Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 266 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 266 DIE NEUE WELT Seite 1 1 ▼on seinen Brüdern, die den heiligen Boden bearbeiten, die aus Sümpfen Wunder schaffen, die zwar auch in Hütten wohnen, aber in solchen, in die sie nicht aus Not gedrängt wurden, sondern in die sie sich zu angenehmer Rast zurückziehen! Wenn die Jugend solche Worte vom;Seelsorger hören wird, dann wird sie stolz aus dem Gotteshaus gehen, mit dem Bewußtsein, daß sie in einem fernen Lande Brüder hat, die für die jüdische Nation und für deren Erhebung arbeiten. Niemals aber wird jemand erbaut aus dem Tempel gehen, wenn der Prediger ihm nur von der Belohnung der Tugend und von den Strafen im Jenseits erzählt. Kurz: Die Religion, iin luftleeren Kaum schwebend, leidet Schiffbruch, durch Aufnahme des nationalen- Gedankens wird ste gerettet. Es ist Zeit, daß der Glaubensgenosse in uns . zum Volksgenossen geweckt «werde. Jüdische Religion, Jüdisches! Land, jüdisches Volk! Für diese drei Momente existieren wir ajs Juden, für diese haben unsere Väter die Verfolgungen der Jahr- Zum Jüdischen Kunstmuseum in Tel*Awiw Der Schriftsteller Alexander E b e n e s e r, der jahrelang in Palästina lebte, sendet der „Neuen Welt" <h> nachstehende Betrachtung zu, die sich auf einen tön o. r. geschriebenen Aufsatz über den Katalog des Museums bezieht. Ini Zusammenhang mit dem Offenen Brief Prof. Max Eislers an Bürgermeister Dizengoff, können Ebeseders Bemerkungen allgemeines Interesse beanspruchen: „Sie schreiben über den Katalog des Kunstmuseums in Tel-Awiw. Nicht ohne Besorgnis stehen Sie vor der stattlichen Reihe unbekannter Maler- und Bildhauernamen. Dann nennen Sie die bekannten.. Ich keime den Katalog nicht, weiß nicht, welche Künstler in diesem Museum TUatz gefunden haben. Daß aber recht viele der. in Palästina wirkenden darunter sind, höre ich gern. Denn noch immer sind die Maler diejenigen, die doch einigermaÖen unmittelbar zum Publikum reden dürfen. Nicht wenige palästinensische Maler schreckten vor der Aufgabe zurück, vor der Sonne, dem Himmel, der Luft in JErez. Israel und vor den Problemen. Da müssen wir denen dankbar sein, die es gewagt haben. Es sind vielleicht nur kleine Ausschnitte, die sie bieten, aber viele, viele dieser mögen im Museum ein klares Qesanrtbild ergeben, Die Maler in Palästina erliege» zum geringsten Teil dem Schlagwort, obwohl sie einen „Philister" kaum von einem „Burschuj" unterscheiden können. Jedenfalls ipalen sie nicht illustrierte Keren- IJajessod-Propaganda, sie malen nicht Cbaluzim, Poalim, Sä&fcomrira, Kwuzoth, MoschwawejrOwdim, daneben zur tausende getragen, in diesen haben wir unsere Mission, die Befriedigung unserer Selbst. Hat eine Nation nicht die Kraft in sich, sich freizumachen, so wird es nimmer und> nimmermehr durch eine andere geschehen. Das ist eine Wahrheit, welche die Geschichte in unzähligen Beispielen gelehrt hat. Leider haben schwache Naturen seit der Zerstreuung ihren Anspruch auf eine staatliche Existenz aufgegeben und die Wiederherstellung Palästinas zu einem Staate der messianischen Zukunft überantwortet. Nun denn, mag ihnen das Jenseits gesichert sein, wir wollen schon im Diesseits Palästina erwerben. Lemakom schelibi ohew, schäm raglaij moKchoth othi (Mechiltiaf Jitro)! -— Jedem soll Gerechtigkeit widerfahren. Wohin er will, dorthin mag er gehen. Die einen ins Jenseits, die anderen nach Erez Israel. Laßt uns also die enge Hütte, die mit abgestorbenem Laub bedeckte'Sukkah, sprengen und in unser heiliges Vaterland eilen oder es wenigstens aufbauen helfen! Amen. Abschreckung ChaUkak-Juden und Tel-Awiwer Unarchitektonik: eie malen Menschen, Landschaften und Dinge aus drei Jahrtausenden. Das tun sie; seien wir ihnen dankbar! Sie sehen Palästina in Farben und Formen und malen es. Haben es nicht ungern, wenn man um ihre Tätigkeit Worte macht, wie Richtung, Schule und was schon so dazu zugehört. Sie wissen, was sich schickt und sind die gleichen netten Jungen, wie Maler in aller Welt. Sie kommen auch überall herum. Sind vielleicht schon mal in Amerika gewesen, fahren nach „Europa", um „sich zu vervollkommnen" oder um Bilder , zu verkaufen. Dann bringen sie aus Paris eine neue Richtung mit. Abstrakte - Malerei zum Beispiel, die EHegten sie, ehe noch in Mitteleuropa das Wort geraucht wurde. Aber wie lange konnten sie schon abstrakt bleiben, wo es so viel Konkretes zu sehen gibt! Da ist, sagen wir, F r ä n k e 1, er malt etwa die „7 Mühleu bei Petach-Tikwah", schwelgt in Regenbogentönen, dann nimmt er junge Handwerker und Arbeiter in die Schule und macht aus ihneu in drei Monaten Zeichner und Maler. Manche kopieren ihn,' aber andere bleiben original. Die Zeit ist lang genug, um ihnen das Technische beizubringen, aber zu kurz, uni die Starken unter ihnen zu knechten. Und ich frage nur: Warum sollten sie nicht, alles in allem, als Maler bestehen können, wie das Ohel- Kollektiv als Bühne? Ich erinnere an Litwinowski. '1925 schrieb ich in der Wiener „Menorah" über ihn; im Bleichen Heft (August-September) über Pilichowski. itwinowski war einmal in Europa Weggenosse und Freund von Mane Katz. Ich frage nun: Pilichowskie „Ghettosüße" — wie ich wirklich über ihn denke, ihn schätze, zeigt mein Aufsatz — und Katz (war er schon in Palästina?) haben Raum im Tel-Awiwer Museum, Verteidiger Dr. Nalan Korkes ■führt seine Kanzlei Wien, 1., Seilergasse Nr. 16 Telephonnummern R«20-4-95 und H>27*8*34 lt-i I «i i, 1 ........■....... ....... .Hl ■ I I..... gültig sei, daß er aber aus politischen Gründen die „werktätigen" Genossen anweisen werde, (Zusammen mit der bürgerlichen „Union" den Kampf gegen die Zionisten zu führen. Der aus dem Judentum ausgetretene Renegat Dr. Danneb erg als maßgebender Führer und Organisator des Kampfes um die Judengemein.de! Soll man lachen? Soll man weine»? Schämen muß man sich... * Die Abkehr von der alten Kampülinie „Traditionstreue" kommt bei der „Union" auch in anderer Form zum Ausdruck. Diesmal paradiert das „liberale Reformjudentum" auf ihrer Kandidatenliste. Schon in den nächsten Tagen kommt Frau Montague aus London nach Wien, um auch hier eine „Reformgemeinde" zu bilden. Reformgemeinde heißt: Abschaffung der Ritualgesetze, Verlegung des Sabbats auf den Sonntag, Ausmerzung der hebräischen Sprache und des Wortes Zion aus Gebeten und Gesängen, Gottesdienst mit Schallplatten und in der Garderobe abgelegten Hüten usw. usw. So soll das Judentum gerettet werden! Als verantwortlicher Arrangepr der Aktion der Frau Montague zeichnet der Unionist Mediaimalrat Doktor Haase. Er ist auf einer der vordersten Stellen der Kandidatenliste zu finden, als Ersatz für den alten Herrn Pappenheim von der Agudah. * „Jüdische Wähler! Rettet die heilige Tradition der altehrwürdigen Wiener Judengemeinde vor der zionistischen Gefahr! -— Heiliger Dr. Panneberg! Heilige Frau Montague aus London! Steht uns bei." * Die schlimmste Sache hat ihre gute Seite, Um die innerlich zerfallene Burg der Assimilation, die „Union", vor dem gänzlichen Zusammenbruch zu retten, wollen ihre Führer das jüdische Wien mit Schande beladen, unter dem Einfluß des TaufJuden* tums und der Sonntags-Gotiesdienstler bringen. Damit ist eine klare Kampflinie gegeben. Diesmal heißt es nicht, die oder jene Partei zu wählen. Diesmal geht es um die Entscheidung: In Ehre leben oder in Schande vergehen. Zionistischer Wahlsieg in Fiume Der „Neuen Welt" wird aus Fiume berichtet: Knapp vor Rösch Haschana 5693 hat die Fittmaner Jüdische Gemeinde auf Grund des neuen italienischen JudengeseUes ihr Direktorium gewählt. Die Teilnahme an der Wahl war ungemein rege. Schon darum» weil jetzt zum ersten Male die zwei bisher ganz unabhängigen Judengemeinden (und zwar die orthodoxe und die neologe) über Anordnung der Federazione delle Comunitä Ebraiche d'Italia, deren Regierungskommissär Advokat Dr. Feiice Ravenna'ist, eine gemeinsame Leitung wählten. Der Wahlgang brachte weitest Assimilierte und frömmste ' Agudisten bei der Urne zusammen. Die Wahl endete mit einem zionistischen Siege. Von gewählten n e u n Vorstandsmitgliedern sind sieben Zionisten, ein Agudist und ein „Halbassimilierter". Aber auch diese beiden sind zur Palästina-Sache freundlich eingestellt, Zum: Regierungskommissär wurde der Arzt Dr. David Fried mann gewählt. Die Beamten der Gemeinde sind zionistisch. Unter den 300 Familien die in Fiume leben, shjd* zirka-150 zionistisch * organisiert, davon mehr als 50 Revisionisten. Die Jugend ist im Circolo Giovanile Ebraico vereinigt. Der Präsident dieses Vereines ist der seit Jahren eifrig tätige Advokat Dr. Francesco P o l g ä r. Anläßlich der Feiertage wurden für den K. K. L. und für K. Tel Haj ansehnliche Beträge gespendet. Litwinowski dagegen nicht? Wenn Sie das erwähnte Heft aufschlagen, Litwinowskis fachenden Safeder Knaben" (Rötel) sehen, werden Sie mir recht geben. Er malt uud zeichnet, schrieb ich, Teile eines Volksganzen als „Herren einer leidenden Seele", Kennen Sie P a 1 d i - Feldmamn, Zeichenlehrer am Gymnasium in Tel-Awiw? Sehen Sie, er malt u. a, ganze Familien. Väter, Mütter, Ahnen, Kinder und Säuglinge kleben dicht nebeneinander auf der Leinwand» Wenn man die in Europa zu Gesicht bekäme, würde man eher verstehen lernen, wie kurz der Weg von Bobrüisk und Jokupetz nach Newe-Schalom und Bne-Barak ist. Und wie weit hinwiederum! Nun, er malt auch dräuende palästinensische Gewitter, braune Fischer und Badende am Meer, Blumenfenster, den Jaffaer Uhrturm und vieles andere. Von Eliahu Sigard, dem Rigaer, Nachfahren des Wilnaer Gaon, haben Sie schon gehört? Er lebt jetzt in Paris, verkauft mal nach Amerika. Glauben Sie mir, er hat etwas geleistet in Palästina, wenn er die Farben arabischer Boote und Häuser auf der Leinwand wiederfab. Und ich behaupte, er trifft den palästinensischen [immel, er trifft ihn! Ja, also, wer ist eigentlich in dem Katalog genannt? Vielleicht der eifrige Kunstgewerbler Sehender, der manches Bühnenbild für die Theater, Öhel und Habima geschaffen hat? Es würde mich freuen. Rüben ist bestimmt nicht vergessen worden. Ist er. doch etwas wie ein pictor laureatus. Nicht minder hoffähig ist der Brünner Blum, Begleiter Weisls auf dessen abenteuerlichen Reisen. Noch erinnere ioh mich an S c h 1 esing.er, den jungen Ostrauer Salomonowitz. den Bildhauer M e 1 n i k. Könnten Sie nicht Ihre Leser an Hand des Kataloges mit diesen und anderen Namen vertraut machen? Dazu ist er ja schließlich auch da* Taufjuden und §onntags*Gotte§di'en§t1Ier Zur kommenden Wähl in die Wiener Judengemeinde 1 „Wir müssen, die heiligen Satzungen und .Gebräuche unserer altehrwürdjgen pemeinde vor dem Eingriff der, Zionismen schützen, welche diesen Hort jüdischer Träditionstreue in den Dienst weltlichpolitischer Bestrebungen zerren , wollen! Jüdische Wähler! Hütet unsere heilige Gemeinde und ihren religiös-konse:rvativen Charakter vor der zionistischen Gefahr!" . So lautete die von der bisherigen assimilatorischen Majorität in der Gemeindestnbe aufgegebene Parole in allen Wahlkämpfen seit Theodor Herzls Tagen. Um diesem frommen Wahlspruch einige Glaubwürdigkeitzu verleihen,; versäumten es die Herren nie, >einige Menschen allerorihodoxesten Kalibers auf ihre Kandidatenliste zu setzen. Neben Bankdirektoren; Geheim-, Justiz- und Komanerzialräifen mit mehr oder weniger getauften Kindern die Vertreter der'„A g ü d ä h", der organisierten Trennungsortjtodöyie. Die „Union" deckte den Bedarf an Geld und Titeln, die Agudah" den an Frömmigkeit. * *• Diesmal hat sieh ein Frontwechsel vollzogen. Dfer Kampf gegen $en zionistischen Ansturm wurde von dem Gebiete, der „Traditioiistre.ue*' auf ein gafrz, ganz anderes verlegt. Dementsprechend wurden auch die Waffenbrüder ausigetauscht.. Die fromme „Agudah" ist von der Kandidatenliste verschwunden, an ihre Stelle sind die sozialdemokratischen „W e r k t ä t i ge n J ü d e n" getreten. ,»U n i o n", die Vertreterin der Bank- und Börsekreise, und „We rk täti ge J u d e.n" haben eine Gemein s ch a f f s 1 i s t e aufgestellt. . , Wer sinfl die ^Werktätigen Juden"? Eine, politische Stoßtruppe der österreichischen Sozialdemokratie. Die österreichische Sozialdemokratie gehört dem radikalen Flügel der Internationale an. Sie istr nicht nur radikal in politischer und sozialistischer Hinsicht, #uch in kultureller. Der Kampf gegen alle religiösen Bekenntnisse wird von ihr mit <|em Aufwand großer moralischer und materieller Littel betrieben und. nnit ganz großem Erfolg, besonders auf jüdischem Gebiete. Das Wachstum der Liste der „Ausgetretenen" in den jüdischen Blättern; steht in geradem Verhältnisse zum Wachstum der sozialdemokratischen Partei. Alle jüdischen Führer dieser Partei sind aus der Judengemeinde ausgetreten. Wie sie sich früher katholisch taufen ließen, so treten sie jetzt aus. Ein einziger der Prominenten, Otto Bauer, ist im Verbände der Judengemeinde verblieben. Wie ist es gekommen, daß stich diese das Judentum so scharf ablehnende Partei einen jüdischen Ahhger, die Organisation der „Werktätigen Juden", geschaffen hat? Weil sie zwar grundsätzlich alles Jüdische energisch ablehnt, aber ebenso energisch alle jüdischen Stimmen will. Die „Werktätigen Juden" haben schwer diese Stimmen zu beschäffen, sie sind ihre Angenten auf einem Gebiete des politischen Geschäftes, wo man unter offener Parteifirma nicht gut arbeiten kann. * Das (glorreiche Bündnis „.Uniion-Werktätige" hat einen, illustren Stifter und Protektor. Einer der prominentesten Führer>4GT österreichischen Sozialdemokratie hat diese „jüdische" Angelegenheit geordnet. Nicht etwa, a;\yas;Yiel leicht naheliegend wäre, der einzige beim Judentum verbliebene Otto Bauer. Otto Bauer lehnj^ die schmutzige „Judenpolitik" seiner Partei ab. Im Büro eines Renegaten, des ,iö u s ge t r e t e n e n'\ Nationalrates Dr. Danneberg, wurde das Bündnis geschlossen und partei-offiziell besiegelt*. Dort erschienen die Vertreter der „Union" als Bündnis^-Heischende. Dr. Danneberg erklärte ihnen leutselig, daß ihm und seiner Partei natürlich die Judengemeinde als solche ganz trleich- Dia Sensation des Janres BOMBEN ose» SHANGHAI lln« atemraubende TonfHmrepertafl« nach Dokumenten aiii dem Geheimarchiv der amerikanischen Botschaft mit Gerda Mauruf, Eis« Elster, Theodor Loos, Peter Voss ^0dhem"S Ab heute: Gartenbau-Kino, l. Stafa-Kino Uli. Ufa-Ton Kino. II Kolosseum-Kino. IX' IhikFUm