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Die neue Welt · 1932-10-14 · Heft 265 (14.10.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 265 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SHte 4 DIE NEtÄJ WELT Nr. 265 i Hon der Ztonisten-Rcvhtoimten Mittwoch, d«n 19. Oktober 1932, V«9 Uhr.abends, im Heril-Saal des Werbandtheims, (I., Untere Augartenstraße 38 Versammlung Gegenstand: Der Sturm gegen den Revfefoirfsmus — Re vis i'om§fi'$die Union und Zion. Weltorganisation Einleitendes Referat: Oberbaurat Robert Stricker Regiebeitrag 20 g ' Freie Aussprache! Richard Liditheim über die Frage der zionfcffedien Disziplin - Die offiziell eingestellten zionistischen Zeitungen, d. hVdie linken und einige 'allgemein-zionistische, haben nach, der Wiener Weltkonferenz der Zionisten-Jtevisionisf^n Alarm, geschlagen und nicht mejlir und nicht weniger als den Ausschluß der Revisionisten aus der;Zionistischen Weltorganisation (Z, J0\). . gefördert. Grund: Die Revisionisten hohen sich von der Disziplin der Z. 0. losgesagt und den Piimat, die Allein- Geltung der revisionistischen Disziplin beschlossen. Kronzeuge: 'Richard;Hichiheim, der langjährige Vizepräsident der revisionistischen Union, der wegen des in Wien vollzogenen „Dis zip1 inb rucJiee" seine Stollen in dßi^ Üniori'(niedergelegt und siah von ihr losgesagt hat.-In Wirklichkeit ist in Wien kein Primat irgendeiner Disziplin ausgesprochen worden und Richard Lichtheim hat sich von der Union nicht losgesagt. (Er i©t auch in der Leitung der Union an Deutschland, deren Vorsitz er niedergelegt hat, verblieben.) Er wt in die Opposition gegangen, abernicht wegen-des .XW^iplinirtaahes"; sondern aus '■ Gründen politischer Natur. Uebrigens* nimmt jetzt Richard Li ch t h e im in der Berliner „Jüdischen Rundschau" selbst das Wort uatf ifrcfärelbtt über '' f^evisiouismus! und. zionistische Dia^lin" u. .a, wV-fölgtf: '; - mehr sich die zionistische Presse imt den Beadhliteseitf vön Calais, London und Wien befaßt, tum so' größer wird die V e r w i r .r u n g. Da1 irrige Meldungen voo'-adlen -Seiifen1 kommen, 'sei 4ieY*>a^---Sa^verhasß nod^'ls';!zi£sanmeiffaii.send'' dargestellt?- '; '•''• v Li Gal'ais wunde beschlossen, daß die; ' Revimonistisphe Union künftig S c h e k ei 1 z a h ] e r wie Nicihi- S c h e k e 1 z a" h 1 et umfasse ' (sofern sie das revisionistische Programm, anerkennen) und daß alle Revisionisten der Dkziplin der Union unterstehen. ^/Ih,W;i'en wurden diie genannten Besciliiiiisi^e von Calais bestätigt. Ein Beschluß über' den Vora-ang (Pritaat)' der. revisiomstisöhen Di&aipilin gegenüber der Dris'Ziplin der Zionistischen;Organ'isatiiöji wurde nicht gefaßt.' ' ' "' ' '' ' . Was wurde inLon don beschlossen, was haben die revisionistischen A.'-C.-Mitglieder.' ' angenommen und warf haben sie bekämpft? Angenö.mmeh halben sie den ' gpuindsätziiiclien' Disziglinbeschluß,. welcheV lautet: ,yDie Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation setzt dde Unterordnung unter ihre Gesetze und die BescMüsse ihrer leitenden Instanzen voraus." Die A.-C.-Fraiktiion der- Revisionisten war einmütig der Auffassung, daß dieser Beschluß annehmbar und. unter den. gegebenen Umstünden unvermeidlich sei.: Eis. haben daher fünf Mitglieder der j-evisionistisohen Fraktion für diesen Beschluß gestimmt, während die übrigen fünf vowar .nicht, dafür, aber auch niclii dagegen, stimmten. Es wurden dann aber, noch weitere Beschlüsse gefaßt,, die 6ich auf die Führung außenpolitischer Verhandlungen, auf politische Sonderaktionen, auf . den Vorrang (Primat) der zionistischen' Disziplin und auf S t r a f m a ß n a ih m e n im Falle der Disziplin Verletzung bezogen., .,_'.. , . Gegen diese Binzelbestimraungen, welche nach unserer Auffassung teils zu weitgehend, teils mit dem Statut der Z. O.. unvereinbar e rech einen, i«< die revisionistische .Fraktion aufgetretein. Mit vollem Hecht hat sie dagegen protestiert, daß eine auf freiwilliger Miarbeit beruhende politische Organisation ein Disziplinarrecht zu' schaffen sucht, das eine in der Praxis völlig .undurchführbare Bevdrmund » n g de r Zi o Ii i s t en anstrebt.' Es ist daher ein" Irrtum, wenn die . Jüdische Kundscliau" in Nr. 76'sahreibt: „Der Beschluß des A.C., der auch rflit den Stimmender revisionistischen M i t g 1 i e d e r angenommen wurde, «teilLte eindeutig .fest, daß die Disziplin gegenüber der Zionistischen Weltorganisation unbedingt den Vorrang h a t" Für diesen .,Priimat''-BeschJluß des A, C. haben die Revisionisten, nicht gestimmt. Dagegen haben sie den Onitidsatz der zionistischen OrganisationsdiszipHn als 'twifcheh anerkannt..' ' Aus diesen. Vorgängen ergibt sich, daß die revivionii.t.ischtMi. Sehekelzahler «ich zur Disziplin einerseits gegenüber der Z. O., anderseits gegenüber der Revisionistischen Union verpflichtet haben. Die beiden vom Die große Prämie der Klassen* e lotlene Bei der am 4. d. M. stattgefundenen Schlußwieihung der 5. Klasse der 27. Klassenlotterie wurde die große Prämie von S 500.000 wieder von acht glücklichen Kunden der Firma S c h w a 1 m & Comp, gewonnen. Bestellungen zur i. Klasse der 28. Lotterie ehestens entweder per Postkarte oder an unserem Schalter, Wien, L, Reichsratsstraße 11, bzw. telephonisch. A-29-2-31, erlbeten. wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmamm- Rfvisianismitis anerkannten Disaiplimbeschlüsse stehen unvermittdlt nebeneinander, ohne Bezugnahme dÖ6 einen auf den anderen und ohne Anerkennung des „Primats" der einen gegenüber der anderen Disziplin. Es ist völlig verfehlt, aus der Tatsache dieser „doppel-' teil .Disziplin" den Schluß zu zielion, daß der Revisionismus in einen unlösbaren Konflikt mit der Z. O. geraten . müsse. Jeder Zionist anerkennt eine „mehrfache" Disziplin dur,ah seine Zugehörigkeit zu verschiedenen Verlbänden und Vereinen.' Der Misraohisf muß. sich den Beschlüssen des Miisrachi und der Z. O. fügen., Ob die beiden Disziplinen in Konflikt geraten, ist Sache' der Praxis, nicht des Prinzips.- Eine Verletznng der offiziell anerkannten örgattisationsdiszipilin seitens eines politisch-zionistischen "Verbandes ist immer möglich und duVch'Paragrapiien nicht zu vermeiden, wenn sie zur Gewisse n s f ra g e wird. Je mehr sich der offizielle Zionismus den revisionistischen Gedankengängen nähert, desto geringer wird die Gefahr eines solchen Diszipiinibruchs. Je feindseliger tsich die zionistische Leitung zum Revisionismus stellt, desto eher wird , die Union geneigt sein, ihre eigenen Wege zu gehen. Ich bin angesichts der Wiener Beschlüsse in die Opposition gegangen — nicht wegen der ,/lopp'el t en-D-is'z'ip 1 in", die mich wenig kümmert, sondern wegen der Unklarheit über den künftigen Weg der Union. Ich wollte Klarheit daa-über, daß die Revisionisten -SohekeksaHlef sind, in der Z. O. einen Sondorverband bilden und den Zionismus von innenher trobern wollen Die Mehrheit ■ der. Revisionisien hat die gleichen Wünsche wie ich — niur wulltc sie d ie von mir geforderte . Klarheit nicht, schaffen. Calais wurde bestätigt —*. was,praktisch bedeutet, -.daß .die beiden Richtungen vereint bleiben, aber yersphiedeue Wege gehen wollen — eine sehr schwer zu. lösende!~Aufgabe. •. x ,. j-^, " -r;-'; In der Entscheidung zwischen '4ies.en ..beiden •Richtungen liegt das Schicksal des Revisionismus be- .'scMossen. Zugleich wird diese Entscheidung für die Zukunft der Z. O. von größter Bedeutung sein. Die vielerörterte Frage der „doppelten Disziplin" ist demgegenüber von ganz untergeordneter Bedeutung. Man beendige diese •'ülbenfiliißsigefDiskussion. Man •warte ab, ob in der Praxis die beiden Disziplinen aufeinanderstoßen, und konstruiere nicht Probleme, die bei nur theoretischer Betrachtungsweise nicht die Tinte wert sind, die darum verspritzt wurde." . Bei Gallen- und Leberieiden, Gallensteinen und Gelbsucht regelt das natürliche „Franz-Josef-Bitterwasser die Verdauung in geradezu .Vollkommener Weise. Eine traurige Lotterie! Von mehreren polnischen Universitäten eintreffende Mitteilungen besagen, daß der Numerus clausus an den polnischen Universitäten und Hochschulen, der gesetzlich nicht besteht, aber in der Praxis seit mehreren. Jahren angewendet wird, zu Beginn des neuen Hochschuljahres ganz offen und gewissermaßen halb offiz i.e 11 in Erscheinung getreten ist. Wie schon mitgeteilt, wurden an -der medizinischen Fakultät der Warschauer Universität Juden nur im Verhältnis von 11 zu 100 ,der : Gesamtstudentenschaft aufgenommen. In Lemberg wurden von 120 jüdischen Medizin-Aspiranten nur 12 aufgenommen; diese 12 machen nicht einmal 10 Prozent der gesamten aufgenommenen Hörerschaft aus. In Krakau, wo der Andrang jüdischer Studierender an der medizinischen Fakultät groß war, hat der Dekan der Fakultät folgendes bestimmt: Unter den 130 neu aufzunehmenden Hörern dürfen nur 15, also 12 Prozent, Juden sein, da die Juden in Polen .12 Prozent der allgemeinen Bevölkerung ausmachen. Vier Söhne jüdischer Aerzte. seien sofort äufzun e h m en, w ährend die übrigen 1.1 au f zun e h m e n d cn Juden durch das Los best i in m t werden s o 11 en. Der Dekan ließ eine Abordnung der jüdischen Kandidaten zu sich kommen, damit sie der Auslosung beiwohnen. Es wurden von den jüdischen Kandidaten tatsächlich 11 ausgelöst,' den übrigen wurde erklärt, daß sie nicht mehr aufgenommen werden würden, weil die jüdische Prozentn'orm erreicht sei. : * Diese „Loüerie" bedeutet einen brutalen Bruch des Gesetzes, einen Hohn auf die „Gleichberechtigung". Immerhin aber doch noch einen Vorteil gegenüber der bisherigen Praxis, die aus der Gemeinheit noch ein „Geschäft" machte. Bisher kamen nur diejenigen, jüdischen Studenten dran, deren Angehörige sich die Sache viel Geld kosten lassen konnten. TeI*fflaj*Fond$ Sein Zweck: Für die jüdische Jugendl — Sie sei treu ihrem Volkstum — fähig und bereit zur Selbstwehr — hier und in Palästina! Der Tel-Haj-Fonds ist der Fonds für die jüdische Jugend. Sie dem Judentume zu erhalten, ist seine Hauptbestiramung. Der Fonds schafft und unterstützt solche Institutionen, Verbände usw.,' welche die jüdische Jugend körperlich ausbilden und geistig nns Judentum binden, sie frei halten von den heute so mächtigen Einflüssen .fremder Organisationen — nntionalpolitischer und klassenkämpferischer —, welche den Abfall vom Judentume, die Preisgabe des jüdischen Ideals fördern und fordern. Die Tel-Haj-Streichholzschachtel Sie ist eines der wichtigsten Sammelmittel des Fonds. Sie trägt die oben abgebildeten Anschriften. Aus benützten, leeren Streichholzschachteln stellen die jugendlichen Mitarbeiter des Fonds die gefällig wirkenden kleinen Sammelbüchsen her, die jeder Freund des Fonds bei sich trägt. Sie kosten nichts und sind bei der Sammelstelle des Landes anzufordern. Sammelstelle Oesterreich Fondskommissär: Siegfried Graubart, Wien, I., Sterngasse 3. — Sekretariat: II., Untere Augartenstrafie 38. Tel. A-45-6-34. . 1. Spendenausweis. A. Kohn, Wien, I...S 20; P. Kolisch durch Geller 20; Dr. K. Pollak 50; Dr. Plaschkes 10; Frau Königstein durch Frey 50; K. Glasberg 5; Grete Körner, St. Pölten 5; Hei. Duldig, Wien, VII., 3; Konditorei der Weltkonferenz 155.65". — Summe S 316.65. i. Ergebnis der Tel-Chaj-Streichholzschachteln. David ' NebenzahU. S 45.80; J. Birnbaum 3.09; Dr.; D. Bukspan 9.39; Dr. O. Bukspan 6.45; J. Fränkel 1.52; Theodor Grubner 18.76; Hermann Hellmann 1.22; Ella Kraus 1.84; Lilly Pollak 6.05; Fritz Richter 28.59; J.. Schwarz 10.86; L. Sitzmann 3.87; Oberbaurat Stricker 13.84; Said Walter 1.45; Alfred •Wildmarin —.75; V. Wühl 4.41. — Summe: S 157.89. Wozu brauchen wir den TelsHaj's Fonds? Faschistische Pogromliga und Jüdischer Selbstschutz in , Argentinien. ' : .' Aus BueJi oa'. Aires wird der „Neuen Welt" 'berichtet: , Die Juden von Buenos Aires halben eine Woche von Panik und Pogrom-angst hinter sich — als Reflex eines faschistischen' antikomimunistischen Meetings, für das in großzügigster Weise Stimmung gemacht wurde. Zeitungen, Radio,. Auto und Flugzeug wurden in den Dienst der Propaganda gestellt, aber . das Fazit war der Aufmarsch von rund 8000 Menschen, einer äußerst geringen Zahl in der' Millionenstadt Buenos Aires. Nicht . so sehr diese faschdstisci-cha'unTmistische Demonstration stand im Vordergrund des Interesses wie vielmehr die Frage, ob hier eine antisemitische Organisation besteht, welche . die jüdische Sicherheit und Existenz bedrohen könnte, ob die Gefahr brutaler Anfälle vorhanden war, und ob es notwendig war., von einer antisemitischen Welle zu sprechen und an die Regierung eine1 Delegation zu schicken, welche zu deklarieren hatte, daß die Judenbeit von Buenos Aires als solche keinetlei Beziehung, zum Komimun.isanus habe, und oh sabüiiefilich die Bildung eines jüdischen Sellbsitschut.izes erforderlich, war. ... Auf diese Fragen kann man hier verschiedene Antworten bekommen.' Es gibt viele Menschen, die einen Antisemitismus .in Argentinien leugnen, und ebensoviele, die behaupten, ihn auf Schritt und Tritt zu spüren. Wir sehen ein Bild mit doppeltem Gesicht. So rekommandiert eine Zeitung ihren Lesern dde .^Protokolle der Weisen von Zion", es gäbt antijüdische Tendenzen an der medizinischen Fakultät der Buenos-Aires-Universität; andererseits wieder waren bisher die zahlreichen jüdischen Schriftsteller und Lehrer keinerlei Angriffen ausgesetzt. Tatsächlich waren in jüdischen Kreisen die Unruhe und - Befürchtung von antisemitischen Exzessen vorhanden. Wie immer man auch die Stimmung und Berechtigung von Gefahrmögliohjkeiten beuiriteilen mag — iman muß jedenfalls anerkennen, daß unsere Jugend, besonders die eingeborene argentinische, entschlossen war, jüdische Ehre und jüdisches Leben um den Preis des eigenen Lebens zu verteidigen. Sie ist beispielgebend für alle diejenigen, die von anderer Seite Schutz erwartet haben. Hieziu berichtet ans der Netzivut Betar (die Leitung der Trumpeldor-Oi-ganisation) aus Argentinien: „Am Sonntag, den 4. Septemlber, veranstalteten

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