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Die neue Welt · 1932-10-14 · Heft 265 (14.10.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 265 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 265 DIE NEUE WELT Seite» Kanaan* Treuhandgesellschaft raouviöw man &*V)V Canaan Trust eeahip Co., Jerusalem liefert Informationen; kJeen, Vorschläge, Pläne, Programme,. Kostenvoranschläge; besorgt die Gründung, Abwicklung, Leitung und Überwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel Vertreter für Österreich: Ludwig Gutmann. Wien I, Fleischmark» 22, II., III., 56 Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer '(R-25-7-79) Vereinbarung äyiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH I ENGL ABONNEMENT I wir die Feier der Gründung der Jüdischen Legion. Die Feder übertraf aille unsere Erwartungen. In einem der größten Säle van Buenos Aires versammelten sich am Legionstage alle nationalen jüdischen Kreise der Stadl. Die zionistische Föderation mit all ihren Verbänden und Organisationen war vertreten, die ganze jüdisohe Intelldigen.z von Buenos Aires war anwesend. Und dies alles nach einer intensiven mündlichen und schriftlichen Propaganda Uinsea'er ,yL ante n" gegen unsere Feier. Die ganze flinke" Front, Poale-Zion, Hitaohdut, Hasohomer Hazair, die Liga für das arbeitende Palästina (die „unparteiische" Liga!). Alle zusammen veranstalteten einen Tag <ror der Legionsfeier eine öffentliche Versammlung, um das Publiikium vor der Feier zu „w a r n e n". Zu dieser Versammlung sind etwa ,60 Personen erschienen. Zu unserer Legionsfeier erschienen zirka 2000 Personen. Auf der Feier sprachen die Ketzin« ha Netzivut Rosenberg, Ta/batsohnik und Baum sowie der Vizepräsident der zionistischen Föderation Argentiniens Dr. .Nissensohn. Auch der künstlerische Teil der Feier und insbesondere der Aufmarsch des gesamten Betar von Buenos Aires hinteriließen einen giuten Eindruck auf die Anwesenden." Die Netzivut von Buenos Aires berdohtet des weiteren über die von der neugegründeten faschistischen Partei Argentiniens mit offenkundigen Pogromabsddhten veranstaltete Straßendemonstration. Im Gagensatz zum Jahre 1919, wo eine solche Demonstration zu einem Pogrom führte, in dessen Folge viele Juden ihr Leiben ließen und jüdisches Eigentum gepilü'tflert wurde, wurde diesmal u n i e r d e r F ü h r u n g deß Brith Trumpeldor ein jüdischer Selbstschutz gebildet, dessen Existenz genügte, um einerseits ernstere Zwischenfälle ziu vermeiden, anderseits der jüdischen Bevölkerung der Stadt ein Gefühl der Sicherheit zu verleihen. . Brief aus China Die Katastrophe in Charbin — Heldenhafte Arbeit des Brith Trumpeldor Aus Charbin wird der „Neuen Welt" berichtet: Die seit Jahren zwischen China und Japan tobende Schlacht und der ewige Bürgerkrieg haben die ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung des Fernen Ostens schwer erschüttert. Besonders arg ist die Lage in Charbin. Die 12.000 Seelen zählende jüdische Gemeinde, zum größten Teil russische Juden, befindet sich in größter Not. Noch vor wenigen Jahren war die Judengemeinde Charbin eine blühende Oase im Fernen Osten. Viele jüdische religiöse und kulturelle Institutionen sorgten für die Erhaltung des jüdischen Geistes. Die Gemeinde zeichnete sich durch besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl aus. Auch für den Aufbau Palästinas leisteten die Juden Chinas vieles. Nun ist noch eine Naturkatastrophe über die Gemeinden hereingebrochen. Eine große Ueberschwemmung hat die Stadt Chanbin zerstörend heimgesucht. Viele Menschenopfer, unter ihnen viele jüdische, sind zu beklagen. Fast alle jüdischen Anstalten der Stadt Charbin — die neuerbaute Synagoge, das jüdische Speisehaus, das jüdische Gymnasium und das Greisenasyl — sind überschwemmt und fast zerstört. Tausende jüdischer Seelen sind obdachlos. Sie übernachten auf der Straße und den Dächern der Häuser. Dazu kommen noch Kälte, Hunger, Krankheiten und eine Choleraepidemie. Sofort nach dem Ausbruch der Katastrophe wurde ein Hilfs- und Rettungskomitee gegründet. Das japanische Oberkommando rief ein Aerztekomitee ins Leben, um die Choleraepidemie zu bekämpfen. Der jüdische Arzt und bekannte Zionistenf{ihrer Dr. Kaufmann wurde zum Leiter ernannt. Die Leitung der Rettung der Juden aus den überschwemmten Gebieten wurde dem Brith Trumpeldor übertrogen. Unter übermenschlichen Anstrengungen leisteten die Jungen des Brith-Trumpeldor diie Rettun gsarbeit. Auf selbstgezimmerten Booten drangen sie zu den Häusern der Ueberschwemmten vor und trugen Greise, Frauen und Kinder durch die Fluten in sichere Gebiete. Einige der Retter liegen jetzt gänzlich zusammengebrochen darnieder. Ihre Leistung wird von allen Schichten der Bevölkerung als wahres Heldentum gefeiert. Zum Dank für ihre Tätigkeit hat der Monatlich S 60 1 Herbst Anzug 1 Winter- „ 1 Frühjahrs- „ 1 Sommer- „ 1 Herbst-Ueberrock Weitere Abonnements zu S 80.-, 96.-, 108- Abonnementdauer 2 JahrG (mit Auflösungsrecht) K Bezugsberechtigung nach Bezahlung von 2 Monatsbeiträgen Die gelieferten Kleider sind nicht zu retournieren Pflege der Kleider im Abonnement inbegriffen Wirklich erstkl. englische Stoffe und Zubehöre mit zweijähriger Garantie ss- SS I p e i I i g & 6o. § ÄStntaetntafte 9, einsang ÜBeiüdurggaffe 1, wtmnin. t* mmm I ^IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH Stadtrat von Charbin beschlossen, allen Jungen des Brith Trumpeldor das Schulgeld für dieses Jahr zu erlassen. Nachdem jetzt alle Mittel erschöpft sind, wendet sich der jüdisohe Rettungsausschuß mit einem Aufruf an die Judenheit der ganzen Welt. In diesem Aufruf heißt es u. a.: „Wir wissen, daß die Juden in der ganzen Welt leiden. Bei uns gilt es aber, viele Hunderte vor dem Tode zu retten. Wir hoffen auf sofortige Hilfe!" Die Judengemeinde in Schanghai entsandte eine Hilfskommission nach Charbin. Allein die Wiederherstellung der jüdischen Institutionen wird viele tausend Dollars kosten. Eine [besondere Plage bildet das Bandenwesen. Plünderung, Mord und Entführung sind ständige Tagesereignisse. So wurde der jüdische Schachter der Stadt bei einer Ausfahrt zum Schlachthaus, das außerhalb der Stadt liegt, von Banditen ermor.iet. Die Behörden sind machtlos. Die Juden müssen den Schutz ihres Lebens und Eigentums selbst besorgen. Die in Charbin erscheinende jüdisch-zionistische Zeitung „Ewrejskaja-Schizn" erteilt Auskünfte über das Befinden von Freunden und Verwandten in Charbin. Elise mannhafte Antwort Aus Johannesburg (Südafrika) wird gemeldet: In letzter Zeit wurde seitens a n t i z i o n i s t i s f;h eingestellter jüdischer Kreise gegen die Zionisten der Vorwurf erhoben, daß sie in diesen schweren Zeiten so viel Geld, im Wege des Jüdischen Nationalfonds und des Keren Hajessod außer Landes nach Palästina schicken. Dadurch kämen die lokalen jüdischen Institutionen zu kurz. Die antisemitische Presse hat diese Anklage freudig aufgegriffen und gegen die Juden die Beschuldigung erhoben, daß sie auf diese Weise heimisches Kapital exportieren. Einer der bekanntesten Zionisten Südafrikas, Michael H a s k e 1, hat in einem Schreiiben an die Presse, das in vielen Zeitungen veröffentlicht wurde, sowohl den Assimilanten als den Antisemiten geantwortet. Er hat festgestellt, daß die kleine Gruppe der entnationalisierten Juden in Südafrika, die für Palästina nichts hergeben, auch für lokale jüdische Zwecke schandhaft wenig leisten. Den Antisemiten antwortete er, er habe sich durch die Angriffe auf die Zionisten bewogen gefühlt, außer seinen regelmäßigen Beitragen zu den zionistischen Fonds einen Sonderbeitrag von 500 Pfund dem Keren Kajemeth zwecks Auslosung von Boden in Palästina für die Juden zuzuführen. Der Zionismus sei weder eine philanthropische noch eine karitative Bewegung, sondern er hat zum Ziele, das vom Völkerbund anerkannte jüdische Nationalheim aufzubauen. Die für diesen Zweck von der südafrikanischen Judenheit aufgebrachten Summen sind das mindeste, das ein sich selbst achtendes Volk zur Verwirklichung eines Planes tun könne, der auf die Regeneration des alten Volkes auf seinem alten Boden und die Wiedererrichtung eines jüdischen Staatswesens in Palästina hinausgeht. Die fortschrittlcihe Presse gab Haskels Brief mit wohlwollenden Kommentaren wieder. Michael Haskel ist Judenstaatler und Anhänger des Zionismus-Revisionismus. Er ist Gründer und Obmann des „Nordau-Klubs" an Südafrika, dessen Aufgabe ist, die allgemeinen Zionisten dem Programm des Revisionismus näherzubringen. Rückgang der jüdischen Bevölkerung Wien: Der statistische Ausweis des Matrikenamtes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien für die Monate Juni, Juli und August dieses Jahres weist folgende Daten auf: I Zahl der Trauungen: 283. 1 Zahl der Scheidungen: 78. Zahl der Geburten: 258, davon 134 männlich, 124 weiblich. , Zahl der Sterbefälle: 599. Zahl der Austritte aus dem Judentume: 192. Zahlsder Eintritte in das Judentum: 64. ( <,~ Berlin: Nach den soeben bekanntgegebenen statistischen Erhebungen betrug die Zahl der bei den Berliner. Amtsgerichten im Jahre 1931 abgegebenen Kirchenaustrittserklärungen 79.274 gegen 66.635 im Jahre 1930. Das entspricht einer Zunahme von 19 Prozent. . Die stärksten Verluste hatte die evangelis c'h.e Kirche. 71.102 Menschen halben ihr im letzten Jahre den. Rücken gekehrt, gegen 59.255 im Jahre 1930, 50.490..luv Jahre 1929 und 46.030 im Jahre 1928. Sieber hat die Wirtschaftskrise großen Anteil an diesen Verlusten. Das geht aus folgenden Vergleichsziffern hervor: Setzen wir im Jahre 1928 die Zahl der Austritte mit 100 au, dansv ergeben sich für 1929 fast 110, 1930 fast 129 und 1931, über 154. Geringer sind die Verluste der Katholiken. Sie betrugen 1931: 7450 gegen 6794 im Jahre 1930, 6570 im Jahre 1929 und 5595 im Jahre 1928. Wenngleich die Steigerung gegenüber 1928 immerhin 33 Prozent betragt, ist sie nicht so sprunghaft; vor allem ist die Spanne zwischen 1930 und 1931 nur 9,5 Prozent gegen 20 Prozent bei den Protestanten. ' / Die jüdische Austrittsziffer war in den letzten Jahren ungefähr konstant gewesen: 1927 : 559, 1928 : 556. 1929: 579, 1930: 586. Sie sprang im vergangenen Jahr« auf 722, ist also um 23 Prozent höher als die Ziffer von 1930, und der Zuwachs übersteigt somit den protestantischen. Schweizer Bundesgericht verbietet antisemitische Zeitungen Seit November 1931 gibt eine unter dem Namen „Nationale Front" politisch tätige Vereinigung die den deutschen Nationalsozialisten nahesteht, in Zürich ein eigenes Blatt unter dem Namen „Der Eise;rn,e Besen" heraus. Im Hinblick auf seine außerordentlic,h heftige antisemitische Einstellung und Sprache ist im Kanton St. Gallen durch eine Verfügung des Regienungsrates vom 11. Juni 1932 der Vertrieb des Blattes durch' Kolporteure (Zeitungsverkäufer) für das ganize Kantongebiet untersagt worden. Hiegegen ist. von der „Nationalen Front" beim Bundesgericht eine staatsrechtliche Beschwerde eingereicht worden mit dem Begehren, es sei das erwähnte Verbot als unvereinbar mit den Art. 4, 31 und 55 der Bundesverfassung aufzubeben. Die staatsrechtliche Abteilung des Bundesgerichies hat indessen den Rekurs in ihrer heutigen Sitzung als unbegründet abgewiesen. "Wiederum eine Friedhofschän4nng . Auf dem alten jüdischen Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde Aschbach (Bayern) wurden in'einer der letzten Nächte drei Grabsteine umgeworfen, von denen zwei vollständig zertrümmert sind. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die thüringische Regierung beschließt ein Schächtverbot Die thüringische Regierung hat einem Gesetzentwurf über den Tierschutz zugestimmt» wonach 4w betäubungslose Schlachten von Tieren, dae „S c h ä e hr ten", in Thüringen verboten wird. Für das Wirtschaffer ministerium ist die Befugnis vorgesehen, alle ihm Röt. eignet erscheinenden Maßnahmen zur Verhütung .Von Mißhandlung und Quälerei von Tieren zu ©rtewe-n. ■ *

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