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Die neue Welt · 1932-10-14 · Heft 265 (14.10.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 265 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 'U .----i-4iUllWUJI - ' -.'-.J'-l-L..'. t.i-.,..,U. I Der Au§froffPaIästinen§i§die Wirtediaffsdienst erteilt kostenlos Auskünfte über alle Palästina betreffenden Wirtschaftsfragen, insbesondere über die Möglichkeiten von Industriegründungen, Häuserbau, Qrangenpflanzungen u. dgl., ferner über die im Frühjahr 1933 stattfindende Gesellschafts- und Studienreise nach Palästina. Sprechstunden jeden Montag und Donnerstag von ha|b 5 bis 6 Uhr nachmittags, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseuni), Tel, A-17-M0 Serie, * Gesellsehafts- und Studienreise nach Palästina 28. Februar bis 28, Mär? 1933. Gesamtarrangement von Wien bis Wien — alles inbegriffen S 95Q,~, Anschließend Aufenthalt in Aegypten. Auskünfte und Prospekte durch: Austro?PaJästinensiscfcer Wirtsqhaftgdjenst, \yien, j£ Berggasse 16 (^andetemuseum), Telephon A.-17-5AQ Serie, Sprechstunden Montag und Donnerstag von halb 5 bis p Uhr nachmittags und durch die Reiseleiterin Frau ßerta Taubes, Wien, II., Böcklinstraße 92, Telephon B-51-705, an allen Werktagen. Ueber taiisend jüdische Privathftndelsangestellte in Palästina ■ In Palästina fand vor wenigen Wochen eine Zählung aller jüdischen Pfavathandelsangestellten statt. Die Gesamtzahl beträgt «her IQ00, 313 Geschäfte beschäftigen nur eine Arbeitskraft, 93 Geschäfte 2, 37 Geschäfte 3. und nur 23 Geschäfte halben mehr als 14 Angestellte. In dieser Ziffer sind sellbstiverständliiGh die Beamten der Regierung und. der Privatinstitutionen, zionistischen .Büros USiw, ndcjtf eingerechnet. Für die Entwicklung der Stadt rjaifa Mit den Arbeiter» für die Beendigung des Hafen-* bau es in Haifa macht sich eine starke w i r 1> so haftliche Belebung in der Stadt bemerkbar, Die Zahl der Personen, die in Haifa, Kapital zu investieren snchen, ist in stetem Wachau begriffen, Es han* delt sich hiebei nicht nur um Einwohner Palästinas, sondern auch der benachbarten Länder, sowie aller Länder Europas, Die städtische Industrie ist im Begriffe, sich durch neue Unternehmungen, die jn cjejr nächsten Zeit geschaffen werden, xu vergrößern; ebenso entwickelt sich der Hand?! In Haifa von Tag zu Tag und im Handelsvierte} wird mt großem Elifer gebaut. Die wirtschaftliche Belebung ist auch aus der vergrößerten Tätigkeit der Banken, deren Umlauf§kapital sich um Zehntausende von Pfunden vermehrt hat, ersichtlich. In der nächsten Zeit werden auch neue Filialen in Haifa durch verschiedene Banken eröffnet. Bei der jüdischen Handelskammer in Haifa wurde ein spezielles „Pro Haifa-Komitee" gebildet, dessen Aufgabe ist, «ich' mit der Verwirklichung der verschiedenen Vorsehläge und Pläne für die Entwicklung Haifas zu befassen. Die Mitglieder dieses Komitees sind die Herren; Nathanson (Vorsitzender der Handelskammer), Itzkovltz (Vorsitzender der Bezirksverwaltung Hadar Hakarmel), Lewin (Vorsitzender der jüdischen Gemeindeverwaltung Haifa), Alejnikpff, Schneiur, Reich, Ejtan, Evseroff (Vertreter von Mischar w'Taasia). Das Komitee ist mit der Bearbeitung einer Reihe von Projekten zur Vergrößerung und Entwicklung Haifas befaßt, von denen folgende genannt seien; Die Gründung neuer Industrieunternehmen, die Schaffung eines neuen Industrieviertels, die Schaffung von intensiven Landwirtschaften auf dem Boden d»r Haifabucht, die Ausnützung des Meeresstrandes für KurundBadean lagen, die Vermittlung hypothekarischer Kredite für Bauzwecke, die Errichtung eines großen modernen Hotels, die Belebung des Karmels aus seiner Stille und Verbesserung der Verbindungen mit Hadar Hakarmel usw. Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt ist auch aus der-überaue starken Bautätigkeit deutlich ersichtlich. Im Jahre 1931 wurden in Haifa Bauten für eine Summe von LP. 21 3.500 errichtet (LP. 20.000 mehr als im Vorjahr, im ersten Halbjahr 1932 stieg die Bautätigkeit um die dpppelte Summe wie In derselben Zeit des Vor? jährest In der Saubewegung nimmt d»e jüdische Bevölkerung den ersten Platz ein. Die Juden Haifas, die nur ein Drittel der Bevölkerung der Stadt ausmachen, nahmen an der Bauarbeit des Jahres 1931 einen Anteil von mehr als 50 Prozent, , __DIE NEUE WELT_ Der Milchhandel in Palästina Die Zentrale der „Tenuva" (Verkaufsgenossen> Schaft der kooperativen zionistischen Siedlungen) unterbreitete dem Wirtschaftsausschuß de* Palästina-Regierung vor kurzem ein Mera°rawlum» in dem sie einen ausführlichen Bericht über die M i 1 o h p r o d u k t i q n im Lande übermittelte und um einen Schutzzoll für diesen Wirtschaftszweig ersuchte. Die in diesem Bericht gegebenen Zahlen geben ein deutliches Bild von der Lage dieses Zweiges. Die Zahl der Kühe beträft 0,03? pro Kopf der Bevölkerung gegenüber 0,48 in Dänemark, 0,30 in Norwegen oder Litauen, 0,18 in Frankreich und 0,1 in Humänien. Der durchschnittliehe Verbrauch an Milch im Lande stellt sich auf 7 3,9 Liter Milch pro Kopf der Bevölkerung Itn Jahre, während er in Ungarn J20 Liter, in Italien 110 Liter, in Spanien 85 Liter und in Chile 48 Liter beträgt. (Es ist anzunehmen, dafl der Milchverbrauch beim jüdischen Jischuw größer und beim arabischen geringer ist.) Der Iniport von Milchprodukten ist — wie ans fplgender Tabelle ersichtlich ist — ziemlich groß. Im Jahre 1931 wurden eingeführt: «PBP^P^aMIIPVPlMHBMH Die Produktion der palästinensischen Land-» Wirtschaft wird für absehbare Zeit westwärts ihren Absatz suchen müssen, wenn sie eine immer steigende Anzahl von Landwirten ernähren soll. Die Erzeugnisse der intensiven Landwirtschaft — hochwertige Produkte, die für den europäischen Verbraucher ihren Wert entweder dank ihrer besonderen Qualität, wie die Jaffaprange und neuerdings die Grappe-fruit, erhalten oder dank ihrer saisonmäßigen Seltenheit, wie Frühkartoffeln, Tomaten, Gurken, Melonen, höhere Preise erzielen können, werden nach Verbrauchszentren gerichtet werden müssen, die eben für solche Produkte ein zahlungsfähiges Publikum haben. Einer der Vorzüge Palästinas igt gerade seine besondere Eignung, die (europäischen und zum Teil auch die orientalischen Märkte, soweit sie den Touristenverkehr bedienen, mit hochwertiger Ware zu beschicken, ynd dieser besonderen Stellung Palästinas verdanken wir die Aussicht auf eine direkte ländliche Siedlung. Vor zwölf Jahren wies ich in meiner ersten Schrift über die neue Sied? lungsforni für Palästina darauf hin, daß unser Land die gleiche Richtung d?r landwirtschaftlichen Prqr duktion nehmen wird, wie die Kanarischen Inseln. Ich zählte damals als die für Palästina geeigneten Produkte Tgpiaten, Zwiebeln,' Kartoffeln, Bananen auf, Nun, die Reihenfolge war eine umgekehrte: Man hat mit Bananen angefangen; jetzt werden erfolgreiche Versuche mit der Ausfuhr von Kartoffeln gemacht. Hoffentlich werden nicht nochmals zwölf Jahre verstreichen/ bis auch Tpmaten Und Zwiebeln in einem Umfang und in einer Qualität erzeugt werden, um einen lohnenden Absat? auf 4?n Weltmärkten zu haben. Auch die Ausfuhr von Eiern wird jetzt; ernstlich in die Hand genommen. Bekanntlich bildet die Geflügelzucht neben der Gemüse- und Obstkultur eine der Grundlagen der intensiven Landwirtschaft. Nun fallen freilich die Anfänge dieser Produktion ui eine Epoche, da alle Völker der Welt gegen fremd« Produktion, besonders wenn es sich um Luxusartikel handelt, Zollschranken errichten. Glücklicherweise gelten Orangen und Frühkartoffeln, Tomaten usw. nicht überall als Luxusware. Und wenn unsere Erzeugnisse mit einem Zoll belegt werden, so wird auch auf Orangen anderer Provenienz ebenso der Zoll erhoben. Schritte, die nach der Richtung einer Vorzugsbehandlung palästinensischer Produkte im englischen Weltreich unternommen werden, sind für uns von größter Wichtigkeit. Und gerade ange? sichts der schon bestehenden Schwierigkeiten und der zu erwartenden Kämpfe für Märkte bei der rapid steigenden Produktipn yon Orangen, worauf ich schon früher hinwies, ist eine gut organisierte Bewegung der ,,Simrath Haaretz" von allergrößtem Werte, Wir müssen freiwillige Agenten in der ganzen Welt haben« Ebenso wie wir in England überall „buy english" hören, so müssen in den Ländern mit jüdischer Bevölkerung unsere Volksgenossen stets daran erinnert werden, daß sie palästinensische Produkte konsumieren müssen. Freilich muß dafür gesorgt werden, daß diese Produkte in guter Qualität, schöner Aufmachung und preiswert zu erhalten sind- Während di© landwirtschaftlich« Produktion im Westen ihr« Märkte suchen muß, wird die industrielle Produktion in der Hauptsache ihren Absatz im Osten finden. Im Osten Palästinas liegen Länder ohn« eigene Industrie, die ihren Bedarf bislang aus aller Herren Ländern bezogen, die bei weitem nicht so günstig gelegen sind wie Palästina. Hinzu kommt noch, daß die Bedürfnisse und die Geschmacksrichtung dieser östlichen Verbraucherländer — wie Syrien, Irak, Persien, Afghanistan, Aegypten -— von unserer jungen Industrie leichter bedient und beachtet werden können. Insofern aber unsere Industrie schon Qualitätsware für den europäischen Geschmack liefert, braucht auch sie die Förderung durch die geplante Simrath-Haaretz-Bewegung. Es müßte doch zu erreichen sein, daß in jedem Haushalt wenigstens ein Nr. m Menge in kg Wert in #P 1. Butter 242.478 23.294 X Samneh (gekochte, auf arab. Art hergestellte Butter) . . 318.712 2?,?o0 3, Sahne ..... .. 168.556 13.597 199.213 %%m 5. Kondensierte Milch , * , * 124.859 %m 6, Milchpulver . . . , i i « 24.67? 3-069 insgesamt j£P lWJTJ In Milch umgerechnet ergibt die eingeführte Produktion eine Menge von 22Vt Millionen Liter Milch, Der Zqll aul die Einfuhr von MJlckpro* dukten ist sehr niedrig. Während er z. B. in Litauen pro Tonne im Jahre 1931 £P 84.— betrug, in den Ver«. einigten Staaten von Amerika £P 65V2, Griechenland £P 45.-r, in Ungarn £P 35.^-, in Deutschland £? 25.r-t wird er in Palästina nur in einer Höhe von £P 20.m erhoben. Galanteriewaren In Tel-AwiW wurde vor einigen Wochen eine neuiS Werkstätte eröffnet, welche verschieden« Artikel aus Kunstbein erzeugt. Teil des Bedarfs an Konsumgegenständen verschiedenster Art durch Erzeugnisse der jüdischen Industrie Palästinas gedeckt werde, Und was nur alles diese beginnende Industrie erzeugen kann, hat doch die letzte Messe in TelrAwiw deutlich gezeigt, Und diese Arbeit für den Absatz 4er Erzeugnisse der jüdischen Industrie gewinnt noch aus dem Grunde besondere Bedeutung, da wir notgedrungen in den nächsten Jahren die städtische Kolonisation werden forcieren müssen. Wie ich wiederholt zu begründen suchte, kann eine ausgedehnte ländliche Siedlung ohne ein Regime der staatlichen Kolonisation nicht zustande kommen. Hiefür kommen verschiedene Maßnahmen in Frage, die ich. schon früher aufgezählt habe. Zeit ist erforderlich, es können Jahre vergehen, bis diese Maßnahmen getroffen werden und sich praktisch auswirken. In dieser Zeit dürfen wir nicht, müßig sitzen. Wir sind gezwungen, die städtische Siedlung zu bevorzugen. Die Einwanderung darf nicht stocken. Daher ist die Entwicklung der Industrie, die meistens ihren Sitz in den Städten hat, von allergrößter Bedeutung. Ich wies schon darauf hin, daß die industrielle Siedlung leichter und billiger zu bewerkstelligen ist als die landwirtschaftliche, Die von uns in Angriff genommene Gründung von Spar- und Ueberwanderungskooperationen erscheint daher unter den gegebenen Umständen ganz, besonders seitgemäß. Die. Simrath-Haaretz-Bewegung und die Kppperativen für Ueberwanderung sind aktuelle Fragen der Aufbauarbeit VI. Einen wesentlichen Teil der Ausrüstung, ja den wesentlichsten, den der Einwanderer ins Land bringen soll, an dessen Aufbau?r mittätig sein will, bilden sein Lehrstellen schaffen würden. Wenn nicht ale noch ver¬ Wissen, und Können, seine Vorbereitung die neue Tätigkeit. Kurzum das, was wir „Hachscharah" nennen, Die fachliche Ausrüstung wird um so wertvoller, je weniger Kapital der Einwanderer mitzubringen, in der Lage ist. Ja, Fachkenntnisse erscheinen. mir sogar wichtiger als jJKapital. Letzteres verliert man leicht, wenn man nicht weiß, wie man es zweckdienlich anlegt in neuem Lande. Mit guten Kenntnissen kann man bei Landeserfahrung fremdes Kapital heranziehen. Man kann Kredit in Anspruch nehmen. Somit ist Fachwissen das wertvollste Gepäck, das der Einwanderer nach Palästina mitbringen kann. Fachkenntnisse, Ausdauer und Arbeits« wille haben in Palästina wie anderswo manchem *u? Begründung einer Exigten«, ja «um WoWitand verholten. Wir haben genug Beispiele hiefür. Wessen das Land noch immer am meisten bedarf, sind Fachkenntnisse« Dies bezieht sich auf alle Gebiete der menschlichen Tä» tigkeit. Parum ist die Hachscharah für junge Menschen von größter Bedeutung. Die Vorbereitung für den landwirtschaftlichen Beruf soll nicht beliebig wie geschehen- Sie hat sich auf die Zweige der Landwirtschaft zu richten, die in Palästina eine Zukunft haben. Das sind Gärtnere}, Obst- und Gemüsebau, Geflügelzucht, zum Teil auch Milchviehhaltung. Getreide kommt nicht in Frage. Am besten läßt sieh eine solche Ausbildung erlangen in Ländern mit klimatisch ähnlichen Bedingungen, die dazu eine hohe Kulturpraais besitzen, wie Südfrankreich, Süditaiien, Süd* Spanien, Nordafrika, überhaupt die Länder des Mittel* meeres, die ein dem palästinischen ähnliches Klima haben, daneben aber auch die Länder mit einer hochentwickelten intensiven Kultur, wie Holland, Belgien und Teile Suddeutschlands« Dies sind die besonders für die Auebildung von Landwirten geeigneten Länder, Nun ist aber für die meisten ChaHwm nicht leicht, eine Lehrstelle im Ausland zu bekommen, besonders gegenwärtig, da überall die Arbeitslosigkeit herrscht und die meisten LHnder fremde Arbeitsanwärter nicht hereinlassen, Die * Sicht auf eine bezahlte Lehrstelle ist verschwindend klein. Ds j>M...............IMMMIIM.......MMMMMUIMMM SIEGM. KORNMEHL GR0S«PLIISCHMAUG«ll ji ^entrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 n. A-16-9-54 Lieferant für Heilanstalten mmmmSS;; unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Is?. Eultusgemeinde Wien Autoxustellung kQ«t«Rlq» IX.. Berggasse 15 / XVIII., Währlngerstr« 97 3H>e»M»»Mt»tmM»MM»M«M»MO»M»MM»Mm»M»»t< Theorie und Praxis der Kolonisation Referat, gehalten auf der V« Konferenz der ZionfstemRevisionisten am 30. August 1938 in Wien, von Dr» §♦ E* Soskm, Genf (Schluß.)

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