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Die neue Welt · 1932-10-21 · Heft 266 (21.10.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 266 (21.10.1932)
Date
1932-10-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 266 DIE NEUE WELT Seit« % ENGL. ABONNEMENT Monatlich S 60 1 Herbst-Anzug 1 Winter- „ 1 Frühjahrs- „ 1 Sommer- „ 1 Herbst-Ueberrock Weitere Abonnements zu S 80 -, 96.-, 108 - Abonnementdauer 2 Jahre (mit Auflötungerecht) Bezugsberechtigung nach Bezahlung von zwei Monatebeitrfigen Die gelieferten Kleider sind nicht zu retournieren Pflege der Kleider im Abonnement inbegriffen Wirklich erstklassige englische Stoffe und Zubehöre mit zweijähriger Garantie 0 g* M KÄRNTNERSTRASSE 9 Mm K KM UNOANOi I, WffHBUROOASSI NR. 1 Iii T«l. R-M-l-S« ' Mtisanin HEILIG . Zum Boykott der jüdischen Bühnenkünstler Professor Jessner kämpft — Richtiges und Falsches — Das feige Versagen der „demokratischen" und //sozialdemokratischen^ Buhnenorganisation In einem im Preußischen Landtag angenommenen Urantrag heißt es: In Zukunft soll „nichtdeutschstämmigen" Künstlern das Wirken an Landestheatern unterbunden werden, d. h. „Verträge mit nicht reichsdeutschen oder nicht deutschstämmigen Bühnenkünstlern gekündigt oder nicht erneuert werden". In der Begründung zu diesem Antrag behauptete einer seiner Fürsprecher, „daß den Juden jedes Verständnis für die deutsche Kunst fehle". Hiezu schreibt Professor Leopold J e ß n e r, ehemaliger Generalintendant der Staatlichen Schauspielhäuser, im Oktoberheft des Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin u. a.: Ehe der Sprecher behauptet, daß „die semitische Rasse niemals im Gegensatz zur nordischen Rasse auf dem Gebiet der Kunst schöpferisch hervorgetreten sei", müßte er sich wenigstens belehrt haben lassen, daß es Rassen in seinem Sinn nicht gibt, daß es der Jude Felix Mendelssohn war, der die schon in Vergessenheit ruhenden protestantischen Meisterwerke Johann Sebastian Bachs der Kulturwelt wieder zuführt«, müßte sich belehren lassen, daß es wiederum dieser Semit Mendelssohn war, der uns Deutschen das Liud „Es ist bestimmt in Gottes Rat" geschenkt hat? daß es der Jude Gustav Mahler war, der aus „Des Knaben Wunderhorn" seine Lieder erklingen ließ; daß es Possart war, der während seiner Intendantentätigkeit in München die Mozart-Renaissance schuf; daß es des Juden Angelo Neumann großes Verdienst war, den damals noch heiß umstrittenen Richard Wagner in entscheidender Darstellung mit durchgesetzt zu haben. Und sollte jüdischen Kapellmeistern „jedes Verständnis für die deutsche Kunst fehlen"? Etwa Hermann Levy, den Richard Wagner selbst dazu bestimmte, sein „christlich-germanisches Weihespiel" „Parsival" in der ersten Bayreuther Aufführung zu dirigieren? Dieser Vollblutjude, Sohn eines Rabbiners, der neben Frau Cosima der künstlerische Sachwalter des Wagnerschen Bayreuther Erbes wurde? Etwa Joseph Joachim, Gustav Mahler, Bruno Walter, Leo Blech, Otto Klemperer, diesen hervorragenden Bruckner-, Brahms-. und Beethoven-Dirigenten, die doch nach geltender Auffassung alle „Judenstämmlinge" sind? Unter den Theatermännern waren es gerade Juden, die in den letzten Generationen für die Entwicklung der deutschen Bühne dominierend und grundlegend gewirkt haben. Die schöpferische Leistung jüdischer Theatermäuner galt — daran kann nicht genug erinnert werden — den teilweise noch ungehobenen Gütern germanischer Kultur. Adolf L'A r r o n g e entdeckte in neuer Art die deutschen Klassiker — vor allem Kleist und Grillparzer. Otto Braam wurde der Prophet des nordischen Henrik lbsen und führte den urdeutschen Gerhart Hauptmann zu voller Entfaltung. Und auch nach dem Krieg war der jüdische Geist um das Werk des deutschen Theaters bemüht, indem er den klassischen Bestand von •unzeitgemäßem Staub zu befreien suchte und die aufkommende Dichtung sprechen ließ. Wenn der Antisemitismus es als Verjudung des Theaters bezeichnet, daß sich die P r i v a 11 h e a t e r vorwiege ad in j ü dl s ch e n H ä n d e n befinden, so ist die Erklärung für diese Tatsache gewiß nicht darin zu suchen, daß es sich hier um einen geschäftlichen Beruf handelt, der Gewinn über Gewinn abwirft. Es ist .vielmehr ein aufopfernder Idealismus — gepaart, mit merkantiler Weitsichtigkeit — vonnöten, um neben den reichdotierten Hoftheatern, die nach dem Krieg Landestheater wurden, ohne Subventionen bestehen zu können. Während sonst angenommene Demonstration«;- antrage nicht beachtet werden, weil derartige Anträge in Wahrheit auch noch nicht Gesetzeskraft hoben, haben hier Theaterleitungen in vielen Fällen im Sinne äcj« *aajg$.9gfi 4&gejjÜLi:ifiji 'lAxiT.*&*t tshstn gehandelt, ehe er im Preußischen Landtag zur Sprache gekommen war, nicht nur in Preußen, sondern auch an Theatern der anderen Länder. Es ist Tatsache, daß namentlich in der Provinz deutsche Schauspieler jüdischer Abkunft seit langem boykottiert werden. Manche Theaterleitungen geben das offen zu, andere noch mit Hemmungen. Sie weisen Angebote jüdischer Künstler mit der Begründung ab, daß keine Vakanz sei, um diese dann mit Künstlern anderer Konfessionen zu besetzen. Freie Intendantenstellen werden schon seit Jahren kaum oder überhaupt nicht mit Theaterleitern jüdischer Herkunft besetzt. Das ist Boykottl Denn es geht nicht um die Befürchtung, „daß Juden das Verständnis für die deutsche Kunst fehle", sondern um die Befriedigung des politischen Masseninstinkts, um die Beruhigung politischer Straßenschreier! In Abwehr gegen diese theaterfeindlichen Tendenzen hat die Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände zwar eine scharfe "Erklärung abgegeben, aber die e i gen 11 i c h e n G'r o ß ö r g a n i s a t i o n e n, die Genossenschaft Deutscher 'Bühnehangehöriger und vor allem der Deutsche" Bührien^erein, in dem u. a. die Städte und Länder, die Theater in eigener Regie leiten, zusammengeschlossen sind^ haben diesem Problem gegenüber bisher eine Vogel-Strauß-Politik getrieben. Gerade der Deutsche Bühnenverein, der die Organisation aller Theater darstellt, hat die Aufgabe, diesem der Theatergeschichte, dem Wissen und der Sache widrigen Zustande ein Ende zu machen. : Gerade der Deutsche Bühnenverein, der Städten und Ländern gegenüber die Macht hat, organisatorische Beschlüsse, die sogar den Etat der Städte und Länder betreffen, zu beeinflussen, hat die Pflicht, seine Mitglieder zu Recht und Kulturgesinnung zurückzuführen. Es ist traurig, daß das Kontingent des jüdischen Kühstiernachwuchses unter dieser Boykottbewegung leidet. Aber darum geht es nicht. Es ist traurig, daß auch einzelne große Künstler unter diesem Boykott leiden. Doch spielt der einzelne hier keine Rolle. Auch um ihn geht es nicht. Selbst nicht um die Belange deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Es geht um die Belange des deutschen Theaters, der deutschen Kultur! . .-*...• Der jüdische Künstler kämpft in seiner Art tapfer für seine und seiner Kollegen Sache. Aber zum Schluß verfällt er. in den alten Fehler der jüdischen Assimdlanten, gerät in die nationale Sackgasse, in welcher der von ihm zitierte „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" seit Jahrzehnten hoffnungslos steckt Statt auf dem jüdischen und menschlichen Standpunkt zu beharren, gegen die barbarische und bornierte Bosheit und antisemitische Verlogenheit für. das Recht der Teilnahme der. Juden am öffentlichen künstlerischen Leben einzutreten, macht er aus der jüdisch-menscihlichen Angelegenheit eine deutsch nationale. Er spricht von dem Unrecht, das „uns Deutschen" zugefügt wird und lehnt es ab, eine Gefahr für die Juden anzuerkennen, spricht dafür, von der Gefahr für die „deutsche Kultur", welche er schwer bedroht, ruinös bedroht sieht. Er denkt nicht daran, daß fast die Gesamtheit des deutschen Volkes, der nichtantisemitische Teil mitinbegriffen, die Anerkennung des Juden als Angehörigen der deutschen Nation ablehnt, 'und für die Vorstellung, daß die deutsche Kultur ohne Juden dem Verfall entgegengeht, kein Verständnis aufbringt. Mit dein pathe- tischen Anrufe der „Belange der deutschen Kultur" biegt Professor Jeßner seiner Feder 'die Spitze ab. * Bemerkenswert ist die Feststellung, daß die Künfftlerorganwatjonen ihre so schnöde besudelten und boyjcottiwttn jüdischen Mitglieder fojget ia fltfcqfc Uw»i Es muß festgestellt werden, daß der größte Teil dieser Organisationen Deutschlands und Oesterreichs „links" eingestellt, d. h. der Sozialdemokratie (in Deutschland gibt es auch kommunistisch angehauchte) eng verbunden ist. In der Kunst geht es also wie in der Politik. Man bedient sich gern jüdischer Organisatoren, nimmt gern jüdisches Geld und jüdische Stimmen. Aber wenn es um die Judenfrage ernst zu werden beginnt, will man keine „Judensohutztrappe" sein... Frankfurter Brief Von zionistisch-revisionistischer Seite wird der „Neuen Welt" berichtet: Mit allen Mitteln suchen sich heute in Deutschland die Brith-Schalom-Zionisten gegen das Anwachsen des Revisionismus zu wehren. Kein Mittel ist zu schlecht, daß es nicht gegen uns angewendet wird. Wie gegen uns gearbeitet und gewühlt wird, soll an Hand der Zustände in Frankfurt a. M. gezeigt werden. Bekanntlich sind die Revisionisten hier die stärkste Kongreßpartei. Von»anderer Seite wurde in dieser, Zeitung von dem feigen Ueberfall einer zwanzigfachen Uebermacht rasend gewordener Brith-Schalom-Jünglinge unter Führung eines besondere „pazifistischen" Privatdozenten auf einige Mitglieder des Betar und der Herzliah berichtet. Nicht unerwähnt darf das Verhalten der hiesigen Nationalfondsbeamtin bleiben, die es sich an Beschimpfungen unserer Führer nicht genug tun konnte. Diese „unparteiische" Beamtin hat auch eine neue Kampfmethode gegen uns erfunden. Da die Revisionisten-Jugendgruppe „Herzliah" an der Spitze der K. K. L.-Arbeit in Frankfurt stand, ist sie den Herrschaften von links ein Dorn im Auge. Als nun die Vertreter des Betar und der Herzliah Sammelmate r \ a I für die Roschhaschana-Aktion des K. K. L. haben wollten, wurden ihnen dasselbe verweigert mit der Begründung, es sei kein Material mehr für sie da. Auf einem Rundschreiben, das der K. K. L. versandte, waren sämtliche zionistischen Jugendbünde unterschrieben außer den revisionistischen. Was damit bezweckt werden sollte, ist klar. Es soll bei den nichtorientierten Juden der Eindruck erweckt werden, daß die Revisionisten sich nicht an den K. K. L.- Arbeiten beteiligen wollen, da sie ja nicht sammelten und den Aufruf auch nicht mitunterschrieben haben. Das Ungeheuerlichste leisteten sich aber die Frankfurter Zionistische Vereinigung und die ihr angeschlossenen Jugendbünde. Sie haben folgende drei Beschlüsse gefaßt: 1. In der jüdischen Gemeinde, wo (revisionistische und) zionistische Vertreter in der Fraktion Jüdische Volkspartei zusammengeschlossen sind, nicht mehr mit den Revisionisten in einer Fraktion zusammenzuarbeiten. 2. Die Revisionisten zu keinen Versammlungen zuzulassen. 3. Nicht mehr mit den. Revisionisten im K. K. L. und in der Schekel-Kommission zusammenzuarbeiten. Zu den ersten zwei Beschlüsaen ist nur zu vermerken, daß dies typische Nazimethoden sind. Es fehlt nur noch, daß auf den Plakaten steht: Revisionisten ist der Zutritt verboten. Zum Punkt 3 wird nicht nur das Kongreßgericht, sondern auch die zionistische Oeffentlichkeit ein Wort zu sagen haben. Hier wird die gesamte zionistische Arbeit sabotiert und gefährdet. (In dieser Linie liegt auch die Denunziation des Betar bei der jüdischen Gemeinde, die aufgefordert wurde, an ihn keine Subvention zu zahlen.) Wenn wir solche Methoden anwenden würden, so hätte sich die „Jüdische Bnndschau* nicht in Entrüstung genugtun können. Jetzt ist sie für diese Vorgänge mitverantwortlich. 1 * Am 8. Oktober 1932 fand eine außerordentliche Generalversammlung der Frankfurter 'Revisionist ich eu Ortsgruppe st&tt Es wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Refr. Hans Kaufmann (1. Vors.), J. Karpf (2. Vors.), O. Dzialowski 3. Vors.), Dr. Bruck Dr. P. Arnsberg, Dr. Bacharach, H.Kupfer, J. Hirsch, M. Teiieiba um und E. Hamburger. — Herr Dr, P. Arnsberg wurde für seine Verdienste zum Ehrenvositzenden der Ortsgruppe gewählt. Der neue Vorstand sieht sein? Hauptaufgabe in der Schaffung einer zionistischen Einheitsfront. ___ J. K a r p f. Polnischer Abend in Berlin Der Berliner Brith Trutnpeldor veranstaltet am Mont a ar/ den 24. Oktober, 20^ Uhr, im Gemeindehaus, Rosenstraße 2-4, den ersten politischen Abend, dem in vierzehntägigem Abstand weitere folgen werden. Die Abende sollen der Erläuterung des staatszionistischen Gedankens und der Aussprache dienen. Am 24. Oktober spricht Herr Dr. Hans Bloch (Berlin), der neue Vorsitzende der Revisionistischen Union in Deutschland, üb^r das Thema: Unier Zionismus, Wir hoffen auf ein zahlreiches Erscheinen unserer Gesinnungsg^noaen und Freunde. Unkostenbeitrag 0.20 RM. Brief aus Lettland Russisch und Deutsch auch jüdische Nationalsprachen? — „FeuerkTeuz" — Hakenkreuz und Fußball (Von unserem M. J.-Korrespondenten, Riiga) Zehn Jahre lang konnte die lettdöndische Judenheit, von außen her unbehindert, ihre nationa 1 e Kultura u't oai o m i e ausfäaiuen. Ein jüdisches Theater mit staatlicher Subvention, jüdische Grund-, Mittel- und Fachschulen, die einer jüdischen Abteilung des Bildung^ mraisterhuns unterstehen* waren die Hauptträger derselben. Ale aber vor einem Jahr in der rueugewählten Saeima (Parlament) eine Verschiebung der Kräfte eintxtat, beganjn das neue Kabinett ein „nationales" Gesicht xu zeigen. Besonders auf dem Kulturgebiete. Die besondere Schuliinspektion der Minderheiten wurde abgebaut, die Chefs der Minderheiten-Bildungsabteilungen in der Klassifizierung degradiert. Man begann, von einer lettia&en Einheitsschule für alle Bewohner des Landes zu munkeln, in letzter Konsequenz sollten .Lette" und „Lettländer" das gleiche bedeuten. Die scharfe Opposition ifer lettitodteobea Mindierhfeititi BOgei eins» whfa» Stt» -IralMtaluiftl in jWMttaf

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