdie Sport« und lllllllllllll Turnbewegung Unglückliche Niederlage der ,/Hakoah'/ Gegen F. A. C. 2 :3 So von Pech verfolgt war die Hakoah wohl noch nie, wie vergangenen Sonntag. Die Mannschaft war während des ganzen Kampfes überlegen und hätte, nach dem Spielverlauf mit 2 bis 3 Toren Unterschied siegen müssen. Statt dessen mußte sie beide Punkte dem Gegner überlassen. Schuld an dem Mißerfolg trägt aber auch die Tatsache, daß man jede Woche mit dem Angriff experimentiert. Mit Mausner als Mittelstürmer hat man nicht immer die besten Erfahrungen gemacht. Trotzdem war er a,uch diesmal wieder auf diesem Posten zu finden. Er konnte den Zusammenhäng mit seinen Nebenleuten nicht herstellen. Er spielte zu hastig und vergab die günstigsten Chancen, oft in kläglicher Art. Vorzüglich arbeiteten die beiden Flug eis türm er, sie wurden aber von Mausner vernachlässigt. In der Deckung ragte Drucker hervor, während die Verteidigung nicht immer glücklich operierte. Daß es den Floridsdorfern gelungen ist, alle drei Treffer durch Kopfstöße zu erzielen, hebt das Ansehen der Hakoah-Verteidigung nicht. Das Treffen artete zeitweise stark aus, denn die Floridsdorfer spielten äußerst rücksichtslos. Der Schiedsrichter verlor die Nerven und schloß nebst J u ra n i c auch E i s e n h o f f e r aus. Hakoah war vom Anfang an überlegen. Trotzdem kommen die Floridsdorfer durch Juranic in Führung. In der 20. Minute begeht der F, A. C.¬ Tormann ein gefährliches Foul an Weißkopf. Den dafür diktierten Elfer kann Feldmann verwerten. Knapp vor der Pause kommt F. A. C. durch Jordan zum zweiten Treffer. Bald nach Halbzeit gelingt es Mausner, den Ausgleich herzustellen. Hakoah belagert das Tor, doch werden die günstigsten Chancen von den Stürmern vergeben. Fünf Minuten vor Schluß erzielen die Floridsdofer durch Jordan den siegbringenden Treffer. Hakoah spielte in folgender Aufstellung: Löwy; Amster, Fcldmann; Strohs, Drucker, Donnenfeld; Weißkopf, Ehrlich, Mausner, Eisenhofier, Reich. Die Situation der Hakoah In der letzten Nummer brachte die „Neue Welt" eine Darstellung der Situation aus dem Munde des Präsidenten Max Schiffmann, der sich auch über das Nichtantreten des Spielers Heszky von der Bratislavaer Makkabea äußerte. Der jüdische Fußballverband der ö. S. A. F. sandte uns hierauf einen Bericht, in welchem er einige Bemerkungen des Präsidenten Schiffmann als den Tatsachen nicht entsprechend bemängelt und sich insbesondere dagegen wendet, daß der große Vorkämpfer Hakoah beim Bruderverein in Bratislava Spieler „kapere". Hiezu gibt uns Herr Schiffmann folgende Alf* klärung: „Es ist Tatsache, daß die Herren Kolisch mnd Dittrich mehreremal in Bratislava waren, um vom dortigen Bruderverein die Freigabe eines Spielers zu erbitten. Das ist ein durchaus usueller Vorgang. Es wird verhandelt und Spieler werden ohne oder mit Ablöse freigegeben. In diesem Falle wurde mit dem Präsidium der Bratislavaer Makkabea verhandelt und als Ablöse für Heszky 1250 Schilling verlangt. Da uns darum zu tun war, daß dieser treffliche Spieler schon beim nächsten, wichtigen Spiel antreten Könne, wurde ich von Herrn Kolisch aus Bratislava telephonisch angefragt, ob der Betrag zur Verfügung steht. Auf meine bejahende Antwort trafen bereits zwei Stunden später der Wiener Unterhändler Kolisch und ein bevollmächtigter Vertreter des Bratislavaer Vereins mit der Freigabe und der Vertragsunterschrift des Spielers in der Tasche in Wien ein. In meinem Büro wurde das Ablösegeld bar erlegt und der Freigabeschein eingehändigt. Die Herren, die sich verpflichtet hatten, dem tschechischen Verband (£. S. A. F.) die Freigabe telegraphisch bekanntzugeben, hielten zwar ihr Versprechen, seither aber gibt es allerlei Schwierigkeiten, so daß der Spieler Heszky tatsächlich bis jetzt nicht angetreten ist. Was das „Kapern' des Spielers anlangt, will ich sagen, daß die Hakoah eben nur bei ihren jüdischen Brudervereinen Engagements tätigen kann. Im übrigen bereitet es einem zukunftsfreudigen Spieler gewiß Genugtuung, im Rahmen der ruhmreichen, wieder im Aufstieg begriffenen Hakoah wirken zu können, und kein Spieler, der eine ehrenvolle Karriere anstrebt, wird dje Empfindung haben, daß er — gekapert worden sei.** Intensive Arbeit der Hakoah Drei Auslandsreisen Die Reihe schöner Erfolge der Hakoah wurde zwar durch die Niederlage gegen F. A. C. unterbrochen, aber das hat nicht viel zu besagen, denn die Mannschaft: ist gut und wird sich sicherlich im Laufe der Meisterschaft weiter entwickeln. Der Trainer Dietrich hat; e§ verstanden, den alten Hakoah-Geist zu wecken. Für dem Nachwuchs sorgt der Abteilungsleiter Jäger. Den Wert seiner Arbeit kann man daraus ermessen, daß die Jung« mannschaft in der Meisterschaft den zweitett Platz einnimmt und die Schülermannschaft noch kein Spie1 ver 1 o r.en hat. Die Erfolge der Hakoah in der Meisterschaft zeitigen bereits Früchte. Der Verein erhielt zahlreiche günstige Angebote aus dem Ausland und hat nicht weniger als drei große W ettspielreisen fix abgeschlossen. Bereits Freitag tritt die jüdische Mannschaft ihre erste Reise atf,' die sie durch die Schweiz, Belgien und Frankreich fuhrt Hakoaih spielt am 23. d. M. in Lausanne gegen Lausanne* Sport, am 27. d. M. in Antwerpen gegen Diables Rouget^ am 29. d. M. in Montpellier, am 30. d. M. in Marseille gegen Olympique und am 1. November gegen Stade Remnates in Remnes, Im November wird Hakoah wieder in Frankreich gastieren, im kommenden Jahr mehrere Spiele in B e 1 g i e n absolvieren. Hakoak-Handballsektion Hakoah—Badner A. C. 9:5 (6 :4) Den Blau-Weißen gelang es, die vorwöchige Schlappe wieder gutzumachen und auf dem gefurchteten Badner Sportplatz vor einer großen Zahl radauantisemitischer Zuseher die gute Badner Elf glatt und sicher zu besiegen. Die Hakoah bot in Anbetracht des morastigen Bodens eine ausgezeichnete Leistung, obwohl sie durch das Fehlen des erkrankten Monis gezwungen war, die Mannschaft umzustellen. F e r i im Tor' benagte der klebrige Boden nicht, trotzdem bot er eine gute Leistung. Die Backs Rosenfeld und Stein taktisch klug, in der Läuferreihe dominierte der unverwüstliche Kapitän \r A. Blau. Auch Wiesner und Schläger entsprachen. Im ' *turm Schwarz, Weininger, Klein, Kräuß, Landau wurde flott kombiniert und schön geworfen. Die Treffer erzielten Klein (3), F. Weininger, Krauß, Landau je 2. Die Hakoah-Schüler besiegten in der Meisterschaft Währing 2:0 (0:0). « Samstag, den 22. d.. findet auf dem Lehrerplatz in Hernais ein prächtiges DoppeUCupspiel statt Um 14.30 Uhr spielt die Hakoah gegen die derzeit beste Elf Wiens, den Wiener Sportklub, und wird bestrebt sein, ehrenvoll abzuschneiden, um 16 Uhr spielen W. H: C. Altturm—Austria. Der Besuch der Veranstaltung, an der die Hakoah auch finanziell partizipiert, wird sich löhnen. Erfolge der Hakoah-Damen. Beim letzten leichtathletischen Damen-Meeting erzielten die Hakoalv»Vertreterinnen mehrere bemerkenswerte Erfolge, Den Ehrenpreis des österreichischen Marathon-Komitees für die. besten Hakoah-Leichtathleten gewann Fräulein Fischer; Hasmonea wurde in der Meisterschaft abermals geschlagen, und zwar von Schwarz-Weiß 0:3. Die Fechtsektion der Hakoah nimmt ihren Betrieb im Fechtsaal. I., Mölkerbastei 5, unter Leitung ihres Fechtmeisters Hracek wieder auf. Helfet den jüdischen Studenten! Die Mensa academica judaica ohne Geldmittel Der Verein zur Erhaltung und Förderung dej: Mensa academica judaica, der sich zur Aufgabe gemacht hat, den Studenten in der Mensa academica judaica ein Mittagessen — oft die einzige Mahlzeit des Studenten — ohne jedes oder nur um ein sehr geringe«, an die tatsächlichen Gestehungekosten nicht hcranreiohendes Entgelt zu bieten, ist zu Beginn des neuen

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